Buchkritik: „Ich klage an“ von Ayaan Hirsi Ali

Die somalische Frauenrechtlerin und ehemalige niederländische Abgeordnete Ayaan Hirsi Ali erhebt ihre Stimme um den Islam zu kritisieren. Anders als andere, kritisiert sie nicht nur den politischen Islam, sondern auch den religiösen und den kulturellen, wobei sie sich letzteren teilweise noch zuzuordnen scheint. Insgesamt aber ist sie Atheistin und Feministin, die sich wütend gen die Sexualmoral im Islam äußert: „Die Wurzel des Problems besteht darin, daß vorehelicher Geschlechtsverkehr für islamische Gemeinschaften inakzeptabel ist.“ (Seite 149). Sie kritisiert scharf, dass Frauen nur den Status einer „Söhnefabrik“ haben und im „Jungfrauenkäfig“ gefangen gehalten werden. Die „Ehr- und Schamkultur“ im Islam geht fast nur zu Lasten der Frauen, die z.B. in Frühehen, Zwangsehen und Verwandtenehen gedrängt werden. Ihr Ziel ist die „Befreiung der Frauen aus den Fesseln des Aberglaubens und der Stammesriten“. Dieses Ziel ist für sie universal und betrifft auch die islamischen Mehrheitsgesellschaften. Dem arabischen Raum attestiert sie dabei drei prägende Schlüsseldefizite: Mangel an Freiheit, Mangel an weiblicher Emanzipation und Mangel an Bildung.

Linken Multikulturalisten im Westen, die sich für den Erhalt von Gruppenkulturen stark machen, wirft sie vor:

Aber die Linken haben im Westen eine merkwürdige Neigung, sich selbst die Schuld zu geben und den Rest der Welt als Opfer zu betrachten, beispielsweise die Muslime. Und Opfer sind bedauernswert, und alle bedauernswerten und unterdrückten Menschen sind per Definition gute Menschen, die wir an unser Herz drücken müssen. Die linke Kritik beschränkt sich auf den Westen. Sie kritisiert die Vereinigten Staaten und nicht die islamische Welt, wie sie früher auch die Gulags nicht kritisiert hat. Denn die Vereinigten Staaten sind identisch mit dem Westen, und die islamische Welt ist nicht genauso mächtig wie der Westen. Die Linken kritisieren Israel, aber nicht die Palästinenser, weil Israel zum Westen gerechnet wird und die Palästinenser als bedauernswert empfunden werden. Sie kritisieren die einheimische Mehrheit in den westlichen Ländern, aber nicht die islamischen Minderheiten. Kritik an der islamischen Welt, den Palästinensern und den islamischen Minderheiten wird als islamfeindlich und fremdenfeindlich gesehen.

(Seite 13-14)
Sie selbst setzt stattdessen auf staatliche Intervention und fordert z.B. gegen genitale Verstümmelung Kontrollverfahren für Kinder aus Risikoländern.

An mehreren Stellen erwähnt Ali den virulenten Judenhass in muslimischen Ländern:

Der irrationale Haß gegen Juden und die Abneigung gegen Ungläubige wird in zahlreichen Koranschulen gelehrt und tagein, tagaus in den Moscheen wiederholt. Und nicht nur das: In Büchern und Artikeln, auf Tonträgern und in den Medien werden Juden konsequent als Urheber alles Bösen dargestellt. Wie tiefgreifend dieses Doktrin wirken kann, habe ich an mir selbst erlebt: Als ich zum ersten Mal einen Juden sah, war ich überrascht, daß es ganz offensichtlich ein normaler Mensch aus Fleisch und Blut war.

(Seite 34)

Von Kindesbeinen an habe ich nur bösartige Reden über Juden gehört. Meine früheste Erinnerung stammt aus Saudi-Arabien Mitte der siebziger Jahre. Gelegentlich kam kein Wasser aus der Leitung. Dann hörte ich, wie meine Mutter unserer Nachbarin völlig zustimmte, daß sich die Juden wieder böswillig betätigten. Angeblich haßten die Juden Muslime so sehr, daß sie alles daran setzten, uns verdursten zu lassen. »Jude« ist im Somalischen und im Arabischen das schlimmste Schimpfwort. Später, zur Zeit meiner Pubertät, in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre, beteten wir in Kenia und in Somalia in jedem Gebet um die Ausrottung der Juden.

(Seite 98-99)

Ich hatte keine jüdischen Nachbarn, und Israel war weit weg, aber auch ich haßte die Juden, weil meine Mutter, meine Großmutter, unsere Nachbarn, Gleichaltrige, Imame und Prediger mir das so beigebracht hatten. Judenhaß war gottgefällig.

(Seite 242)

Insgesamt ist die Stimme Ayaan Hirsi Ali eine Stimme, die unbedingt gehört werden sollte!

* Ayaan Hirsi Ali: Ich klage an. Für die Freiheit der muslimischen Frauen, München erweiterte Ausgabe Dezember 2010.