Mehr als nur Donald Duck

Der Comic ist ein stark unterschätztes und künstlich eingeschränktes Genre in Deutschland und fristete bis zum Aufkommen der Mangawelle (japanische Comics) vor fünf Jahren eher ein Nischendasein.
Auf Grund der Mischung von Bild- und Sprachurteil stoßen Comics auf das Vorurteil, sie seien einfach gestrickt und gehörten daher zur anspruchslosen Lektüre. Daher verorten in Deutschland noch viele Menschen, dass Genre Comics nur Kindern und Jugendlichen zu.
Dabei zeigt die Situation in Japan, dass Comics durchaus etwas für alle Generationen sein können, weil sie sich durch einen hohen Anspruch Auch an ältere Personen richten können.
Die eher geringschätzige Wertung von Comics gilt natürlich auch für politische Comics. Auch politisch aktive Menschen wissen dieses Medium kaum zu schätzen, dabei ist das Genre Comic ein sinnvolles Medium um besonders unpolitische Jugendliche für politische Aussagen und Sachverhalte zu interessieren.
In der Comicsparte allgemein bilden politische Comics bzw. Comics mit einer gewissen politischen Aussage oder Anspruch eine eher kleine Minderheit. In viele Comics jedoch gibt es durchaus auch neben der eigentlichen, meist fantastischen, Geschichte einen politischen Anspruch. Politcomics gibt es spätestens seit den sehr einfach aufgebauten Propagandacomics der Alliierten im zweiten Weltkrieg. Da wird etwas versteckt zum Beispiel häufig die Diskriminierung von Ungleichheit aufgezeigt und kritisiert.
Politische Comics spielen im Gegensatz zum großen Rest häufiger in der Realität und manchmal in einem fantastischen Pendant (Dystopie oder Utopie). Einige politische Comics sind Fiktion und andere wiederum geben wahre Gegebenheiten wieder. Der derzeit wohl bekannteste politische Comic ist wohl Marjane Satrapis Persepolis, in dem die Autorin ihre Kindheit und Jugend unter dem Mullahregime im Iran wiedergibt. Durch die Auswahl der wiedergegebenen Erfahrungen enthält dieser Comic einen eindeutigen Standpunkt der Autorin und wird damit zur politischen Comicautobiografie.
Politische Comics müssen natürlich nicht unbedingt einen linken Charakter besitzen. Aber rechte bzw. reaktionäre Comics mit hohen Auflagen sind recht selten. Einer der bedeutenteren nichtlinken Politcomics dürfte die Comicbiografie von Papst Johannes Paul II. (+ 2005), „Von Wadowice nach Rom“, sein.
Aber auch scheinbar harmlose und unpolitische Comics weisen oft zweifelhafte Tendenzen auf. Zum Beispiel ist der Comic „Tim und Struppi im Kongo“, den es in jeder Comichandlung zu kaufen gibt, auch von Unbedarften als Comic mit rassistischen Unterton erkennbar. Das verwundert bei der Vita des Autors kaum. Das Coicduo Tim und Struppi stammt aus der Feder des belgischen Zeichners Herge alias Georges Remi, der während der NS-Besetzung Belgiens für ein Organ von belgischen NS-Kollaborateuren zeichnete.
Der geringe Erfolg von rechten und konservativen Comics heutzutage mag auch daran liegen, dass hier meist sehr plump und offen moralinsaure Botschaften der/dem Leser_in präsentiert werden.

Das Komplott
Die Entstehung der berüchtigten Fälschung „Die Protokolle der Weisen von Zion“, die von einer angeblichen jüdischen Weltverschwörung künden, ist nach wie vor aktuell und essentiell wichtig um den Ungeist des Antisemitismus zu verstehen.
Dies in Comicform zu tun hat der bekannte US-Comiczeichner Will Eisner (1917-2005) in seinem letzten Werk versucht. In rein schriftlicher Form gibt es bereits dutzende kritische Werke zu diesem Thema. Das Vorwort zu dem Comicband stammt von dem italienischen Schriftsteller Umberto Eco, aus dessen Feder bereits mehrere kritische Essays zum Thema stammen.
Die farblich in Schwarzweiß gehaltene Geschichte fängt im Jahr 1848 in Frankreich an. Es ist die Zeit in der wieder ein Bonaparte Kaiser in Frankreich ist. Knapp zwanzig Jahre später ist immer noch ein Bonaparte an der Macht und der heute kaum bekannte Schriftsteller Maurice Joly versucht 1964 mit seinem Buch „Gespräche in der Unterwelt“, einem fiktiven Dialog zwischen Machiavelli Montesquieu, die Willkürherrschaft des französischen Kaiser bloßstellen. Genau dieses Buch dient 1898 dem russisch-zaristischen Geheimdienst in Paris als Vorlage für die Protokolle. Besonderes Gewicht wird dabei vom Autor auf den Fälscher Mathieu Golovinski und seine Biografie gelegt.
Auf den nun folgenden Seiten werden die ersten Auswirkungen und die Verbreitung der Protokolle rund um die Welt bis heute wiedergegeben. Zwar wird der Einfluss der Protokolle auf die Nationalsozialisten und insbesondere Hitler dargestellt, aber die Vernichtung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden wird nirgendwo im Comic direkt wiedergegeben.
Auch ist der Schriftanteil im Gegensatz zu anderen Comics recht ausgeprägt und der 16seitige Vergleich zwischen den Protokollen und Jolys’ „Gespräche in der Unterwelt“ um das kaum veränderte Original der Protokolle zu belegen ist sehr langatmig geraten.
Das etwas verzweifelte Credo des Bandes ist, dass die Protokolle trotz zahlreicher Widerlegungen, mit Vernunft also, scheinbar bisher nicht zu besiegen waren. Im Zusammenhang damit wird darauf hingewiesen, dass sich die Protokolle besonders im arabischen Raum immer noch ungebrochener Nachfrage und Verbreitung erfreut.
Der Preis mit 20 Euro dürfte Comicneulingen recht teuer vorkommen, ist aber für einen solchen Band nicht unüblich.
Wer eine gute und unterhaltsame Einführung in die Geschichte der Protokolle sucht sollte unbedingt zugreifen.

Will Eisner: Das Komplott – Die wahre Geschichte der Protokolle der Weisen von Zion, Deutsche Verlags-Anstalt München, 2005, 152 Seiten, 20 Euro

LINKTIPP
Ich, Rassist?
Deutsche Sprachversion online unter:
http://europa.eu.int/comm/publications/young/txt_whatme_racist_de.pdf

by R. Schwarzenberg