Ernst Jünger: Der Waldgang

Der Waldgang
Ernst Jünger hat als Schriftsteller unter Rechten einen herausragenden Ruf. Als explizit nicht linker Literat und Parteigänger der so genannten „Konservativen Revolution“, ein Sammelbegriff für rechte antidemokratische Republikgegner von 1918 bis 1933, wird ihm von allen Fraktionen der politischen Rechten viel Wohlwollen entgegen gebracht.

Seine 1951 entstandene Schrift „Der Waldgang“ ist der dritte Teil einer Abhandlung von Figuren, die in Jüngers Sinn Heroengestalten darstellen. Die Vorgänger des Waldgängers waren die Gestalt des Arbeiters und des Unbekannten Soldaten.

Jüngers Werk muss im Kontext seiner Zeit gelesen werden. Wäre es vor 1945 entstanden, dann hätte es auch als konservative Schrift gegen den Massenwahn des Nationalsozialismus gelesen werden können. Doch das ist „Der Waldgang“ eben genau nicht. Die deutsche Kriegsniederlage aber bedauert Jünger, trotz seiner Distanz zum NS-Regime, als „Katastrophe“.
Die junge und von den (West-)Alliierten zwangsdemokratisierte Bundesrepublik ist, obwohl er das nie explizit sagt, Jüngers Feind. Gegen diese inszeniert sich Jünger als eine Art geistiger Solo-Partisan. Er wendet sich gegen Wahlen als „Mächtige Fiktionen der Zeit“ (Seite 37) und sieht sich im „Widerstand gegen die Zeit“ (Seite 55). Was Jünger selbst tat, nämlich die innere Emigration nach 1945, empfiehlt er den Leser als Konzept, als „Waldgang“. Es scheint als wäre Jünger beleidigt, weil er in der neuen Zeit keine Rolle mehr spielt und so zieht er sich wie ein trotziges Kind zurück. Diese Reaktion verkauft er als Widerstand eines Aufrechten und „Freien“.

Warum „Der Waldgang“ so ein tolles Werk sein soll, bleibt mir verborgen. Das Büchlein verweilt beständig im nebelig-wabernden Abstrakten, konkret hat Jünger kaum etwas zu sagen. Das wird schnell langweilig.


1 Antwort auf “Ernst Jünger: Der Waldgang”


  1. 1 Harry 28. Juli 2011 um 14:26 Uhr

    Dankeschön für die gedanklichen Anregungen. Jünger ist noch neu für mich. Es interessiert mich, was abseits von der Massenmeinung gesagt wird.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.