Populismus-Baustein: Antiamerikanismus, Unterkategorie: Bush-Bashing

Wallstreetterror
Antiamerikanismus in guter alter deutscher Tradition: Buch von 1942

Nun ist er weg. George Walker Bush. Letzte Polemiken und Hassbotschaften wurden ihm noch nachgeworfen, ebenso wie zwei Schuhe. Noch ein letztes Mal übten sich Presse, selbsternannte Amerika-Experten und Stammtisch ausgiebig im „Bush-Bashing“ und bedienten damit in populistischer Manier den Antiamerikanismus der Deutschen (und vermutlich auch der Europäer allgemein).
Bush-Bashing war gleich nach dem Fußball der Deutschen liebster Volkssport. Jeder noch so vergreiste Uni-Professor konnte bei seinen Zuhörern Punkte sammeln, wenn er kräftig auf den „Cowboy“ im „Weißen Haus“ schimpft.
Vorgemacht hat es der abgehalfterte Grünen-Politiker Ströbele, der einst die irakischen Raketenangriffe auf Israel „die logische, fast zwingende Konsequenz der Politik Israels“ nannte. Er versuchte sich einem schlecht gemachten Musikstück als Anti-Bush-Sänger und sieht den Ex-Präsidenten schon bald vor dem Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag.

Ein großer Verlust ist es allemal für alle Antiamerikaner und für viele selbsternannte Weltpolitik-Experten auch.
Wen sollen sie jetzt für allen Unbill dieser Welt verantwortlich machen? Der Papst eignet sich dafür anscheinend nicht so gut. Besonders bei den Deutschen. Ist doch hierzulande die nationale Identifikation mit dem Oberhaupt der katholischen Christenheit recht hoch („Wir sind Papst!“).
Da viele (nicht alle!) ihre antiamerikanischen Ressentiments gegen die Vereinigten Staaten im Bush-Bashing auslebten ist der Verlust für viele auch riesengroß.
Bush-Bashing war erkennbar eine Spielart des Antiamerikanismus. Sicher hat dieser US-Präsident viele Fehler gemacht, seine Politik hat Opfer gefordert und im eigenen Land hat er die sozialen Gegensätze noch zugespitzt.
Doch Gleiches trifft auch auf Gerhard Schröder oder Chaque Chirac zu. Deren Kriege oder Kriegsbeteiligung im Ex-Jugoslawien (Kosovo) oder in der Republik Elfenbeinküste fanden ungleich weniger Kritik.
Eine rationale Bewertung der Politik von George W. Bush mit all ihren Fehlern, aber ohne eine Litanei der Verdammung zu sein, ist nicht nur vielen Normalmenschen unmöglich gewesen, sondern auch viele Medien fielen in ihre antiamerikanischen Beißreflexe zurück.
George W. Bush wurde für jeden Toten im Irak persönlich verantwortlich gemacht und nicht etwa die religiösen und nationalistischen Fanatiker, die mit Selbstmordattentaten möglichst viele Menschen in den Tod zu reißen versuchen. Sicher, die amerikanische Irak-Politik ist desaströs. US-Soldaten waren immer wieder an Morden an Zivilisten beteiligt, es wurde systematisch Folter angewendet und allgemein wurde weniger angeklopft als vielmehr reingestürmt.
Viele Tote im Irak sind aber auf innerirakische Konflikte zurückzuführen, die von Saddam Husseins Gewaltherrschaft unterdrückt worden sind. Dafür sind schlecht die Besatzer verantwortlich zu machen. Auch Guantanamo ist sicher ein Schandfleck auf der Weste der USA, aber Guantanamo ist kein neues Auschwitz. Wer so etwas behauptet relativiert und verharmlost den Nationalsozialismus. In Guantanamo wurde und wird niemand vergast. Trotz der fehlenden Rechte und vieler Verwechslungen sind einige der Insassen durchaus schuldig im Sinne der Vorwürfe. Im Gegensatz zu Auschwitz.
G8-Holocaustrelativierung
Und George W. Bush ist auch nicht der neue Hitler gewesen. Präsident Bush kann abgewählt werden und verfolgt als Staatsoberhaupt rational die Interessen seines Landes und nicht irgendeinen Wahn.
Holocaustrelativierung

JedeR kennt und kritisiert Guantanamo. Aber niemand interessiert sich für das Schicksal des weiblichen Bevölkerungs-Teil Saudi-Arabiens.

Man kann die saudischen Frauen in der Tat mit den Gefangenen von Guantánamo vergleichen.

Die Insassen von Guantánamo können wenigstens noch die Sonne sehen und müssen sich nicht mit einem schwarzen Umhang verhüllen. Auch könnten sie eine Affäre mit einem anderen Gefangenen haben. In Saudi-Arabien verliert eine Frau, die mit einem anderen Mann erwischt wird, ihr Leben. Die ganze Welt kennt die Zustände in Guantánamo und redet darüber, dass die Gefangenen dort ohne wirkliche Beweise festgehalten werden. Aber über die saudischen Frauen, die seit Jahrzehnten in Gefängnissen sitzen, redet niemand. Die saudischen Frauen leben in fünf Gefängnissen. Wenn sie keine Probleme mit ihrer Familie und ihrem Stamm haben, werden sie spätestens von der Gesellschaft attackiert. Wenn sie das durchstehen und nicht von der Religionspolizei verhaftet werden, kommt die Regierung. Wenn die sie ins Gefängnis wirft, sind sie vergessen.

(Wajeha al-Huwaider, Gründerin der League of Demanders of Women’s Right to Drive Cars, in dem Interview »Unsere Omas durften auch Kamel reiten«, http://www.jungle-world.com/seiten/2007/39/10711.php)

Zu Saudi-Arabien unterhalten alle westlichen Staaten, also auch die USA und Deutschland, normale bis freundschaftliche Beziehungen.

Ob Obama soviel anders macht und machen kann ist fraglich.
Für kühle, linke Analysten bleibt das Credo: Don’t fight the players, fight the system. Und erweitert ist noch hinzuzusetzen: Watch your own country!

BUCHTIPP: Claus Kleber: Amerikas Kreuzzüge. Wohin treibt die Weltmacht?, München 2005, 302 Seiten

Der Autor agiert mit seinem Buch als ein Mythenbrecher. Durch Insider-Wissen und jahrzehntelange Erfahrung gelingt es ihm die Spezifika des Amerika unter George W. Bush herauszuarbeiten ohne sich in die Niederungen des Antiamerikanismus zu geraten. Im Gegenteil, er räumt konsequent auf mit antiamerikanischen Klischees und Vorurteilen: Nicht die Zensur, sondern Selbstunterwerfung und Gewinn-Denken legte die kritische US-Presse lahm. Nicht kaltblütiges Kalkül, sondern Irrtum und Fehler führten zur Durchsetzung der Kriegsfraktion innerhalb des Bush-Kabinetts. Präsident Bush und seine Regierung sind nicht die neuen christlich-fundamentalistische Kreuzritter, sondern sendungsbewußte Menschen, die an Amerikas Auftrag glauben. Präsident Bush ist nicht eine Marionette seiner Berater, lässt sich aber von den Spezialisten in seiner Umgebung stärker beraten als z.B. Präsident Clinton. Präsident Bush ist kein Cowboy oder Tölpel, sondern ein Durchschnittstyp.

Durch seine Stellung gegen die althergebrachten antiamerikanischen Vorurteile und eine gewisse Nähe zum Polit-Establishment gerät das Buch aber streckenweise zu positiv in Vorausschau und Bewertung. Eine kritische linke Note hätte ihm ganz gut getan. Das viele Akteure in den USA oder im Irak bzw. Afghanistan nicht die Böslinge sind, als die sie gerne dargestellt werden, schön und gut, aber Fehler wurden trotzdem gemacht. Einige benennt der Autor, andere leider nicht.