Nazi-Devotionalien

Jäger auf der Jagd nach dem verlorenem „Schatz“

Aufmerksam beobachtenden Flohmarktgängern fällt immer wieder das große Angebot ab Militaria-Kram auf. Beispielhaft ist hier der große Dresdner Flohmarkt am weltkulturgeerbten Elbufer (im Sommer: 300 Stände). Hier kann man endlich mal wieder in den alten Ausgaben des völkischen Beobachters blättern und mit den hier ausliegenden Armee-Gegenständen könnte man ein ganzes NVA-Bataillon und eine kleine SS-Wachmannschaft ausrüsten.
Nur notdürftig, wenn überhaupt, sind die Hakenkreuze und SS-Runen überklebt, um nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen. Die gemütlich über die Marktfläche patroullierenden Beamten greifen aber nur in Notfällen ein. In Vergangenheit war, dass zum Beispiel, wenn echte Granaten verkauft worden, was ein Jugendlicher getan hatte, der diese von diversen Truppenübungsplätzen zusammengesammelt hatte.
So können freakige Sammler ungestört ihren seltsamen Sammlerleidenschaften und Militaria-Marotten nachgehen. Kritische Geister fragen sich öfters, was dass denn für Leute sind. Fast nur männlich, zwischen 30 und 60 und passenderweise nicht selten in Camouflage gewandet. Viele mag man als harmlose „Spinner“ abtun. Aber diese unkritische Begeisterung für Waffen-SS und Wehrmacht zeugen doch oft von dem verborgenen inneren Wunsch gerne mit dabeigewesen zu sein, als es damals gegen den Rest der Welt ging. Hier denkt man nicht an eine „Gnade der späten Geburt“ sondern die späte Geburt wird eher als Fluch verbucht.

Dresdner Flohmarkt

Der Dresdener Flohmarkt ist mit seinem Angebot übrigens keine Ausnahme, gleichartige Szenen finden sich beispielsweise auch in Leipzig (A) oder auch im Ausland wie in Oberwart in Österreich.
Parallel zu den Verkaufsständen und den kleinen Antiquitätengeschäften hat sich im Internet ein florierender Handel mit Nazi-Devotionalien etabliert. Nicht wenige Liebhaber scheinen aus den USA zu stammen.
Bei den vorherrschenden Preisen mag auch so manch kritischer Geist der Versuchung erliegen mit Opas Nazigerümpel Geld zu machen.
Neben echten Stücken kursieren auch viele Fälschungen, zum Beispiel von den seltenen SS-Treueringen des Obermassenmörders Himmler, die dieser an nur wenige Gefolgsleute verlieh. Da wünscht man sich doch, dass die Leute viel Geld für gefälschten Schund raushauen und es am Ende dann noch merken. Ob das kuriert ist allerdings fraglich.

by R. Schwarzenberg

ANMERKUNGEN
(A) Benedikt R.: Triumph der Zeitgeschichte. Der Leipziger Trödelmarkt ist ein Paradies für die Liebhaber von NS-Devotionalien, in: „Jungle World“ Nr. 20 vom 17. Mai 2006; http://www.jungle-world.com/seiten/2006/20/7759.php
(B) Jan Draht: Nazipropaganda auf Hamburger Flohmarkt, 11.03.2007; http://germany.indymedia.org/2007/03/170618.shtml
(C) Michael Pekovics: Wirbel: Nazi-Kult am Flohmarkt, 6.12.2006; http://www.bvz.at/redaktion/bvz-owa/article.asp?Text=218790&cat=836