Mit Rassereinheit gegen die Alien-Infiltration: Die SciFi-Buchreihe „Stahlfront“

Die sechsbändige Reihe „Stahlfront“ erschien bis 2009 im Unitall-Verlag. Unitall ist ein Ableger des deutschen Hans-Joachim-Bernt-Verlages (HJB) mit Sitz in Radolfzell, der die recht bekannten SciFi-Serien „Ren Dhark“ und „Perry Rhodan“ vertreibt. Auch „Stahlfront“ aus der Feder eines Autors mit dem Pseudonym „Torn Chaines“ (auf Deutsch „gesprengte Ketten“) – er wird als ein in der Zurückgezogenheit der Wildnis lebender amerikanischer Professor dargestellt – ist SciFi, allerdings von einer etwas anderen Art. Kenner vermuten, dass HJB den Unterverlag mit Sitz in Salenstein im Schweizer Kanton Thurgau extra gegründet hat, um sich von dieser Reihe distanzieren zu können bzw. juristische Problemen auszuweichen. Und Probleme gab es bereits. Auf der Indizierungs-Liste der „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ (BpjM) für den April 2009 standen in der Kategorie Bücher gleich drei Bände aus der „Stahlfront“-Reihe.
Laut Angaben des Verlags wurden aber bis dato angeblich 30.000 Exemplare von den ersten drei Bänden verkauft. Im Internet kursieren die drei Bände weiter als E-Books.
Die Indizierung hatte durchaus ihre Gründe. Die „Stahlfront“-Reihe ist nämlich ein übles, rassistisches Machwerk.
Stahlfront
Inhaltlich geht es in der Reihe darum, dass die Erde von einer Alien-Verschwörung bedroht wird. Die „Außerirdischen Intelligenzen“ unterwandern die Menschheit und nur „Arier“ können nicht von den Aliens kontrolliert werden, weil sie über eine Art genetischen Schutz verfügen. Am Südpol ist nach 1945 als reichsdeutsches Exil ein „Reich Thule“ entstanden, dass über Jahrzehnte im Geheimen wuchs, technisch anderen Staaten überlegen ist und tapfer mit seinen „Reichsflugscheiben“ die Aliens bekämpft. Der Hauptprotagonist der Reihe ist Magnus Wittmann, ein Ex-Mitglied des KSK, der wie sein Freund Manfred Behrens von „Thule“ rekrutiert wird. Voraussetzung sind natürlich die entsprechenden „arischen Gene“.
Durch die verschiedenen Bände wird der Widerstand gegen die Aliens organisiert, u.a. werden die („arischen“) „Konföderierten Staaten von Amerika“ in einem zweiten und erfolgreichen Bürgerkrieg unabhängig. Gewürzt ist das Ganze mit deftigen Portionen von Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Homophobie und Antisemitismus. Es fällt auf, dass der Autor „Torn Chaines“ immer wieder Themen der deutschen extremen Rechten einbaut. So ist der technologische Vorsprung von „Thule“ eine Anknüpfung an die alte Mär von der Technik-Überlegenheit des Dritten Reiches, die Reichsflugscheiben am Südpol gehören zu der in der Szene weit verbreiteten braunen Neuschwabenland-Esoterik und es wird auch behauptet die USA haben ihre Eintritte in die beiden Weltkriege selbst inszeniert. „Stahlfront“ weist insgesamt einen ganzen Kanon extrem rechter Geschichtslügen.
Seinen Antiamerikanismus kann der Autor ausleben, in dem er in seiner literarischen Fantasie zurückschlägt:

Die Thule-Truppen waren keine Barbaren, und so hatte der Marschall befohlen, nur Manhattan unter Feuer zu nehmen. Hier wußte man das Finanz- und vermutete somit das Machtzentrum der Gruppe, die man für die heimlichen Herrscher der USA und die inoffiziellen Verbündeten der AIn hielt.

Das „Reich Thule“ mit seiner Hauptstadt „Neu-Berlin“ ist eine Soldatenrepublik mit Männerwahlrecht und strengen Sittengesetzen. Der Autor macht „Thule“ zu einer Art ent-hitlerisiertem Nationalsozialismus und offenbart ganz deutlich seine eigenen politischen Vorstellungen.
Letztendlich ist die „Stahlfront“-Reihe ein Stück ziemlich platter Nazi-Schund. Doch das muss leider nicht heißen, so etwas würde sich nicht verkaufen. Für jüngere, einfach gestrickte Leser und Leserinnen könnte „Stahlfront“ durchaus seinen Reiz besitzen. Der Verlag hat bereits ähnlich gestrickte Reihen aufgesetzt: „Aldebaran“ (HJB: „Aldebaran ist imperiale Science Fiction”), “Schwarze Sonne” oder “Kaiserfront” (hier hat das deutsche Kaiserreich den Ersten Weltkrieg gewonnen). Doch es sollte nicht nur bei Fiktionen bleiben. Auf der Neonazi-Newspage „Altermedia“ wurde 2009 eine Korrespondenz zwischen dem HJB- und Unitall-Verlagsführer Hansjoachim Bernt und dem Nazi-Aktivisten Thomas Brehl veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass der Verleger plante Brehls Autobiografie „Bewegte Zeiten“ herauszubringen.


2 Antworten auf “Mit Rassereinheit gegen die Alien-Infiltration: Die SciFi-Buchreihe „Stahlfront“”


  1. 1 großadministrator 27. November 2010 um 14:39 Uhr

    Der HJB Verlag vetreibt nicht die Perry Rhodan „Serie“, sondern vetrieb anfang der 90er eine kleine Perry Rhodan Comic Serie. Das über Rhen Dark stimmt, aber hier zu schreiben die PR Serie würde komplett vom HJB Verlag verlegt, ist schlichtweg falsch. Perry Rhodan erscheint beim Pabel-Moewig Verlag.

  2. 2 Tom Orden 25. November 2011 um 13:17 Uhr

    Klar sind die STAHLFRONT Bücher rassistische Scheiße; so viel habe ich auch schon mitgekriegt.

    Aber ich möchte hier an dieser Stelle die KAISERFRONT Bücher freisprechen, denn ich habe die ersten 4 gelesen. Und wie jeder der sie gelesen hat, weiß ich dass es sich dabei nicht um rassistische Propaganda handelt.

    Klar gibt es in der Kaiserfrontreihe die Kastrup, die aufgrund ihrer schwarzen Uniformen an die SS erinnert, aber dass kann man auch als Versuch des Autors ansehen die Nazizeit satirich aufs Korn zu nehmen.

    Aber auch wenn die Kastrup (Kaiserliche Schutztruppe) sich bisher in den ersten 4 Büchern der Reihe nicht rassistisch verhalten hat, so traue ich ihr doch nicht über den Weg.

    Fazit ist: Ich werde erst mit 100prozentiger Sicherheit sagen können dass KAISERFRONT keine rassistische Propaganda ist, wenn ich alle Bücher gelesen habe; aber müsste ich hier und heute urteilen, würde ich sagen:

    Es ist keine Rassistenpropaganda.

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