Antispe-Diskussion: Ein Nachschlag

Liebe Antispe-Tübingen. Es wurden recht viele Kritikpunkte angesprochen und auch der neueste Gastbeitrag von „Apple“ enthält eine intelligente Kritik und Analyse an der Antispe-Ideologie.
Die inhaltlich sehr knappe Antwort der Antispe Tübingen (http://asatue.blogsport.de/2010/06/13/angriff-von-links/) enttäuscht mich etwas. Sicher, ich habe selbst geschrieben mir graue es vor einem Diskussions-Pingpong. Zur Erinnerung: Ich erhielt 17 Seiten Text (lange Zitate, keine echte Ordnung) als Konter und ich diskutiere als Einzelner mit einer ganzen Gruppe (Beim zweiten Text hatte ich allerdings einen freundlichen Korrektor, Danke nochmal!). Doch wenn dass das Ende der Diskussion ist, dann erscheint mir das ein bisserl dürftig. Drei Jahre (ver)alte(te) Aussagen, die der Autor heute nicht mehr unterschreiben würde. Konkret: „Menschenverachtung und Menschenhass“ und „Abrutschen ins Ökofaschistische“ würde ich den Antispes nicht mehr vorwerfen, das war falsch. Die Grundannahmen der Antispe-Ideologie aber halte ich weiterhin für gefährlich. Die Kritik an meiner Unwilligkeit sich auf den Nebenschauplatz der Antispe-Horkheimer/Adorno-Rezeption zu begeben. Dann wird behauptet, dass ich Frau Witt-Stahl in eine Ecke mit den Neuen Rechten stellen würde. Das tue ich nicht, finde aber die Wortwahl von Witt-Stahl gemeingefährlich und sehr kritikabel. Wer von „Holocaust-Religion“ schreibt, darf sich über Kritik nicht wundern. So ein Wort impliziert nun mal bestimmte Dinge. Selber Schuld, Frau Witt-Stahl.

NACHTRAG: Inzwischen habe ich noch drei einzelne Blog-Kommentare gefunden und freigeschaltet. Ich werde beizeiten auf diese eingehen. Die Diskussion mit der Antispe Tübingen als Gruppe scheint aber mit ihrem „Angriff von Links“-Beitrag beendet.

„Wir sind aber eine emanzipatorische Bewegung!“

Der Tübinger Linken insgesamt möchten wir deutlich machen, dass wir kein Verständnis mehr dafür aufbringen können, dass, wie in Tübingen geschehen, Menschen, die sich selbst als „aufgeklärt“ und „radikal links“ bezeichnen, sich über andere emanzipatorische Bewegungen lustig machen und es in linksradikalen Zusammenhängen möglich ist, dass Personen angegangen werden, nur weil sie selbst nicht die Tierausbeutungsindustrie mit Geld unterstützen wollen und sich deshalb für eine vegane Lebensweise entschieden haben. Es ist schon schlimm genug, diese Kämpfe überhaupt nicht anzuerkennen, oder wenn, dann für „unpolitisch“ zu erklären. Aber dieses unsolidarische Verhalten, diese subtilen Herabsetzungen sind in einer radikalen Linken nicht tragbar!

Von Anfang an hatte die politische Tierbefreiungsbewegung mit Angriffen auch von Seiten anderer linken Gruppen und Personen zu kämpfen, welche die Ausweitung des emanzipatorischen Gedankens auf die Tiere und die Forderung nach einem Ende der Ausbeutungsverhältnisse, in denen sie zu leben gezwungen sind, ablehnten.

Dass die Antispes die Anerkennung als „emanzipatorische Bewegung“ wütend für sich einfordern ist ja aus ihrer Sicht verständlich. Ich halte die Antispe-Ideologie aber nun mal generell für konstruierten Unsinn. Den Ansatz die Kaschierung der massenhaften Fleischproduktion auf ideologiekritischer Ebene zu untersuchen finde ich zwar sinnvoll, aber die Forderung nach einer „Aufhebung des Mensch-Tier-Dualismus“ halte ich für unsinnig und reaktionär bis gefährlich. Wenn ich (wie viele andere) auf Grund dieser Einschätzung die Antispe-Bewegung nicht als emanzipatorisch betrachte, so müssen die Antispeseben halt erstmal damit leben.
Ich glaube außerhalb ihrer eigenen Szene und einer gewissen linken Lebenssubkultur werden sie einfach überhaupt nicht erst genommen. Davon auszugehen, dass alle anderen Linken in Zukunft auch noch auf den Antispe-Trichter kommen – wie es aus einem früheren Text herauszulesen war – ist schon ein arger Höhenflug. Ich halte nix von Meinungsharmonie a la „Jeder hat seine Meinung und alle haben Recht“, von daher werde ich nicht kritisieren, dass die Antispes davon ausgehen, dass sie eigentlich Recht haben und andere ihre Wahrheit nur noch erkennen müssen. Ich habe eine ähnliche Einstellung in anderen Fällen.
Trotzdem ist die Nicht-Anerkennung der Antispe-Inhalte als gleichwertig z.B. zum Antisexismus nur für die Antispes schlimm, für mich aber durchaus nachvollziehbar und mittragbar, denn diese Anerkennung würde bereits eine gewisse Akzeptanz der Inhalte bedeuten.


Von Fruchtfliegen und anderem Getier

Wenn darauf auf eine solche Art und Weise eingegangen wird, sind wir nicht mehr bereit, die Diskussion weiter zu führen, zumal wir den Eindruck haben, dass von unserer Replik nichts beim Autor angekommen ist – wie wäre es sonst möglich, dass er sich in seiner Antwort auf sie, obwohl wir deutlich gemacht haben, dass es sich bei der Unterstellung, die von ihm so genannte „Antispe-Ideologie“ fordere eine Gleichbehandlung aller Tiere, um ein bloßes, nicht haltbares Vorurteil handelt, immer noch ernsthaft zu wundern scheint, weshalb wir uns für Affen einsetzen und nicht für Fruchtfliegen?

Was auch auffällt ist die komplette Humorlosigkeit der Antispes. Eine durchaus auch ironisch gemeinte Überschrift („Wenn Essgewohnheiten politisiert werden“) wird bierernst genommen, obwohl im Text darunter genau das Gegenteil gesagt und konkretere Kritik geäußert wird.
Dass die Rettung von Fruchtfliegen schon wegen deren Lebenskürze keinen Sinn macht, dürfte jedem klar sein. Das war ein humorvolle Überspitzung! Dass Insekten generell als Subjekt ausgeschlossen werden, kann mensch allerdings nicht für alle Antispes behaupten. Ein größerer Teil der Antispes scheint ja auch Honig abzulehnen, weil dieser „Sklavenarbeit“ oder „Ausbeutung“ entspringt.

Nebenschauplatz I: Männerdominanz bei der Antifa – Geschlechtergerechtigkeit bei den Antispes

Bei solchen sich in diesem Verhalten offenbarenden machistischen Strukturen ist es für uns kein Wunder, dass sie mit Problemen wie „Männerdominanz“ und Abwesenheit der Attraktivität ihrer Gruppen für „Nicht-Männer“ zu kämpfen hat. Vielleicht sollte sich unter anderem die antifaschistische Szene und ihr Umfeld, was den Umgang untereinander und mit „Anderen“ betrifft, gerade von antispeziesistischen oder auch antirassistischen und internationalistischen Gruppen inspirieren lassen, um besser dagegen vorgehen zu können!

Das real existierende Machismo-Problem von Antifa-Gruppen hat ja nix mit dieser Diskussion zu tun. Irgendwelche schlechten Erfahrungen von Antispes mit Antifas, sofern sie überhaupt auch wirklich auf Machismo, zurückzuführen sind, sind an dieser Stelle arg fehl am Platz. Zum allgemeinen Vorwurf des „Fleischgemackere“ hab ich mich ja schon geäußert.
Es geht um die Inhalte der Antispe-Ideologie und nicht darum ob die Antispe-Gruppen angeblich eine geschlechtergerechtere Innen-Konstitution haben als Antifa-Gruppen.

Nebenschauplatz II: Aber der Horkheimer hat doch gesagt

De facto haben nämlich auch die Denker der Frankfurter Schule die zur Nutzung durch den Menschen gefangen gehaltenen Tiere bereits als zu befreiende Subjekte in der durch Unterdrückung geprägten kapitalistischen Warengesellschaft gesehen, und eine befreite Gesellschaft ohne die Befreiung der Tiere wäre für sie ein Widerspruch in sich gewesen! Alles allerdings, was dem Autor in seiner erneuten Antwort zu diesem Kernstück der Theorie der Tierbefreiungsbewegung einfiel, war die äußerst platte Aussage, dass er nicht darüber diskutieren wolle, „ob Horkheimer in einem Text mal die Ausbeutung von Tieren anprangert“.

Wenn Horkheimer dasselbe gesagt hätte wie die Antispes (vermutlich dann in schöneren Worten), dann haben die Antispes doch deswegen nicht recht. Horkheimer mag ein kluger Kopf gewesen sein, aber er ist ebensowenig wie Marx, Einstein oder Nietzsche der Verkünder purer Wahrheiten. Sie waren Menschen und damit fehlbar wie alle anderen Menschen auch.
Deswegen ist es erstmal für eine Kritik legitim den Nebenzeugen, der genau das gleiche sagt wie der Hauptzeuge ohne neue Beweise anzuführen, zu ignorieren. Die Annahmen der Antispes werden ja dadurch erstmal nicht richtiger.

Der Streit ob nun „die“ AntiDs oder die Antispes die wahren Nachfolger der Kritischen Theorie sind, ist für die Diskussion und Kritik der Antispe-Kritik irrelevant. Ich finde ja die Hauptbestandteile der Kritischen Theorie, soweit mir bekannt, haben weder mit der einen noch der anderen Strömung inhaltlich besonders viel zu tun. Es handelt sich um ein analytisches Handwerkszeug, was jeder verwenden kann. Für wen sich eine Adaption eher eignet, weiß ich nicht.

Was mir noch aufgefallen ist I: Tiere sind die „Subjekte“

Obwohl er sich selbst als emanzipatorisch bezeichnet, folgt ein Teil der Linken der Kritik am Mensch-Tier-Dualismus und, allgemeiner, am Dualismus Kultur/Natur2 nicht und will Tiere partout nicht als zu befreiende Subjekte anerkennen; er versucht deshalb, die emanzipatorische Tierbefreiungsbewegung zu diskreditieren.

Warum sind Tiere denn Subjekte? In den verschiedenen Definitionen von Subjekt steht zumeist etwas von einer „bewusst handelnden Person“ und „Träger von Rechten und Pflichten“. Tiere könne ja gerne Rechte haben (Tierschutzgesetze), aber sie haben sich noch nie selbst zu ihrer Situation geäußert. De facto sind Tiere EURE Objekte der Fürsorge und keine eigenständigen Subjekte. Auch wieder ein Unterschied zu den echten Emanzipationsbewegungen. Hier gab es eine Kommunikation und ein Austausch zwischen den noch nicht Emanzipierten und ihren Sympathisanten.
Gegenwehr
OBEN: Das „nichtmenschliche Tier“ emanzipiert sich als Subjekt gegenüber dem „menschlichen Tier

Was mir noch aufgefallen ist II: Argumentation mit Extremfällen

Soweit mir bekannt lehnen Antispes Fleischkonsum, Tierprodukte und Tierhaltung generell ab, für sich, streben aber dieses Verhalten als politisches Ziel auch für andere an. Vor allem durch Überzeugung, es gibt aber auch Gruppen die z.B. Metzgereien angreifen oder Individuen die anderen Individuen Vorschriften bei der Ernährung machen (wollen). Eine Welt in der Fleisch- und Tierprodukte nachhaltig, ökologisch und artgerecht produziert würden, ist für sie keine Alternative. Ihre Beispiele und Analysen zielen aber vor allem auf die grausame industrialisierte und weitgehend versteckte Fleischproduktion in den Metropolen (die allerdings durch Export und Standortverlagerung auch auf die Peripherie übergreift). Wenn die Antispes offen sagen würden, dass man auch Wildparks, Großtante Ernas private Hühnereier-Produktion oder das Hechtfischen von Onkel Max ist und diese Tätigkeiten abschaffen will, würde man sich stark isolieren. Vermutlich auch deswegen arbeitet man sich in der Praxis nur an sehr bestimmten Bereichen ab. Dass heißt, es gibt konkret eine Differenz zwischen dem theoretisch Kritisierten und dem praktischen Tun.
Bei den Antispes fällt also auf, dass sie für ihre Argumentation immer die Beispiel-Fälle heranziehen, die tatsächlich unnötig sind. Jagd ist ja in vielen Fällen tatsächlich unnötig und bringt nichts, genauso ist es bei Tierversuchen. Aber wenn die unnötige Jagd und die sinnlosen, profitorientierten Tierversuche abgeschafft würden, bliebe noch immer ein Restbestand übrig. Hier stoßen die Antispes schnell an die Grenzen der Sympathie ihrer Umwelt, da Dinge zum Vorteil des Menschen von allen Anderen meist nicht abgelehnt werden.

nicht so lecker

Tschüss, und Danke für den Fisch!


3 Antworten auf “Antispe-Diskussion: Ein Nachschlag”


  1. 1 Matthias R. 08. Juli 2010 um 19:55 Uhr

    P.S.: Bitte reflektiere erst einmal deine krassen Vorurteile gegenüber „Tieren“. Diese werden ganz deutlich in pauschalisierenden Aussagen wie: „Tiere sind also im Allgemeinen grausam und unbarmherzig und – nach menschlichen Maßstäben – nur selten mitleidig. Menschen hingegen sind im Allgemeinen mitleidig und nur manchmal grausam.“ oder: „Tiere sind grundsätzlich erbarmungslose Wesen: Sie fressen ihre Nachkommen, ebenso ihre Geschlechtspartner oder sie vergewaltigen den jeweiligen Gegenpart.“
    Hier ließen sich ganz unterschiedliche Dinge kritisieren (beispeilsweise deine Inkonsistenz: Du kritisierst AntispeziesistInnen, dass sie den Begriff des Mordes auf nichtmenschliche Tiere anwenden, aber dass diese vergewaltigen können und vergewaltigt werden können, gestehst du ihnen zu?), aber vor allem entlarvst du dich mit solchen Sätzen als von für unsere Gesellschaft zwar (ur)typischen, jedoch schlicht nicht haltbaren, falschen Vorurteilen geprägt.
    Martin Balluch schreibt zu solchen Vorurteilen: „Das ‚Tier‘ ist synonym für ‚die anderen‘. Es ist eigentlich nur negativ definiert, als die ‚Nichtmenschen‘, und hat entsprechend immer andere Bedeutungen. In der Realität gibt es kein Wesen, das wirklich ‚tierisch‘ im Sinne von hemmungslos, instinktgetrieben, kulturlos, unzivilisiert, unmoralisch, sexbesessen, ungepflegt usw. ist. Das ‚Tier‘ ist nur ein soziales Konstrukt des Anderen.“
    Ich würde dir empfehlen – wenn es dir denn wirklich ernst ist und du dich mit dem Thema auseinander setzen willst –, das siebte Kapitel („Die soziale Konstruktion der Kluft zwischen Mensch und ‚Tier‘“) von Martin Balluchs Buch „Die Kontinuität von Bewusstsein. Das naturwissenschaftliche Argument für Tierrechte“ (Wien, Mühlheim a. d. Ruhr 2005, S. 115-143 zu lesen).
    Auch die Texte von Birgit Mütherich (verlinkt unter http://asatue.blogsport.de/texte/) könnten nicht schaden.

  2. 2 Matthias R. 08. Juli 2010 um 23:31 Uhr

    Und zu deiner Frage:

    „Warum sind Tiere denn Subjekte? In den verschiedenen Definitionen von Subjekt steht zumeist etwas von einer „bewusst handelnden Person“ und „Träger von Rechten und Pflichten“. Tiere könne ja gerne Rechte haben (Tierschutzgesetze), aber sie haben sich noch nie selbst zu ihrer Situation geäußert. De facto sind Tiere EURE Objekte der Fürsorge und keine eigenständigen Subjekte. Auch wieder ein Unterschied zu den echten Emanzipationsbewegungen. Hier gab es eine Kommunikation und ein Austausch zwischen den noch nicht Emanzipierten und ihren Sympathisanten.“:

    Was Emanzipation betrifft: „e-mancipare“ bedeutet wörtlich „aus dem Mancipium geben“. Das Mancipium (manus, Hand, und capere, ergreifen) war im römischen Patriarchat ein feierlicher Akt der Besitzergreifung durch „Handauflegen“. Das Wort emancipare wurde verwendet, wenn z.B. ein erwachsener Sohn oder ein Sklave aus der väterlichen Gewalt entlassen worden ist; „emanzipieren“ bedeutet schlicht „frei lassen“, und nichts anderes will die Tierbefreiungsbewegung mit den nichtmenschlichen Tieren tun.

    Und wiederum spiegelt sich in deiner Aussage ein Grundproblem wider, das in deinen Texten zum Thema stets deutlich wird: Du bist einem typisch anthropozentristischen Komplex von Vorurteilen gegenüber „Tieren“ erlegen. Diese sind entweder nachweislich falsch sind oder gelten niemals für alle Tiere – und den Menschen nicht –, obwohl du das in platten Gegenüberstellungen genau so darstellst und auch noch als empirische Wahrheit verkaufst. Wahrscheinlich bist du dir darüber noch nicht einmal bewusst, denn genau dieser Vorurteilskomplex ist leider für das abendländische Denken prägend geworden und die wenigsten sind sich darüber bewusst. Als Beispiel einer der Philosophen, die das abendländische Denken enorm geprägt haben, Aristoteles: „Die niedrigere Art von Lebewesen ist von Natur aus sklavisch, und es ist besser für sie, wie für alle Unterlegenen, dass sie sich in die Gewalt eines Herrschers begeben. Weil der, der im Prinzip jemandem anderen gehören kann und deshalb auch gehört, und der, der genügend Verständnis hat dieses rationale Prinzip zu verstehen, aber nicht genug Verständnis, um selber ein rationales Prinzip zu haben, ist Sklave von Natur aus. Die niedrigen Tiere können dieses rationale Prinzip auch nicht einmal verstehen; sie folgen ihren Instinkten. Die Nutzung von Sklaven und gezähmten Tieren ist nicht sehr verschieden; beide dienen mit ihren Körpern den Bedürfnissen unseres Lebens. […] Die Kunst der Kriegsführung ist eine natürliche Kunst […], die gegen wilde Tiere und jene Menschen praktiziert werden soll, die von Natur aus dazu bestimmt sind beherrscht zu werden, sich aber nicht unterwerfen; ein Krieg dieser Art ist ein natürlicher und gerechter Krieg“ (Politeia).
    Solche Vorurteile lassen uns tierliche Individuen höchstens als Vertreter ihrer Art (s. auch deine Überlegungen zum Artenschutz) erscheinen statt eben als Individuen mit individuellen Bedürfnissen, Wünschen und Gefühlen. „So bekommt eine ganze Tierart eine Pseudopersönlichkeit, während das Individuum seine Persönlicheit verliert und über einen Kamm geschoren wird. Deshalb wird in der Beschreibung des Verhaltens nichtmenschlicher Tiere sehr großzügig mit dem zumeist unzutreffenden Begriff des Instiktes hantiert. Der Instinkt hat die gesamte Art, er ist nichts Persönliches und kann daher für die Entindividualisierung verwendet werden“, schreibt Martin Balluch, und macht u.a. folgendes Beispiel: Wenn ein Hund ein Menschenkind rettet und dabei sein eigenes Leben verliert, dann ist das Instinkt, vielleicht aufgrund eines missverstandenen Arterhaltungstriebes, wenn ein Mensch ein Menschenkind rettet und dabei sein Leben verliert, dann ist das Heldentum und beweist gerade die Überwindung der Instinkte, nämlich des eigenen Lebenserhaltungstriebes. Man nennt diese Art der Interpretation „Anthroponegation“: Nichtmenschlichen Tieren werden aus ideologischen statt aus wissenschaftlichen Gründen fälschlicherweise Qualitäten und Eigenschaften abgesprochen. – Liebe, Freundschaft, etc., wird anderen Tieren überhaupt nicht zugestanden. Dein Denken ist so geprägt, dass eine Begegnung zwischen einem Menschen und einem nichtmenschlichen Tier für dich nicht die Begegnung zweier Subjekte ist, sondern eine zwischen einem Subjekt, dem Menschen, und einem Objekt, „dem Tier“. Die Möglichkeit einer Beziehung wird hier negiert, es zählen nur die Gefühle und Interessen des Menschen, das nichtmenschliche Tier hat den Status einer Sache, seine Individualität und sein Subjektcharakter wird nicht anerkannt, und es wird von vornherein die Möglichkeit von Kommunikation und Austausch zwischen verschiedenen Spezies geleugnet.

  3. 3 Antispeziesistische Aktion Tübingen 27. Juli 2010 um 19:27 Uhr

    Neuer Text der Antispeziesistischen Aktion Tübingen, der auf die Vorwürfe eingeht, „Mensch und Tier gleichzusetzen“ und gedankliche Nähe zu reaktionären Ideologien zu haben, und zudem den herrschaftskritischen Antispe-Ansatz erklärt:
    http://asatue.blogsport.de/2010/07/27/ein-gespenst-geht-um-das-gespenst-des-antispeziesismus/

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