Für Ruhm und Ehre gegen die asiatischen Horden

Die Rahmenhandlung ist leicht erzählt, spartanische Elitekrieger halten mit ihren (vernachlässigbaren) griechischen Bundesgenossen, den Pass der Thermophylen gegen die Übermacht des persischen Heeres. Nur durch Verrat gelingt es den Persern diesen Pass zu umgehen, aber das heldenmütige Opfer der Spartaner ermöglicht letztlich den Sieg der Hellenen im gesamten Krieg.
Wage knüpft der Film an die tatsächlichen Ereignisse bzw. deren überlieferten Versionen an.
Ästhetisch ist der Film „300“ unbestritten sehr gut. Doch inhaltlich ist er äußerst bedenklich. Denn der Film lässt eine Art von faschistischer Ästhetik-Rezeptionsmöglichkeit zu.
Die Spartaner sehen so riefenstählern aus, als wären sie aus „Triumph des Willens“ oder aus Brekers verklemmten homoerotischen Fantasien entsprungen.
Im Gegensatz dazu werden die Perser als Masse dunkelhäutiger orientalischer Krieger konstruiert, die zu hunderten gegen die Breker-Gestalten fallen.
Im Kampf gegen diese „asiatischen Horden“ ruft der spartanische König auch noch zum Erringen von „Ruhm und Ehre“ auf. Das erinnert doch an die Himmlerischen Truppen, die Waffen-SS.
Der aus der Bundeswehr geschmissene Elitekrieger-General Günzel hätte es nicht schöner sagen können. Und richtig, der General bezog sich noch zu Dienstzeiten, 1995, auf die alten Spartaner:
„Ich erwarte von meiner Truppe Disziplin
wie bei den Spartanern, den Römern oder bei der Waffen-SS.“
Zu der Darstellung der dunkelhäutigen orientalischen Angreifer, die mich an eine Illustration aus einem deutschen Sagenbuch von 1941 im Kapitel über die Roland-Sageerinnerte, kommt noch, dass der Zwei-Meter große Perserkönig von Kleidung äußerst schwuchtelig dargestellt wird. Dass diese weibische „Leder-Uschi“ nur mit Verrat über die wehrhaften Mannen Spartas siegen kann ist schnell klar.
Die Filmfans mögen zu dieser reaktionäre Rezeptionsebene einwerfen „Aber das war doch so.“
Sicher waren die Spartaner ziemlich harte Kerle und haben mit der Tötung von irgendwie krank wirkenden Babys, wie ihm Film dargestellt, auch tatsächlich aktive Eugenik praktiziert, aber in vielem sind auch heutige Denkweisen in den Film eingeflossen.
Die Spartaner verteidigten nicht eine Ur-Demokratie gegen einen orientalischen Despoten, sondern eine patriarchalisch-aristokratische Sklavenhaltergesellschaft gegen einen Despoten.
Auch die Darstellung eines Kulturkampfes ist kaum eine Wiedergabe der damaligen Wirklichkeit, sondern eine Projektion heutiger Ansichten.
Den Regisseuren kann man noch nicht einmal den Hauptvorwurf machen, sie haben sich eng an die Vorlage gehalten und dem Film mit der spartanischen Königen sogar ein progressives Element beigefügt, was im Comic-Original gar nicht existierte.
Trotzdem sind die Sin-City-Reihe und ihre Verfilmung um Längen besser, denn „300“ ist inhaltlich nicht besser als der Hollywood-Pathos „The last Samurai“.

by Cemal Merak


1 Antwort auf “Für Ruhm und Ehre gegen die asiatischen Horden”


  1. 1 Alexander 02. September 2011 um 19:33 Uhr

    Dein Beitrag ist zwar reichliche 4 Jahre her, aber ich habe damals, als ich ihn sah, dieselben Eindrücke gehabt. Der Film war tendenziös und auch recht einfach gestrickt.
    Schon der Titel hätte einem klarmachen müssen, dass hier gelogen wird. Es waren nicht nur 300 Krieger, auch nicht 3000 sondern über 5000 auf der Seite der Spartaner und Griechen.

    Alex

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