Kims braune Freunde – Die Volksgemeinschaft Nordkorea und ihre rechten Fans

Nordkorea eine real existierende Diktatur, eine wahr gewordenes 1984, das vermutlich von allen Regimes der Welt das repressivste ist. Vermutungen gehen dahin, dass es in Nordkorea 100.000 politische Gefangene gibt, die zum Teil in Arbeitslagern schuften müssen. Im Grunde aber befindet sich die gesamte Bevölkerung in einer Art erweitertem Gefängnis.
International ist Nordkorea bis auf Kontakte zum Iran und zu Venezuela weitgehend isoliert. Selbst China hat sich nach dem Atombombentest von Nordkorea distanziert.
Ein paar aber gibt es noch, die auch in der Bundesrepublik Nordkorea die Stange halten. Neben ein paar autoritären Stalinisten und Anti-Imperialisten wie der „Freundeskreis der Juche-Ideologie in der Kommunistischen Partei Deutschlands“ mit seiner Homepage www.kdvr.de, solidarisieren sich auch Neonazis mit dem nordkoreanischen Führer Kim Jong Il und seinem Staat.
Dass Neonazis mit Diktatoren sympathisieren hat unterschiedliche Gründe. Einmal meinen sie oft denselben Feind zu haben (Amerikaner, Juden), aber oft geht es auch nur um Geld, wie um das der Öl-Diktatoren Saddam Hussein (Irak) oder Gaddafi (Lybien). Bei manchen Unterdrückungs-Systemen finden die Kameraden aber auch eine ideologische Nähe.
Das ist, neben dem Feindbild USA, der Grund warum einige deutsche Rechtsextreme mit der totalitären Diktatur in Nordkorea sympathisieren.
Der wohl treueste Anhänger des nordkoreanischen Regimes ist die 1996 gegründete nationalbolschewistische ‘Partei der Arbeit Deutschlands’ (PdAD) (a). Der Name steht analog zu der nordkoreanischen Staatspartei „Partei der Arbeit“. Ziel der kleinen PdAD ist die Sammlung ‘nationaler Kommunisten’. Ihr angeschlossen ist die „Gesellschaft zum Studium und zur Verbreitung der Dschutschen Ideologie – Deutsch-Koreanische Freundschaft“ (dazu siehe weiter unten). Diese Gesellschaft soll auch Reisen von Gleichgesinnten nach Nordkorea organisieren. Führende Figur hinter der PdAD ist Michael Koth.
Der in Berlin lebende Michael Koth war früher ein ehemaliger führender Funktionär der SED-ferngesteuerten „Sozialistischen Einheitspartei Westberlin“ (SEW). Später war Koth bis Frühjahr 1995 stellvertretender Vorsitzender der „Kommunistischen Partei Deutschlands“ (KPD). Irgendwann schwenkte Koth dann von links-autoritär auf rechts und Querfront um. So war er beispielsweise Autor in dem antisemitischen Magazin „Sleipnir“, benannt nach dem sechsfüßigen Pferd der germanischen Gottheit Odin.
Koth ist auch führend involviert im 1999 gegründeten „Kampfbund deutscher Sozialisten“ (KDS). Der KDS zählt vermutlich höchstens 50 Mitglieder, aber er gibt sich dafür um so wichtiger, z. B. indem sie Orden und Titel vergeben.
Bis vor kurzem noch war der KDS ausstaffiert wie die SA.
Wegen derartiger Allüren wird der KDS auch in der rechtsextremen Szene belächelt. Trotzdem sind einzelne KDS-Mitglieder, wie Axel Reitz (genannt der „Hitler von Köln“), wichtige Funktionäre in der gesamten rechtsextremen Szene.
Inhaltlich strebt der KDS (erfolglos) eine Querfront an und übt Solidarität mit den verbliebenen anti-amerikanischen Regimes weltweit: Mit Kuba, mit dem Irak unter Saddam Hussein (dessen Botschafter sie 2002 auch empfing), mit dem Iran, mit diversen befreiungsnationalistischen Bewegungen und natürlich mit Nordkorea.
Im KDS-Blatt „Gegenangriff“ sind auch auszugsweise Reden des Diktators Kim Jong Il abgedruckt.
NPD&Nordkorea
Die Dritte und bei weitem wichtigste im Bunde der rechten Nordkorea-Solidaristen ist die NPD. Eine NPD-Delegation der NPD-Sachsen und des Bundesvorstandes der NPD besuchte zusammen mit dem PdAD-Aktivisten Koth am Juli 1998 die nordkoreanische Interessensvertretung in Berlin.
Neben den Vereinigten Staaten als gemeinsames Feindbild von Nordkoreanern und Nationaldemokraten spielte hier wohl auch eine Rolle, dass die NPD ebenso wie Jörg Haider (damals FPÖ, heute BZÖ) und Le Pen (Front National) versuchen eine eigene Außenpolitik zu betreiben.
Der Empfang durch einen unabhängigen Staat soll den Gast aufwerten.
Andererseits existiert noch eine ideologische Nähe zwischen Neonazis und der nordkoreanischen Staatsideologie, die sich Juche-Ideologie (sprich: Dschutsche) nennt.
Die nordkoreanische Juche-Ideologie basiert auf Sprache, nationalen Mythen, einer konstruierten Geschichte und einer Art von Rassenlehre die als wahr angenommen werden.
Sogar eine eigene Zeitrechnung wurde nach Kim Il Sungs Tod in Nordkorea offiziell eingeführt. Der Chuch‘e-Kalender startet mit dem Geburtsjahr Kims 1912 beginnt.
Nach jüngeren Meldungen haben nordkoreanische Delegierte kürzlich Südkorea verdammt, weil dort „gemischtrassige Ehen“ erlaubt seien, was zu einer „Verunreinigung koreanischen Bluts“ führe (b). Nirgend anderswo seien die „Massen reiner und geradliniger als bei uns“, heißt es 2005 in einer nordkoreanischen Publikation (b).
Zusammen mit einem Führer- und Personenkult um den verstorbenen Landesherrscher Kim Il Sung, der trotz seines Todes 1994 noch formelles Staatsoberhaupt ist, und seinen Sohn wird die Juche-Ideologie zu einer Art von Religion. Ähnlichkeiten zur rechtsextremen Idee der Volksgemeinschaft sind unverkennbar.
Zeig mir Deine Freunde und ich sag Dir wer Du bist.

by R. Schwarzenberg
[11.11.2006]

ANMERKUNGEN
(a) nicht zu verwechseln mit der 1971 von Busse in Krefeld gegründeten Partei PdA (1982 verboten)

(b) Nach: Welt, New York Times Im Blätterwald vom 19.10.2006, redok, 19.10.2006; http://www.redok.de/index.php?option=com_content&task=view&id=222&Itemid=53

VERWENDETE LITERATUR

Jean Cremet: »Antiimperialismus« von rechts, in: Antifaschistische Nachrichten Nr. 15/1998; http://www.antifaschistische-nachrichten.de/1998/15/012.shtml

Erich Foliath, Andreas Lorenz, Georg Mascolo, Gerhard Spörl, Weieland Wagner: Hungerreich mit Atombombe, in: Spiegel 42/2006, Seite 148-52

Marcus Hammerschmitt: Die Juche-Ideologie und der Dotcom-Kimmunismus, 28.02.2003; http://www.heise.de/tp/r4/artikel/14/14273/1.html

Richard Herzinger: Rassenideologie unter kommunistischen Vorzeichen, in: Die Welt vom 19.10.2006; http://www.welt.de/data/2006/10/19/1077954.html

hma: »Kampfbund Deutscher Sozialisten« gegründet, in: Antifaschistische Nachrichten Nr. 10/1999; http://www.antifaschistische-nachrichten.de/1999/10/011.shtml

Frank Jansen: Feindbild USA, in: Blick nach Rechts – Ausgabe 23/2002

Anton Maegerle: Ein kommunistisches Paradies. Die rechtsextremistische NPD hegt Sympathie für den „nationalen Sozialismus“, wie er in Nordkorea herrscht, in: Blick nach Rechts – Ausgabe 21/1998

Anton Maegerle: Rot/braunes Gemisch. Eine Neonazi-Minigruppierung propagiert den nationalen Sozialismus und den antiimperialistischen Kampf, in: Blick nach Rechts – Ausgabe 19/1999

Tomas Sager: Revolutionäre Bescheidenheit, in: Blick nach Rechts – Ausgabe 13/2005

WM: Blutsbande, in: Geschichte mit Pfiff – Juli 2000, Seite 30-31