Hörspiel mit völkischen Untertönen

Im Verlag „Audiobuch“ erschien 2006 das Hörbuch „Störtebecker“, dass auf das gleichnamige Buch von 1926 zurückgeht Dieses Buch stammt aus der Feder von „Klabund“ alias Alfred Henschke. In den 63 Minuten finden sich unüberhörbar auch Zeugnisse des damals weit verbreiteten völkischen Geistes. Es geht um das Leben des Klaus Störtebecker, der als Rebell und Volksheld dargestellt wird. Störtebecker erscheint in „Klabunds“ Geschichte als Anführer von geknechteten Friesen, die gegen die reichen Hanse-Städte und die katholische Kirche („Rom“, „Papisten“) aufbegehren. In der damals weit verbreiteten typischen völkischen Manie haben diese Rebellen zu „ihrem“ Gott Wotan zurückgefunden. Das Ganze erinnert etwas an Hermann Löns „Werwolf“. Hier die reichen Städter und Krämer, dort die einfachen und bodenständigen Bauern. Katholisches Christentum und einmal auch das Judentum werden grundsätzlich als („art“-)fremd und negativ dargestellt.
Damit weist diese Geschichte an mehreren Stellen völkische Untertöne auf. Ob dass die richtige Geschichte für die Kinderzimmer von heute ist, wird damit fraglich. Auch wenn die Erzählung vom Sprecher exzellent gesprochen, die Erzählung handwerklich sehr gut, saftig-erotisch und stellenweise sogar bestechend ist.

Zum Autor: Laut Wikipedia-Eintrag soll Alfred Henschke (1890-1928) bzw. „Klabund“ anfangs in patriotischen Eifer den Weltkrieg mit der Abfassung von Soldatenliedern begrüßt haben, später aber unter die Kriegsgegner gegangen sein. Zu seinen Freunden zählte auch Gottfried Benn, der anfangs feurig das nationalsozialistische Regime gegenüber Ausland und Emigration verteidigte.