Bild-Impressionen aus Nordirland

In der britischen Konfliktprovinz Nordirland gibt es seit Jahrzehnten die Tradition, dass beide Seiten die grauen Wände der Arbeitersiedlungen mit politischen Bildern mit viel Pathos verzieren.
Diese „Murals“ dienen natürlich der Propaganda, aber es geht aber auch darum, der „gegnerischen“ Bevölkerungsgruppe eine Grenze zu markiieren. So weiß jeder über die Murals und die jeweilige Beflaggung (Ulster-Fahne & Union Jack = Protestanten, Flagge der Irischen Republik = Katholiken) wer in diesem Viertel, Dorf, Straße dominiert.
Trotzdem die protestantisch-unionistisch-loyalistische Seite stark ins Rechtsextreme geht und auch entsprechende Kontakte auf europäischer Ebene hat und die katholisch-republikanische Seite besonders in ihren Anfängen emanzipative Ansätze aufweist, sind beide politische Bewegungen nationalistisch.
Radikalisierte beider Seiten haben in Vergangeheit auch schon viele Zivilisten getötet.
In der Bundesrepublik bestehen in alten antiimperialistischen Kreisen anscheinend noch Pro-IRA-Solidaritäts-Restbestände, die früher erheblich größer war.

Im Folgenden eine kleine Bilderschau aus Nordirlands Hauptstadt Belfast.
(Danke an P. in Irland für die Bilder!)
Ulster Loyalists
OBEN: Loyalistisches Mural

Protestantisches
OBEN: Denkmal für Stevie McKeag, angeblich ein 14facher Mörder, aber auf jeden Fall Mitglied der Mördertruppe „Ulster Freedom Fighters“

Mein internationaler Befreiungsk(r)ampf
OBEN: Mit der IRA solidarisierten sich viele nationalistische Befreiungsbewegungen und andersrum. Diese Solidarität ging oft auch ins Praktische. So wurde die IRA von der PLO trainiert (wie die RAF oder die rechtsextreme Wehrsportgruppe Hoffmann auch) und von Lybien ausgerüstet.

Antisemitismus in Belfast
OBEN: Israel Flagge am Wettbüro – Antisemitismus gibts auch in Belfast.
Das Graffiti könnte von Anhängern der Republikaner stammen.
Obwohl die Loyalisten eher rechtsextrem sind identifizieren sie sich insgesamt mehr mit Israel. Während sich die Republikaner natürlich in angedank der alten „Waffenbrüderschaft“ mit der PLO solidarisieren und glauben Analogien zwischen ihrem Fall und dem der Palästinenser entdecken zu können.

Hier ein paar weitere Bilder aus Nordirland, die mich erreichten.

kath. Murral in Belfast
OBEN: Abgebildet ist Bobby Sands, der als inhaftiertes IRA-Mitglied an einem Hungerstreik teilnahm, der für ihn am 5. Mai 1981 tödlich ausging. Sands wurde trotz seiner Inhaftierung bei einer Nachwahl in das britische Parlament gewählt. Darauf deutet das MP (Member of Parliament) hinter seinem Namen hin. Allgemein ist Sands bei den nordirischen Nationalisten und ihren Sympathisanten weltweit DER Märtyrer schlechthin.

Mural Bogside Derry
OBEN: Katholisches Wandgemälde aus der Bogside Derry (dass nur bei den Protestanten Londonderry heißt). Die Bogside ist ein Wohnbezirk der nordirischen (katholischen) Nationalisten außerhalb der Stadtmauern von Derry.

antibritischer Demonstrant
OBEN: vermummter antibritischer Demonstrant in Derry

katholisches Murral in Derry
OBEN: Katholisches Murral in Dery

Wall of Solidarity in Belfast
OBEN: auf dem katholischen Murral namens „Wall of Solidarity“ in Belfast wird die Verbindung zu anderen Befreiungsnationalismen (inklusive Palästina) gezogen

Palästina-Solidarität in Belfast
OBEN: katholisches Murral, was die arabische Flagge mit der irischen zu verbinden sucht
Im praktischen Bereich sind die PLO und die IRA alte Waffenbrüder. Wobei nach den Attentaten vom 11. September nordamerikanische Geldgeber der IRA einen Abbruch der Beziehungen erzwangen.

Protestantisches Murral in Derry
OBEN protestantisches Murral in Derry
Britannien wird als Rächer-Tod dargestellt. Könnte eigentlich auch katholischen Ursprungs sein …

protestantisches Murral in Belfast
OBEN: protestantisches Murral in Belfast
Union-Jacks sind immer sichere Anzeichen, dass die Verfasser des Murrals sich als Unionisten begreifen und damit vermutlich auch protestantisch und probritisch sind.
Die Rote Hand, der offiziellen Flagge der Provinz Nordirland entlehnt wird ebenso nur von Protestanten verwendet. Eine neue unionistische Terrorgruppe nennt sich sogar „Red Hand Defenders“.

by R. Schwarzenberg
[23.01. & 03.02.2007]

PS: Vielen Dank auf die grüne Insel für das interessante Bildmaterial.

Mehr Murals findet man unter: http://cain.ulst.ac.uk/murals/

UPDATE (31.01.07):
Die antisemitische/antizionistische Schmiererei fand in einem mehrheitlich protestantischen Viertel statt, könnte also auch von protestantischen Nationalisten herrühren.