Archiv für März 2008

Leserbrief zum Artikel „Dresden lädt zum Februarfest“ in der Jungle World 06/08:

Hier mein Leserbrief auf den Artikel „Dresden lädt zum Februarfest“ in der Wochenzeitung Jungle World 06/08 vom 14. Februar 2008:

No peace
Das Phänomen, dass sich zivilgesellschaftlicher Anti-Nazi-Protest im Osten nicht mobilisieren lässt, erstreckt sich nicht nur auf den Trauermarsch in Dresden. Selbiges ließ sich auch beim »Sachsentag« der JN 2007 oder dem »Pressefest der Deutschen Stimme« 2006 (beides Dresden-Pappritz) feststellen. Bis auf wenige – lobenswerte –Ausnahmen (meist betroffene und allein gelassene AnwohnerInnen) gab es keinerlei bürgerlichen Gegenprotest. Diese gesellschaftliche Wüste dürfte auch mit der dünnen Decke von Gewerkschaften, Parteien etc. zusammenhängen und mit dem geringen MigrantInnen-Anteil im Osten. In Westdeutschland kommt genau aus diesen Reihen ja der meiste Protest. Trotz der Verlautbarungen und der medienwirksamen aus Lichtern gebastelten Anti-Nazi-Botschaften durch die bürgerlichen Trauermarsch-TeilnehmerInnen sind die BürgerInnen weder bereit, sich den Nazis wirklich in den Weg zu stellen noch ihre inhaltlichen Gemeinsamkeiten (Kontextlosigkeit, Verteufelung der Alliierten etc.) mit dem braunen Pack zu reflektieren und daraus etwaige Veränderungen abzuleiten. Daher ist ein Appeasement an die Dresdner BürgerInnen nicht notwendig.
r. schwarzenberg