Bundeswehr-Magazin im Stürmer-Stil? Warum dieser Vergleich falsch ist

Vorweg: Ich übe diese Kritik als Freund und Sympathisant, weil ich den VVN-BdA eigentlich sehr schätze. Ich wünsche mir auch, dass seine Stimme in der Öffentlichkeit mehr gehört wird.

In der jüngsten Ausgabe der Verbandszeitschrift „antifa“ der VVN-BdA findet sich ein offener Brief an den Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung von Alfred Fleischhacker
(http://antifa.vvn-bda.de/200909/0301.php). Fleischhacker gelang es als jüdisches Kind g1938 vor dem NS-Terror nach Großbritannien zu entkommen, was aber vielen seiner Familienmitglieder nicht gelang. Er schreibt über eine Ausgabe des Bundeswehrblattes „Y“:

Beim Durchblättern schon der ersten Seiten bekam ich eine Gänsehaut. Bilder stiegen aus meinem Gedächtnis auf, die ich seit mehr als 70 Jahren in mir trage. Es waren Bilder aus dem »Stürmer«. Sie, Herr Minister, wissen sicherlich, wovon ich schreibe. Nämlich von jenem unsäglich primitiven, von hunderttausenden Parteigenossen der NSDAP regelmäßig konsumierten Produkt, das kurz nach der Machtübernahme der Nazis 1933 nur eine Aufgabe hatte: den Hass auf alles Jüdische im 3. Reich zum Lodern zu bringen. In jeder Ausgabe erschienen Karikaturen von Menschen mit Hakennasen, wulstigen, vor Gier fast triefenden Lippen, verzerrten Gesichtszügen und bösen Blicken.

Fleischhacker fasst seine Kritik zusammen:

Unter der Überschrift »Köpfe des Terrors« werden in seiner September-Ausgabe am Computer produzierte Bilder von Führern der Al Qaida, Taliban und Dschihad präsentiert, die in der Art der Darstellung und der beabsichtigten Wirkung ihre Vorläufer im »Stürmer« haben. […] Aufgrund dieser Erfahrung ist eine Neuauflage von Stürmer-Praktiken für die Etablierung von Feindbildern für mich unerträglich. […] Damit ich nicht missverstanden werde: Ich verurteile wie Sie die unmenschlichen Aktionen von Bin Laden und seiner Clique. Sich dagegen mit im Völkerrecht verankerten Mitteln zur Wehr zu setzen, ist legitim. Doch ich muss dringend davor warnen, rassistische Stereotype von »Untermenschen« zur Motivierung der Truppen in Afghanistan zu benutzen. Gerade in Deutschland sollte so etwas nie mehr möglich sein.

Formelle äußerliche Ähnlichkeiten sind noch keine inhaltlichen Ähnlichkeiten. Oder anders ausgedrückt, wenn die britische Queen ihren Untertanen zuwinkt, dann erinnert das an die seltsamen Hitlergrüße Adolf Hitlers, trotzdem ist es einfach nicht dasselbe.
Die jüdische Weltverschwörung ist ein antisemitisches Hirngespinst. Die islamistische Weltverschwörung aber ist real. Gemeint ist hier nicht die tagtäglich Bedrohung und vor allem Unterdrückung von Nicht-Muslimen, Homosexuellen etc. durch orthodoxe Muslime oder Islamisten. Nein, eine Minderheit der islamistischen Fundamentalisten hat weltweit den Kampf aufgenommen. Die Mitglieder dieses militanten Flügels agieren aus dem Untergrund heraus. Das ist de facto eine Art von Verschwörung. Eines ihrer ideologischen Oberhäupter und Ikonen ist Osama bin Laden, der u.a. hinter den Anschlägen vom 11.09.2001 oder auf die US-Botschaften steht. Es gibt keine „Weisen von Zion“, aber es gibt nun mal die antisemitisch motivierte „Al Kaida“.
Dass es sich bei dem Feind „Islamismus“ nicht gänzlich um ein Phantom handelt, heißt nicht, dass Militäreinsätze unter dem Label „Kampf dem Terror“ irgendwie legitim sind. Es ist sowieso in vielerlei Hinsicht fraglich, ob es der Bundesregierung tatsächlich, um den „Kampf gegen Terror“ geht. Um die Bekämpfung von religiösen Fundamentalismus per se geht es jedenfalls nicht. Als 2002 im indischen Bundesstaat Hindu-Fundamentalisten mit Unterstützung der BJP-Provinzregierung die muslimische Minderheit in Massenpogromen angriff und über 2.000 muslimische Menschen zerhackt, verbrannt oder anderswie getötet wurden, interessierte das im Westen niemanden. Offensichtlich muss es zumindest die Bedrohung des eigenen Kollektives (Westen, christliches Abendland, eigener Staat) geben.
Die Militäreinsätze der Bundesrepublik sollten sowohl von ihrer vorgeschobenen Legitimation (Terrorismusbekämpfung, Hilfe für die Menschen vor Ort), als auch grundsätzlich (Ist Krieg eine Handlungsoption?) kritisiert werden.
Wenn aber die Kritik lautet, die Bundeswehr würde sich mit Großbildern von Osama bin Laden und anderen Jihadisten in Stürmer-Tradition bewegen, so ist das nicht irgendwie übertrieben, sondern falsch. Die im Stürmer abgebildeten Zeichnungen von „ewigen Juden“ waren ein Fantasie-Produkt antisemitischer Klischees. Diese Juden und die Bedrohung durch sie gab es nicht, sie entsprangen dem wahngeplagten Hirn des Zeichners. Die Bundeswehr hingegen bildete einfach ein Foto von Osama bin Laden ab, den es ja (sofern er noch lebt) ebenso wie seine Bedrohung real gibt.
Ein traumatisierter Holocaustüberlebender meint eine Praxis wiederzuerkennen, die er aus dem „Dritten Reich“ kennt und will davor warnen. Das ist zutiefst verständlich. Tatsächlich sehen sich die Bilder ähnlich. Der Hintergrund aber ist ein gänzlich anderer. Alfred Fleischhacker irrt also.

Hermann Löns Wehrwolf

Obwohl Löns bereits im ersten Weltkrieg starb gilt er als klassischer völkischer Autor. In jedem Fall ist sein „Bauernroman“ „Wehrwolf“ durch und durch völkisch gefärbt.
Dabei fungiert in diesem Werk der Heidebauer als Löns spezielles völkisches Ideal der Antimoderne und weniger ein „Volk“ oder eine „Rasse“ wie bei anderen völkischen Autoren.
Trotzdem dem weitgehend fehlenden völkischen Über-Kollektiv ist Löns Werk völkisch. Der völkische Charakter manifestiert sich eben mehr in den Feindbildern als in der positiv besetzen Gruppe. Trotzdem sind die eindeutigen Sympathieträger bei Löns, die „Haidebauern“ in der Lüneburger Heide, immer verbunden mit einer schwülstigen Blut&Boden-Romatik, eine Lönsche Spezialität.
Der Inhalt des „Wehrwolf“ ist schnell wiedergegeben. In den Wirren des 30jährigen Krieges ziehen sich die Bauern eines kleinen Ortes in die Heide zurück und beginnen alle Gefahren durch umherstreifende Soldaten oder als Gefahr wahrgenommenen Personen umzubringen. Die Hauptfigur ist dabei der vom Schicksal arg gebeutelte „Wulfsbauer“, der Anführer dieser vermeintlichen Selbstwehr-Organisation, der „Wehrwölfe“, wird.
Löns will dem Leser glauben machen es gebe einen angeborenen, instinktiven Hass und Misstrauen der Festverwurzelten auf alles fahrende Volk und das zu Recht.
Während es dem Buch am Antisemitismus eher gebricht es dem Wehrwolf, ist es aber vom Antiziganismus übervoll.
Alles fahrendes Volk wird bei Löns von seinen „braven“ Heidebauern als Gefahr angesehen und rücksichtslos gemeuchelt, auch die Frauen der Tater. Altertümlich „Tater“ und seltener Zigeuner werden Sinti & Roma bei Löns benannt.
Selbst bei den dargestellten moralischen Zweifeln einzelner Personen an ihrem blutigen Tun wird dieser Zweifel von der moralischen Instanz im Buch, dem Dorfpfarrer, schnell verstreut.
Die Nazis machten später wahr, was Löns als Notwehr seiner Heidebauern ausgab. Mord an allen Fahrenden, an allen Fremden überhaupt. Gegen Kriegsende versuchten die Nazis auch Hitlerjungen mit der Lektüre des „Wehrwolf“ zum sinnlosen Widerstand gegen die Alliierten aufzustacheln.
Löns-Buch

Leserbrief in Jungle-World Nr. 13

Zu dem Titelthema Nordkorea in der Jungle World 9/09 schrieb ich einen Leserbrief der in der Jungle World Nr. 13, 26. März 2009 gekürzt abgedruckt wurde:

Zuviel Ironie
Das Thema war ja spannend, aber die Beiträge leider nur satirisch. Dass finde ich schade. Ich würde gerne mal etwas mehr über diese stalinistische Diktatur erfahren. Gibt es überhaupt Exil-Organisationen? Auch der Vergleich zwischen den extrem rechten und den »linken« Fans von Nordkorea war mir zu einfach. Warum können sich Faschisten für Nordkorea begeistern? Handelt es sich bei Nordkorea etwa um eine faschistische Diktatur, und haben das die Faschos erkannt? Ralf Schwarzenberg

(http://jungle-world.com/artikel/2009/13/33559.html)

Oh Graus, die bauen ne Moschee vor unser Haus

Mit zwei Freunden machte ich mich am 2. April auf, um einer Stadtratssitzung in Oberstenfeld beizuwohnen. Es ging um den Neubau einer Moschee vor Ort, der die reaktionären Gemüter der Autochthonen [1] erregt hatte. Ich wollte mir selbst einmal ein Bild von der Sache verschaffen. Die Online-Lektüre von Zeitungsartikeln lokaler Blätter und die Berichte von einem der beiden Freunde, der in der Nähe aufgewachsen war, bereiteten mich auf das Kommende vor. Schon in den O-Tönen in der Zeitung hatte sich in der Diskussion um den Moschee-Neubau ein deutlich erkennbarer Unterton bemerkbar gemacht, der manchmal auch gar kein so versteckter Unterton mehr war.
Stellung gegen das Bauprojekt hatten zahlreiche Gruppen vor Ort und außerorts bezogen: eine christliche Gruppe namens „Herberge“, der Landesverband Baden-Württemberg der rechtspopulistischen „Bürgerinitiative Pax Europa“, der Ludwigsburger Verein „Lebenswerte Südstadt e.V.“, die lokale CDU und ihre Jugendorganisation „Junge Union“ (JU) und Teile der evangelischen Gemeinde.

JU Bottwartal Screenshot
BILD: rechtslastiger JU-Verband Bottwartal

Sie hatten ihre Kontra-Position aber nicht bezogen, indem sie sich offen gegen den Neubau aussprachen. Vielmehr wurde vordergründig gegen einzelne Aspekte des Neubaus Stellung genommen: Das Minarett, die „orientalische“ Ästhetik oder der angeblich gestörte Aussicht.
Ein Daniel Krieger [2], JU-Vorstandsmitglied aus Oberstenfeld, wird auf der Homepage der „JU Bottwartal“ wie folgt zitiert:

Jederzeit sollen Muslime in Deutschland von ihrem Grundrecht auf Religionsfreiheit Gebrauch machen dürfen. Hierzu zählt aber nicht der Bau einer überregionalen orientalischen Großmoschee samt Kulturzentrum.

Großzügig wurde also von der JU den Muslimen erst einmal etwas zugestanden, was wohl einer christlichen Gruppe niemals verweigert werden würde. Der konkrete Neubau aber wird dann verwehrt, weil die Moschee (und damit ja auch die Muslime selbst) als „fremd“ (Krieger: „orientalisch“) deklariert wird. Die Moschee passe halt nicht ins Stadtbild. Dass entspricht dann auch dem Satz: Die (Muslime) passen einfach nicht hierher. Von einigen werden solche Äußerungen, trotz der Verstecknahme hinter scheinbar konstruktiver Kritik (Großmoschee verhindert Integration, Ästhetik gestört, DITIB ist von der Türkei ferngesteuert), als eine Form von kulturellem Rassismus eingeordnet.

PI-News interveniert
Die Situation vor Ort hatte sich zugespitzt, weil nicht nur ortsansässige Reaktionäre sich einzumischen versuchten, sondern auch ortsfremde. Der Blog PI-News (PI steht für „Politically Incorrect“) war auf das Thema aufmerksam gemacht worden und hatte in der für PI-News typischen tendenziös-hetzerischen Weise darüber berichtet. PI-News ist ein antimuslimischer Hetzblog, der sich in letzter Zeit immer mehr der extrem rechten Wählerformation „Pro Köln“ angenähert hat (vergleiche Antifa-Infoblatt 1/2009). Hier werden Minarette als „Raketentürme“ betitelt, Moscheen als „Terrorbuden“ und es ist in rassistischer Manier die Rede von einer „turkmohammedanischen Landnahme“.
PI-News hatte die Adressen von dem, das Projekt befürwortenden, Bürgermeister (CDU) veröffentlicht mit der Aufforderung bei diesem gegen das Projekt zu protestieren . Bei einer täglichen Zugriffszahl von etwa 30.000 Klicks folgten mehrere hundert Leserinnen und Leser von PI-News der Aufforderung. Dem Bauprojekt positiv gegenüberstehende Lokalpolitiker, ja sogar einzelne positive Leserbriefschreiber, wurden so mit Anrufen und Emails überzogen, die kaum Kritik beinhalteten, aber schon viel eher eine aufgeregte Empörung und nicht selten Beschimpfungen bis Drohungen.
Parallel dazu verteilte eine 10-12 köpfige christliche Gruppe namens „Herberge“ vor Ort eine „Bürgerinformation zum geplanten Neubau einer Moschee im orientalischen Stil mit Kuppel und Minarett sowie einem islamischen Kulturzentrum“.
Diese beiden Interventionen luden die Stimmung auf und ließen für die Muslime vor Ort ein Gefühl der Bedrohung entstehen. Wie anders ließe sich die Aussage vom Vorsitzenden der örtlichen muslimischen Gemeinde, Mustafa Kodal, interpretieren? „Und wir wollen hier in Frieden bleiben.“ Hinter solch einem Satz steht eindeutig Angst vor Konflikt und Vertreibung („wollen hier in Frieden bleiben“).
Die muslimische Gemeinde gab dem reaktionären Protest nach und verzichtete auf das Minarett. Daraufhin titelte siegestrunken PI-News „PI-Soli verhindert Minarett“.
Doch das Nachgeben der Muslime hatte auch einen Nachteil für die Moscheegegner. Sie hatten sich zu sehr auf das Minarett eingeschossen. Gemeint war von ihnen aber gar nicht so sehr das einzelne Minarett, sondern der Moscheebau an sich. Die fadenscheinige Kritik an Einzelaspekten wurde damit auch für naive Beobachter immer weiter als Instrument und Heuchelei enttarnt. Trotzdem wurde kräftig weiter Stellung bezogen. Das Minarett war verhindert, gegen den Moscheebau aber wurde kräftig weiter polemisiert. Die JU Bottwartal schrieb unter der Überschrift „Junge Union Bottwartal weiterhin skeptisch gegenüber Bau einer Großmoschee durch die DITIB“ am 29.03.2009 auf ihrer Homepage:

Dennoch akzeptiert die JU nicht, dass der türkische Staat über den Verein DITIB hunderte von Moscheen samt Kulturzentren in Deutschland installiert.

Das verräterische Wort ist hier „installiert“. Sicher agiert die DITIB von der Türkei aus und ist eine Institution der Regierung, bzw. steht ihr zumindest sehr nahe. Aber wer von „installiert“ spricht, der geht offensichtlich von so etwas wie einem feindlichen Akt aus.
Vergesst Pro Köln, hier kommt die CDU/JU!

Die Sitzung im Gemeinderat und ihr Ergebnis
Vor Beginn der Sitzung hatten wir der derzeitigen Moschee einen Besuch abgestattet und gleich noch den nahe gelegenen Bauplatz für die neue Moschee (Grundstück 5196/1) besichtigt. Die alte Moschee stellte sich als eine Art vergrößerter Geräteschuppen dar, der ganz sicher nicht die knapp 300 Köpfe zählende Gemeinde fassen konnte.
Der nahe gelegene Standort war ebenso wie der alte, am Ortsrand in einem unbewohnten Industrie- und Freizeit-Gelände verortet. Die neue Moschee würde daher zwischen einer Tennishalle und einem Getränkemarkt stehen, fernab von bewohnten Gebäuden. So entblößte sich auch die Angst vor dem ruhestörenden Muezzinruf, übrigens niemals vorgesehen, als Phantasma und Konstrukt.
Moschee-Bauplan
Gegen 19 Uhr fing die Sitzung des Gemeinderats im Bürgerhaus an. Die Halle des Bürgerhauses war wohl so voll wie noch nie. Der Bürgermeister stellte zuerst in sachlicher Art und Weise das Bauprojekt mit vielen Wandprojektionen vor. Die Grundstücksgröße von 1.420 Quadratmeter sollte mit einem 29×28 Meter großen, zweistöckigen Gebäude mit Kuppel bebaut werden. Als direkte Gebetsräume waren 209 Quadratmeter für Männer und 78 Quadratmeter für Frauen vorgesehen. Religiös verordnete Geschlechtertrennung ist natürlich äußerst kritikwürdig, aber keine besondere Spezialität des Islam. Im Übrigen spielte diese räumliche Geschlechtertrennung nie eine Rolle in der Diskussion.
Nach dieser Präsentation begann die Diskussion unter den BürgervertreterInnen. Eine Diskussion mit Bürgerbeteiligung hatte es bereits zwei Tage zuvor gegeben. Nach Berichten einer Anwesenden hatte es lediglich eine positive Stimme gegeben.
Am 2. April wurde zuerst in der Diskussion besonders der befürchtete Muezzinruf als akustisches Schreckgespenst an die Wand geworfen. Dabei regelte das, eine vom Bürgermeister vorgelegte, Verordnung, die darauf bestand „es zu unterlassen, das Grundstück im Freien zu beschallen oder für Gebetsrufe zu nutzen.“
Danach wurden von den Gemeinderäten anscheinend diverse Verlautbarungen verlesen. Da im hinteren Teil sitzend konnte ich es nicht genau erkennen, aber der Stimme nach wurden hier Texte vorgelesen. Sollte das stimmen, dann würde das zeigen, dass das Ergebnis der Abstimmung bereits vor der Diskussion feststand.
Eine CDU-Gemeinderätin verweigerte ihre Zustimmung zu dem Bauprojekt, weil es sich bei dem Gebäude um mehr als nur ein religiöses Funktionsgebäude handeln würde, was an den zusätzlichen Räumen (ein Kaufladen und eine Teestube) erkennbar sei. Ob dann Kirchen mit integrierten Eine-Welt-Läden bei dieser CDU-Gemeinderätin auch auf eine solche Kritik stoßen würden ist unbekannt, aber stark zu bezweifeln. Nach dem Satz „Integration ist das wichtigste in unserem Land“ wurde die verhältnismäßig kleine Moschee zu einem „islamischen Zentrum“ aufgeblasen. Sie lehne ein „islamisches Zentrum mit diesen Dimensionen ab“. Weiterhin war die Rede davon, dass in Teilen der Bevölkerung beinah Aufruhr herrsche in diesem ach so „beschaulichen Weilort“. Natürlich entblödete sich die CDU-Vertreterin nicht auch noch das „Unrecht im Namen des Islam“ anzuprangern.
Das gab Applaus von 2/3 des Publikums, einer Ansammlung von Dorfreaktionären, medial Verhetzten, Durchschnittsrassisten und ChristInnen unter religiösem Konkurrenzdruck.
Der sunnitische Dönerladen-Betreiber um die Ecke hat mit diesem Unrecht genausoviel oder genausowenig zu tun wie meine katholische Tante Käthe mit den Untaten des Vatikan. Korrektur: Da der römische Katholizismus eine feste Organisation darstellt, hat meine Tante Käthe sogar mehr mit dem „Unrecht“ des Vatikans zu tun, sie könnte z.B. aus Protest austreten.
Schließlich meldeten sich endlich auch einige Befürworter des Projektes zu Wort. So wies ein Herr darauf hin, dass es seit 1971 eine Moschee gebe, aber nicht bekannt sei, dass von dieser je eine Islamisierung ausgegangen sei.
Trotzdem kam wieder die Kritik an einem „islamischen Zentrum mit einen Einzugsraum“ über Oberstenfeld hinaus. Der Bürgermeister wies aber darauf hin, dass in dem Gebäude höchstens 400 Menschen Platz finden würden und der bautragende muslimische Verein immerhin 280 Mitglieder habe, wovon 115 in Oberstenfeld ansässig seien.
Danach wurde der Kuppelbau aus vorgeblich ästhetischen Gründen kritisiert. Ein Befürworter wies satirisch darauf hin, dass auch die Reichstagskuppel so einen „osmanischen Touch“ aufweise. Außerdem, so ein Befürworter, sei Religionsfreiheit grundgesetzlich garantiert. Das hieße aber nicht, dass Religionsfreiheit bedeute „Religionsfreiheit, aber so wie ich will“.
Nachdem die vorgeblichen Argumente der Bau-Gegner derart entschleiert wurden, begann der Ritt auf den Paragraphen. Schließlich wurde sich darauf verlegt, dass es zu wenige Parkplätze für die Moschee gebe. Tatsächlich waren die Auto-Stellplätze wohl recht knapp kalkuliert. Aber darum ging es gar nicht. Die Bauvorschriften wurden klar als Disziplinierungsinstrument gegen eine Minderheit verwendet. Darauf wies auch ein Bau-Befürworter im Gemeinderat hin und sprach von den zahlreichen gemachten Ausnahmen an anderer Stelle.
Schließlich kam es zu der Abstimmung im Gemeinderat und trotz aller entkräfteten Gegen„argumente“ wurde das Projekt mit 10 zu 8 Stimmen abgelehnt, was das autochthone Publikum natürlich erfreute. Die anwesenden Muslime waren natürlich bitter enttäuscht, trotz ihres Zugeständnisses, dem Minarett-Verzicht, hatte ihnen die autochthone Mehrheitsgesellschaft gezeigt wo ihr Platz war. Am Rande mit einem einer vergrößerten Besenkammer als Moschee ohne Minarett oder sonstige augenfällige Auffälligkeit bei großzügiger Nichtbeachtung bis Duldung.
PI-News titelte am nächsten Tag vorsichtig siegesgewiss „Oberstenfeld: Moschee-Neubau vorerst gestoppt“.

Die Ablehnung von Minaretten ist in Wahrheit die Ablehnung der ganzen Moschee
Es ist äußerst zweifelhaft, ob gegen die Schlote eine neuen Fabrik genauso Sturm gelaufen werden würde, wie gegen den Bau von Minaretten und ob ein Kirchen-Neubau auf soviel Protest gestoßen wäre wie ein Moschee-Neubau.
Mit der Forderung nach einem Minarett-Verbot taten sich bereits diverse extrem rechte Gruppierungen hervor: die eidgenössische Volksinitiative „Gegen den Bau von Minaretten“ (ein Ableger der rechtskonservativen Blocher-SVP), „Pro Köln“ oder die Republikaner-Partei (beispielsweise 2007 bei der Hessen-Wahl). Ähnlich gesinnt sind Bauverbots-Forderungen für „Super-Moschee“ und „Groß-Moschee“. Dass man nicht einfach ein Moscheebau-Verbot fordert ist eine Taktik, um zu verschleiern, dass sich hinter scheinbar baulichen, harmonischen und verhältnismäßigen Bedenken xenophobe Motive verstecken. Es geht im Grunde nicht um Muezzin-Ruf, gestörte Ästhetik und Aussicht oder die Befürchtung ein lokales, islamisches Zentrum zu werden. In Wahrheit geht es, darum was der Moscheebau symbolisiert. Wer sich ein Gotteshaus baut, der will bleiben. Muslime sind nicht (mehr) die Gastarbeiter-Generation mit behelfsmäßigen Gebetsstuben, sondern sie sind hier seit Jahrzehnten ansässig, hier geboren und zum Teil bereits deutsche Staatsbürger. Das Interim hat sich damit schon längst verabschiedet, trotzdem will es die autochthone Mehrheitsgesellschaft noch aufrecht erhalten. Solange die Muslime einen erweiterten Geräteschuppen aushilfsweise als Moschee nutzen, solange erhält die autochthone Mehrheit sich der Illusion, Muslime würden nur zeitweise hier bleiben.

R. Schwarzenberg

ANMERKUNGEN
[1] Autochthon kann mit einheimisch, eingeboren übersetzt werden. Der Begriff ist ein Behelf, da der antimuslimische Rassismus sich vornehmlich gegen muslimische Einwanderer und ihre Nachkommen (also Allochthone) richtet. Allerdings ist diese Form des Rassismus, wie jede andere auch, stark konstruiert. Einige autochthone Deutsche sind zum Islam konvertiert und von den Autochthonen sind auch so einige Nachkommen beispielsweise von polnischen oder italienischen Einwanderern. Autochthon heißt ebenfalls nicht unbedingt vor Ort geboren, da die Muslime ja oft bereits der zweiten oder dritten vor Ort geborenen Generation angehören, während so genannte Einheimische teilweise erst vor ein paar Jahren aus einer anderen Gegend der Bundesrepublik zugezogen sind.
[2] Ebenfalls ein Daniel Krieger ist laut Google-Recherche Vorsitzender von „Jungweikersheim“, der Jugendorganisation der rechten Denkfabrik „Studienzentrum Weikersheim“, die traditionell der CDU nahe steht. Vermutlich handelt es sich um ein und dieselbe Person.

Moscheebau aus atheistischer Sicht

Kürzlich sprach ich mit einer linken Politgruppe über einen geplanten Moschee-Neubau im Norden Baden-Württembergs und wir diskutierten daraufhin, wie wir gegen den, sich abzeichnenden, rechten Protest vorgehen könnten und wo unsere eigene Positionen liegen. Mit einigen Mitgliedern dieser Gruppe, die ich alle sehr schätze und mit denen ich auch stellenweise politisch zusammenarbeite, hatte ich daraufhin ein Streitgespräch.
Ich bejahte [1] den Neubau der Moschee, während sie diesen aus grundsätzlich atheistischen Positionen ablehnten.
Sie schienen recht verwundert über meine Position, da ich in Vergangenheit immer wieder Religionskritik geübt und eine atheistische Grundposition bezogen hatte. In meinem Atheismus ist durchaus auch Islamkritik enthalten. Deswegen habe ich mich beispielsweise 2007 dagegen ausgesprochen, dass der Vorsitzende des „Zentralrats der Muslime in Deutschland“ (ZMD) Schirmherr eines Festivals wird. Begründet habe ich das u.a. mit den Texten und Anweisungen von der ZMD-Homepage, die stark homophobe und frauenfeindliche Tendenzen aufwiesen. Ich werde auch zukünftig immer wieder als Religionskritiker auftreten.

Warum aber bejahe ich den Moscheebau trotzdem?
Eigentlich ist mir ja der Bau von Sakralgebäuden vollkommen egal, aber ich betrachte es nicht als aktiven Atheismus deren Bau zu verneinen oder abzulehnen. Ich bin nicht dagegen, werde aber nicht offensiv für die Errichtung sakraler Gebäude Werbung machen. Ich bin aber dafür, dass sie dort gebaut werden, wo ein Bedarf (also eine Anzahl an AnhängerInnen der entsprechenden Religion vorhanden ist) besteht. Seien es nun Moscheen, Bahai- oder Hindu-Tempel. Ausgenommen von dieser Bejahung sind natürlich klerikalfaschistische Zentren, seien es sakrale Stützpunkte der Pius-Bruderschaft oder von Anhängern der wahabitischen Ideologie. Mir ist dabei bewusst, dass auch nicht explizit klerikalfaschistische, aber religiöse Bewegungen immer reaktionär, ausschließend und irrational sind.
Mir wurde dann in der Diskussion vorgeworfen, wenn ich mit dem Bedarf argumentieren würde, dann wäre das als wenn ich einem Rassisten den Bedarf zugestehen würde andere Leute zu verhauen. Tja, Birnen und Äpfel. Ich war dann etwas verdattert über diesen doch recht kruden Vergleich, dass es mir schwer fiel gut darauf zu antworten. Es zeigt aber auch, dass das Wissen um das Wesen der Religionen bei jungen Menschen mit atheistischer Einstellung recht gering sein kann.
Gehirnbluten führt zur Religion
(Screenshot aus dem evangelikalen Pro-Magazin)
Religionen sind irrationale Wahnsysteme und haben zuallererst einmal ein Opfer: Den Gläubigen selbst. Dieser unterwirft sich irgendwelchen gottgegebenen Regeln und Strafen und macht sich damit das Leben schwerer. Dass ist sein individuelles Recht, ebenso wie ich jedem User von harten Drogen zugestehen sich selbst kaputt zu machen [2]. Darüber hinaus kann, aber muss nicht, die Religion auch andere Anders- und Nichtgläubige beeinflussen. Meist tut sie es, schon allein weil die größeren Religionen (außer dem Hinduismus) alle einen Missions-Auftrag an ihre Mitglieder haben.
Diese Grenzübertritte müssen auf vehemente atheistische Kritik stoßen und geahndet werden. Da unabhängige atheistische Stimmen derzeit zu schwach sind, wird dieser Auftrag derzeit an den (vermeintlich neutralen) Staat delegiert. Problematisch ist auch die religiöse Sozialisierung von Jugendlichen durch ihre Familien, die ja zusammen mit dem nichterfüllten kapitalistischen Glücksversprechen den ständigen Nachwuchs für Religionen erzeugt.
Hier sollten westliche AtheistInnen auch einmal ihre privilegierte Herkunft reflektieren, nämlich dass sie in einer (weitgehend) säkularisierten Gesellschaft und Familie aufwachsen, wo Religion nicht unbedingt etwas Selbstverständliches darstellt und religiöse Regeln auch nicht das Leben von jemanden bestimmen.
Um diesen Zustand zu erhalten müsste es eine frühe der, familiären religiösen Sozialisierung, entgegen wirkende Bildung geben. Da wiederum unabhängige AtheistInnen dafür zu schwach sind, übernimmt der Staat stellenweise diese Arbeit (Ethik-Unterricht).
Die religiöse Sozialisation verhindere ich aber nicht, indem ich bereits Gläubigen einer bestimmten Religion etwas verwehre, was ChristInnen seit Jahrhunderten haben. Was bitteschön sollte das bringen? Die Gläubigen bleiben ja weiterhin vorhanden, nur der Ort ihres Glaubens ist halt keine Moschee, sondern eine Hinterhof-Betstube. Wenn ich die Menschen in ihren Hinterhof-Betstuben belasse, dann zeige ich ihnen damit erstens, dass sie nicht die gleichen Rechte wie die christliche Mehrheitsgesellschaft haben und zweitens fördere ich damit Radikalisierungstendenzen.

Als nächstes wird mir in der Diskussion der Iran um die Ohren gehauen. Was die schiitische Theokratie genau mit dem Neubau einer sunnitischen Moschee, mehrheitlich für türkische Einwanderer und ihre Nachkommen, zu tun hat, weiß ich nicht. Natürlich kann mensch allgemeine Religionskritik betreiben und auf die radikalsten Auftritte einer Religion hinweisen, um ihre Gefährlichkeit zu verdeutlichen. Aber irgendwie glaube ich nicht, dass der katholischen Tante Emma ebenso die Umtriebe des Vatikans vorgehalten werden.
Ich glaube es gibt unter atheistischen Linken teilweise ein fehlendes Hintergrundwissen über das Wesen der Religionen an sich und ein fehlendes Grundwissen über die einzelnen größeren Religionen. Es besteht natürlich kein Anlass alle rituellen Details einer Religion zu kennen, aber profundes Basiswesen wäre schon nicht schlecht. Allein schon deshalb, weil es die Lebensführung so vieler Menschen regelt.
Zudem ist durch die fehlende Beschäftigung vielen unklar, wie sehr auch sie als AtheistInnen in einem relativ säkularisierten Raum von der christlichen Mehrheitskultur geprägt sind. Das stündliche Kirchenglockenläuten ist Normalität, aber der Muezzin-Ruf wirkt meist doch irgendwie ungewohnt.

Wenn nicht parallel zu einer Ablehnung der Verneinung vom Neubau sakraler Gebäude aktiv Kirchen zurückgebaut werden, dann sind die nicht-christlichen Religionen im Nachtteil und deren Anhänger werden zu BürgerInnen zweiter Klasse gemacht.
Was aber eigentlich abgebaut werden muss sind nicht irgendwelche Gebäude, sondern das ist die Zahl der Gläubigen. Aber Atheismus muss sich gegenüber dem Glauben auf rationale Argumente (Wissen) stützen, und nicht auf eine generelle Ablehnung oder gar auf Verbote.
Deshalb bin ich als Atheist für eine unbedingte Religionsfreiheit für den einzelnen Gläubigen, sofern damit nicht Dritte beeinträchtigt werden!
Abgelehnt werden kann und muss aber der Einfluss und Auswirkungen von Gläubigen jedweder Art auf Anders- und Nichtgläubige. Dass heißt beispielsweise sich gegen aggressive Missionierung zur Wehr zu setzen oder Homophobie im religiösen Deckmantel aktiv zu bekämpfen.

ANMERKUNGEN
[1] Ich verwende extra das Verb „bejahen“, weil ich nicht von „erlauben“ oder gar „genehmigen“ sprechen will. Es ist anmaßend als Mitglied der weißdeutschen Mehrheitsbevölkerung Einwanderer und ihren Nachkommen irgendetwas „erlauben“ oder „verwehren“ zu wollen, was seit über einem Jahrtausend Privileg der Mehrheitsbevölkerung ist. Nur weil diese Einwanderung später einsetzte, als beispielsweise die der Hugenotten, dürfen sie ja nicht weniger Rechte haben. Überdies sind ja viele Muslime gar keine Einwanderer mehr, sondern Hiergeborene oder Konvertiten.
[2] Wer hat die versteckte Anspielung erkannt? „Wie Opium für das Volk …“ ;-)

Nicht immer nur Israel

Seit dem Zweiten Weltkrieg sind den Angaben von Friedensforschern nach 25 Millionen Menschen in inneren Auseinandersetzungen getötet worden, aber „nur“ 8.000 davon im israelisch-palästinensischen Konflikt (Stand: 2007). Damit rangiert dieser Konflikt, gemessen an der Zahl der Opfer, an 46. Stelle der Konflikte.
Why Israel?
Teil einer britischen Anzeigenkampagne

Trotzdem genießt der Konflikt eine starke Aufmerksamkeit in den Medien und auch bei den Linken. Es gibt viel Kritik an Israel und wenig an den Akteuren auf palästinensischer Seite. Rationale und trotzdem kritikwürdige Entscheidungen eines bürgerlichen Staates (Selbstverteidigung, Absicherung seines Territoriums bei Einkaufnahme hunderter ziviler Toter) werden fast durchweg als irrational wahr genommen (Expansion, in religiöser Mission unterwegs [stimmt nur bei einem Teil der Siedlerbewegung], Mordlust gegenüber den PalästinenserInnen, Außerwähltsein-Bewußtsein). Hingegen werden die Motive der palästinensischen Akteure generell rational (Selbstverteidigung, Verzweiflung) gedeutet, obwohl sie sehr oft irrational sind (Islamismus, Antisemitismus, Vernichtungswille gegenüber Israel). Die antisemitische, theokratische und homophobe Islamisten-Organisation Hamas wird so zum Opfer und legitimen Verteidiger palästinensischer Interessen, während der pluralistische, demokratisch-parlamentarische Staat Israel zum Aggressor und „Apartheitsstaat“ wird.

Um zu zeigen, dass auch alle anderen Staaten in der Welt viel „Dreck am Stecken“ haben und oft auch noch weitaus mehr als Israel, habe ich folgenden Kritikpunkte zusammengestellt. Je einen Punkt pro Staat. Ausgewählt wurden die Kritikpunkte willkürlich und nicht etwa nach Schwere. Beispielsweise ist bei Syrien aufgeführt, dass Syrien einen Nazi-Massenmörder Unterschlupf gewährt hat. Weitaus folgenträchtiger ist aber heutzutage, dass Syrien hundertausende Kurden staatenlos gemacht hat.
Es ging eher darum bisher unbekannte Kritikpunkte aufzuführen. Die Kritikpunkte befinden sich noch auf dem Stand von 2006. Es kann sich also auch einiges geändert haben.

UN vs. Israel
Mindestens ebenso viel Kritik und Boykottandrohungen wie Israel verdient …

… Afghanistan für die stark eingeschränkten Rechte der Frauen.
… Ägypten für sein autoritäres Regime unter Präsident Mubarak.
… Albanien für seine Unterstützung der Terroristen der UCK.
… Algerien für die Beteiligung von Regierungstruppen an Menschenrechtsverletzungen im Zuge des Bürgerkrieges.
… Andorra für die fehlende Trennung von Religion und Staat. Eines der beiden Staatsoberhäupter ist immer der Bischof von Urgel (Spanien).
… Angola für die Beteiligung von Regierungstruppen an Menschenrechtsverletzungen im Zuge des Bürgerkrieges.
… Antigua und Barbuda für die Benachteiligung Barbudas, die zu Separationsbestrebungen führten.
… Äquatorialguinea für die Militärdiktatur unter Teodoro Obiang Nguema Mbasogo.
… Argentinien für seine bisher unzureichende Aufarbeitung des Landes als Fluchtpunkt von hohen Nazi-Funktionären und Nazi-Kollaborateuren in der Ägide des „Landesvaters“ Peron.
… Armenien für seine Besetzung eines großen Teils der Fläche des Nachbarlandes Aserbaidschans und der teilweisen Vertreibung der ansässigen einheimischen Bevölkerung.
… Aserbaidschan für die undemokratische Art des Präsidenten Alijew seinen Sohn als Nachfolger einzusetzen.
… Äthiopien für seinen Krieg mit Eritrea.
… Australien für seine restriktive Asylpolitik.
… Bahamas für die jahrelange Abschiebung und Abweisung haitianischer Bootsflüchtlinge.
… Bahrain für die Marginalisierung der schiitischen Mehrheitsbevölkerung.
… Bangladesch für die jahrelange Unterdrückung der Bevölkerung in den „Chittagong Hill Tract“.
… Belgien für die unaufgearbeitete blutige Kolonialgeschichte im Kongo.
… Belize für die massiven Steuererhöhungen, die Anfang 2005 zu Unruhen führten.
… Bhutan für die Vertreibung der nepalesischen Bevölkerung.
… Bosnien-Herzegowina für die ungenügende Aufarbeitung der Kriegsgräuel auf allen drei Seiten.
… Bolivien für die jahrzehntelange Marginalisierung der indigenen Bevölkerung durch die europäischstämmige Bevölkerung.
… Botswana für die Marginalisierung der San-Bevölkerungsgruppe.
… Brasilien für die unzureichende Verfolgung der Morde an Straßenkindern.
… Brunei für seine fehlende Demokratie.
… Bulgarien für seine jahrzehntelange Marginalisierung und Bulgarisierungsversuche gegenüber dem muslimischen Bevölkerungsteil.
… Burkina Faso für die vermutliche Unterstützung der „Union der Patrioten für die totale Befreiung der Elfenbeinküste“ (UPLT) im Nachbarland Elfenbeinküste.
… Burundi für seinen Anteil am Bürgerkrieg im benachbarten Kongo.
… Chile für die Enteignung der Mapuche unter Pinochet und der ausstehenden wirklichen Restitution.
… China (Republik) für seine jahrzehntelange Unterstützung von terroristischen antikommunistischen Gruppen durch die „Antikommunistische Weltliga“ (z.B. der Contras in Nicaragua).
… China (Volksrepublik) für seine Unterstützung von Ländern wie dem Sudan zur Sicherung des Rohstoffbedarfs (Erdöl).
… Costa Rica für die Zerstörung des Regenwaldes durch Monokulturen (Bananenplantagen).
… Dänemark für seine restriktive Asylpolitik.
… Deutschland, weil es sich bis heute weigert an die Überlebenden und Verwandten der Opfer von Massakern z.B. in Italien oder Griechenland Reparationen zu zahlen oder noch lebende NS-Täter ans Ausland auszuliefern.
… Dschibuti für die jahrelange Marginalisierung der Afar-Bevölkerung.
… die Elfenbeinküste für die fremdenfeindliche Politik des Präsidenten Gbagbo, die u.a. in den Bürgerkrieg führte.
… El Salvador für die unaufgearbeiteten Gräuel, die während des Bürgerkrieges stattfanden.
… Eritrea für seinen Krieg mit Äthiopien.
… Estland für die eingestellten Ermittlungen gegen den in Venezuela lebenden estnischen NS-Kollaborateur Harry Männil, der während der deutschen Besatzung Estland 1941 bis 1944 Mitglied der mit den Nazis kollaborierenden als Mitglied der estnischen Staatspolizei gewesen war.
… Fidschi für die Marginalisierung des indischen Bevölkerungsteils.
… Finnland für den Neubau von Atomkraftwerken.
… Frankreich für seine Unterdrückung der Unabhängigkeitsbewegung auf Neukaledonien.
… Gambia für die unaufgearbeiteten Morde 2000 an mindestens 14 Personen bei einer Straßenschlacht zwischen studentischen Demonstranten und der Polizei.
… Georgen für seinen Anteil am Bürgerkrieg in den Landesteilen Abchasien und Südossetien.
… Griechenland für seinen Anteil am Bürgerkrieg auf Zypern.
… Großbritannien und Nordirland für die jahrzehntelange Marginalisierung der katholischen Bevölkerung in Nordirland.
… Guatemala für die Marginalisierung der indigenen Bevölkerung.
… Guyana für die lebenslangen Haftstrafen für Schwule und Lesben.
… Honduras für die Straflosigkeit für an Menschenrechtsverletzungen, während früherer Militärregimes, verantwortliche Personen.
… Indien für die Vertreibung der Bevölkerung in Kashipur wegen einer Industrie-Ansiedlung.
… Indonesien für die unaufgearbeiteten Pogrome gegen die chinesischstämmige Bevölkerung.
… Irak für die Beteiligung religiöser Fundamentalisten an der Regierung.
… Iran für die Verfolgung und Entrechtung der Bahai-Religionsgemeinschaft.
… Irland für das fortbestehende Abtreibungsverbot.
… Island für den Bau des Wasserkraftwerkes am Vatnajökull.
… Italien für die jahrelange Beteiligung extrem rechter Parteien wie der Lega Nord an der Regierung.
… Jamaika für die Diskriminierung von Homosexuellen. Laut Wikipedia wurden allein in den letzten fünf Jahren über 30 Jamaikaner aufgrund ihrer Homosexualität ermordet.
… Japan für die ungenügende Aufarbeitung japanischer Gräueltaten im zweiten Weltkrieg, zum Beispiel die nicht geleistete Reparation an koreanische Zwangsprostituierte („Trostfrauen“).
… Jemen für die Dominanz des nördlichen Landesteils.
… Kambodscha für die weitgehend straflose Amnestisierung der „Roten Khmer“.
… Kamerun für die Marginalisierung des kleineren anglophonen Bevölkerungsteils durch den frankophonen.
… Kanada für die jahrelange Zwangadoption der Kinder der indigenen Bevölkerung.
… Kasachstan für die staatliche Repression gegenüber kritischer Medienberichterstattung.
… Katar für seine Internet-Zensur.
… Kenia für eine Gesetzgebung, die lediglich die Genitalbeschneidung an unter 16-Jährigen verbietet.
… Kirgisistan für seinen zunehmend autoritär regierenden Präsidenten Askar Akajew.
… Kolumbien für die Zusammenarbeit des kolumbianischen Militärs mit rechten Paramilitärs, die dann oft in Menschenrechtsverletzungen mündeten.
… die Komoren für die Marginalisierung der Inseln Anjouan und Mohéli, was dort zu Separationsbemühungen führte.
… Kongo (Demokratische Republik) für die Beteiligung der Verantwortlichen während des Bürgerkrieges an der Beteiligung.
… Korea (Demokratische Volksrepublik) für seine massive repressive Bevölkerung gegenüber der Bevölkerungsmehrheit.
… Korea (Republik) für seine unaufgearbeitete Finanzierung der pro-terroristischen „Antikommunistischen Weltliga“.
… Kroatien für seine teilweise positive Bezugsnahme auf das faschistische kroatische Ustascha-Regime.
… Kuba für die Todesurteile gegen drei Entführer einer kubanischen Passagierfähre.
… Kuwait für die fehlende Demokratie.
… Laos für die Menschenrechtsverletzungen des Regimes gegenüber den Minderheiten im Land.
… Lesotho für die jahrelange Verharmlosung der Immunschwächekrankheit Aids durch die Regierung.
… Lettland für die Hofierung lettischer SS-Angehöriger als Freiheitskämpfer durch die Regierung.
… Libanon für die Beteiligung der fundamentalistischen und terroristischen Hisbollah an der Bevölkerung.
… Lybien für die Förderung und Finanzierung deutscher Rechtsextremisten.
… Liechtenstein für den demokratische Rückschritt mit der Machterweiterung für den Fürsten.
… Litauen für die Ermittlung gegen den ehemaligen jüdischen Partisan, der heute Vorsitzender von Yad Vashem ist.
… Luxemburg dafür, dass der Großherzog formal über weitreichende exekutive und legislative und damit letztlich undemokratische Befugnisse verfügt.
… Madagaskar dafür, dass der frühere Präsident Ravalomanana trotz fehlender Mehrheit vom Verfassungsgericht zum Sieger erklärt und durch bürgerkriegsähnliche Zustände mit 30 bis 40 Toten an die Macht kam.
… Malaysia dafür, dass sein Premier Mahathir am 16. Oktober 2003 das bislang größte globale Islam-Gipfeltreffen in Kuala Lumpur mit einer antisemitischen Rede eröffnete.
… Malediven dafür, dass nach oppositionellen Demonstrationen gegen das Regime des Präsidenten Regimegegner in den Gefängnissen verschwanden und der Präsident seit 26 Jahren totalitär herrscht.
… Mali für die Marginalisierung der Tuareg-Bevölkerung, was 1990-1995 zu Aufständen führte.
… Malta für die massive Jagd auf Zugvögel in dem Land mit der höchsten Jägerdichte in Europa.
… Marokko für andauernde Besetzung der Demokratischen Arabischen Republik Sahara (Westsahara).
… Marshall-Inseln für die Vermietung des Bikini-Atolls als atomares Endlager.
… Mauretanien für das Fortdauern der 1981 offiziell verbotenen Sklaverei.
… Mazedonien für die Beihilfe zur Entführung des Deutsch-Libanesen Khaled al-Masri Ende 2003 durch den mazedonischen Inlandsgeheimdienst.
… Mexiko für die jüngsten Menschenrechtsverletzungen begangen bei der Niederschlagung des Streiks in Oaxaca.
… Moldau für die gescheiterten Frieden mit der Separatistenrepublik Transnistrien.
… Myanmar (Burma) für die blutige Unterdrückung der demokratischen Bewegung.
… Namibia für die homophoben Äußerungen des Präsidenten.
… Nauru für die Beherbergung eines australischen Asyllagers.
… Nepal für die blutige „Aufstandsbekämpfung“ im Bürgerkrieg.
… Neuseeland für die jahrzehntelange Marginalisierung der Maori-Bevölkerung.
… Nicaragua für ein Strafrecht, dass Homosexualität verbietet und dafür, dass der neue Vizepräsident von Nicaragua der Ex-Contra Jaime Morales Carazo ist.
… Niederlande für die Passivität der niederländischen Soldaten während des Massakers in Srebrenica (Bosnien-Herzegowina).
… Niger für die Marginalisierung der Tuareg-Bevölkerung, was zu Aufständen führte.
… Nigeria für die Marginalisierung und Unterdrückung der Bevölkerung im Niger-Delta.
… Norwegen für den hohen Stimmgewinn der rechtspopulistischen Fortschrittspartei (Fremskrittspartiet) 2005 mit 22,1% der Stimmen.
… Österreich, weil es sich weigert mehrere NS-Kriegsverbrecher (z.B. die KZ-Wächterin Erna Walisch) an das Ausland auszuliefern bzw. ihnen den Prozess zu machen.
… Oman für die fehlende Demokratie.
… Pakistan für das autokratischen Regime von Pervez Musharraf.
… Papua-Neuguinea für die jahrelange blutige Unterdrückung der Bevölkerung auf Bougainville.
… Paraguay für die blutigen Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten in der Hautstadt Asuncion am 16.09.2002 bei einer Demonstration gegen den Staatspräsidenten Luis Angel Gonzales Macchi.
… Peru für das jahrelange autoritäre Regime unter Präsident Fujimoro und dessen Beteiligung an den zivilen Opfern Bürgerkrieg.
… Philippinen für die Menschenrechtsverletzungen im Anti-Guerilla-Kampf gegen die muslimischen Separatisten und die „kommunistische“ New People’s Army.
… Polen für die homophoben Äußerungen von Regierungsmitgliedern.
… Ruanda für seine fördernde und direkte Einwirkung im Bürgerkrieg im Nachbarland Kongo.
… Rumänien für die jahrzehntelange Marginalisierung der Roma-Bevölkerung.
… die Russische Föderation für die autoritäre Regierung und deren Einschränkung von Presse- und Meinungsfreiheit.
… Samoa(-West) für den undemokratischen Einfluss der Häuptlingsaristokratie.
… Sao Tome und Principe für die, durch einen Putsch an die Macht gekommene, Militärregierung.
… Saudi-Arabien für die massive Unterdrückung des weiblichen Bevölkerungsteils.
… Schweiz für die Akzeptanz des Rechtspopulisten Blocher in der Regierung.
… Senegal für die jahrelange blutige Unterdrückung der Bevölkerung der Casamance.
… Serbien, dafür, dass es nicht genügend zur Ergreifung der als Kriegsverbrecher gesuchten Radovan Karadzic und Ratko Mladic unternimmt.
… Simbabwe für die Unterdrückung der Opposition.
… Singapur für seine äußerst restriktiv bis persönlichkeitsmanipulierende Gesetzgebung.
… die Slowakei für die Regierungskoalition, an der auch die extrem rechte „Slowakische National-Partei“ beteiligt ist.
… Spanien dafür, dass die Urteile des Diktators Franco noch nicht aufgehoben sind.
… Sri Lanka für die Beteiligung an dem blutigen Bürgerkrieg mit der LTTE, einer Organisation der tamilischen Minderheit.
… St. Kitts und Nevis für die Marginalisierung der Insel Nevis, die in einer erfolglosen Unabhängigkeitsbestrebung von Nevis mündete.
… Südafrika für die repressive Behandlung von „illegalen“ Einwanderern z.B. aus Mosambik.
… Sudan für die blutige Unterdrückung der Bevölkerung der Dhafur-Region.
… Surinam für den Ausverkauf des einheimischen Regenwaldes zur Abholzung.
… Swasiland für seine fehlende Demokratie in der letzten absoluten Monarchie Afrikas.
… Syrien für die jahrzehntelange Beherbergung des Eichmann-Gehilfen Alois Brunner, der Ermordung von über 100.000 Juden beteiligt war.
… Tadschikistan dafür, dass der 2006 wieder gewählte Emomalij Rahmonow vor der Wahl die Gegenkandidaten systematisch einschüchterte.
… Tansania, dafür, dass in dem Konflikt zwischen den beiden größten Parteien nach den Wahlen 2000 etwa 30 CUF-Anhänger bei Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften starben.
… Thailand für die repressive Politik gegenüber der muslimischen Bevölkerung in Süd-Thailand.
… Timor-Leste (Osttimor) für die repressive Antwort auf Proteste in der Bevölkerung.
… Togo für sein autoritäres Regime mit seinen massiven Menschenrechtsverletungen.
… Tonga für seine fehlende Demokratie.
… Tschad für die Unterdrückung der Rebellion in der Tibesti-Region.
… die Tschechische Republik für die Marginalisierung der Roma-Bevölkerung.
… Tunesien für die staatliche Repression gegenüber kritischer Medienberichterstattung.
… die Türkei für die Marginalisierung und Unterdrückung der kurdischen Bevölkerung.
… Turkmenistan für sein totalitäres Regime unter Saparmurad A. Nijasow.
… Uganda für den starken Einfluss des Militärs.
… Usbekistan für die blutige Niederschlagung der Proteste in der Stadt Andijon im Ferganatal im Mai 2005, bei der 400 bis 600 Menschen durch usbekisches Militär erschossen wurden.
… Vanuatu für die ungeklärten Besitzansprüche zwischen Vanuatu auf die kleinen Matthew- und Hunterinseln.
… Vatikanstadt für die komplette Ausgrenzung von Frauen in dieser Theokratie.
… Venezuela für die politische Anbiederung an den Iran und die Bedienung antisemitischer Klischees durch den Regierungspräsidenten Chavez („Christusmörder“).
… die Vereinigten Arabischen Emirate für die Marginalisierung der „Gastarbeiter“-Bevölkerung.
… die Vereinigten Staaten von Amerika für die Nicht-Entschädigung der vietnamesischen Opfer des „Entlaubungsmittel“ Orange Laut (verwendet im Vietnamkrieg).
… Vietnam für die Marginalisierung der Minderheiten.
… Weißrußland für das autoritäre Regime unter Präsident Lukaschenka.
… die Zentralafrikanische Republik für ihre Putsch-Regierung.
… Zypern für die mangelhafte Verständigung zwischen den beiden Landesteilen.

Auch für die in dieser Aufzählung ausgelassenen Staaten (vor allem Klein- und afrikanische Staaten) würden sich Gründe für Kritik und Boykotte finden. Die pazifischen Inselstaaten beispielsweise nutzen ihre Stimme um, dafür von Japan bestochen, für erweiterten Walfang zu stimmen.

So genannte „Failed States“ (Haiti, Salomonen, Somalia) also Staaten ohne zentrale Regierungsmacht fanden keine Berücksichtigung.
Auch Quasi- bzw. Para-Staaten wie zum Beispiel das Kosovo etc. wurden nicht in die Aufzählung aufgenommen, obwohl sich auch hier natürlich Kritikpunkte finden, beim Kosovo zum Beispiel der Antiziganismus der UCK bzw. ihrer politischen Vertretung.

Was neben dem Fakt auffällt, dass viele Staaten, die nicht Israel heißen „schlimme Sachen anstellen“, die im Westen oft nicht bekannt oder ignoriert werden, ist, dass besonders in der Außenpolitik als auch gegenüber Minderheiten sowohl autokratische Regimes als auch parlamentarische Demokratien sich allerhand zu Schulde lassen kommen.
Libertäre Linke weisen hier darauf hin, dass radikal-demokratische Selbstverwaltung niemals in derart großen anonymen Kollektiven wie Staaten mit ihren institutionalisierten Hierarchien (Repräsentantensystem) möglich sind. Nur kleinere „freie Assoziationen von Individuen“ (Marx) können wirklich selbst über ihre Belange entscheiden. Voraussetzung ist natürlich eine gleiche Ausgangsbasis bzw. allgemein anhaltende gleiche ökonomische Bedingungen, die nur durch die Vergesellschaftung von Produktionsmitteln erreicht werden kann.

Viele verzichten auf den Kauf von israelischen Jaffa-Orangen, aber niemand interessiert es ob sich mit dem Coltan in den technischen Geräten (z.B. Handys) die Bürgerkriegsparteien in Kongo finanzieren.

(Stand der zu Grunde gelegten Informationen: Ende 2006)

by R. Schwarzenberg

Gestohlene Kinder – Kindesraub und Zwangsadoption als Herrschaftsinstrument

Kinderraub ist kein neues Phänomen. Seit Jahrtausenden schon werden Eltern ihre Kinder mit Gewalt entrissen. Davon erzählen Sagen und Legenden, aber auch moderne Erzählungen wie „Onkel Toms Hütte“.
Die Vorkommnisse von Kindesraub und Zwangsadoption sind unterschiedlich gut dokumentiert und kritisch aufgearbeitet worden. Was aber fehlt ist eine Gesamtdarstellung der Fälle und Formen von organisiertem Kindesraub, zeitlich begrenzt zum Beispiel auf das 20. Jahrhundert. Daraus könnte man dann versuchen abzuleiten, ob es Grundvoraussetzungen für diese grausame Praxis gab und inwiefern sie sich in Ausführung und „Begründung“ (dafür kann es ja in Wahrheit keine Begründung geben) unterscheiden.
Im Folgenden soll kurz dargestellt werden wie sich Kindesraub vor dem 20. Jahrhundert darstellte, danach sollen die Fälle im 20. Jahrhundert vorgestellt und anschließend ein Vergleich und Fazit versucht werden. Natürlich handelt es sich um ein an der Oberfläche bleibende Überblicksdarstellung mit großen Lücken. Eigentlich wäre das Thema eine eigenen Sammelband wert.

Kinderraub vor dem 20. Jahrhundert
Bereits in Vergangenheit kam es zu Kindesraub und Zwangsadoption. Ausführend war zum Teil die Obrigkeit, wie im Fall der Kaiserin Maria Theresa von Österreich, die Roma-Kinder ihren Eltern wegnehmen ließ und zur Zwangsadoption freigab. Hintergrund war der Versuch der Zwangsassimilierung, der häufig als „unkontrollierbar“ wahrgenommen Roma-Bevölkerung.
Während es im christlichen Abendland im 17. Jahrhundert die so genannten „Beutetürken“kinder gab, die bei Kriegszügen geraubt und dann zwangschristianisiert wurden, gab es auf muslimischer Seite eine ähnliche Praxis.
Als „Knabenlese“ (auch: „Türkentribut“) bezeichnet man die vom Osmanischen Reich praktizierte Zwangsrekrutierung, bei der in den christlichen Provinzen vorwiegend männliche Jugendliche aus ihren Familien entführt und zwangsislamisiert wurden, um sie für seine eigenen Dienste einzusetzen. Als Begründung dafür wurde eine Koransure herangezogen (Sure 8, Vers 41), in der es heißt:
„Und ihr müßt wissen: Wenn ihr irgendwelche Beute macht, gehört der fünfte Teil davon Allah und dem Gesandten und den Verwandten, den Waisen, den Armen und dem, der unterwegs ist.“
Daraus wurde interpretiert, dass es einen muslimischen Anspruch auf jeden fünften Knaben gäbe. Die geraubten Jungen wurden, nachdem sie in Bauernfamilien die osmanische Sprache gelernt hatten, nach den Regeln des Islam erzogen und in der osmanische Armee (als „Janitscharen“) oder in der Verwaltung eingesetzt. Wegen ihrer Nicht-Zugehörigkeit zu Clans oder Adelsfamilien, stellten sie am Hof eine loyale Basis für den Herrscher dar.
Die „Knabenlese“ wurde hauptsächlich auf dem Balkan ausgeführt und soll anfangs ausschließlich bei Serben, im 14. bis zum 18. Jahrhundert durchgeführt worden sein.

Doch Kinderraub ging nicht nur von der Obrigkeit aus. Es gibt auch Berichte, dass sich in Deutschland die Anhänger der beiden großen Konfessionen gegenseitig ihrer Kinder beraubten, um so die „Seele“ des jeweiligen Kindes zu „retten“.

Australien: Kinderraub gegen Aborigines
Die „Stolen Generation” (gestohlene Generation) ist ein Begriff, der die Kinder – häufig „gemischter“ Herkunft – der Aborigines und der indigenen Bewohner der „Torres-Straßen-Inseln“ beschreibt, die von Institutionen der australischen Regierung und Kirchen-Missionen mithilfe verschiedener Erlasse geraubt wurden. Dieser Raubzug fand von 1869 bis (offiziell) 1969 statt.
Laut dem “Bringing Them Home Report” wurden zwischen 1910 und 1970 insgesamt mindestens 100.000 Kinder auf diese Weise gegen ihren Willen von ihren Eltern geraubt (D. Goldberg).
Über 2.000 Kinder sollen dabei in Waisenhäuser, Anstalten für psychisch Kranke und auch Gefängnisse verschleppt worden sein.

Argentinien: Kinderraub gegen Oppositionelle
Etwa 4-500 Kinder von ermordeten Oppositionellen wurden an Putschisten bzw. Loyalisten des Militärcoups von 1976 „verschenkt“.

DDR: Kinderraub gegen die Zeugen Jehovas und Oppositionelle
In der DDR sollen cirka mehrere hundert Kinder deren Eltern den „Zeugen Jehovas“ angehörten, ihren Eltern geraubt worden sein.
Die Homepage http://zwangsadoptierte-kinder.de/ berichtete von weiteren Fällen von Kindesraub und Zwangsadoptionen.

Kanada: Kinderraub gegen „Native Americans“
In Kanada wurden die Kinder kanadischer „Native American“ (Indianer, Inuit) von ihren Eltern geraubt. Die Indianerinternate in Kanada bestanden bis 1970.

Norwegen: Kinderraub gegen Romas
In den 1960er sollen in Norwegen Romakinder („Tater“) ihren Eltern geraubt worden sein.

Schweiz: Kinderraub gegen Jenische
Der sozikulturellen Minderheit der Jenischen , die teilweise nomadisch und halbnomadisch als „Landfahrer“ leben wurden von 1926 bis 1973 600 Kinder geraubt. Diese 600 Jenische wurden vom Schweizer Jugendwerk „Pro Juventute“ ins „Sittingungshaus“ gebracht.

Kinderraub im „Dritten Reich“
1. Kinderraub im so genannten „Altreich“

Unter Hitler wurden anscheinend auch Kinder von den Zeugen Jehovas (damals als „Bibelforscher“ verfolgt), deren Eltern sich weigerten sie in die HJ gehen zu lassen zur Adoption freigegeben. Solcherart sollen 800 Kinder in NS-Fürsorgeanstalten gelandet sein.

2. „Germanisierungs“-Politik im Osten
Organisator des Kinderraubes in den besetzten Gebieten im Osten war vor allem die SS. Verantwortlich für die Planung und Durchführung war die „Abteilung C2 (Wiedereindeutschung)“ im „Rasse- und Siedlungshauptamt“ (RSH) der SS. SS-Chef Himmler sprach von einer „Aussiebung von Kindern guten Blutes. Die „gut-rassischen Kinder“ gelte es „umzuvolken“ und „einzudeutschen“.
Die wichtigsten Richtlinien der Kinderraub-Aktion (Hrabar: 112) waren:
* „die im »Rassepolitischen Hauptamt« der Reichsleitung der NSDAP ausgearbeitete Studie über die »Sonderbehandlung rassisch wertvoller Kinder« vom 25. November 1939“
* das „Schreiben Himmlers vom 15. Mai 1940 über die Behandlung der Fremdvölkischen im Osten, in dem vorgesehen war, »Jährlich insgesamt bei allen 6–10-Jährigen eine Siebung aller Kinder des Generalgouvernements nach blutlich Wertvollen und Nichtwertvollen“ vorzunehmen“.
* „die Rede Heinrich Himmlers vor höhere SS-Offizieren am 16. September 1942 in Shitomir, in der er anwies, »gutes Blut für Deutschland zu gewinnen« oder es zu vernichten, damit es nicht dem Feind in die Hände falle.“

Zentrum dieser Raubzüge war vor das besetzte Polen. So wurden alle Waisen- und Adoptivkinder im „Warthegau“ erfasst, auf ihre „rassische Eignung“ geprüft und nach äußeren Merkmalen selektiert. Es gab 62-Punkte-Formulare zur „Rasse“-Kategorisierung. Einigen Angaben nach wurde bei den Älteren Kindern auch eine „charakterliche Prüfung“ vorgenommen. Bei Bestätigung der angeblichen „arischen Herkunft“ durch das Äußere wurden die Kinder an ein Gaukinderheim weitergegeben und die Spuren des Raubs wurden in den Akten verwischt. Zur Verschleierung der Herkunft wurden amtliche Dokumente mit bewussten und falschen Angaben produziert. Da der „Lebensborn“ die Kinder meist in der Stadt Posen (Polen) übernahm, wurde der Einfachheit halber meist auch Posen als Geburtsort bestimmt. Auch die Vor- und Nachnamen, teilweise auch das Geburtsdaten, wurden geändert. Die Namen wurden meist eingedeutscht. So wurde aus Jan Sulisz wurde Johann Suhling und aus Helena Fornalczyk Helen Former. Zur Tarnung wurden auch Geschwister getrennt. Mit einem solchen Verfahren wurde die Herkunft der Kinder vollends verborgen.
Zuerst wurden sie dann in Durchgangslagern gesammelt, um sie dann in spezielle Heime im „Altreich“, in deutsche Heimschulen zu bringen. Die Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren wurden an den „Lebensborn“ (SS-Organisation), die im Alter von sechs bis 12 Jahren an den „Inspekteur der Deutschen Heimschulen“ bzw. an eine „Deutsche Heimschule“ geschickt. Nach einiger Zeit sollten diese Kinder durch den „Lebensborn“ deutschen Familien zur Adoptierung vermittelt werden. Die Kinder beim „Lebensborn“ sollten vor allem an kinderlose, verdiente SS- und NS-Ehepaare vermittelt werden. Dass mit den geraubten Kindern als Adoptivkinder hohe Nazis belohnt wurden, zeigt das Beispiel, dass zwei Kinder aus der „Oberkrain“ im März 1943 dem Münchener Stadtkommandanten Hans von Mann und seiner Frau zugeteilt wurden.

Durch erzwungenes Deutsch-Lernen und Eingliederung in Naziorganisationen (teilw. bei einjähriger Dienstpflicht) sollten die Kinder, die äußerlich dem NS-(Klischee)Bild eines „Ariers“ entsprachen „wiedereingedeutscht“ werden. Dazu gehörte auch das strenge Verbot des Polnischen bei Ahndung mit körperlichen Bestrafungen. Die teilweise sehr harten Bestrafungen und die Zwangsverschleppung an sich, hatten zahlreiche Flucht- und Selbstmordversuche der geraubten Kinder zur Folge. Je älter die Kinder, um so häufiger gab es diese Art der Reaktion. Obwohl die 10 bzw. 12 Jahre für die Aktion als obere Altersgrenze galt, ist bekannt dass beispielsweise auch ein 14jähriges Mädchen aus dem Warthegau zwangsverschleppt wurde, dass darauf hin einen Selbstmordversuch unternahm.

Die geraubten Kinder kamen …
* aus Anstalten und anderen Fürsorgeanstalten (Waisen- und Findelkinder).
* von Pflegeeltern.
* aus „Mischehen“.
* von polnischen ZwangsarbeiterInnen bzw. überhaupt Kinder von Ausländerinnen im Reich
* aus unehelichen Verbindungen zwischen Deutschen und Polen („uneheliche Kinder von Fremdvölkischen“). Teilweise wurden auch schwangere Frauen, die ihre Schwangerschaft abbrechen wollten daran gehindert. So heißt es im, ganz offensichtlich der Tierzüchter-Sprache entlehnten, typisch rassistischen Weise: „Einem von der Kindsmutter gestellten Antrag auf Schwangerschaftsunterbrechung wurde nicht stattgegeben, weil mit einem rassisch guten Nachwuchs zu rechnen ist.“
* aus Familien, die bei Kampf- und Repressions-Handlungen getötet wurden.
* ab 1944 aus Schulen. Mit zunehmenden Kriegsverlusten, scheint das Programm immer mehr ausgeweitet worden zu sein.
* von Eltern, die einen Eintrag in die „Deutsche Volksliste“ (Klassifizierung der angeblichen deutschen Herkunft) ablehnten oder als „politisch belastet eingestuft“ worden.

Beim organisierten Kindesraub stieß sich das abstruse nationalsozialistische Rassen-Dogma aber immer wieder an der Realität. Kinder von slawischen Völkern, also in der NS-Diktion von „slawischen Untermenschen“, wiesen ein Aussehen auf, dass laut herrschender Lehre „arisch“ war. Um diesen Bruch von Realität und Fiktion ideologisch zu überdecken, wurden die geraubten Kinder mit „arischem“ Aussehen zu volksdeutschen Waisenkindern und Nachkommen von slawisierten Deutschen erklärt. Eine deutsche Abstammung wurde einfach behauptet. Denn nach der herrschenden Doktrin war ein „wertvolles“ (also als „arisch“ eingestuftes) Kind automatisch auch germanisch. Alle blonden und blauäugigen Kinder in einem polnischen Waisenheim waren damit Deutsche, die es in die „Volksgemeinschaft“ wieder einzugliedern („Wiedereindeutschung“) galt.
Ausnahme bei dieser Art der ideologischen Rechtfertigung waren aber immer Juden. Egal wie blond und blauäugig Juden waren, sie waren in den Augen der Nationalsozialisten zuallererst und zuallerletzt Juden. Das unterschiedliche Aussehen von Juden gilt nach der antisemitischen Lehre als einer der Tricks der Juden um sich als „Parasitenvolk“ ihrem „Wirtsvolk“ anzupassen.

Eine ganze Reihe von Institutionen neben dem bereits erwähnten „Lebensborn“ waren an dem organisierten Kinderraub beteiligt. Ein speziell von Himmler ernannter Lebensbornbeauftragter war für den Transport der „einzudeutschenden“ Pflege- und Waisenkinder zuständig.
Die „Nationalsozialistische Volkswohlfahrt“ (NSV) nahm u.a. Überprüfungsbesuche bei den Eltern vor, um zu sehen ob es dort geeignete Kinder gab.
Auch der „Verein für das Deutschtum im Ausland“ (VDA) soll an der Zwangsverschleppung von Kindern während des Zweiten Weltkrieges beteiligt („Eindeutschung“) gewesen sein.

Für die Kinderraub-Aktionen existierten im „Altreich“ und den besetzten Gebieten einige Stützpunkte.
* Kalisz (Westpolen)
Eines der großen Heime dieser Aktion war das Heim Kalisz, in das seit 1940 mehrere tausend Kinder eingeliefert worden sind.
* Bobruisk (Weißrussland)
In Bobruisk wurde ein Heim für „herrenlose Kinder“ (Himmler) eingerichtet. Auch in Wielkopolska, Lodz und Pomorze existierten solche Germanisierungslager.
* Oberweis (Österreich)
Im österreichischen Oberweis existierte das „Lebensborn“-Heim „Alpenland“, dass dann im Januar 1945 in Heim „Hochland“ umbenannt wurde.
* Puschkau (damals bei Breslau)
In Puschkau existierte ein Kinderheim.

Insgesamt lag der Schwerpunkt dieses Raubzuges in Polen, vor allem im so genannten „Warthegau“ (Zentral-Polen), weniger im „Generalgouvernement“.
Entführt wurden aber auch:
* jugoslawische Kinder. Mindestens 20 bis mehrere 100 jugoslawische „Banditenkinder“, also die Kinder getöteter Partisanen, wurden in Jugoslawien geraubt.
* tschechische Kinder. Hier ist bekannt, dass aus dem von der SS zerstörten tschechischen Dorf Lidice auf persönliche Anweisung Himmlers Kinder selektiert wurden. Ihre Väter wurden derweil erschossen und ihre Mütter ins KZ deportiert.
* slowenische Kinder. Am 25. Juli 1942 hatte Himmler befohlen, Kinder aus dem „Gau Oberkrain“ (Slowenien) und der „Untersteiermark“ (Slowenien) ins „Altreich“ zu überführen.
Ihre Väter waren im Rahmen der „Aktion Enzian“ erschossen, die Mütter in Konzentrationslager gebracht worden, weil sie angeblich Partisanen unterstützt hatten. Es sollen dabei 600 Kinder der „Wertungsgruppe I und II im Alter von 6 bis 12 Jahren“ dem „Lebensborn“ übergeben worden sein.
Von dem Kinderraub sollen ebenso Kinder slowenischer Familien aus Oberkärnten betroffen gewesen sein.
* weißrussische Kinder. So fand beispielsweise zwischen Februar und April 1943 in Weissrußland an der Grenze zu Lettland unter dem Decknamen „Winterzauber“ eines der größten Partisanen“jagd“unternehmen statt. Nach einem Bericht des Reichs-Ostministeriums wurden „mehrere Hunderte von Dörfern vernichtet, darunter einige mit mehreren Tausend Einwohnern“. In den Dörfern seien zuerst alle Männer im Alter von 16 bis 50 Jahren und dann „alle weiteren Verdächtigen erschossen“ worden. Die herumirrenden Kinder wurden später wie ihre Eltern erschossen oder in Einzelfällen an lettische Familien „verteilt“. Hier wurden also Kinder an lettische Kollaborateure „abgegeben“.
* rumänische Kinder. Hier sollen besonders Kinder aus dem Banat betroffen gewesen sein. Diese Region wurde lange Zeit von einer deutschsprachigen Minderheit bewohnt. Da liegt der Verdacht nahe, dass die Nazis alle Kinder in den Waisenhäusern der Region mit entsprechendem Aussehen als deutschstämmig deklariert haben.
* ungarische Kinder.

Der Autor Madajczyk gibt an, dass insgesamt 200.000 Kinder aus Polen als „Ostkinder“ und „eindeutschungsfähige Kinder“ verschleppt wurden, von denen nach Kriegsende nur 15-20% zurückkamen (Hrabar: 152). Laut neueren Erkenntnissen der „Deutschen Forschungs-Gemeinschaft“ (DFG) sollen insgesamt 20-50.000 Kinder aus Polen geraubt worden sein. Diese Zahlen sind aber recht unsicher. Als Einzelfälle bestätigt werden konnten nur mehrere hundert. Gesichert ist, dass mehrere tausend Kinder geraubt worden.
Insgesamt fällt auf, dass die Forschungsliteratur recht unterschiedliche Angaben liefert und hier insgesamt noch eine neuere Gesamtbearbeitung aussteht.

Nicht erwähnt wurden in diesem Abschnitt Kinder und Jugendliche, die für Zwangsarbeit verschleppt worden. Prinzipiell handelte es sich dabei ja auch um Menschenraub, doch war dieser gänzlich anders motiviert. Nämlich zweckrational und nicht ideologisch.

Der „Kinderraub“ als Verbrechen fand auch Erwähnung im 8. Nürnberger Prozess vor dem I. Amerikanischen Militärtribunal in Nürnberg.

Fazit
Motive für Kinderraub
Nach der eingehenderen Betrachtung der verschiedenen Fälle von Kinderraub kristallisieren sich vier verschiedene Motive für Kindesraub heraus. Es können natürlich auch mehrere dieser Motive gleichzeitig zutreffen.

1. „Seelenrettung“
Hierbei ging es weniger um das echte Kind, als vielmehr um die zu rettende Seele, die es der jeweiligen Religion bzw. Konfession zu gewinnen galt.
Ein historischer Sonderfall, der sich nicht so einfach in die anderen Fälle von Kindesraub einfügt, ist die Rettung jüdischer Kinder während des Zweiten Weltkrieges. Jüdische Familien gaben dabei ihre Kinder unter Verfolgungsdruck „freiwillig“ zu christlichen Familien, um sie so zu retten. Nach 1945 schuf das natürlich Konflikte. Das katholische Kirchenoberhaupt Papst Pius der XII sprach sich 1946 offen gegen die Rückgabe katholisch getaufter jüdischer Waisenkinder aus. Es darf angenommen werden, dass es Pius XII dabei weniger um die Kinder an sich, als vielmehr um die für die katholische Kirche gewonnenen Seelen ging.

2. Belohnung von Anhängern (Argentinien, teilweise „Drittes Reich“)
Hierbei wurden Kinder an kinderlose Paare abgegeben. Dieser akt stellte eine Belohnung für verdiente Anhänger des jeweiligen Regimes dar.

3. Verstärkung des eigenen Kollektivs (teilweise „Drittes Reich“)
Dabei werden die Reihen des eigenen Kollektivs mit Kindern aus anderen Kollektiven aufgefüllt, sofern diese den Anforderungen („rassische Eigenschaften“ im „dritten Reich“) genügen.

4. „Zivilisierung“ und Erziehung (Australien, DDR, Norwegen, Kanada, Schweiz, teilw. „Drittes Reich“)
Vermeintlich „unzivilisierten“ (Indigene, Jenische, Roma) oder oppositionellen Gruppen (z.B. Zeugen Jehovas) wurden die Kinder geraubt um sie dem angeblich schädlichen Einfluss der Eltern zu entziehen. Stattdessen wurden die Kinder im jeweils herrschenden Geist erzogen. Entweder in einer bestimmten Ideologie (DDR, „Drittes Reich) oder in dem, was als zivilisiert betrachtet wurde. In der „Zivilisierung“ angeblich „Unzivilisierter“ liegt ein starkes postkoloniales Element. Denn mit ähnlichen Aussagen versuchten die europäischen Kolonialmächte ihre Kolonial-Expansion zu begründen.
Diese „Zivilisierungs“-Maßnahmen lassen sich unter den Oberbegriff „social engineering“ fassen.

Schon bei der oberflächlichen Betrachtung, der vom Autor ermittelten Fälle, fällt auf, dass die Systeme, die Kindesraub betrieben, sowohl parlamentarisch-demokratischer (Australien, Kanada, Schweiz) als auch autoritärer und totalitärer (Argentinien, Drittes Reich) Natur waren bzw. sind.
Auch in einer repräsentativen Demokratie ist es möglich, dass sich die Mehrheit repressiv gegen eine Minderheit richtet bzw. dass zumindest toleriert. In Anbetracht der Auswüchse, nämlich dem Raub von Kindern, darf das durchaus als Apartheid im Kleinen oder als Diktatur der Mehrheit gegen eine Minderheit eingestuft werden.

by R. Schwarzenberg

Verwendete Literatur (Auswahl)
Ralph Giordano: Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte, Seite 153-59

Dan Goldberg: Ein Akt der Versöhnung, http://www.tachles.ch/artikel.php?id_art=4191

Clarissa Henry / Marc Hillel: Lebensborn e. V. Im Namen d. Rasse, Wien 1975, Seite 242-263, 280-295

Roman Hrabar: Kriegsschicksale polnischer Kinder, Warschau 1981, Seite 109-155

Volker Koop: Die Kinderraub-Maschine der Nazis, http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/380/helene_heise_die_kinderraub_maschine_der_nazis.html

Georg Lilienthal: Der „Lebensborn e. V.“. Ein Instrument nationalsozialistischer Rassenpolitik, Stuttgart 1985, Seite 218-34

Czeslaw Madajczyk: Die Okkupationspolitik Nazideutschlands in Polen 1939-1945, Berlin 1987, Seite 473 und 474

Lauschgift für Kinderohren

Ich lese regelmäßig Kindern im Grundschulalter vor. Neulich las ich „Pipi feiert Weihnachten“ vor. Im Anschluss sprachen wir noch ein bisschen über die Welt der Pipi Langstrumpf. Als alter Lindgren-Experte stellte ich den Kindern die Frage, was den Pipis Vater mache. Damit zielte ich auf seine Seefahrer-Tätigkeit ab. Mehrere Kinder antworteten mir aber: „Er ist Negerkönig!“
Damit hatten sie natürlich nicht Unrecht. Es steht so tatsächlich in der deutschen Ausgabe. Wie es sich im schwedischen Original verhält, ist mir unbekannt. Aber auch sonst kommen schwarze Menschen bei Astrid Lindgren schlecht weg. In „guter“ (post-)kolonoalistischer Tradition werden die schwarzen Bewohner von Taka-Tuka-Land als nette aber reichlich infantile Halbkinder dargestellt.
Jedenfalls zeigt diese Anekdote, dass sich in Kinderliteratur auch allerhand Unerfreuliches verstecken kann. Über die populäre Langstrumpf-Reihe hält das ansonsten, zu Recht verfemte, N-Wort Einzug in unwissende Kinderköpfe.
Hier zwei Beispiele aus der populären Kinder-und Jugend-Literatur.

Zum Beispiel „Oliver Twist“ von Charles Dickens

Die Wände des Raumes waren von Schmutz und Rauch geschwärzt, auf einem wackligen Tisch stand ein im Hals einer Bierflasche steckendes Licht, und am Kamin lehnte die zusammengeschrumpfte Gestalt eines alten Juden. Er hatte ein spitzbübisches Gesicht und dichtes rotes Haar.

(Seite 39)

Fagin klingelte, und es erschien ein anderer Jude, jünger als er, aber ebenso hässlich. Sikes zeigte stumm auf den leeren Krug. Der Jude verstand den Wink und ging wieder heraus, wobei er Fagin einen Blick zuwarf, den dieser durch ein kaum merkbares Kopfschütteln beantwortete.

(Seite 73)
Auch das antisemitische Klischee, dass alle Juden Verbündete seien, fehlt nicht. Auch der andere Bewohner der Räuberhöhle ist ein Jude:

In der Gaststube war niemand anwesend außer einem jungen Juden, der in einem schmutzigen Zeitungsblatt las.

(Seite 249)

Die Akte Karl May
Auch in den Werken von Karl May finden sich Rassismus (z.B. gegen Armenier) und Antisemitismus, ebenfalls störend wirkt Karl Mays missionarisches und stark überzogenes christliches Sendungsbewusstsein. Im Prinzip bekehrt der Hauptheld immer wieder „Wilde“ zum „wahren Glauben“, nach Karl May das Christentum. Winnetou stirbt als Christ in den Armen von Charly (Old Shatterhand) mit einem „Ave Maria“ in den Ohren und auch Kara ben Nemsi macht aus Hadschi Halef Omar einen Christen.
Da hilft es auch nicht, dass Karl May ungewöhnlich früh als Autor in seinen Geschichten unpopuläre Themen wie Kurdenverfolgung, Indianervernichtung und sogar Umweltverschmutzung usw. aufgriff.

Karl Mays simplen Heldengeschichten hatten übrigens noch mehrere seltsame Nachspiele, die zeigen, dass Karl May auch viele Fans in der politischen Rechten hatte. Es ist bekannt, dass Adolf Hitler auch dazu gehörte. Im März 1912 (10 Tage vor K. Mays Tod) hielt K. May in Wien den Vortrag „Empor ins Reich der Edelmenschen“ in Wien – ein Plädoyer für den Weltfrieden; unter den Zuhörern war auch der junge Adolf Hitler [1]. Hitler hatte Karl-May-Lektüre auf dem Obersalzberg vorrätig. So schrieb ein Besucher im März 1933:

Ein Messingbett, Schrank, Waschgerät und einige Stühle, das ist die ganze Einrichtung … dann kommt eine ganze Reihe Bände von – Karl May! Der Winnetou, Old Surehand, der Schut, alles liebe Bekannte. Wie menschlich nahe ist uns der Mann, der neben einem Geisteswerk … noch die Muße findet für diese Lektüre!

Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess bemerkte zu Hitlers Karl-May-Fantum:

Die Person Winnetou habe ihn …. immer tief beeindruckt. Er sei geradezu das Musterbeispiel eines Kompanieführers. Winnetou sei zudem sein Vorbild eines edlen
Menschen.

Doch handelt es sich nicht allein um eine Privat-Vorliebe des „Führers“. Auch andere Offizielle sahen in Karl May und seinen Figuren ein Vorbild.
Hans Schemm, bayrischer Kultusminister und Reichsleiter des NS-Lehrerbundes dazu 1934:

Zum deutschen Buben und Mädel gehört mehr als die sogenannte Schulbravheit, nämlich Mut, Entschlusskraft, Schneid, Abenteuerlust und Karl-May-Gesinnung.

Karl May war da freilich schon tot. Aber seine Frau, Klara May, wurde zu einer überzeugten Nationalsozialistin. Klara May (überzeugtes NSDAP-Mitglied), schrieb in der Dresdner NS-Zeitung „Freiheitskampf“ die Serie „Unter dem Hakenkreuz durch die Welt“.
Auch andere Mitglieder aus der posthumen Karl-May-Verwertung engagierten sich für das Nazi-Regime. Der Maler Elk Eber (* 1892), Mitglied des Münchner Korps Rhena-Paletia, Freikorps-Mitglied und Teilnehmer am Hitlerputsch 1923, malte bekannte Karl-May-Bilder.
Das alles macht aus Karl May noch keinen Faschisten und auch nicht aus seinen LeserInnen. Jedoch sollte einmal genauer hingeschaut werden, was Menschen wie Hitler an Karl May so faszinierte und was Karl May in seinen Büchern schreibt. Besonders die Karl May eigene Volksgruppen- und Religions-Hierarchie ist mehr als problematisch.

Struwelpeter rassistisch
Auch der Struwelpeter beinhaltet Rassismus

Tim und Struppi kolonial
Koloniale Attitüden in Tim & Struppi

Wilhelm Busch antisemitisch
Antisemitismus bei Wilhelm Busch

Verwendete Literatur
Charles Dickens: Oliver Twist: GEOlino-Bibliothek, aus dem Englischen von Susi Haberl, cbj-Verlag, München, 2005; Figur des Fagin, Seite 39, 73, 249

[1] Hamann, Brigitte: Hitlers Wien. Lehrjahre eines Diktators. München 1996

[2] Christiane Reuter-Boysen: Im Widerstreit: Karl May, in: Uwe Puschner, Walter Schmitz, Justus H. Ulbricht (Hrsg.): Handbuch zur „Völkischen Bewegung“ 1871 – 1918, München 1999, Seite 699-710

Elsässer klaut bei den REPs und der NPD

REPs-Plakat
Original REPs

NPD-Screenshot
Original NPD

Elsaeeser-Screenshot
Elsässers billige Nachahmung

Populismus-Baustein: Antiamerikanismus, Unterkategorie: Bush-Bashing

Wallstreetterror
Antiamerikanismus in guter alter deutscher Tradition: Buch von 1942

Nun ist er weg. George Walker Bush. Letzte Polemiken und Hassbotschaften wurden ihm noch nachgeworfen, ebenso wie zwei Schuhe. Noch ein letztes Mal übten sich Presse, selbsternannte Amerika-Experten und Stammtisch ausgiebig im „Bush-Bashing“ und bedienten damit in populistischer Manier den Antiamerikanismus der Deutschen (und vermutlich auch der Europäer allgemein).
Bush-Bashing war gleich nach dem Fußball der Deutschen liebster Volkssport. Jeder noch so vergreiste Uni-Professor konnte bei seinen Zuhörern Punkte sammeln, wenn er kräftig auf den „Cowboy“ im „Weißen Haus“ schimpft.
Vorgemacht hat es der abgehalfterte Grünen-Politiker Ströbele, der einst die irakischen Raketenangriffe auf Israel „die logische, fast zwingende Konsequenz der Politik Israels“ nannte. Er versuchte sich einem schlecht gemachten Musikstück als Anti-Bush-Sänger und sieht den Ex-Präsidenten schon bald vor dem Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag.

Ein großer Verlust ist es allemal für alle Antiamerikaner und für viele selbsternannte Weltpolitik-Experten auch.
Wen sollen sie jetzt für allen Unbill dieser Welt verantwortlich machen? Der Papst eignet sich dafür anscheinend nicht so gut. Besonders bei den Deutschen. Ist doch hierzulande die nationale Identifikation mit dem Oberhaupt der katholischen Christenheit recht hoch („Wir sind Papst!“).
Da viele (nicht alle!) ihre antiamerikanischen Ressentiments gegen die Vereinigten Staaten im Bush-Bashing auslebten ist der Verlust für viele auch riesengroß.
Bush-Bashing war erkennbar eine Spielart des Antiamerikanismus. Sicher hat dieser US-Präsident viele Fehler gemacht, seine Politik hat Opfer gefordert und im eigenen Land hat er die sozialen Gegensätze noch zugespitzt.
Doch Gleiches trifft auch auf Gerhard Schröder oder Chaque Chirac zu. Deren Kriege oder Kriegsbeteiligung im Ex-Jugoslawien (Kosovo) oder in der Republik Elfenbeinküste fanden ungleich weniger Kritik.
Eine rationale Bewertung der Politik von George W. Bush mit all ihren Fehlern, aber ohne eine Litanei der Verdammung zu sein, ist nicht nur vielen Normalmenschen unmöglich gewesen, sondern auch viele Medien fielen in ihre antiamerikanischen Beißreflexe zurück.
George W. Bush wurde für jeden Toten im Irak persönlich verantwortlich gemacht und nicht etwa die religiösen und nationalistischen Fanatiker, die mit Selbstmordattentaten möglichst viele Menschen in den Tod zu reißen versuchen. Sicher, die amerikanische Irak-Politik ist desaströs. US-Soldaten waren immer wieder an Morden an Zivilisten beteiligt, es wurde systematisch Folter angewendet und allgemein wurde weniger angeklopft als vielmehr reingestürmt.
Viele Tote im Irak sind aber auf innerirakische Konflikte zurückzuführen, die von Saddam Husseins Gewaltherrschaft unterdrückt worden sind. Dafür sind schlecht die Besatzer verantwortlich zu machen. Auch Guantanamo ist sicher ein Schandfleck auf der Weste der USA, aber Guantanamo ist kein neues Auschwitz. Wer so etwas behauptet relativiert und verharmlost den Nationalsozialismus. In Guantanamo wurde und wird niemand vergast. Trotz der fehlenden Rechte und vieler Verwechslungen sind einige der Insassen durchaus schuldig im Sinne der Vorwürfe. Im Gegensatz zu Auschwitz.
G8-Holocaustrelativierung
Und George W. Bush ist auch nicht der neue Hitler gewesen. Präsident Bush kann abgewählt werden und verfolgt als Staatsoberhaupt rational die Interessen seines Landes und nicht irgendeinen Wahn.
Holocaustrelativierung

JedeR kennt und kritisiert Guantanamo. Aber niemand interessiert sich für das Schicksal des weiblichen Bevölkerungs-Teil Saudi-Arabiens.

Man kann die saudischen Frauen in der Tat mit den Gefangenen von Guantánamo vergleichen.

Die Insassen von Guantánamo können wenigstens noch die Sonne sehen und müssen sich nicht mit einem schwarzen Umhang verhüllen. Auch könnten sie eine Affäre mit einem anderen Gefangenen haben. In Saudi-Arabien verliert eine Frau, die mit einem anderen Mann erwischt wird, ihr Leben. Die ganze Welt kennt die Zustände in Guantánamo und redet darüber, dass die Gefangenen dort ohne wirkliche Beweise festgehalten werden. Aber über die saudischen Frauen, die seit Jahrzehnten in Gefängnissen sitzen, redet niemand. Die saudischen Frauen leben in fünf Gefängnissen. Wenn sie keine Probleme mit ihrer Familie und ihrem Stamm haben, werden sie spätestens von der Gesellschaft attackiert. Wenn sie das durchstehen und nicht von der Religionspolizei verhaftet werden, kommt die Regierung. Wenn die sie ins Gefängnis wirft, sind sie vergessen.

(Wajeha al-Huwaider, Gründerin der League of Demanders of Women’s Right to Drive Cars, in dem Interview »Unsere Omas durften auch Kamel reiten«, http://www.jungle-world.com/seiten/2007/39/10711.php)

Zu Saudi-Arabien unterhalten alle westlichen Staaten, also auch die USA und Deutschland, normale bis freundschaftliche Beziehungen.

Ob Obama soviel anders macht und machen kann ist fraglich.
Für kühle, linke Analysten bleibt das Credo: Don’t fight the players, fight the system. Und erweitert ist noch hinzuzusetzen: Watch your own country!

BUCHTIPP: Claus Kleber: Amerikas Kreuzzüge. Wohin treibt die Weltmacht?, München 2005, 302 Seiten

Der Autor agiert mit seinem Buch als ein Mythenbrecher. Durch Insider-Wissen und jahrzehntelange Erfahrung gelingt es ihm die Spezifika des Amerika unter George W. Bush herauszuarbeiten ohne sich in die Niederungen des Antiamerikanismus zu geraten. Im Gegenteil, er räumt konsequent auf mit antiamerikanischen Klischees und Vorurteilen: Nicht die Zensur, sondern Selbstunterwerfung und Gewinn-Denken legte die kritische US-Presse lahm. Nicht kaltblütiges Kalkül, sondern Irrtum und Fehler führten zur Durchsetzung der Kriegsfraktion innerhalb des Bush-Kabinetts. Präsident Bush und seine Regierung sind nicht die neuen christlich-fundamentalistische Kreuzritter, sondern sendungsbewußte Menschen, die an Amerikas Auftrag glauben. Präsident Bush ist nicht eine Marionette seiner Berater, lässt sich aber von den Spezialisten in seiner Umgebung stärker beraten als z.B. Präsident Clinton. Präsident Bush ist kein Cowboy oder Tölpel, sondern ein Durchschnittstyp.

Durch seine Stellung gegen die althergebrachten antiamerikanischen Vorurteile und eine gewisse Nähe zum Polit-Establishment gerät das Buch aber streckenweise zu positiv in Vorausschau und Bewertung. Eine kritische linke Note hätte ihm ganz gut getan. Das viele Akteure in den USA oder im Irak bzw. Afghanistan nicht die Böslinge sind, als die sie gerne dargestellt werden, schön und gut, aber Fehler wurden trotzdem gemacht. Einige benennt der Autor, andere leider nicht.



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