Archiv für September 2010

Israel Shamirs „Blumen aus Galiläa“

Blumen aus Galiläa
Die deutsche Ausgabe des Buches „Blumen aus Galiläa. Schriften gegen die Zerstörung des Heiligen Landes“ von Israel Shamir (der seit 2001 Jöran Jermas heißt) erschien 2005 im Wiener Pro-Media-Verlag.
„Blumen aus Galiläa“ ist ein wüst antisemitisches und antizionistisches Werk. Fast von der ersten bis zur letzten Seite atmet es Hass. Hass auf Israel und Hass auf Juden. Es ist zudem vollgepackt mit Blut-&Boden-Romantik was die Palästinenser angeht und allerhand antizionistischen und antisemitischen Gräuelgeschichten, die garniert werden mit einer ordentlichen Prise Antiamerikanismus.

Kurz zusammenfassen kann man das Buch wie folgt: Die Israelis bzw. die Juden sind die Bösen und die Palästinenser die Guten. Dass Buch enthält ein pathologische Dämonisierung Israels, Israel ist der „Antichrist“ und wenn ihm die Nazi-Vergleiche einmal ausgehen, dann ist sich Shamir nicht zu doof aus dem Fantasy-Epos „Herr der Ringe“ Anleihen zu beziehen und Israel als Mordor zu bezeichnen.
Die Juden sind aber nicht nur im Nahen Osten die Bösen, sondern in der ganzen Welt, denn Jude ist für Shamir nicht eine Religion oder Ethnokonfession, sondern ein Prinzip, ein „ideologisches und metaphysisches Konstrukt“ (Seite 199). Dazu passend konstruiert Shamir noch eine jahrhundertealte, ja sogar jahrtausendealte Traditionslinie des jüdischen Christenhasses und der jüdischen Brutalität.

Selbst für den Nicht-Kenner sind viele Behauptungen Shamirs widersprüchlich. Immer wieder betont er zum Beispiel, dass die Palästinenser friedlich seien und sich höchstens mit Steinen wehren würden, dann berichtet er wieder stolz von den bewaffneten Aktionen der Palästinenser.
Auch einige der wiedergegebenen Fakten sind entweder verzerrt oder schlicht falsch, viele andere dürften einer genaueren Überprüfung nicht standhalten. Da der Autor erkennbar an vielen Stellen verzerrt und lügt, sind auch die von ihm angeblich erlebten Geschehnisse, die im Buch wiedergegeben werden, mehr als fraglich. Zu holzschnittartig werden da die jüdischen Israelis und besonders die israelischen Soldaten beschrieben. Vermutlich hat sich keines der Ereignisse wirklich so abgespielt wie er es beschrieben hat.

Im Buch wird kaum eine antisemitische Anklage ausgelassen. Da ist die Rede von jüdisch gelenkte Medien („jüdisch dominierten Presse“), die antisemitische Chasaren-Theorie wird von ihm aufgewärmt (Seite 41), er schreibt ernsthaft von einem „Zionist Occupied Government“ (Seite 190) oder einem angeblich traditionellen, jahrhundertealten Hass der Juden auf Christen.
Gewährsleute von Shamir sind die Antisemiten Werner Sombart, der russische Neofaschist Alexander Dugin und die antisemitischen Texte von Karl Marx.
Wirklich verwunderlich ist der Bezug auf den russischen Nationalbolschewisten Dugin nicht, da schon länger bekannt, dass Israel Shamir gute Kontakte zur extrem rechten Szene pflegt wie das Magazin „Searchlight“ 2004 recherchierte. Ebenso ist bekannt, dass Shamir ein Hochstapler ist. Shamir ist nämlich gar kein bekannter israelischer Intellektueller, sondern in Israel weithin unbekannt und entgegen eigener Angaben lebte er in Israel vermutlich nur vier Jahre. Doch indem Shamir aus sich einen prominenten israelischen Intellektuellen machte und seine jüdische Herkunft betont, will er sich ganz offensichtlich gegen Kritik immunisieren. Als angeblicher kritischer israelischer Intellektueller und Jude, so das Kalkül von Autor und Verlag, darf Shamir angeblich so etwas schreiben und könne ja gar kein Antisemit sein. Dabei ist ein Antisemit ein Antisemit, egal welchen Hintergrund er hat. Einen Antisemiten erkennt man nicht an der Herkunft oder an seiner Zugehörigkeit zu einem politischen Lager, man erkennt ihn an seinem Antisemitismus. Auch die israelische Staatsbürgerschaft oder eine jüdische Herkunft schützen daher nicht vor Antisemitismus.

Die extreme Rechte ist über solche Töne, wie sie Sharmir äußert, natürlich begeistert. Dass Buch findet sich bzw. fand im Angebot des Buchdienstes der FPÖ-nahen Zeitung „Zur Zeit“, im „Deutscher Buchdienst“ des DVU-Gründers Frey und im Buchdienst der neurechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Auch die bekannte, deutsche Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel bezieht sich in ihrer Einlassung vom 30. Juni 2009 auf Shamir

Zitate

Man bringt den Russen eine Kurzversion des modernen jüdischen Glaubens und sein einziges Gebot bei: „Du sollst Araber hassen.“

(Seite 21)

Und dann fingen wir an, uns dem jüdischen Schicksal gemäß zu benehmen. Wir behandeln Nichtjuden wie Tiere, ermorden ihre Anführer, töten ihre Kinder haufenweise, versagen ihnen Bewegungs- und Religionsfreiheit, verweigern ihnen Arbeitsplätze und beschlagnahmen ihr Land.

(Seite 25)

Falls auch der Letzte der Palästinenser auf dem Hügel Golgatha gekreuzigt werden sollte, würde das dem virtuellen jüdischen Staat Israel immer noch kein Leben einhauchen.

(Seite 34)

Israel verwandelte Palästina nicht in ein Lager , sondern in einen neuen Gulag. Der Nobelpreisträger und Autor von „Der Archipel Gulag“, Alexander Solschenizyn, behauptete, dass der ursprüngliche russische Gulag von Juden entworfen und verwaltet wurde; seine Behauptung wurde von jüdischen Organisationen in Frage gestellt und dementiert. Doch es gibt keinen Zweifel daran, wer den palästinensischen Gulag entworfen hat.

(Seite 38)

Wann auch immer ein Amerikaner „Antisemit“ genannt wird, erwartet man von ihm, dass er sich zu Boden wirft und dem jüdischen Volk ewige Liebe und Gehorsam schwört.

(Seite 41)

Palästinenser stehen vor einem Holocaust, jüdische Soldaten drucken ihnen Nummern auf Stirn und Unterarme, trennen Frauen von ihren Männern und schicken sie in Konzentrationslager, doch jüdische Holocaust-Gedenkstätten sprießen wie Pilze aus dem Boden.

(Seite 59)

Scharons Invasion begrub die verrückte Idee der palästinensischen Selbstherrschaft („Unabhängigkeit“) über einen kleinen Teil Palästinas für immer. Dies war praktisch die Nazi-Idee eines Judenreservates, die von der jüdischen Pseudo-Linken auf Ramallah übertragen wurde. Der Gedanke an eine Demokratie in ganz Palästina, die Abschaffung der Apartheid, ist wieder zum Vorschein gekommen. Denkt nicht mit Nostalgie an die Tage der PNA zurück, seht in die Zukunft mit der Hoffnung auf ein freies und demokratisches Palästina, das vom Fluss bis ans Meer reicht.

(Seite 87)

Israel, dieser jüdische Apartheid-Staat, verdient es zu verschwinden. Seine souveränen Einrichtungen sollten tatsächlich aufgelöst werden. Und seine Unterstützer im Ausland sollten wie Unterstützer von Kriegsverbrechen und als Kämpfer auf eigene Gefahr behandelt werden.

(Seite 89)

Die israelischen Anführer hatten einen sorgfältigen Plan ausgearbeitet, die Palästinenser auszuweisen und zu vertreiben, um ein Land zu schaffen, das so jüdisch sein würde, wie Deutschland arisch war.

(Seite 91)

Anscheinend kann es für Amerikaner nur zwei Ideologien auf der Welt geben. Die eine ist der Neoliberalsmus, der Glaube an vae victis, und die andere der Zionismus.

(Seite 98)

Der jüdische Staat ist die Verkörperung der paranoiden Xenophobie und des Fremdenhasses der Juden. Die intrigante Politik des Pentagon ist eine weitere Manifestation eben derselben Furcht und desselben Hasses auf weltweiter Ebene.

(Seite 104)

Dasselbe System des tendenziösen, die Wahrheit verformenden Diskurses wurde von jüdischen Aktivisten auf dem Gebiet des militanten Feminismus, des Kommunismus, der Psychoanalyse, des Neokonservatismus und des Zionismus sowie einer Fülle kleiner Bewegungen als Mittel zur Aufwiegelung und Vergiftung der Anhänger im ideologischen Kampf angewandt.

(Seite 119)