Korporierte machen Kasse

Hintergründe zu den wohnrechtlichen Privilegien von Verbindungsstudenten
Wenig ist bekannt über die Kassenlage von Studentenverbindungen. Doch muss diese gut sein, da in den Lebensbünden „Alte Herren“, berufstätige Mitglieder, regelmäßig die „Aktivitas“, also die studierenden Mitglieder, finanziell großzügig unterstützen. Nicht nur dem Eigenverständnis nach, auch in der Realität gehören viele „Alte Herren“ zur Elite und können sich daher diese Abgaben an ihre Stammverbindung problemlos leisten. Immerhin ist es damit möglich ein Verbindungshaus zu unterhalten und die Mieten auf im Durchschnitt etwa 50% unter Marktpreis zu schrauben. Freilich kommt dieses Wohn-Privileg fast nur männlichen Studenten und oft auch nur konfessionell Gebundenen oder Wehrdienst-Leistern und Deutschstämmigen zu Gute. Die Kriterien sind je nach Dachverband unterschiedlich, aber fast durchweg sind Frauen von den infrastrukturellen Vorteilen und den berufsfördernden Netzwerken („Vitamin B“) abgeschnitten.
Was die jeweiligen Dachverbände an Besitz angesammelt haben ist ebenfalls kaum zu ermitteln. Zum Teil existiert neben den offiziellen Dachverbänden auch noch ein Geflecht von Stiftungen, die den Besitz verwalten.
Im Jahr 1985 soll allein die „Deutsche Burschenschaft“ über einen Besitz von 30 Millionen DM in Villen, Schlössern und Grundbesitz verfügt haben [1].

Auch die Zugaben der „Gönnergilde“ der „Alten Herren“ sind schwer ermittelbar. Hier zwei der wenigen bekannten Beispiele wie viel die Altherrenschaft regelmäßig für die Aktivitas locker macht:
* 200 Alte Herren der Burschenschaft Danubia München sollen in den 1980er Jahren monatlich 6.000 DM gespendet haben [2].
* Die Burschenschaft Germania Marburg erhob 2001 einen Mitgliedsbeitrag von 400 Euro, abzuführen an die Marburger „Gesellschaft Germanenhaus Marburg“ e.V. . Diesen zahlten 2004 von 200 Mitglieder 187, was 74.000 Euro im Jahr macht [3].

Insgesamt dürften diese Zugaben aber zurückgehen, da die zahlenstarken Jahrgänge der „Alten Herren“ aus der Nachkriegszeit, wo 25-30% der Studierenden Verbindungsmitglied waren, aussterben.

Darüber hinaus erhielten musikalisch und sportlich ausgerichtete korporierte Dachverbände (vermutlich die Turnerschaften und die Sängerschaften) in den vergangenen zehn Jahren Förderungen durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung unter der Rubrik
„Förderung hochschulbezogener zentraler Maßnahmen studentischer Verbände und anderer Organisationen“ mehrere zehntausend DM Zuschuss [4].

Neben der Unterstützung durch „Alte Herren“ und Zuschüssen vom Staat, nutzen die Verbindungen auch den Status als Studentenwohnheim und einen vereinsrechtlichen Status für ihre Verbindungshäuser. Verbindungshäuser in Vereinsbesitz werden so mit Nützlichkeitsstatus ausgestattet.
Daher steht hinter zahlreichen Verbindungshäusern noch ein eingetragener Verein. Durch den Vereinsstatus kommen selbst vom Verfassungsschutz beobachtete Burschenschaften an die Vorteile des „e. V.“:
* Die extrem rechte Burschenschaft Germania Hamburg verbirgt sich beispielsweise hinter dem „Studentenwohnheim Harry Lange“ [5].
* Das inzwischen wieder aufgegebene Verbindungshaus der rechtsextremen Jenaer Burschenschaft Normannia (eine rechte Neugründung von 1999) in der Schleidenstraße 2 wurde im Juni 2002 vom Jenaer REPs-Aktivisten Wilhelm Tell erworben und anschließend dem Verein „Jenaische Burse e.V.“ zur Verfügung gestellt. In diesem eingetragen Verein ist u.a. Peter Dehoust, Herausgeber des rechtsextremen Traditionsblattes „Nation & Europa“ [6].
* „Die »Gemeinnützige Studentenwohnheim-Vereinigung Georg Bankwitz e.V.« mit Sitz in Frankfurt am Main „ist dem Landesamt für Verfassungsschutz Hessen als „Trägerverein“ für die Liegenschaft der Burschenschaft Dresdensia-Rugia in Gießen […] bekannt“, lautet die Antwort der hessischen Landesregierung auf eine Anfrage Kleine Anfrage des SPD-Abgeordneten Schäfer-Gümbel vom 16.02.2007 zur extrem rechten Burschenschaft Dresdensia-Rugia [7]. Das Finanzamt Frankfurt will nun aber dem Georg-Bankwitz-Verein die Gemeinnützigkeit aberkennen, wie ein Prüfbericht des Finanzamtes, der der Frankfurter Rundschau vorlag, berichtete. Der Vorwurf, lautet dass statt Studenten mit billigem Wohnraum zu unterstützen, der Verein Spenden zur Finanzierung der NPD-nahen Burschenschaft sammle. Außerdem kritisiert das Finanzamt die Nutzung des dem Verein gehörenden Burschenschaftshauses, für das der Verein Steuervergünstigungen erhalte (Spenden sind steuerlich absetzbar), weil es offiziell ein Wohnhaus für Studenten sei. Keller und Erdgeschoss würden allerdings als Sitz der Dresdensia verwendet [8].

Die Verwendung der Vereinseinnahmen für die zugehörige Verbindung ist aber unter den Verbindungs-Vereinen keine Ausnahme, sondern schlicht die Regel. In einigen Verbindungen ist mit der „Philistrierung“ (Übergang vom „Aktivitas“ zum „Alten Herren“) satzungsgemäß der Eintritt in den Wohnheimverein festgelegt.

Corps Franconia Tübingen
Dem Betrachter ist oft unklar, was sich hinter einigen sogenannten Studentenwohnheimen verbirgt. Dass es sich beispielsweise beim „Studentenwohnheim“ in der Dresdner Caspar-David-Friedrichstraße [9] um das Verbindungshaus des „Corps Teutonia“ (Eigenwerbung: „Karriere machen durch Kontakte! Wir haben die Kontakte!“) handelt ist für den Normalmensch vollkommen uneinsichtig.
Da über die korporierten Vorfeld-Vereine manchmal auch Immobilienkäufe getätigt werden, wissen die Nachbarn oder Untermieter oft gar nicht, wer sich hinter dem Label im Vordergrund verbirgt. Dass sich hinter dem Hamburger Verein „Haus Wachenburg e. V.“ das „Corps Irminsul zu Hamburg“ versteckte, erfuhren die Untermieter erst durch den Einzug des Corps [10].
Meist agieren die korporierten Vereine einzeln, doch es gibt mit dem VfSt-Bonn (Verband für Studentenwohnheime e.V.) auch eine Art bundesweiten Dachverband. Mitglied kann „ein eingetragener, als gemeinnützig anerkannter Verein mit der Aufgabe, Trägervereine von studentischen Wohnheimen, insbesondere in Korporationshäusern, zu betreuen“ [11] werden.
Jedoch: „Die betreuten Vereine müssen nicht selbst als gemeinnützig anerkannt sein. Sie müssen lediglich eingetragene Vereine sein und in ihren Satzungen sicherstellen, dass etwa
gebildetes Vermögen gemeinnützigen Zwecken, nämlich der Studentenhilfe, gewidmet ist.“ [12]
Warum diese ganzen Vereine überhaupt als gemeinnützig oder Studentenwohnheim anerkannt sind, ist mehr als fragwürdig. Immerhin sind ja schon einmal alle weiblichen Studierenden von vornherein ausgeschlossen. Das ist weniger gemeinnützig, als vielmehr eine Diskriminierung.

Anmerkungen
[1] Klaus-Dieter Stefan: Blind wie zu Kaisers Zeiten – Säbel, Seidel, Schmisse: Neue „Burschenherrlichkeit“, Ostberlin 1985, Seite 26
[2] Klaus-Dieter Stefan: Blind wie zu Kaisers Zeiten – Säbel, Seidel, Schmisse: Neue „Burschenherrlichkeit“, Ostberlin 1985, Seite 26
[3] Carlotta Vogt und Arne Baden: Marburger Burschen, in: Der Rechte Rand Nr. 108 – Sept/Okt 2007, Seite 25
[4] Deutscher Bundestag Drucksache 14/6729, 14. Wahlperiode 24. 07. 2001, Antwort auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke und der Fraktion der PDS: Rechtsextreme Tendenzen bei der Burschenschaft Danubia und anderen Burschenschaften, http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/14/067/1406729.pdf
[5] Vgl. http://www.studentenwohnheim-harry-lange.de/
[6] Junge Gemeinde Jena: Burschenschaft Normannia zu Jena, undatiert, http://www.jg-stadtmitte.de/index.php?option=com_content&task=view&id=8&Itemid=4
[7] Kleine Anfrage betreffend Finanzallianz zwischen alten Herren und Rechtsextremen? Burschenschaft Dresdensia-Rugia – Georg Bankwitz e.V., Drucksache 16/6930, 11. 05. 2007, http://starweb.hessen.de/cache/DRS/16/0/06930.pdf
[8] P.G.: Hessen: Burschenschaftsbank soll Gemeinnützigkeit aberkannt werden, 25.10.07, http://npd-blog.info/?p=1100
[9] Vgl. www.studentenwohnheim-csf.de
[10] ug: Degenkämpfe über dem Schlafzimmer, in: „Hamburger Abendblatt“, erschienen am 4. Oktober 2003, http://www.abendblatt.de/daten/2003/10/04/215052.html
[11] Nach: http://www.studentenwohnheimverband.de/
[12] Nach: http://www.studentenwohnheimverband.de/


2 Antworten auf “Korporierte machen Kasse”


  1. 1 Pavel 12. Dezember 2008 um 13:22 Uhr

    Das klingt nach grenzenlosem Neid… Warum so viel Hass? Naja, jeder hat seine Minderwertigkeitskomplexe…

  2. 2 Natalie 16. Februar 2010 um 15:02 Uhr

    Für mich klingt das total nach neid. Im übrigen gibt es nicht nur „Studentwohnheime“ von Verbindungen die nur Männern offenstehen. Bei gemischten Verbindungen kommen Frauen ebenso in den Genuss von „Vitamin B“ wie in den durchaus existierenden reinen Damenverbindungen. Was können Verbindungsstudenten dafür, wenn sie die Kontakte nutzen, die ihnen offenstehen, durch ihre Mitgliedschaft in einer Verbindung. Es steht jedem Studenten und jeder Studentin offen einer Studentenverbindung beizutreten oder gar eine zu gründen. Diese ständigen Neiddebatten in diesem Land sind eine Schande. Bei solchen Äußerungen wie in obigem Artikel frage ich mich immer, ob der AutorIn jemals einen tieferen Einblick in das Verbindungsleben genommen hat.

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