„Neturei Karta“ – Der Antisemiten liebste Juden

Sie wünschen sich die Auflösung Israel und sind ultraorthodoxe Juden. Warum eine kleine jüdische Sekte bei Antizionisten und Antisemiten so populär ist.

Die etwa 5.000 Anhänger (anderen Angaben nach 8.000), der um 1938 in Jerusalem gegründete jüdisch-ultraorthodoxe Gruppe Neturei Karta (aramäisch: „die Wächter der Stadt“) propagieren aus religiösen Gründen einen radikalen Antizionismus. Neturei Karta ist vor allem in New York, aber auch in Wien und London, präsent.
Nur mit der Ankunft des Messias wäre es laut ihrem Glauben erlaubt einen jüdischen Staat wiederzugründen. Daher lehnen Neturei Karta Israel und den Zionismus als Sünde ab.
Bei ihrer Bündnispolitik gegen Israel sind die Neturei Karta nicht wählerisch; sie verteidigen die neue HAMAS-Regierung der Palästinenser, betrauern den Tod Arafats und unterstützen die Forderung des iranischen Präsidenten Ahmadinejads nach der Vernichtung Israels (a) oder stellten sich an die Seite des Holocaustleugners (b). Im März 2006 besuchten Vertreter von Neturei Karta iranische Regierungsmitglieder um sich mit ihr bei der Vernichtung Israels zu solidarisieren (c).
In der Palästinensischen Autonomie-Regierung bekleidete der Führer dieser Gruppe, Rabbi Mosche Hirsch, unter Arafat sogar das Amt eines „Minister für jüdische Angelegenheiten“ (d).
Das Mitglieder der Neturei Karta bei Al-Quds-Demonstrationen mitgelaufen sind (e) ist da eher eine Notiz am Rande.
Ebenso wie im Antisemitismus werden die (zionistischen) Juden bei den Neturei Karta für Antisemitismus selbst verantwortlich gemacht.
Einige Vertreter von Neturei Karta behaupteten sogar die Zionisten hätten Juden an die Nationalsozialisten ausgeliefert um aus politischen Gründen die Opferzahlen hochzutreiben. Ebenso behauptete Rabbi Aharon Cohen auf einer Pressekonferenz in Teheran:
„Zionisten sind an fast jedem Verbrechen auf der Welt beteiligt, aber leider behaupten sie das jüdische Volk zu vertreten.“ (f) Bei solchen Aussagen mit eindeutig antisemitischen
Grundgehalt wundert es nicht, dass der Rabbiner und Leitende Direktor von „Neturei Karta International“ Hilel Deutsch der rechtsextremen „Deutschen National-Zeitung“ ein Interview gab (g). Ebenfalls in einem Interview in der National-Zeitung vom 7. Juni 2002 erklärte Moishe Arye Friedman (*1972), selbsternannter Oberrabbiner der orthodoxen jüdischen Gemeinde in Wien und „Neturei Karta“-Mitglied: „Zionismus läuft in Hinblick auf die Palästinenser auf Faschismus und Apartheid hinaus.“ Auch der österreichischen Rechtspostille „Zur Zeit“, der rechten Schrift „Der Eckart“ (h) oder der neurechten Berliner Wochenzeitung „Junge Freiheit“(h) stand Friedmann bereits für ein Interview zu Verfügung (i). Am 1. Juli 2004 war der antisemitische Ex-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann zusammen mit dem ehemaligen FPÖ-Bundesrat John Gudenus in Wien zu Gast bei einer antiisraelischen „Internationalen Rabbiner-Konferenz“ von Neturei Karta, auf der der Rabbi Moishe Arye Friedman behauptete: „Die Zionisten tragen eine wesentliche Schuld am Holocaust.“ (j) Hohmann wollte sich auf Anfrage von solchen Thesen nicht distanzieren.
Solche Aussagen lassen erkennen, dass Neturei Karta eine Art des esoterischen Antisemitismus propagandiert: Die Juden/Zionisten seien durch ihr schlechtes Verhalten („Karma“) selbst Schuld an ihrem Schicksal.
Auch zu den neuesten Ereignissen äußerte sich diese obskure Sekte. Oben genannter Moishe Arye Friedman verurteilte die „barbarischen zionistischen Terrorangriffe“, solidarisierte sich mit der Hisbollah und leugnete das Existenzrecht Israels (k).
In den USA soll sich die Gruppe zudem solidarisch mit der ethnozentrischen afroamerikanischen „Nation of Islam“ und ihrem offen antisemitisch agierenden Vorsitzenden Louis Farrakhan erklärt haben. Das zeigt, dass Juden alles sein können, was auch Nichtjuden sind, auch Antisemiten.
Gerade diese, äußerlich an der Kleidung als (ultraorthodoxe) Juden erkennbare, winzige jüdische Sekte erfüllt für notorische Antisemiten und Antizionisten eine dankenswerte Alibi-Funktion. Jeder Antisemit, der mit dieser Gruppe auftritt, wird sich durch deren Aussagen bestätigt und durch ihre Anwesenheit vordergründig gegen Antisemitismus-Vorwürfe geschützt sehen.

by R. Schwarzenberg
[29.10.2006]

ANMERKUNGEN
(a) Siehe: Rabbis nach Vernichtung Israels, Meldung vom 13. März 2006; http://alsharq.blogspot.com/2006/03/rabbis-untersttzen-forderung.html
(b)Siehe: Rabbi Yisroel Dovid Weiss: With the help of the Almighty, 28.10.05; http://nkuk.org/ ODER www.netureikarta.org
(c) Siehe: Anne-Cathrine Simon: Streit – “Neuer Antisemitismus”, in: Die Presse, 09.08.06; http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=p&ressort=a&id=577264
(d) Siehe: Maurice Tszorf: Siebter Tag: Jude sein in Israel – Teil 1, SWR 2001; http://www.swr.de/swr2/israel/tagebuch/tag7_2.html
(e) Siehe: Bilder von London: Al Quds Demo, 10.11.04; http://de.indymedia.org/2004/11/98413.shtml
(f) Nach: Rabbis nach Vernichtung Israels, Meldung vom 13. März 2006;
http://alsharq.blogspot.com/2006/03/rabbis-untersttzen-forderung.html
(g) Siehe: www.national-zeitung.de/Artikel_03/NZ19_2.html
(h) Siehe: http://www.doew.at/frames.php?/projekte/rechts/chronik/2006_10/magenheimer.html
(i) Siehe: Anne-Cathrine Simon: Streit – “Neuer Antisemitismus”, in: Die Presse, 09.08.06; http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=p&ressort=a&id=577264
(j) Hohmann bei Israel-Gegnern, im: SPIEGEL 29/2004
(k) Siehe: Anne-Cathrine Simon: Streit – “Neuer Antisemitismus”, in: Die Presse, 09.08.06; http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=p&ressort=a&id=577264


1 Antwort auf “„Neturei Karta“ – Der Antisemiten liebste Juden”


  1. 1 Jurek Molnar 01. September 2010 um 12:50 Uhr
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