Ein Herz aus Stein für den Austrofaschisten Haider

Kärnten ist das Bayern Österreichs. Hier ist die deutschnationale Welt noch in Ordnung und wird befeuert von einem umtriebigen Antislawismus und Antikommunismus. Ein größerer Teil der deutschsprachigen Bevölkerung Kärntens ist deutschnational orientiert und sah und sieht sich in der Tradition eines Grenzkampfes mit den Slowenen und den Tito-Partisan_innen. Allgemein ist Kärnten stark ländlich und traditionalistisch geprägt. Hier wirbt auch die sozialdemokratische SPÖ noch 2012 mit einem identitären: „Du bist Kärnten!“.
Kein Wunder, dass so eine Gegend einen Mann wie Jörg Haider hervor- und hochbrachte. Mit seiner Hetze gegen Slowen_innen, Asylbewerber_innen und Linke schaffte Haider es in Kärnten Mehrheiten hinter sich zu scharen. Er sprach einfach auch die Kärntner Volksseele an. Auf Österreich-Ebene konnte Haider nicht durchgängig glänzen. Seit 1976 Mitglied der FPÖ führte er die zeitweilig nationalliberale Partei erfolgreich wieder zurück auf den rechtspopulistischen und deutschnationalen Weg, aber sein Erfolg war nicht durchgängig. Am erfolgreichsten blieb er in Kärnten. Hier war er seit 1983 FPÖ-Landesobmann. Während seine FPÖ-Abspaltung „Bündnis Zukunft Österreich“ (BZÖ) überall sonst scheiterte, so nicht in Kärnten. Hier war er BZÖ-Landesobmann und Landeshauptmann, also Ministerpräsident. Hier wählten die Leute weniger FPÖ oder BZÖ, sondern „ihren“ Jörg. In Kärnten inszenierte sich Haider erfolgreich als „Volkstribun“ für „den kleinen Mann“ gegen „die da oben“. Dass er dabei einen VW Phaeton fuhr, störte nicht. Schon eher störte es viele Anhänger_innen, als er ihn Ende 2008 gegen eine Leitplanke setzte und starb.
Doch auch um den toten Haider (1950-2008) bildete sich schnell ein Kult. Zehntausende erwiesen dem bekennenden deutschnationalen Burschenschafter und SS-Sympathisanten das letzte Geleit. An seinem Unfallort bei Klagenfurt gibt es bis heute Gegenstände der Liebes- und Sympathie-Bekundung bzw. Grabbeilagen. Hier mal ein Eindruck:

Haider-Unfallstelle a

Haider-Unfallstelle b

Haider-Unfallstelle c

Haider-Unfallstelle d

Haider-Unfallstelle e

Haider-Unfallstelle f

Haider-unfallstelle g

Haider-Unfallstelle h

Haider-Unfallstelle i

Preußens Glanz und Gloria – Mythos Friedrich der Große

Friedrich der Große - Sockel
Der „Friedrich der Große“ wäre dieses Jahr 300 Jahre alt geworden. Da war allerhand Glorifizierung des „Alten Fritz“ und Preußen-Sympathie zu hören und zu lesen. Teile des Establishments, aber auch der extremen Rechten brachten ihre Liebeserklärungen in diese Richtung vor.
Diese „Vorkämpfer einer Verpreußung“ versuchen Friedrich den Großen für ihre Angelegenheiten nutzbar zu machen. Besonders oft ist dabei die Rede von „preußischen Werten“. Meist sind damit Sekundärtugenden wie Fleiß, Ordnung, Sauberkeit, Disziplin gemeint. Das sind nicht nur altertümliche Werte, sie können auch an bestimmte Zwecke gebunden werden, die gefährlich bis schlecht sind. Disziplin als Wert für sich in einer Verbrecher-Armee wie der Wehrmacht ist nichts Gutes. So sind die von Konservativen hoch gelobten „preußischen Tugenden“ nicht nur altbacken, sondern auch höchst gefährlich.
Die Brauchbarmachung von Preußen und seinen Protagonisten durch die Nazis, etwa in dem Film „Fridericus Rex“ von 1936, ist daher kein Missbrauch, sondern eine Möglichkeit „preußische Tugenden“ zu interpretieren.
Nicht nur die Nazis, sogar die realsozialistische DDR versuchte sich Preußens Erbe zu bemächtigen. In den 1980er Jahren schrieb der DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker einen Brief an das damalige Oberhaupt des Hauses Hohenzollern, Prinz Louis Ferdinand, mit der Anrede „Kaiserliche Hoheit“. Honecker bat darum, den Sarg König Friedrichs II. von der Burg Hohenzollern nach Potsdam zu überführen, was jedoch abgelehnt wurde. Gegen ihr Ende hin, wurde die DDR immer mehr zu einem „roten Preußen“. Im Jahr 1980 kehrte sogar das Standbild von „Friedrich dem Großen“ nach Berlin Unter die Linden zurück. Im „Arbeiter- und Bauern-Staat“ ignorierte man also, wer die Bäuerinnen und Bauern über Jahrhunderte beherrscht und ausgepresst hat. Auch der aufgeklärte Absolutismus eines Friedrichs des Großen bleibt ein Absolutismus. Schon seltsam. Es sind die Nachfahren der Unterdrückten, die plötzlich für den Unterdrücker ihrer Vorfahren schwärmen.

In der extremen Rechten wurde Preußen und Friedrich der Große vor ein paar Jahren vor allem von der rechtspopulistischen Pro-Bewegung in Berlin wiederentdeckt. Dabei ist für die Pro-Bewegung mit ihrem Hauptfeindbild Islam gerade Friedrich der Große eher nicht so gut nutzbar. Der Monarch war nämlich, mit Ausnahme der Jüdinnen und Juden, vergleichsweise tolerant gegenüber den verschiedenen Konfessionen und Religionen.

„Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, die sich bekennen, ehrliche Leute sind und wenn Türken kamen und hier im Lande wohnen, dann würden wir ihnen Moscheen bauen.“
Friedrich der Große

Neben der Pro-Bewegung versuchte auch die so genannte „Neue Rechte“ sich aus gegebenem Anlass an diesem Thema. Der neurechte thinktank „Institut für Staatspolitik“ (IfS) widmete sein „20. Berliner Kolleg“ am 21. Januar 2012 Friedrich dem Großen „zum 300. Geburtstag“. Die dabei gehaltenen Vorträge widmeten sich den Themen „Kann ein König heute Vorbild sein? Friedrich als gerechter Herrscher im Sinne Platons“, „Zwischen Prinz Eugen und Napoleon. Friedrich als Feldherr“, „»Nachruhm ist die wahre Unsterblichkeit der Seele«. Der Mythos von Friedrich dem Großen“ und „»Größe ist, was wir nicht sind«. Friedrich als großes Individuum“.

Friedrich der Große ziert auch das Cover des „Taschenkalender des Nationalen Widerstandes“ für 2012, der im NPD-eigenen „Deutsche Stimme“-Verlag erscheint und die Nazi-Klamottenmarke „Ansgar Aryan“ brachte ihn als Tshirt-Motiv heraus:

„LIMITED EDITION
ANSGAR ARYAN gedenkt einem weiteren Helden der deutschen Geschichte!
Disziplin, Standhaftigkeit und Vaterlandstreue waren seine Werte.
Zum 300jährigen Jubiläum erinnern wir auf diese Weise an „Friedrich den Großen“ – König von Preußen.“

Ansgar Aryan Tishirt zu Friedrich der Große

Das braune Magazin „Deutsche Geschichte“ widmete ihm sogar ein ganzes Sonderheft. Sonderheft. Das Geschichtsmagazin „Deutsche Geschichte“ (DG) erscheint zweimonatlich (Auflage: 5-10.000). Es kommt aus dem extrem rechten Druffel- und Vowickel-Verlag von Gert Sudholt und ist auch gegenwartspolitisch orientiert. Das liegt auch daran, dass das rechtsextreme Magazin „Opposition“ 2002 mit „Deutsche Geschichte“ zusammengelegt wurde. In den alten DG-Ausgaben schrieben noch Gestalten des historischen Faschismus mit. Auch der Verlag in dem DG erscheint wurde von einem Altnazi gegründet. Helmut Sündermann, ehemals stellvertretender Reichspressechef, gründete 1952 den Druffel-Verlag und 1972 übernahm ihn sein Schwiegersohn Gert Sudholt.
Sonderheft Deutsche Geschichte zu Friedrich der Große

Interessant ist auch, was der Berufsschlesier Rudi Pawelka in einer Presseinformation der „Landsmannschaft Schlesien“ von 2012 schreibt:

„Auch wenn Friedrich II. Widersprüchlichkeiten vorgehalten werden können, bleibt er eine überragende Gestalt der deutschen Geschichte. Er war Reformer aus eigenem Antrieb. Er war Machtpolitiker in einer Zeit, in der Krieg für alle noch ein Mittel der Politik war. Unter seiner Regentschaft wuchs das preußische Staatsgebiet von 120 000 auf 200 000 qkm, die Bevölkerung gar von 2,5 Mio. auf 5,5 Mio. Für Franzosen gilt Napoleon noch immer als bedeutende Person ihrer Geschichte, auf die man stolz ist, obwohl er weite Teile Europas verwüstete. Auch den Deutschen stünde es gut an, sich nicht von einem Großen der Geschichte zu distanzieren.“

Durch Friedrich den Großen zu mehr Nationalstolz heißt also das Credo. Kritiker_innen des deutschen Nationalismus sollten diese Versuche, den deutschen Nationalismus durch Projektion und Bezug auf Preußen zu rehabilitieren, im Auge behalten und sich ihm bei Gelegenheit auch entgegen stellen.
Stern-Sonderausgabe zu Preußen

Grässliche Unterstützer und Kritiker

Zu dem Gedicht von Günter Grass wurde eigentlich schon genug Kritisches geschrieben. Offenbar gilt noch immer die alte Weisheit: Der Weg in die Hölle ist gepflastert mit guten Vorsätzen.

Die Reaktion von Israels Reaktion ist aber auch arg kindisch, das Einreiseverbot für Grass ist eine Aufwertung dieses Verfassers hölzerner Verse. Denn im Grunde ist „Was gesagt werden muß“ nicht nur Israelhass, sondern auch ein Stück schlechtes Gedicht und Aufmerksamkeitsgebell, was am besten ignoriert werden hätte sollen. Naja, zu spät.

Interessant ist wer sich für Grass und seine „Israelkritik“ stark macht und wer gegen Grass‘ antizionistische Besserwisserei Widerspruch einlegt. Auch unter den Kritiker_innen von Grass sind nicht nur Sympathieträger_innen. Hier eine Auswahl:

Für ihn:
National-Zeitung pro Grass
Jamals Karsli (grüner bzw. liberaler MdL a.D., Möllemann-supporter), Mahmud Ahmadinedschad (nicht einwandfrei demokratisch legitimierter iranischer „Staatspräsident“ und Holocaustleugner), Wolfgang Gehrcke (außenpolitischer Sprecher der Linkspartei, verglich Ende April 2008 die Lage der Palästinenser mit dem Warschauer Ghetto), Johano Strasser (Präsident des deutschen PEN-Zentrums), Klaus Staeck (Präsident der Akademie der Künste in Berlin), „Verband Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ (Vereinigung von Ex-Israelis, Palmenzweig für diverse Antizionisten), Jürgen Gansel (sächsischer NPD-Abgeordneter): „Günter Grass kommt im hohen Alter das Verdienst eines befreienden Tabubruches zu“, NPD-Landesverband Sachsen: „Günter Grass schlägt mächtige Schneise zur Kritik am jüdischen Aggressionsstaat“, Norbert Nieszery (Schweriner SPD-Fraktionschef), Jakob Augstein (ehemaliger Spiegel-Herausgeber, aktueller Herausgeber des “Freitag”), Adolf Muschg (Schweizer Schriftsteller), ??? (Irans Vize-Kulturminister): „Ich habe Ihr warnendes Gedicht gelesen, das auf so großartige Weise Ihre Menschlichkeit und Ihr Verantwortungsbewusstsein zum Ausdruck bringt“, Peter Strutynski (Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag), Werner Pirker (Autor und Leitartikler in der „jungen Welt“, agitierte bereits gegen die „Holocaust-Religion“): „wird die Benennung dieser kriegerischen Absicht durch den deutschen Literaturnobelpreisträger von der prozionistischen Meinungsmaschinerie als »antisemitische Verleumdung« denunziert“, Jürgen Elsässer (Nationalbolschewist), Ken Jebsen (Ex-Radiomoderator, schreibt von der „PR-Lüge des Holocaust“), die Piusbruderschaft, Veranstalter der bundesweiten Ostermärsche, Netzwerk Friedenskooperative in Bonn, Sigmar Gabriel (SPD-Chef): „Ich verstehe nicht, was daran so verwerflich sein soll, dass man Grass nicht nur die Einreise nach Israel verwehrt, sondern ihn auch in der politischen Kultur Deutschlands zur Persona non grata erklärt.“, das trotzkistische Duo International Students for Social Equality“ und „Partei für Soziale Gleichheit“ (PSG): „Stoppt die Kriegstreiber! Verteidigt Günter Grass!“, Rigolf Hennig (Holocaustleugner, NPD-Aktivist): „Grass hat dem zionistischen Flaggschiff Israel ein Leck verpaßt.“, „Bürgerbewegung Pro Sachsen e.V.“: „Günther Grass ruft das Volk zum Durchbrechen der politisch korrekten Schweigemauer auf.“,

Noch unentschieden:
Avi Primor (ehemaliger Botschafter Israels in Deutschland), Wolf Biermann (Liedermacher, ausgebürgerter DDR-Oppositioneller),

Gegen ihn:
Beate Klarsfeld (unabhängige Präsidentschaftskandidatin der Linkspartei), Henryk M. Broder (altgewordener Polemiker): „Prototypen des gepflegten Antisemiten“, Simon-Wiesenthal-Center, Tom Segev (israelischer Historiker, verfasste u.a. eine kritische Wiesenthal-Biografie), Eli Amir (israelischer Schriftsteller), Volker Bouffier (CDU, Hessens Ministerpräsident), Patrick Döring (Generalsekretär der Splitterpartei FDP), Ralf Mützenich (außenpolitischer Sprecher der SPD), Kerstin Müller (außenpolitische Sprecherin der Grünen), Volker Beck (grüner Bundestagsabgeordneter), Herta Müller (Nobelpreisträgerin), Benjamin Netanjahu (israelischer Premierminister), Dieter Graumann (Präsident des „Zentralrats der Juden in Deutschland“): „Günter Grass hat zwar die Waffen-SS verlassen. Aber offenbar hat die Judenfeindschaft der Waffen-SS Günter Grass doch niemals verlassen.“, Rafael Seligman (Herausgeber der Zeitung „Jewish Voice from Germany“), Michael Wolffsohn (deutsch-jüdischer Historiker, warf Galinski einst vor, mit der „Auschwitz-Keule“ zu arbeiten), Elie Wiesel (amerikanischer Schriftsteller und Holocaust-Überlebender), Mathias Döpfner (Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG), Frank Schirrmacher (FAZ-Herausgeber, entdeckte kürzlich linke „Kapitalismuskritik“ für sich), Michael Naumann (früherer Kulturstaatsminister, Chefredakteur des Magazins „Cicero“), Ralph Giordano (rühmlicher Veteran in der Antisemitismus-Bekämpfung, unrühmlicher Neuling beim Verbreiten antimuslimischer Ressentiments), Jigal Palmor (Sprecher des Außenministerium in Jerusalem), „Anti-Defamation League“, Junge Union Schleswig-Holstein: „Fehltritt an der Grenze zum Antisemitismus“, Andrea Nahles (SPD-Generalsekretärin): „irritierend und unangemessen“, Hermann Gröhe (CDU-Generalsekretär): „über die Tonlage, über die Ausrichtung dieses Gedichtes entsetzt“, Rupert Polanz (CDU): „Das Land, das uns Sorgen bereitet, ist der Iran. Davon lenkt sein Gedicht ab“, Rolf Hochhuth (Schriftsteller, verfasste für die „Junge Freiheit“ 1998 einen Nachruf auf Ernst Jünger): „Auch ich schäme mich als Deutscher Deiner anmaßenden Albernheit“, Marcel Reich-Ranicki (inoffizieller Papst der Literaturkritik), Guido Westerwelle (neoliberaler Bundesaußenminister): „Israel und Iran auf eine gleiche moralische Stufe zu stellen, ist nicht geistreich, sondern absurd“, Moshe Zimmermann (israelischer Historiker): „Es ist ein Gedicht das eigentlich »Israel ist unser Unglück« heißen müsste“, Hans-Jochen Jaschke (katholischer Hamburger Weihbischof),

Buchkritik „Linksextremismus in der Bundesrepublik Deutschland“, herausgegeben von Ulrich Dovermann

Vor der Aufdeckung der neonazistischen Mordserie wurde augenscheinlich gerade damit begonnen das neualte Feindbild „Linksextremismus“ wieder aufzubauen. Die Lahmlegung von U-Bahnen oder das Anzünden von Bundeswehr-Zubehör mussten für das Schreckgespenst vom „Linksterrorismus“ herhalten. Ob man solche Aktionen nun sympathisch findet oder nicht, aber der qualitative Unterschied und das Motiv dahinter sind doch sehr unterschiedlich im Vergleich zu den rassistischen Mordtaten des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU).
Nun wurde die heranrollende Anti-Extremismus-Welle durch die Offenlegung der mörderischen NSU-Taten als eine Art Wellenbrecher gebrochen, der auf eine grausame Weise den Unterschied zwischen extremen Rechten und radikalen Linken veranschaulichte. Trotzdem der Spiegel vom 14. November 2011 groß titelte „Die Braune Armee Fraktion“.
Allerdings werden sich nach dem erwartungsgemäßen Abklingen der Aufmerksamkeit für die Neonazis Politik und die Öffentlichkeit wohl auch dem Thema „Linksextremismus“ wieder zuwenden. Schon warnen einige Etablierte davor im Kampf gegen Rechts doch bitte nicht den „linken Extremismus“ zu vergessen.
Wenn das Feindbild „Linksextremismus“ ausgebaut werden soll, dann braucht es für diesen Ausbau ein gewisses Fundament. Dafür muss die Propaganda-Maschinerie gut geölt und angekurbelt werden. Solche Dienste übernimmt neben dem Verfassungsschutz gern auch mal die „Bundeszentrale für politische Bildung“ oder ihre Ableger, die jeweiligen Landeszentralen.
Sammelband über
Das Titelbild des Sammelbandes „Linksextremismus in der Bundesrepublik Deutschland“ (Bonn, 2011) ist schon Ironie für sich. Auf dem Buchcover ist der Strahl eines Wasserwerfers zu sehen, der gegen einzeln stehende Demonstranten gerichtet ist. Hier geht die Gewalt erkennbar von der Polizei und nicht von den Demonstrant_innen aus.
Dazu passt der Beitrag „Facetten des Extremismus – eine Begriffserklärung“ von Hans-Gerd Jaschke, in dem es heißt: „Die staatlichen Reaktionen folgten dem repressiven Arsenal der streitbaren Demokratie.“ (Seite 13). Weiter erklärt derselbe Autor offen: „Antikommunismus war in der Bundesrepublik bis zur Wende 1989/90 zu einer Art Staatsdoktrin geworden, die auch weite Teile der Medien und des gesellschaftlichen Lebens prägte.“ (Seite 13)
Danach ergeht sich Jaschke in mehr als zweifelhaften Analogien zwischen Kommunismus und Nationalsozialismus:

Der unbeirrbare Überlebenskampf – gegen die »Verräter« und »Ungläubigen« oder die »jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung« oder die »kapitalistische Ausbeutung« und den »Imperialismus« – und die Utopie einer »homogenen Volksgemeinschaft«, einer »klassenlosen Gesellschaft« oder eines »Gottesstaates« gelten nicht als diskussionswürdige Programme, sondern als substanzielle und unverrückbare Grundfesten des politischen Glaubensbekenntnisses.

(Seite 17)

Ob es inhaltlich evtl. einen Unterschied macht, ob man den antisemitischen Topos von der jüdischen Weltverschwörung oder den real existierenden und millionenfach todbringenden Kapitalismus bekämpft, wird nicht gesagt. In der Logik der Extremismus-Theorie wird nach Inhalten und Zielen kaum gefragt.
Immerhin gibt der Autor Jaschke zu, dass die staatliche Seite ihren Anteil an der Eskalation in Konflikten hat:

Insbesondere in der staatlichen Auseinandersetzung mit dem RAF-Terrorismus der 1970er Jahre können zahlreiche Eskalationen beobachtet werden: Je härter die Polizei vorgeht, desto stärker fühlen sich die Terroristen legitimiert. Extremistische Gewalt und staatliche Reaktion, auch auf den Ebenen der Justiz und Gesetzgebung, bilden ein Interaktionsgeflecht: Aktionen auf der einen Seite provozieren Reaktionen auf der anderen. In Berlin lässt sich jeweils zum 1. Mai beobachten, wie Aktionen der militanten autonomen Szene auch von den Aktions- und Reaktionsweisen der Polizei abhängen.

(Seite 27)

Interessanter liest sich da schon der Beitrag „Geschichte des linken Radikalismus 1945-1990“ (Seite 49-94) von Hubert Kleinert. Kleinert erinnert daran, dass schon vor dem staatlichen Kampf gegen „Linksextremismus“ innerhalb der dogmatischen Linken gegen „Linksradikale“, „Ultralinke“ und „Linksabweichler“ gekämpft wurde. Erinnert sei an Lenins programmatische Schrift „Linksradikalismus als Kinderkrankheit des Kommunismus“. Der Begriff „Linksradikalismus“ als Kampfbegriff stammt also nicht unbedingt vom Staat. Hubert Kleinert erwähnt in seiner „Geschichte des linken Radikalismus 1945-1990“ auch die Bedeutung der frühen Grünen:

Eine regelrechte Erschütterung erlebte diese Form der linken Radikalität durch die Erfolgsgeschichte der Grünen. Die breite Resonanz und Sogwirkung, welche die Entstehung und Entwicklung der Grünen auslöste, hat allmählich die Tragkraft linksradikaler Gesellschaftsbilder geschwächt. Indem sie eine Vielzahl von Repräsentanten solcher Vorstellungen dazu gebracht hat, sich auf die Spielregeln des Parlamentarismus mit seinen Zwängen zur Mehrheits- und Kompromissbildung einzulassen, hat sie Lernprozesse ermöglicht, die von den Spitzen der Partei bis an die Basis von Mitgliedern und Wählern nachvollzogen wurden.

(Seite 88)
Bei der Darstellung der RAF versucht der Autor wie viele andere auch diese Gruppe zu entpolitisieren und spricht von den „militanten Desperados der Roten Armee Fraktion“ (Seite 50). Man muss die RAF nicht mögen, um ihr einen politischen Charakter zuzugestehen.
Kleinert nennt auch die Unterscheidung zwischen Gewalt gegen Sachen und Gewalt gegen Personen „feinsinnig“ (63). Nach dieser Logik ist es lediglich ein „feinsinniger“ Unterschied ob Scheiben kaputt gehen oder Menschen durch Scheiben geworfen und damit ermordet werden.
In seiner ganzen „Geschichte des linken Radikalismus 1945-1990“ lässt Kleinert aber vor allem den historischen Kontexte stark unter den Tisch fallen. So vergisst er zu erwähnen, dass die linksradikale Geschichte der Bundesrepublik auch die Geschichte ihrer Repression ist.
So kam es in den Jahren 1951 bis zur Aussetzung 1968 in Westdeutschland zu massiven Kommunistenverfolgungen. Es wurden Ermittlungen gegen 125.000 mutmaßliche Kommunisten angestellt und etwa 7.000 wurden verurteilt, viele davon hatte jahrelange KZ-Haft hinter sich. Der rechte und antikommunistische Trend schlug sich auch anderswo nieder. Das am 18. September 1953 erlassene „Bundesergänzungsgesetz zur Entschädigung für die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung“ in der Bundesrepublik schließt Kommunisten generell von Wiedergutmachungsleistungen aus.
Einen alten Nazi zu ohrfeigen kostete Beate Klarsfeld ein Jahr ihres Lebens, aber ein alter Nazi, der hunderte Menschen erschlagen hatte, kam vor Gericht nicht selten davon.

Der Autor Gero Neubauer tanzt in seinem Beitrag „Von der SED/PDS zur Partei Die LINKE“ etwas aus der Reihe, er scheint nämlich das Extremismusmodell abzulehnen:

Das Konzept der sozialistischen Demokratie ist deshalb nicht mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung kompatibel, weil es die Macht einer Partei festschreibt und damit den demokratischen Wandel und Wechsel unmöglich macht.

(Seite 113)
Im nachfolgenden Beitrag spricht der Extremismus-Theoretiker Eckard Jesse dann aber wieder von der „militant antikapitalistisch wirkende[n] PDS“ (Seite 132).

Die nächsten beiden Beiträge stammen von dem Autor Armin Pfahl-Traughber, einer Person die aus der unabhängigen und antifaschistischen Linken kommt, aber zum Staatsdiener mutierte. Arbeitete Pfahl-Traughber ehemals für das „Zentrum Demokratische Kultur“, war ab 1994 wissenschaftlicher Mitarbeiter im „Bundesamt für Verfassungsschutz“ und ist seit 2004 Professor an der „Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung“ (FH Bund) in Brühl/Rheinland.
Pfahl-Traubgher erster Beitrag in dem Sammelband widmet sich dem Thema „Israelfeindschaft zwischen Antiimperialismus und Antisemitismus“. Durchaus richtig stellt er darin fest:

Die israelfeindliche Agitation kann angesichts ihrer Schärfe in einer judenfeindlichen Einstellung münden. Und die kritiklose Solidarität mit manchen Gegnern Israels in der Region bedeutet auch die Solidarität mit Antisemiten.

(Seite 156)
Dass Pfahl-Traubgher sich dem Thema „Israelfeindschaft zwischen Antiimperialismus und Antisemitismus“ widmet, entbehrt nicht einer gewissen Situationskomik. Der im selben Band mitschreibende Eckard Jesse, Professor für Politologie an der Technischen Universität Chemnitz, gab immerhin bereits einmal folgenden Satz von sich:
Auf Dauer dürfte Judenfeindlichkeit nicht zuletzt gerade wegen mancher Verhaltensweisen von Repräsentanten des Judentums an Bedeutung gewinnen.

Sowieso ist es seltsam wenn sich der Staat und seine Geheimdienste nur im Bereich außerparlamentarischen Linke und politischer Islam Antisemitismus bekämpft, aber beispielsweise im Verfassungsschutz-Bericht die ganze Piusbruderschaft mit keinem Wort erwähnt wird.

Der nächste Beitrag stammt von Carsten Koschmieder und wird mit einem Zitat von der verschwörungstheoretischen Hiphop-Combo „Die Bandbreite“ eingeführt. Es geht um „Die Entstehung der »Antideutschen«“. Der Beitrag behauptet u.a. „die“ Antideutschen würden „sich für die Kriege im Irak und in Afghanistan aussprechen“. Allerdings schränkt Koschmieder gleich wieder ein:

Sowohl die »Antideutschen« als auch die »Antiimperialisten« müssen als ideologische Einheit dargestellt werden, die sie oft nicht sind; nicht alle, die zu den »Antideutschen« gezählt werden, können allen Positionen zustimmen, die hier den »Antideutschen« zugeordnet werden.
(Seite 184)

Der Autor Rainer Erb befasst sich mit dem Thema „Die linke Szene als Herausforderung für die politische Bildung“. Er schreibt:

Die Bildungslandschaft ist von faszinierenden Menschen bevölkert, aber auch von sozialrevolutionären Weltdeutern, von dogmatischen Rechthabern und politischen Utopisten. Trotz der Vielzahl von literarischen Heroen, Künstler und prominenten Intellektuellen, an akademischen und politischen Vordenkern konzentriert sich das Spektrum auf wenige Referenzfiguren, naturgemäß auf linke Theorie, auf soziologische und historische Literatur aus linker Perspektive.

(Seite 202)
Erb weist auch auf das Grundproblem der Extremismus-Theorie hin:

Jeder hat vor seinen jeweiligen politischen Hintergrundannahmen ein intuitives Verständnis von Extremismus, aber es gibt keine einheitliche international gültige wissenschaftliche Definition für dieses Weltphänomen.

(Seite 204)
Er konstatiert ganz richtig:

Letztlich ist das Extrem immer geschichts- und kontextabhängig, es verschiebt sich mit jedem Wandlungsprozess der »Mitte«.

(Seite 204)
Sogar Kritik an den deutschen Behörden in ihrem Kampf gegen den „Linksextremismus“ äußert Erb:

Gelegentlich entscheiden deutsche Behörden nach Verdachtsmomenten, ohne diese konkret zu begründen und ohne ein konkretes tatsächliches Gefahrenpotenzial für die freiheitliche demokratische Grundordnung nachvollziehbar zu belegen.

(Seite 204-205)
Doch auch Erb versucht sich an einer Definition von „Linksextremismus“:

Im Sinne einer Arbeitsdefinition wird hier von Linksextremismus dann gesprochen, wenn die politischen Einstellungen und Orientierungsmuster mit Basisnormen konstitutionell-demokratisch verfasster pluralistischer Gesellschaften kollidieren. Hierzu zählt die Legitimität einer Vielzahl konkurrierender Meinungen, Anschauungen und Interessen ebenso wie die Verhaltensregeln eines Gewalt kontrollierenden Institutionengefüges. Die implizite oder explizite Negation zu verschwörungstheoretischen Spekulationen und der Entwicklung aggressiver Freund-Feind-Stereotype. Linksextrem schließt ferner den rabiaten Egalitarismus anarcho-kommunistischer Ideologie ein.

(Seite 205)
Ob „rabiater Egalitarismus“ die Nicht-Akzeptanz der Tatsache ist, dass täglich tausende Menschen verhungern? Doch Kapitalismuskritik und ein bestimmtes Vokabular führen bei Erb immerhin noch nicht zum „Extremismusverdacht“:

Die Analyse und die Kritik der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland als kapitalistisch kann noch keinen Extremismusverdacht begründen, da für einen derartigen Standpunkt gute (und weniger gute) Gründe anführen lassen.

(Seite 205)

Konservative Autoren, die gereizt durch die Kampfbegriffe »Klasse«, »Kapitalismus«, »Anarchismus« oder »Antifaschismus« konstatieren, bereits damit würde der Verfassungsrahmen überschritten, versuchen machtgestützt das Spektrum legitimer Gesellschaftskritik zu verengen und streben danach, für die eigene Überzeugung eine beherrschende Stellung auf dem Markt der Meinungen zu behaupten.

(Seite 205-206)
Erb scheint sogar wichtige Unterschiede zwischen links und rechts begriffen zu haben:

Genosse zu sein, ist keine nationale und keine soziale Angelegenheit wie bei »Kameraden« der rechten Szene, sondern eine grenzüberschreitende.

(Seite 207)

Den letzten Teil des Sammelbandes bildet ein Streitgespräch zwischen Uwe Backes und Richard Stöss. Während der Erstere ein Vorbereiter der Extremismus-Theorie ist, ist Letztgenannter ein vehementer Kritiker dieses Ansatzes. Stöss:

Ein Konzept, das die Menschen nur danach einteilt, ob sie für oder gegen den demokratischen Verfassungsstaat sind, ist aus sozialwissenschaftlicher Perspektive unterkomplex.
(Seite 298)
Stöss betont auch die Unterschiede innerhalb der Linken:
Denn Kommunismus und Anarchismus unterscheiden sich mentalitätsmäßig wie Feuer und Wasser. Die einen sind autoritär und zentralistisch, die anderen radikaldemokratisch und lokalistisch.
(Seite 299)
Allerdings ist Stöss nicht generell ein Freund der außerparlamentarischen Linken. Er nennt Autonome kriminell und meint sie seien deswegen ein Fall für die Strafverfolgung.

Ulrich Dovermann (Hrsg.): Linksextremismus in der Bundesrepublik Deutschland, Bonn 2011.

Buchkritik „Die Wahrheit und ihr Preis“ von Eva Herman

Drei Jahre nach ihrem Rauswurf beim NDR hat die umstrittene Moderatorin Eva Herman mit „Die Wahrheit und ihr Preis“ (Rottenburg 2010) ihre Darstellung der Ereignisse um sie herausgebracht. Erschienen ist ihr Buch im rechten Kopp-Verlag, für den sie als Online-TV-Nachrichtensprecherin arbeitet.

Eva Herman fühlte und fühlt sich unzweifelhaft verfolgt, sie sei einer „viele Monate dauernden Verfolgungskampagne“ (Seite 86) ausgesetzt gewesen. Sie sah sich nach der Veröffentlichung mehrerer anti-emanzipatorischen Bücher und Artikel besonders dem Druck „bestimmter linksfeministischer Interessengruppen“ (Seite 22) ausgeliefert. In ihren Schriften hatte sich Herman gegen die Gleichberechtigung und Erwerbstätigkeit von Frauen ausgesprochen und ihre „These des schöpfungsgewollten Auftrages von Mann und Frau“ (Seite 49) verteidigt. Dadurch sah sie sich vom „Weltfeminismus“ und „linksfeministische[n] Kreise[n]“ (Seite 52) bedroht. Was Hermans als Bedrohung darstellt und wohl auch tatsächlich so wahrnimmt, stellt in Wahrheit eine gerechtfertigte Kritik dar.
Hermans eigene „Kritik“ am Feminismus hingegen sinkt schon auch mal auf das Niveau von Männer-Stammtischen:

Allerdings konnte ich zu keinem Zeitpunkt verstehen, dass viele derjenigen Frauen, die für die angebliche weibliche Befreiung kämpften, immer gleich aussehen mussten wie verlotterte Vogelscheuchen.

(Seite 77)

Ein Opfer des Sensationsjournalismus?
Eva Herman inszeniert sich in ihrem Buch als unschuldiges Opfer eines Komplotts, dass dazu dienen sollte sie mundtot zu machen:

Um zu verhindern, dass meine Thesen in der breiten Öffentlichkeit bekannt wurden, wollte man mich anscheinend zuvor lieber mit der Nazikeule erschlagen.

So wurde sie nach eigenem Empfinden, mit einer „durch den Linksfeminismus erprobten Vernichtungsstrategie“ (Seite 38) „bösartig hingerichtet“ (Seite 114).
Zur Erinnerung: Herman befand sich vor allem durch ein Zitat auf der Presse-Konferenz zu einer Buchveröffentlichung und durch Äußerungen während eines Talkshow-Auftritts bei Johannes B. Kerner in der Kritik. Im ersten Fall wurde ihr ein Zitat als NS-Verherrlichung oder doch mindestens NS-Verharmlosung ausgelegt und ihr wurde daraufhin ihre Stelle beim NDR gekündigt. Tatsächlich könnte es so gewesen sein, dass sie im ersten Fall falsch verstanden wurde und in diesem Fall daher auch einer falschen Kritik ausgesetzt war. Nach der Lektüre der Transkription von Hermans Rede entsteht jedenfalls der Eindruck, dass Herman offenbar aus falschen Annahmen heraus als Moderatorin gestürzt wurde. Dabei existierten für dieses Absägen trotzdem allerhand gute Gründe. Der Sensationsjournalismus hatte aus den falschen Gründen die Richtige erwischt. Im offiziellen Antinazi-Deutschland, dass mit Schröders „Aufstand der Anständigen“ ausgerufen wurde, ist offenbar nur der reinrassige Nazi es wert ihn zu bekämpfen, der Sozialdarwinist Sarrazin schon weniger und die mörderische Flüchtlingspolitik Deutschlands fast gar nicht.
Nazi-Mutterkreuz
Ist Eva Herman also eine „Eva Braun“? Nein, nach allem was man über sie weiß nicht. Aber sie ist eine reaktionäre Antifeministin, die sich die verstaubte und knochenkonservative Adenauer-Zeit zurückwünscht und eine strikte Rollentrennung von Mann und Frau herbeisehnt. Derartige „back to the past“-Ausflüge würden sich massiv negativ für Frauen und Mädchen auswirken. Dafür sollte Herman vor allem kritisiert werden. Dafür das sie Gender-Mainstreaming als „menschheitsvernichtenden Wahnsinn“ (Seite 78) bezeichnet und behauptet:

Gender Mainstreaming ist das größte und gefährlichste Umerziehungsprogramm der Menschheit.

(Seite 46)
Auch ihre antilinke Einstellung, sie sich z.B. gegen die 68er richtet, verdient Kritik. Auch wenn diese sich stellenweise einfach nur lächerlich ausnimmt. So führt Herman das Ende des realsozialistischen Staatskapitalismus auf die (angebliche) Gleichstellung der Frau zurück:

Die Gleichstellung der Frau, die zum Grundgerüst von Sozialismus und Kommunismus gehört, hat in den zurückliegenden Jahrzehnten zahlreiche Gesellschaften an den Rand des Zusammenbruchs geführt.

(Seite 54)

Kreuzzug gegen die Kinderkrippe
Herman führt einen Kreuzzug gegen Kinderkrippen. Sie behauptet unter Bezugnahme auf eine angeblich ernst zu nehmende „Bindungsforschung“, es ständen „Gewaltbereitschaft, Kriminalität und Drogenkonsum in unmittelbaren Zusammenhang […] mit fehlender Mutterbindung“ (Seite 20-21), die durch das Kinderkrippen-System verursacht würden. Dadurch verursachen Krippen nach Herman u.a. „Depressionen, Kriminalität oder politisch radikalen Einstellungen“ (Seite 87) und die „komasaufende Jugendgeneration“ (Seite 204). Deswegen sei es die Pflicht der Mütter ihre Kinder zu Hause zu betreuen. Nur an einer Stelle nennt Herman die Person, die im deutschsprachigen Raum dieses „Mutterglück“ daheim so stark propagiert, nämlich Christa Meves:

Die betagte und erfahrene Kinderpsychotherapeutin Christa Meves, die mir als leuchtendes Vorbild in Sachen Durchhaltekraft dient […].
(Seite 160)

Flucht ins Religiöse
Bei Herman fällt der Leserin oder dem Leser immer wieder die Flucht ins Religiöse auf. Obwohl angeblich alles mit Fakten unterfüttert ist, so ist die religiöse Überzeugung Hermans letztlich ihr Motiv:

Unser Schöpfer hat sich schon etwas dabei gedacht, als er der Mutter durch Hormonausschüttungen bedingte zärtliche Versorgungsmechanismen sowie die wunderbare Einrichtung der Muttermilch verlieh, um den kleinen Kindern ein stabiles Urvertrauen sowie körperliche und seelische Gesundheit mit auf den Lebensweg geben zu können.

(Seite 56)
Nicht nur Gott, auch der Teufel treibt sich nach Herman in der Welt herum:

Wieder sehe ich müde, erschöpfte, hetzende arme Seelen, manche scheinen vom Teufel getrieben zu sein. Ja, viele von ihn hat er sicher und fest im Griff. Hohnlachend sitzt er ihnen auf den Schultern und treibt sie durch diese Welt, ihre Seelen verführend, Geld und Ansehen hinterherjagend.

(Seite 83)
Eine Stelle liest sich so, als wäre sie direkt aus einem Scientology-Programm entnommen:

Seht das Licht! Die Sonne, den Himmel, die Sterne. Jeder Baum ist klüger als ihr, der Fluss führt Weisheit mit sich, und der Wind kennt die Melodie der Liebe und der Ewigkeit. Das ist die Sprache der Schöpfung.

(Seite 85)
Wer sowas verquastet Irrationales schreibt, die oder den kann man schlecht ernst nehmen. Herman ist einfach nur meschugge und mit dem Kopp-Verlag hat sie einen Verlag gefunden, der perfekt zu ihr passt. Das muss wohl eine Liebesheirat gewesen sein.

Eva Herman: Die Wahrheit und ihr Preis, Rottenburg 2010.



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