„Deutschland auf Sonnenkurs“- ein kritisches Kurzporträt von Franz Alt

Franz Alt ist in der umweltbewegten Szene ein wichtiger ökologischer Vordenker. Doktor Franz Alt, Jahrgang 1938, fällt aber immer wieder durch nationalistische Tendenzen und den Flirt mit der extremen Rechten auf.
Leider ist diese Tatsache in Teilen der ökologischen Szene entweder unbekannt oder – schlimmer noch – wird geflissentlich ignoriert. Deswegen soll an dieser Stelle ein kritisches politisches Kurzporträt von Alt nachgezeichnet werden.

Franz Alt war 1962 bis 1988 CDU-Mitglied und danach Mitglied der ÖDP, einer rechten Abspaltung von den Grünen unter dem Rechtsökologen Herbert Gruhl (1921-1993), mit dem Alt auch persönlich befreundet gewesen sein soll.

Vom Beruf her ist Franz Alt Journalist, so war er 1972 bis 1992 Chef des SWR-Magazins „Report“. Doch auch für rechte Blätter griff der Adolf-Grimme-Preisträger schon zur Feder. Alt veröffentlichte in dem rechtskonservativen Magazin „MUT“, in der neurechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“, in dem rechten verschwörungstheoretischen „Magazin 2000“ und in dem esoterischen Blatt „Die andere Realität“. Der „Jungen Freiheit“ und der „Deutschen National-Zeitung“, dem ehemaligen DVU-Hausblatt, stand er bereits als Interviewpartner zur Verfügung.
Franz Alt ist auch des Mitautor bzw. -herausgeber des Sammelbandes „Die Tragödie des Westens“, dass in dem Verlag „Edition JF“ der „Jungen Freiheit“ erschien und sich mit dem Irakkrieg beschäftigt.
Die Tragödie des Westens

Franz Alt betätigt sich auch aktiv als so genannter „Lebensschützer“ (Abtreibungsgegner). So hat er die Anti-Abtreibungsinitiative „Aktion Lebensrecht für Alle e. V.“ (ALfA) mitbegründet [1].

In der Argumentation von Alt tauchen zumindest früher immer wieder antijüdische Komponenten auf. So setzte der Christ Franz Alt gegen das Judentum (s)einen ökologischen Jesus. Das Erscheinen und der Erfolg von Alts 1989 erschienen Buch „Jesus – der erste neue Mann“ veranlasste Micha Brumlik in dem Pamphlet „Der Anti-Alt. Wider die furchtbare Friedfertigkeit“ [2] eine Gegenposition zu beziehen, „weil es sich bei diesem Buch um den ersten antisemitischen Bestseller im Nachkriegsdeutschland handelt, um ein Buch , das wie eine Büchse der Pandora im Gewande von Befreiung und Liebe Haß und Angst sät.“ (Seite 7). In Alts Buch sieht Brumlik einen Ausdruck des neuen, christlichen Antijudaismus, der „an den Rändern von Friedens-, Ökologie- und Frauenbewegung“ (Seite 12) gedeiht. Grundsätzlich will Alt den „alttestamentarischen Rachegott“, durch einen Liebes-Jesus ersetzen. Christen sollen dafür aufhören, „wie Juden [zu] denken“. Micha Brumlik erkennt, Alt „beschwört die absolute Unvereinbarkeit von Judentum und Christentum“ (Seite 34) und er lässt „nichts unversucht, das Judentum Jesu auszurotten“ (Seite 117). Brumlik konstatiert: „Wenn der Erfolg von Alts Buch eines beweist, dann doch eben, daß der Glaube an die Erlösung durch einen jüdischen Gott für viele Deutsche nach wie vor unerträglich ist.“ (Seite 117). Denn natürlich ist das Bild vom alttestamentarischen und somit jüdischen Rachegott ein Instrument aus dem Arsenal des christlichen Antijudaismus. Auch Alts Bezug auf die feministisch-theologische Kritik des „jüdischen Patriarchalismus“ nutzt da nichts, das die feministischen Theologinnen in diesem Punkt ebenso einem antijüdischen Klischee folgen. Progressive Theologinnen hatten das bereits sehr früh erkannt und sich von dieser Argumentationsfigur distanziert.

Als Referent trat Franz am 8. November 2008 bei der „Ideenwerkstatt“ der extrem rechten Burschenschaft Normannia-Nibelungen zu Bielefeld auf. Im April 2011 trat er zudem bei dem baden-württembergischen Landesparteitag der christlich-fundamentalistischen AUF-Partei auf.

Unlängst war Franz Alt offenbar Ideengeber für eine ökonationalistische Greenpeace-Kampagne. Deren Motto „Deutschland ist erneuerbar“ war nämlich bereits der Titel eines Interview-Bandes mit Franz Alt.
Der Band erschien „Gerhard-Hess-Verlag“ mit Sitz in Bad Schussenried. Dieser Verlag gibt auch die Bücher der christliche Reaktionärin Christa Meves und das Jahrbuch „Naturkonservativ“ der extrem rechten Herbert-Gruhl-Gesellschaft heraus. Um Kunden zu gewinnen schaltete der „Gerhard-Hess-Verlag“ in Vergangenheit auch Anzeigen in der neurechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“.

Trotz dieser rechten und reaktionären Umtriebe ist Franz Alt Mitglied der linksprotestantischen Gruppe „Pax Christi“ und Sprecher des Kuratoriums „Instituts für solidarische Moderne“ [3], einem grün-linken Thinktank.

*** Anmerkungen ***
[1] Frauen gegen den §218 – Bundesweite Koordination (Hg.): Vorsicht »Lebensschützer«, Hamburg 1991, Seite 61-66
[2] Micha Brumlik: Der Anti-Alt. wider die furchtbare Friedfertigkeit, Frankfurt am Main 1991
[3] Vgl. http://www.solidarische-moderne.de/de/topic/13.vorstand-a-kuratorium.html