Archiv für Mai 2007

Deutsche Rechte erobern sich einen Platz an der Sonne

Die extreme deutsche Rechte sieht anders als in anderen Ländern sicher nicht den deutschen Kolonialismus als ihr Hauptthema. Viel mehr widmet man sich lieber dem Gebiet jenseits von Oder und Neiße, was viele Kameraden so gern „heim ins Reich“ holen möchten.
Aber manchmal tauchen die ehemaligen deutschen Kolonialismus doch auf. Ob es um eine Art von Kolonialgeschichtsrevisionismus und Leugnung des Völkermordcharakters der Aufstandsniederschlagungen in den Kolonien geht, um Kolonialrealtivismus oder um Kolonialnostalgie. Im Kontrast dazu sieht sich die deutschnationale Rechte oft selbst im antikolonialen Befreiungskampf seit 1945 bzw. seit der Christianisierung Europas.
Zu Zeiten der Apartheid solidarisierte man sich natürlich noch ausgiebig mit dem weißen Minderheitsregime Südafrikas oder Südrhodesiens (heute: Simbabwe). Institutionalisiert war diese Solidarität damals in der „Hilfsgemeinschaft Südliches Afrika“ (HSA). Bis heute gibt es noch Fahrten zu weißen Gesinnungsgenossen in Südafrika, um dort ausgiebig dem gemeinsamen Chauvinismus zu huldigen.
Ab und zu wird von den deutschnationalen Rechten auch die deutschsprachige Minderheit in Namibia erwähnt.
Trotzdem wird allgemein eher auf Südtirol (Italien) als das ehemalige „Deutsch-Südwest“ (Namibia) geschielt. Von der Etsch bis an den Belt eben und nicht von der Etsch bis an den Sambesi.
Thor-steinar-Ostafrika
Beim rechten Design-Modelabel „Thor-Steinar“ finden sich neuerdings in der Kollektion auch Kleidungsstücke mit dem großen Aufdruck „Ostafrika-Expedition“ (a) und darunter in klein den Schriftzug „Thor-Steinar-Expedition 1888“, ähnliches gibt es auch mit dem Aufdruck „Deutsch-Südwest“ (b). Das Ganze soll wohl nicht ganz ernst gemeint die Expansionsgelüste der selbsternannten „Herrenmenschen“ verdeutlichen und die blutige Kolonialgeschichte Deutschlands relativieren.
Nicht rechtsextrem aber doch ultrarechts ist der „Traditionsverband ehemaliger Schutz- und Überseetruppen/Freunde der früheren deutschen Schutzgebiete e.V.“ mit Sitz in Emden.
Zu diesem gab es einen Artikel in der vorletzten Ausgabe der sehr lesenswerten Freiburger Zeitschrift „iz3w“ (www.iz3w.org).

Es folgt ein Leserbrief von mir zu diesem Artikel, der in der neuen Ausgabe der iz3w Jan/Febr 2007, Seite 44, abgedruckt wurde:
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Leserbrief zu dem Artikel „Eine schöne Erinnerung“, in: iz3w Nr. 297 November/Dezember 2006
Endlich mal wieder ein kritischer Artikel über das Tun und Treiben des „Traditionsverbandes ehemaliger Schutz- und Überseetruppen/Freunde der früheren deutschen Schutzgebiete e.V.“.
Gut wird in dem Artikel „Eine schöne Erinnerung“ von Jannntje Böhlke-Itzen und Joachim Zeller gezeigt wie es dem „Traditionsverband“ gelungen ist besonders im Internet seine verharmlosende, nostalgische bis verfälschende Sicht auf die Kolonialherrschaft zu verbreiten.
Schade aber ist, dass die Autoren sich nicht dazu entschließen können, den „Traditionsverband“ als ultrarechts oder extrem rechts zu bezeichnen, sondern ihn nur als „rechts“ bezeichnen. Selbst der neofaschistische Verleger Gerd Sudholt, dessen Verlage regelmäßig in Verfassungsschutzberichten Erwähnung finden, wird nur als rechts bezeichnet. Als rechts bezeichnen sich aber auch weite Teile der CDU/CSU.
Das der Traditionsverband aber extrem rechts einzuordnen ist, zeigen weitere Verbindungen ins rechtsextreme Lager, die von den Autoren im Artikel nicht oder nur unzureichend erwähnt wurden:
+ Der „Traditionsverband“-Funktionär Werner Haupt (Bad Sachsa) übersetzte die Erinnerungen von Emilio Estaban-Infantes, des Führers der spanischen faschistischen Blauen Division im II. Weltkrieg. (c)
+ Der Geschäftsführer des „Traditionsverbandes, Dr. Kfm. Hermann Mietz aus Emden gründete Ende der 70er Jahre nicht nur die „Nationale Jugend Ostfriesland (NJO)“, er referierte 1998 auch zum 22. Südafrika-Seminar des (Pro-Apartheids-)„Hilfskomitee Südliches Afrika“ (HSA) in Coburg und dem extrem rechten „Studentenbund Schlesien (SBS)“, außerdem war er neben der NJO auch Funktionär beim Bund Heimattreuer Jugend (BHJ). (d)
+ Der ehemalige erste Vorsitzender des Verbandes, Oberst a.D. Eberhard Schoepfer, hat nicht nur als junger Offizier in „Deutsch-Südwestafrika“ gedient er wurde im 3. Reich auch zum Ritterkreuzträger gekürt. (d)
+ Häufiger Gast des Verbandes war Marie Adelheid Prinzessin Reuß zur Lippe. Sie war Mitarbeiterin des persönlichen Stabes des NS-Reichsbauernführers Darre, Trägerin der Goldenen Ehrennadel der Hitler-Jugend und später eine enge Weggefährtin des notorischen Holocaust-Leugners Thies Christophersen. (d)
+ Der noch 1992 amtierende 2. Vorsitzende des Traditionsverbandes Dr. jur. Klaus Goebel, ein Münchener Rechtsanwalt, war im März 1991, gemeinsam mit dem Hamburger Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger, juristischer Berater bei dem von dem Neofaschisten Ewald Althans und dessen „Deutschen Jugend-Bildungswerk“ organisierten geschichts-revisionistischen „Leuchter-Kongreß“ in München. (d)

Schade auch, dass nicht erwähnt wurde, dass das Mitglied Kai-Uwe von Hassel (+1997), der CDU-Spitzenpolitiker und ehemaliger Bundestagspräsident, im 3. Reich an Planungen für ein mittel-afrikanisches Kolonialreich der Nazis beteiligt war. (c)
Der Traditionsverband ist wie der ehemalige Freikorps-Verband „Bund Oberland“ ein Beispiel dafür, dass ursprüngliche Veteranenorganisationen auch nach dem Ableben der „Erlebnis“generation weiterexistieren können.
Das lässt auch ahnen, dass nicht alle deutschen Veteranenorganisationen des zweite Weltkriegs – von der Waffen-SS bis zur Kriegsmarine – demnächst einfach verschwinden werden. Ideologische Nachfahren werden wohl einige Gruppe weiter betreiben und deren Geschichts(zerr)bild auch weiterhin verbreiten.
Mit einigen dieser Gruppen teilt der „Traditionsverband“ bereits die Mitgliedschaft in einer Dachorganisation. So wird in einer Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Petra Pau, Ulla Jelpke, Heidi Lippmann und der Fraktion der PDS vom 17.10.2000 der Traditionsverband in einem Verzeichnis der Mitgliedsverbände des extrem rechten „Ring Deutscher Soldatenverbände“ (RDS) vom Herbst 1999 aufgeführt.
Neben den anderen Mitgliedern des RDS wie dem „Stahlhelm-Kampfbund für Europa“ und der „Traditionsgemeinschaft >Panzerkorps Großdeutschland<“ nimmt sich der „Traditionsverband“ allerdings noch geradezu gemäßigt aus.

by R. Schwarzenberg

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by R. Schwarzenberg
[22.12.2006]

ANMERKUNGEN
(a) http://www.thorsteinar.de/product_info.php/info/p1339_T-Shirt-Ostafrika.html
(b) http://www.thorsteinar.de/product_info.php/info/p1327_T-Shirt-Suedwest.html
(c) Jean Cremet: Koloniale Sehnsüchte nach „Traumland Südwest“: „Heia Safari“, in: BnR-Ausgabe 02/1997
(d) Anton Maegerle: Kolonialgeschichtler. Ein Verein mit Kontakten ins extrem rechte Lager will die Erinnerung an die deutsche Kolonialzeit wach halten, in: BnR-Ausgabe 24/1999

Elsässers „Verteidigung“

Inzwischen hat Jürgen Elsässer zu der Reihe an Vorwürfen bezüglich einer rechten Verstrickung gegen ihn Stellung genommen. Neben wenig überzeugenden Contras auf andere Vorwürfe geht er auch auf seine, in diesen Blog in einem Artikel beschriebene, Schreibtätigkeit in dem Schweizer Rechts-Blatt „Zeit-Fragen“ ein. Genauer heißt es hierzu in Elsässers Rechtfertigung:
„Die schweizerische Wochenzeitung ist kein rechtes und schon gar kein rechtsradikales Blatt. Sie tritt für Frieden, Menschenrechte, die Wahrung des Völkerrechts und, eine eidgenössische Spezialität, für die Neutralität des Landes ein. Rechtsradikale und rechte Autoren gibt es in diesem Blatt ebenso wenig wie rechtsradikale oder rechte Themen, wie sich unschwer im Archiv auf » www.zeit-fragen.ch ersehen lässt. Dafür schreiben regelmäßig linke Autoren wie Michel Chossudovski, Rainer Rupp, Jürgen Rose.“ (a)
Andere (selbsternannte oder wirkliche) linke Autoren als Entlastungszeugen aufzuführen ist sehr oft gar kein Beweis für die Einordnung eines Mediums. Für die ultrarechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“ lassen sich beispielsweise mindestens ein Dutzend (selbsternannter oder wirklich) linker Schreiber und Interviewpartner anführen, die entweder getäuscht wurden oder eben gewendete Linke sind.
Um Elsässer Behauptung zu widerlegen genügt einfach ein Blick in die vorletzte „Zeit-Fragen“-Ausgabe:
In Zeit-Fragen Nr. 49 vom 04.12.2006 rezensiert Prof. Dr. Alfred de Zayas aus Genf die englische Originalausgabe von Finkelsteins Buch „Antisemitismus als politische Waffe“ (b). Sowohl der Buchautor Finkelstein als auch sein Rezensent sind wohlbekannt.
Der US-amerikanische Völkerrechtler und Historiker Alfred M. de Zayas, Jahrgang 1947, ist Autor der neurechten „Edition Antaios“ (c) und „Alter Herr“ des Tübinger Corps Rhenania.
Der germanophile Revanchist sitzt ebenfalls im Kuratorium der stramm rechten und anti-kommunistischen „Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte“, im Beirat der Stiftung für das Zentrums gegen Vertreibungen (d). Für die rechte Wochenpostille „Junge Freiheit“, die nationalliberale „Criticon“ (2005 eingestellt), das revanchistische Ostpreußenblatt (e), die BdV-Schrift „Deutscher Ostdienst (DOD)“, das extrem rechte Magazin „Soldat im Volk“, das konservative „Deutschland-Magazin“ griff er zur Feder (f).
Im März 2003 war Zayas Teilnehmer und Referent der von der rechtsextremen Burschenschaft Danubia ausgerichteten „20. Bogenhauser Gesprächen“ (g).
Sicher, für Zeit-Fragen schreiben nicht nur Rechte. Das ist auch gar nicht notwendig. Gegen Amerika oder Israel können auch viele Linke hetzen. Unterschiede sind hier höchstens in Nuancen erkennbar. Doch das Blatt bietet daneben auch rechten Schreibern ein Forum. Üblicherweise nennt sich das ganze dann Querfront.
Ganz aus lässt Elsässer, dass eine Person mit exakt seinem Namen sich auf der Teilnehmerliste des Kongresses „Mut zur Ethik“ findet.
Zu diesem jährlich stattfinden Kongress an dieser Stelle ein Zitat aus dem Informationsdienst „Blick nach Rechts“ (BnR):
„Der Sitz von „Mut zur Ethik“ befindet sich im schweizerischen Zürich und ist identisch mit einer Organisation, die die Welt durch psychologische Menschenkenntnis retten will: die „Vereinigung zur Förderung der psychologischen Menschenkenntnis“ (VPM). Die VPM gilt mitsamt ihrer etwa zwanzig Schwestervereine als eine von Rechts-außen politisierende Psychosekte […] (h)
An dem „XIV . Kongress «Mut zur Ethik»“, der vom 1. bis 3. September 2006 in Feldkirch (Österreich), bei dem der Name Elsässer auf der Teilnehmerliste erscheint nahm auch de Zayas teil (i).
Ohne jeden Namen zu überprüfen, so fallen neben de Zayas auch weitere bekanntere Rechte auf der Teilnehmerliste auf. Dazu gehören:
>>> Prof. Dr. Karl-Albrecht Schachtschneider (Deutschland), ein ehemaliger Aktivist für die rechte Kleinpartei „Bund Freier Bürger“ (j).
>>> Prof. Dr. Eberhard Hamer (Deutschland), der sich mit dem Ex-CDU-Abgeordneten Martin Hohmann solidarisierterte, zu den Mitgründern der rechten Sammlungsbewegung „Stimme der Mehrheit“ gehört und Mitglied im „Arbeitskreis Demokratiereform“ (gehört zum Umfeld der „Deutschland-Bewegung“) ist bzw. war (k).
Es hat einen Grund warum zum Beispiel der Vortrag „Revitalisierung des Krieges als Mittel der Politik“ von Dr. Heinz Loquai, General a.D., erst gehalten am X. Kongress „Mut zur Ethik“ in Feldkirch (30.8.-1.9.2002), später auf der Seite der neurechten „Staats- und Wirtschaftspolitischen Vereinigung“ auftaucht (k)
Worauf Elsässers in seiner Verteidigung und Rechtfertigung überhaupt nicht eingeht, ist seine inhaltliche Nähe zur extremen Rechten in so einigen Punkten (Verschwörungsfantasien, Antizionismus, Antiamerikanismus, Volk als Subjekt, die Mär vom bösen fremden Heuschreckenkapitalismus und der guten einheimischen Volkswirtschaft).
Diese Übereinstimmungen zeigen sich anschaulich in seinem im Januar 2007 erscheinenden Buch mit dem aussagekräftigen Titel „Angriff der Heuschrecken. Zerstörung der Nationen und globaler Krieg“. Auf seiner Homepage wurde der Inhalt vom Verfasser schon angegeben (l). Hier die grusligsten Zitate und ein paar Bemerkungen dazu:
„Die Heuschrecken des Kapitalismus fressen alles kahl und verwüsten auch blühende Volkswirtschaften. Wer sich wehrt, wird zum Schurken erklärt und militärisch vernichtet. Wer sich fügt, muß Militärbasen dulden und seine Souveränität dem Imperium abtreten. Wie vor hundert Jahren entstehen rund um den Globus Kolonien und Halbkolonien – sowie Konzentrationslager für die renitenten Eingeborenen.“
Zur antisemitischen Heuschrecken-Rhetorik kommt auch noch eine Holocaust-Relativierung.
„Der nationalistische Faschismus ist passé – sein postmoderner Bastard ist globalistisch“
Das Wort „globalistisch“ kennt man sonst eigentlich nur als Kampfbegriff aus der Rechten.
„Das Kapitel vergleicht verschiedene Möglichkeiten, wie sich progressive Regierungen zwischen Peking, Brasilia und Caracas gegen den Neoliberalismus wehren. Auch in Deutschland könnten die Sozialisten wieder eine geschichtsmächtige Kraft werden, wenn sie mit Fundi-Dogmatismus ebenso brächen wie mit Realo-Spielereien und sich endlich der Mehrheit der Bevölkerung zuwendeten, statt sich auf die Probleme von Randgruppen zu kaprizieren.“
Peking und Caracas sind progressiv. Warum eigentlich nicht gleich Pjöngjang? Probleme von Randgruppen ignorieren. Ja genau, vernachlässigt die Schwulen, Behinderten und Asylbewerber bringen ja eh keine Wahlstimmen ein. So etwas nennt man allgemein Populismus, was Elsässer immerhin ehrlich zugibt:
„Schluß mit Realo-Anpasserei und Fundi-Dogmatismus: Die Linke kann nur mit einer populistischen Strategie an die Macht kommen“
Die Rechte hatte auch schon viel Erfolg damit.

by R. Schwarzenberg
[14.12.2006]

Ein paar allgemeine Informationen zur VPM und Anhang gibt es unter:
+++ http://www.agpf.de/VPM.htm +++ http://www.agpf.de/VPM+Mut-zur-Ethik.htm +++
http://relinfo.ch/vpm/info.html +++

UPDATES (13.01.07)
- F. William Engdahl (Deutschland), ein weiterer „Mut-zur-Ethik“-Kongress-Teilnehmer
Engdahl ist Autor beim rechtsesoterischen KOPP-Verlag (Rottenburg) und Referent bei der extrem rechten „Staats- und Wirtschaftspolitischen Vereinigung“ (SWG) (http://www.swg-hamburg.de/Im_Blickpunkt/body_im_blickpunkt.html).
- Eine gute Zusammenstellung von Elsässers Kurs nach Rechts erschien im Dezember 2006 auf Lizas Blog: http://lizaswelt.blogspot.com/2006/12/der-querfrontkopf.html

UPDATES (28.01.07)
- In der Januar/Februar-Augabe von „Der Rechte Rand“ gibt es auf Seite 25 „Eine Antwort von J. Elsässer“ und „Eine kurze Erwiderung der Redaktion“.
- Gefunden: Elsässer wurde im zurückliegenden Jahr übrigens bereits mehrmals zustimmend in der neurechten „Jungen Freiheit“ zitiert.
Ende 2005 in der „Jungen Freiheit“ Nummer 47 vom 18. November 2005 wurde Elsässer mit dem Titel „Der Anti-Antideutsche“ von Werner Olles sogar ein größtenteils positiver Artikel gewidmet. Hier ein Zitat: „Jürgen Elsässer ist mittlerweile immer wieder für die Formulierung konservativer Wahrheiten im linken Milieu gut.“

ANMERKUNGEN
(a) 23.11.2006, http://www.0815-info.de/archiv/2006/november/110638.php
(b) http://www.zeit-fragen.ch/ausgaben/2006/nr49-vom-4122006/appell-an-intellektuelle-redlichkeit-im-diskurs-ueber-den-nahen-osten/
(c) http://dispatch.opac.d-nb.de/DB=4.1/SET=4/TTL=41/CMD?ACT=SRCHA&IKT=8500&SRT=YOP&TRM=Zayas
(d) http://www.z-g-v.de/aktuelles/?id=40, eingesehen am 09.06.2006
(e) http://www.jungefreiheit.de/jf_aut.htm, eingesehen am 09.06.2006 Alfred Schobert:
(f) Propaganda als Wissenschaft, in „Jungle World“ Nr. 51/1998; http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/51/06a.htm
(g) Anton Maegerle: Gefragter Experte, in: BnR-Ausgabe 8/2003
(h) „Kongreß zum Zeitgeist“, in: BnR-Ausgabe 17/1996
(i) http://www.zeit-fragen.ch/ausgaben/2006/nr30-vom-2472006/xiv-kongress-mut-zur-ethik-grundlagen-legen-fuer-eine-humanere-zukunft/
(j) hma: Freiwirte in der Humboldt-Universität, in: Antifaschistische Nr. 20/1997; http://www.antifaschistische-nachrichten.de/1997/20/010.shtml
(k) Peter Riggers: Mit Ultrarechten Seite an Seite, in: Antifaschistische Nachrichten Nr. 15/2006;
http://www.antifaschistische-nachrichten.de/2006/15/1projekt.shtml
(l) http://www.swg-hamburg.de/Armee_im_Kreuzfeuer/armee_im_kreuzfeuer.html
(m) http://www.juergen-elsaesser.de/ in der Kategorie „Aktuelle Artikel“

Studivz: Die Rechte organisiert sich!

„Um tolerant zu sein, muß man die Grenzen dessen, was nicht tolerierbar ist, festlegen.“
Umberto Eco

Viel Kritik wurde in jüngster Vergangenheit an dem populären studivz.de geübt: Sexismus, Kommerzialisierung, Datenschutzmängel und seltsame „Scherze“.
Da wurden online Frauen belästigt (stalking), vertrauliche Daten nachlässig behandelt oder die Macher glaubten studivz.de mit einen umgewandelten „Völkischen Beobachter“ feiern zu müssen und damit den Nationalsozialismus zu relativieren.
Eine Funktion, die bei studivz.de ausgiebig genutzt wird ist die der Gründung von Gruppen. Mit wenigen Klicks kann man eine eigene Gruppe bei studivz.de gründen und Freunde dazu einladen.
Klickt man sich einmal durch studivz.de finden sich auch einige rechte bis extrem rechte Gruppen.
Es lassen sich in der Zwischenzeit ganze Studentenverbindungen auch digital bei studivz.de wiederfinden und jeder größere Dachverband von Verbindungen ist auch vorhanden, inklusive der völkischen „Deutschen Burschenschaft“ (178 Mitglieder).
Besonders deutschnationale Burschenschafter scheinen die Mitglieder der Gruppe „Freiheit für Südtirol!“ („Für ein ungeteiltes Tirol ohne Fremdherrschaft.“ 168 Mitglieder) zu stellen. Passend dazu gibt es auch eine Gruppe namens „Groß- oder Kleindeutsche Lösung?“ (34 Mitglieder). Auch die Gruppe „Mit Gott für König und Vaterland“ (25 Mitglieder) scheint zum größeren Teil aus Verbindungsstudenten zu bestehen.
Stark nach einer Kameradschaft hört sich hingegen die Gruppe „Freie Nationalisten Oberelbe“ (9 Mitglieder) an.
Auch die Fans der extrem rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ sammeln sich bereits bei sudivz.de (87 Mitglieder). Ebenso ist das extrem (neu)rechte „Institut für Staatspolitik“ (IfS) als Gruppe (7 Mitglieder) vertreten.
Fans sammeln sich aber auch in Gruppen von der extrem rechten Band „Death in June“ (16 Mitglieder) und „Von Thronstahl“ (8 Mitglieder).
Nicht nur, aber oft stark rechts durchsetzt scheinen die Gruppen: „Freunde der Reichsautobahnen“ (6 Mitglieder), „Wer den Papst angreift, dem kack ich in den Dönerladen“ (205 Mitglieder), „Freunde des „Rommel – Friseurs““ (6 Mitglieder), „Freunde der Marsch- und Militärmusik“ (254 Mitglieder), „Bismarck lebt!“ (19 Mitglieder), „Preußen“ (103 Mitglieder), „Preußen lebt!!!!“ (100 Mitglieder), „Ostpreußen“ (95 Mitglieder), „Schlesien” (536 Mitglieder), „Gruppe der Opfer der Deutschen Vertreibung Gedenkender“ (46 Mitglieder), „Deutsche Patrioten……….die zweite“ (67 Mitglieder), „NEIN zur EÜ --> Türkei bleibt draussen.“ (100 Mitglieder), „Die Monarchisten – Ein Kaiser für Deutschland!“ (255 Mitglieder), „Asatru“ (60 Mitglieder, „Gemeinsame Plattform für Anhänger, Neugierige und Sympathisanten des alten Glaubens.“), „Politische Korrektheit – NEIN DANKE“ (188 Mitglieder), „Ich war bei der Waffen-SS, richtig grasse Bekenntnisse“ (47 Mitglieder), „Ernst Jünger“ (38 Mitglieder, „Der größte Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.“) und Sprachpuristen sammeln sich in der Gruppe „Rettet die deutsche Sprache“ (172 Mitglieder).
Alle mit dem Feindbild Links finden sich in den Gruppen „Vereinigung zur Bekämpfung des Bolschewismus“ (8 Mitglieder), „Kampf der SED (PDS, Linkspartei, WASG)!“ (198 Mitglieder), „Mir stinken die Linken!“ (144 Mitglieder), „Besser ‚n Haus im Grünen als ‚n Grünen im Haus…“ (517 Mitglieder), „Anti-DDR-Nostalgie und –Verharmlosung“ (484 Mitglieder), „Gruppe der Anti-Kommunisten“ (216 Mitglieder), „Die vielen Linksfaschisten und Kommunisten meiner Uni nerven !!“ (132 Mitglieder) oder der mitgliederstarken „Anti Zecken Liga“ (1.351 Mitglieder). Die letztgenannte Gruppe gibt es bei studivz.net schon länger. Offensichtlich hielten die Betreiber der Plattform es nicht für fragwürdig, dass politische Gegner mit Ungeziefer verglichen werden. Nicht zuletzt die Realität des dritten Reichs zeigte, dass solche Vergleiche oft auch einen Vernichtungswillen implizieren. Denn Ungeziefer wird ja auch vom Gärtner getötet.
Dem eigenen Verständnis nach oft linke Personen sind Mitglied in den antiamerikanischen, antizionistischen und tendenziell antisemitischen Gruppen „Anti Israel und Usa!!“ (170 Mitglieder) oder „Antiamerikanische Volksfront“ (62 Mitglieder).
Relativ eindeutig (sekundär) antisemitisch sind die Gruppen „Kritiker der Politik des Vorstands des Zentralrats der Juden“ (15 Mitglieder), „Ahmadinejads Fangruppe“ (40 Mitglieder), „Zionismus ist Faschismus“ (16 Mitglieder), „AJADL – Die Rückkehr“ (40 Mitglieder) – AJADL steht hier für “Anti Jewish Anti-Defamation League“ – oder die „Jürgen-W.-Möllemann-Gedenker“ (18 Mitglieder).
Interessant ist auch ein Blick auf die bei studivz.de eingetragenen Profile der rechten Mitglieder. Hier zeigt sich, dass auch extreme Rechte fast nie den althergebrachten Klischees entsprechen. Sie haben ausländische Lieblingsbands sehen gerne US-TV-Serien usw.
Ein Beispiel für einen extrem rechten studivz.de-Nutzer wäre Manuel Ochsenreiter, der Chefredakteur der ultrarechten „Deutschen Militär-Zeitung“. Als persönliches Foto hat Ochsenreiter übrigens ein Foto online gestellt auf dem zwei Hände ein Maschinengewehr halten.
Ochsenreiter“ alt=“null“ />
Bei über einer Million Nutzer ist der rechte Rand bei studivz.de (noch?) recht klein, was aber nicht an der Politik der Macher, sondern mehr an der unpolitischen Funktion des Netzwerkes liegen dürfte.

by R. Schwarzenberg

(Stand: 29.11.2006)

Subhas Chandra Bose: Des Teufels General

Viele Kinder, deren Eltern aktiv in den Nationalsozialismus verstrickt waren, verspüren das seltsame Bedürfnis ihre Eltern entlasten und verteidigen zu müssen. Als gelte es zu beweisen, dass diese nicht böse und damit auch außerstande waren „das böse Gen“ an ihre Nachkommen weiterzugeben.
So erfahren wir von den Speer-Sprößlingen, dass der Vater lediglich ein Künstler war und das „Onkel Hitler“ gerne Mickymaus-Filme anschaute.
Anita Pfaff (*1942), Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Universität Augsburg und ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete, macht anscheinend bei solcherlei Familien-Geschichts-Relativierung keine Ausnahme. Das obwohl Frau Pfaff ihren Vater nie bewusst kennen lernte. Denn Frau Pfaffs Vater, der Indische Freiheitskämpfer Subhas Chandra Bose (1897-1945), fuhr kurz nach ihrer Geburt nach Japan um dort, protegiert vom aggressiv imperialistischen Japanischen Reich, zu versuchen in der britischen Kolonie Indien einzumarschieren.
Doch Bose ging nicht nur ein Bündnis mit der expansionistischen Großmacht Japan ein.
Vorher arbeitete er bereits mit dem nationalsozialistischen Deutschland auf das Engste zusammen.
Schon früh liebäugelte Bose, genannt Netaji („Führer“), mit totalitären und autokratischen Regierungen in Europa.
Bereits während seiner früheren Europa-Aufenthalte 1933 bis 1936 hatte Bose in den undemokratischen Regimes von Italien, Österreich und Deutschland Kontakt zu Mitarbeitern (L. Martin: 10) des Auswärtigen Amtes aufgenommen. Schon zu dieser Zeit entwickelte er Sympathien für den faschistischen Diktator Mussolini und trat mit diesem in Kontakt (ebenda). Ein Termin mit Hitler kam trotz Boses Bemühungen nicht zustande.
In einem 1934 verfassten Buch („The Indian Struggle“) propagiert Bose eine Mischung aus Sozialismus und Faschismus und – damit verbunden – Militarismus und Wehrhaftigkeit der Jugend in Form einer militärischen Ausbildung (ebenda), war also durchaus vom Faschismus beeinflußt. Später relativierte Bose zwar wieder diese Forderung, aber eine geistige Nähe zum Faschismus blieb (ebenda). Die Schuld für den von Italien ausgehenden Eroberungskrieg in Äthiopien gab er beispielsweise den Briten (ebenda). Boses späteres Bündnis mit den Achsenmächten Italien, Deutschland und Japan war mehr als ein reines Zweckbündnis.
Im Dezember des Jahres 1938 traf sich Bose zu Gesprächen mit deutschen Regierungs-Vertretern in Bombay (L. Martin: 11).
Ein Jahr später sprach sich Bose „vom Standpunkt des nationalen Selbstinteresses“ (nach L. Martin: 11) gegen eine Aufnahme der verfolgten Juden in Indien aus.
In einem Artikel im März 1940 äußerte sich Bose bewundernd über den Nationalsozialismus (ebenda). Ein Rassist aber war Bose nie, er beschwerte sich sogar über die Diskriminierung von Indern in Deutschland (L. Günther: 21). Allerdings auch nur über diese.
Bose flüchtete im Frühjahr 1941 aus seinem britischen Hausarrest in Indien nach Berlin. Hier beteiligte er sich mit deutscher Genehmigung und Hilfe an anti-britischer Propaganda und dem Aufbau einer indischen Einheit, zumeist aus gefangen genommenen britisch-indischen Kolonialsoldaten. Diese Einheit sollte sich bei der Eroberung Indiens nach dem Vorstoß der Wehrmacht über den Kaukasus beteiligen. Diesen Bemühungen lagen reale machtpolitische Überlegungen zu Grunde, es ging den Nationalsozialisten nämlich darum den strategisch wichtigen Rohstoff- und auch Soldatennachschub (besonders Gurkhas aus Nepal) für Großbritannien aus Indien abzuschneiden.
Am 27. Mai 1942 erhielt Bose sogar eine Audienz bei Hitler.
Himmler&Bose
BILD: Himmler und Bose im Gespräch
Die in Deutschland von bzw. mit Bose angeworbene militärische Einheit verblieb auch nach dessen Fahrt nach Japan in Deutschland. Sie war nicht nur auf Bose, sondern auch auf Hitler eingeschworen. Zuerst der Wehrmacht unterstellt wurde sie später ein Teil der Waffen-SS und war an Kriegsverbrechen im besetzten Frankreich beteiligt.
Auch im Machtbereich des japanischen Kaiserreiches baute Bose eine Kollaborations-Einheit auf, die auf den Seiten der Japaner kämpfte. Während die japanische Kolonialmacht also in Korea und China wütet tragen Boses Truppen (80.000 Mann), so erfolglos sie militärisch auch waren, dazu bei den Krieg zu verlängern und die Japaner zu entlasten.
Ghandi und Nehru, die anderen großen Ikonen des indischen Freiheitskampfes zeigten mit ihrer Absage an ein Bündnis mit den Achsenmächte klar, dass es auch anders ging. Sie erkannten den Unterschied zwischen dem liberalen und (im Ursprungsland) demokratischen Imperialismus Englands und dem totalitären Faschismus Großbritanniens und handelten danach (L. Martin: 12). Die beiden dürften sich keine Illusionen gemacht haben und in Japan und Deutschland nur einen anderen zukünftigen Kolonialherren, nicht aber einen selbstlosen Unterstützer der indischen Unabhängigkeitsbewegung, gesehen haben. Letzteres dürfte auch Bose durchaus bewusst gewesen sein. Schließlich protestierte er auch gegen einen Absatz von Hitlers „Mein Kampf“, weil diese den Engländern Indien zusprach. Trotzdem wurde Bose auch aus opportunistischen Erwägungen zu einem „Freiheitskämpfer“ von Deutschlands und Japans Gnaden.
Wie sehr Bose seinen Unterstützern untertänig war zeigt sich auch daran, dass er im Oktober 1943 nicht nur den Krieg gegen England, sondern auch gegen die USA, erklärte, obwohl diese um die indischen Unabhängigkeit kaum etwas zu tun hatte.
Boses, durchaus begründeter, doch blinder und grenzenloser Hass auf England trieb ihn dazu sich mit den destruktiven Kräften der Barbarei einzulassen. Er war auf eigenen Willen des Teufels General. Kein Wunder, dass da die ultrarechte Wochenpostille einen Jubel-Artikel auf Bose verfasste (a).
Dies zu verschweigen, zu verharmlosen und zu relativieren geschieht, wenn man eine Veranstaltung zu Bose mit dem Titel „“Subhas Chandra Bose“ Ein moderner und weitsichtiger Politiker der indischen Unabhängigkeitskämpfe“ (b) anbietet, wie es Frau Pfaff am 22. Juni 19 Uhr an der Universität München in einem Seminar anscheinend tat. Der Titel lässt schon erkennen, dass man hier mit einem sehr selektiven Blick auf Bose dessen Rolle in der Geschichte positivieren will.
Zudem darf man, auch mit Blick auf frühere Aussagen Frau Pfaffs zu ihrem Vater, ihre notwendige wissenschaftliche Objektivität und Distanz zu dem Forschungsgegenstand stark anzweifeln. Hier wird das Private zum Politischen gemacht.

by R. Schwarzenberg
[29.11.2006]

ANMERKUNGEN
(a) Siehe: Thomas Hartenfels: Der dritte Mann, in: Junge Freiheit, 28/03 04. Juli 2003; http://www.jf-archiv.de/archiv03/283yy52.htm
(b) Siehe: http://www.fs.lmu.de/indologie/termine/sb, eingesehen am 10.06.2006

VERWENDETE LITERATUR:

Robert Deininger: Mit Gandhi hatte er ein Ziel, aber den anderen Weg, in: Augsburger Volkszeitung vom 19. August 2000
www.uk-muenchen.de/berichte/reportagen_bose.htm

Urmila Goel: Die indische Legion. Ein Stück deutsche Geschichte, 2003;
www.urmila.de/UDG/Biblio/legion.html

Lothar Günther: Von Indien nach Annaburg, Berlin 2003, u.a. Seite 9-26
(sehr unkritischer Beitrag zu Bose)

Jan Kuhlmann: Subhas Chandra Bose und die Indienpolitik der Achsenmächte, 2006, S. 227 – 229

Lou Martin: Der Feind des Feindes, in: iz3w Nr. 291 – März 2006, Seite 10-13

Selina Nayyar: Netaji Subhas Chandra Bose – „Jai Hind!“, 3/2004;
www.indien-netzwerk.de/navigation/landleute/artikel/netaji-deu.htm

Recherche International e.V.: „Unsere Opfer zählen nicht“ – die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg, Berlin/Hamburg 2005, Seite 255-60 und 269-74

Jochen Reinert: „“Netaji“ Boses Pakt mit dem Teufel“, erschienen in der Tageszeitung „Neues Deutschland“ in der Ausgabe vom 16. Juli 2003;
www.suedasien.net/themen/geschichte/netaji_bose.htm

Frank V. Seidel: Die Kollaboration, Herbig-Verlag, Berlin 1995, Seite 263-68

Adel aktuell

Deutsche Monarchisten kämpfen für eine Wiedereinführung der Monarchie.

Es gibt sie noch die letzten deutschen Kaisertreuen. Inzwischen sogar neben dem Verein „Tradition und Leben“ (TuL; Motto: „Wir setzen der Demokratie die Krone auf!“) in einer Partei, der „Bürgervereinigung Monarchiefreunde“, organisiert. Um ein positiveres Image von Wilhelm II bemüht sich zudem das 2003 gegründete Kaiser-Wilhelm-Kuratorium.
Daneben gibt es noch regionale Hochadel-Fanvereine der bayrischen Wittelsbacher und der niedersächsischen Welfen.
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Letztes Jahr gründete sich sogar eine „Kaisertreue Jugend“, die auf ihrer Homepage ausgiebig für die Einführung der „Erbmonarchie auf demokratisch-rechtsstaatlicher Grundlage“ (a) plädiert. Die Kaisertreue Jugend ist offiziell eine Arbeitsgemeinschaft der preussischen Jugend, der Nachwuchsorganisation der Preußischen Gesellschaft, betont aber ihre Verbundenheit mit dem Monarchisten-Verein „Tradition und Leben“. Letztere war zumindest in ihrer frühen Zeit der rechten „Deutschen Partei“ und dem Stahlhelm recht eng mit Rechtsaußen verbunden.
Auffällig ist auch das Mitglieder von „Tradition und Leben“ für die extrem rechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“ zu Feder griffen. So Markus-Wilhelm Weingartz (b), Redakteur der Zeitschrift „Erbe und Auftrag“ (zweimonatlich, Auflage: 900) und Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft „Tradition und Leben e.V.“, oder Knut Wissenbach (c), Vorsitzender des Vereins aus Kelkheim.
Das TuL-Beiratsmitglied Rene Häusler stand nicht nur der „Jungen Freiheit“ (d) im Interview Frage und Antwort, er schrieb auch für das neurechte Magazin Criticon (e). Häusler referierte 1999 auch schon bei den rechtsextremen „Unabhängigen Ökologen Deutschlands“ (UÖD) (f), mit denen TuL auch schon früher anbandelte (g).
In Grußworten an die TuL äußerte sich auch schon der CSU-Abgeordnete und Paneuropäer-Chef Otto von Habsburg (h).
Der Vorsitzende der monarchistischen „Neuen Reformpartei Deutschlands“ (NRPD), Fritz Liebenau zog 2006 sogar auf einer NPD-Liste in eine Bezirksvollversammlung Berlins ein (i).
Ganz so ungefährlich ist das Leben für aktive Monarchisten dabei nicht, denn „die Feinde von heute sind die Feinde von einst: Marxisten und Nationalsozialisten, die in Hetzkampagnen, mit Parolen und Gewalt gegen Monarchisten vorgehen und uns doch bis auf den heutigen Tag, nicht vernichten konnten!“ (j)
Sie halten den letzten Kaiser für eine verkannte Person der Zeitgeschichte. Er habe ein so schlechtes Image, weil ihm alles in die Schuhe geschoben wird. Unter dem Punkt „Kriegsschuldlüge“ erfährt man, was wirklich Auslöser des ersten Weltkrieges war.
Das Attentat auf den Thronfolger des Habsburger-Reiches nämlich „zwang die Donau-Monarchie zu Repressalien gegen Serbien und löste eine Kettenreaktion aus.“ (k)
Doch am Ende von Nibelungentreue, Burgfrieden und Weltkrieg wurde man gegen den Willen um seinen Kaiser gebracht.
Ja „man kann eins also deutlich sagen; die Monarchien waren steht’s bei ihrer Gründung im Sinne des Volkes und wurden durch Ausländische Invasoren zerstört – nicht vom Volk! Die Republiken wurden uns dagegen von ausländischen Invasoren aufgedrückt und führten zu einer Destabilisierung unseres Landes.“ (l) Und danach gings’ nur noch bergab: „Die Republik brachte die Niederlage im Ersten Weltkrieg, das Versailler Diktat, die Diktatur, einen zweiten verheerenden Krieg, die Amputation eines Drittels unseres Landes, die Überantwortung eines zweiten Drittels an den roten Faschisten, die Teilung, eine fehlgeschlagene Wiedervereinigung – das schlimmste Jahrhundert der deutschen Geschichte.“ (m)
Eines Platzes an der Sonne ward man beraubt worden.
Schlechte Erfahrungen mit der Monarchie haben die Deutschen also keine. Vielmehr ist „die Republik der deutschen Eigenart fremd, denn sie gehört nicht zu unserer Tradition.“ (n)
Stattdessen würde „eine artgerechte Haltung des Menschen […] heißen, es entstünde ein Staat dessen Geist und Institutionen der Natur des Menschen angemessen wären.“ (o)
Sonnenkönigklar wird weiter argumentiert: „Und bereits das Sonnensystem […] ist monarchisch gestaltet, die Planeten kreisen um die Sonne, von der der Fortbestand des Universums abhängt. Fällt die Sonne aus, so ist Chaos – also Republik – an der Tagesordnung.“ (p) Immerhin droht die rote und die braune Gefahr. „Es gibt in unserem Staat keinen der uns z.B. vor einer Mehrheit der Neonazis oder Kommunisten beschützen kann.“ (q)
Doch die Rettung naht zugleich. „Ein Kaiser, der mit ausreichenden Rechten ausgestattet ist, hätte in einem solchen Fall die Möglichkeit das Parlament aufzulösen.“ (r) Wie war das jetzt mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung? Doch egal, die Monarchie wirkt. „Fragen Sie sich doch selbst: „Wie viele Republiken im Laufe ihrer Geschichte in ein totalitäres Regime verfallen sind oder gleich bei ihrer Gründung als Republik, ein totalitärer Staat wurden?“ Gleichzeitig können Sie sich fragen: „Wie viele Monarchien sind in ihrer Geschichte in eine Diktatur verfallen?““ (s) Denn merke, was man bereits ist, dem kann man nicht verfallen, oder?
Man will ja nicht enden wie die USA, die sich seit dem 11. September gefährlich der Diktatur annähern: „Polizei und Militär üben seitdem eine Willkür aus, die nicht von Ungefähr an den Willkürmaßnahmen erinnern, die in Deutschland nach dem Reichstagsbrand 1933 an der Tagesordnung waren.“ (t) Hat den keiner mal einen Kaiser für die USA? Oder wenigstens einen König? Ein Erzherzogs täts’ vielleicht auch noch.
Gottseisgedankt selber aber hat man einen züchtigen Thronanwärter. Sieht man sich seine kaiserliche Hoheit, den aktuellen Chef des Hauses Hohenzollern an, so wird klar: Der und kein anderer ist der Richtige. Immerhin zwei Jahre Militärdienst bei den Gebirgsjägern in Mittenwald leistete Georg Friedrich von Preußen. So deutsch ist heute kaum einer noch.
Und so schlecht stehen die Chancen der Royalisten nicht. Zehntausenden von das „Goldene Blatt“-lesende Hausfrauen würden gern eine eigene Lady Di haben und nicht nur den Prügelprinz Ernst-August, der gegen türkische Pavillions pinkelt.
Vielleicht gibt’s dazu auch noch ein paar Kolonien oder wenigstens ein bisschen Polen.

by R. Schwarzenberg
[14.11.2006]

VERWENDETE LITERATUR
erster (nicht objektiver!) Überblick über die deutschen Monarchisten beim Onlinelexikon Wikipedia; de.wikipedia.org/wiki/Monarchisten_in_Deutschland

Thomas Klaus: Freunde des „blauen Bluts“ mit nicht immer „feinem“ Umgang, Antifaschistische Nachrichten 1/06, S. 9

Ernst Kovahl: Renaissance der Monarchie, in: Der Rechte Rand Nr. 72 September/Oktober 2001, Seite 21

ANMERKUNGEN
(a) http://www.deutsches-kaiserreich.eu/fwus.html, eingesehen am 14.11.2006
(b) Siehe: Markus-Wilhelm Weingartz: Pro&Contra. Den Staat Preußen wiedergründen?, in: „Junge Freiheit“ vom 03/01 12. Januar 2001
(c) Siehe: Knut Wissenbach: Pro&Contra. Eine Monarchie für Deutschland?, in: „Junge Freiheit“ 03/05 vom 14. Januar 2005
(d) Siehe: „Monarchen sind populär“, Interview mit Baal Müller, in: „Junge Freiheit“ 28/01 vom 06. Juli 2001
(e) Siehe: Ernst Kovahl: Renaissance der Monarchie, in: Der Rechte Rand Nr. 72 September/Oktober 2001, Seite 21
(f) Siehe: Ernst Kovahl: Renaissance der Monarchie, in: Der Rechte Rand Nr. 72 September/Oktober 2001, Seite 21
(g) Siehe: Matthias Rauch: Monarchisten und Ökofaschisten diskutieren Gemeinsamkeiten, in: Der Rechte Rand Nr. 41 – Juli/August 1996, Seite 14
(h) Siehe: Ernst Kovahl: Renaissance der Monarchie, in: Der Rechte Rand Nr. 72 September/Oktober 2001, Seite 21
(i) Siehe: Antifaschistisches Infoblatt 73/2006, Seite 7
(j) Nach: http://www.kaisertreuejugend.homepage.t-online.de/kj002.htm, eingesehen am 23.11.2005
(k) Nach: http://www.kaisertreuejugend.homepage.t-online.de/kj009.htm, eingesehen am 23.11.2005
(l) Nach: http://www.kaisertreuejugend.homepage.t-online.de/monarchie.htm, eingesehen am 23.11.2005
(m) Nach: http://www.kaisertreuejugend.homepage.t-online.de/kj011.htm, eingesehen am 23.11.2005
(n) Nach: http://www.kaisertreuejugend.homepage.t-online.de/kj011.htm, eingesehen am 23.11.2005
(o) Nach: http://www.kaisertreuejugend.homepage.t-online.de/kj007.htm, eingesehen am 23.11.2005
(p) Nach: http://www.kaisertreuejugend.homepage.t-online.de/kj007.htm, eingesehen am 23.11.2005
(q) Nach: http://www.deutsches-kaiserreich.eu/fwkt.html, eingesehen am 14.11.2006
(r) Nach: http://www.deutsches-kaiserreich.eu/fwkt.html, eingesehen am 14.11. 2006
(s) Nach: http://www.deutsches-kaiserreich.eu/fwkt.html, eingesehen am 14.11.2006
(t) Nach: http://www.deutsches-kaiserreich.eu/fmon.html, eingesehen am 14.11.2006