Archiv für November 2011

Wir gedenken der Opfer des Neonazi-Terrors!

Gedenken an Neonazi-Opfer

Buchkritik „Villa Waigner“ von Erich Später

Der Historiker Erich Später beschäftigt sich in seinem Buch „Villa Waigner. Hanns Martin Schleyer und die deutsche Vernichtungselite in Prag 1939-45“ mit der deutschen Besatzungszeit in Tschechien, wobei er seinen Schwerpunkt auf Böhmen und Mähren abzüglich des so genannten „Sudetenlandes“ legt.

Villa Waigner

Später ist ein Historiker, der offen und klar benennt was der Nationalsozialismus war:

„Die Nationalsozialisten und ihr Führer verkörpern den radikalen deutschen Nationalismus, der zur Staatsmacht wird.“ (Seite 9)

„An ihre [der Juden] Vernichtung knüpfen sich eschatologische Endzeiterwartungen eines vom Bösen befreiten Planeten und der dann einsetzenden »tausendjährigen« Herrschaft der arischen Rasse.“ (Seite 27-28)

Später stellt die Republik Tschechoslowakei (CSSR) als das dar, was sie war, nämlich eine parlamentarische Demokratie mit gesicherten Rechten für die vielen religiösen und sprachlichen Minderheiten. Das betrifft auch die jüdische Minderheit. So war antisemitische Diskriminierung gesetzlich verboten und wurde im Gegensatz zu den Nachbarländern erfolgreich zurückgedrängt und isoliert. Zionistische Veranstaltungen konnten in der CSSR ohne Probleme stattfinden. Der erste Präsident der CSSR, Masaryk, besuchte sogar als erster europäischer Staatspräsident, der 1927 die jüdische Gemeinschaft in Palästina.

Doch mit dem Münchner Abkommen von 1938 wird das Schicksal der letzten antifaschistischen Demokratie in Ost- und Mitteleuropa besiegelt. Durch das Abkommen werden die mehrheitlich deutschsprachigen Randgebiete von Böhmen und Mähren („Sudetenland“) mit Zustimmung der mehrheitlich pronazistischen Bevölkerung dem „Dritten Reich“ zugeschlagen. Slowakische Klerikalfaschisten nutzen die Gunst der Stunde und erklären sich mit Unterstützung der Nationalsozialisten für unabhängig und die autoritären Nachbar-Regime in Ungarn und Polen annektieren für sich kleiner Gebiete aus dem ehemaligen Staatsgebiet der CSSR. Bereits vor der Annexion der Sudetengebiete flüchteten 25.000 Personen, darunter auch deutschsprachige Antifaschist_innen und Jüdinnen & Juden, vor der aufgehetzten deutschnationalen Stimmung ins Innere des Landes, nach dem Münchner Abkommen flüchteten weitere 151.000 Menschen vom „Sudetenland“ in die „Rest-Tschechei“. Doch dieser Rest der CSSR sollte nicht lange Bestand haben. Im März 1939 marschiert auch hier die Wehrmacht ein und es wird das „Protektorat Böhmen und Mähren“ ausgerufen. Diese Besetzung wird vom Westen weitgehend akzeptiert, nur die UdSSR protestiert scharf. Ein halbes Jahr später, nach dem Abschluss des Hitler-Stalin-Paktes, erkennt auch die UdSSR die Konsulate des Protektorats an.

Deutsche Besatzungspolitik in Tschechien
Die deutsche Besatzungspolitik im „Protektorat“ unterschied sich von der in Polen. Im hochindustrialisierten Böhmen verzichtete man erst einmal auf eine radikale „völkische Flurbereinigung“ wie in Polen. Während des Krieges benötigte man die Arbeitskraft der Millionen Tschechen. Erst nach dem erwarteten „Endsieg“ war eine Abrechnung vorgesehen.
Neben der Aussiedlung vieler Tschechen und der Ermordung der Elite, spekulierte man auch über die mögliche „Eindeutschungsfähigkeit“ und „Umvolkung“ großer Bevölkerungsteile. Dafür wurden bis Kriegsende mindestens 100.000 Menschen auf ihre „rassische Eignung“ hin untersucht.

Wenn auch für die nichtjüdischen Tschechen nicht ganz so radikal und brutal wie in Polen, so herrschte unter der deutschen Besatzung doch ein grausames Regime. Die Gestapo-Stelle in Prag war mit 850 Beamten die größte Dienststelle im Deutschen Reich.
Für deutsche Truppenübungsplätze im „Protektorat“ wurden viele Menschen vertrieben. Außerdem wurden etwa 16.000 Höfe enteignet, etwa 10% der landwirtschaftlichen Fläche im „Protektorat“.

Die Funktionäre der Besatzung waren nicht selten Absolventen der Deutschen Karls-Universität in Prag, die unter deutscher Besatzung zur „Reichsuniversität Prag“ wird. Unter den 3.000 Studenten befanden sich seit jeher viele schlagende Verbindungsstudenten, besonders auch Burschenschafter, die sich schon vor 1939 mit einer antisemitischen und nationalistischen Rabulistik hervorgetan haben. Bis heute gibt es übrigens in der Bundesrepublik und in Österreich so genannte „Exil-Burschenschaften“, sie sich als stolze Erben dieser Vorbereiter der Vernichtung sehen.
Neben den Studenten halfen auch Institutionen wie die Dresdner Bank bei der Ausbeutung der „Protektorats“-Bevölkerung und der Ermordung der Juden. Später zitiert hier einen Historiker, der die Banken treffend als „Finanzdienstleister des Völkermordes“ bezeichnet.

Die jüdische Minderheit erfährt dieselbe Ausplünderung und Ausgrenzung wie anderswo, die sich bis zur Vernichtung steigert. Später zitiert Berichte wonach eine „Goldgräberstimmung“ unter Deutschen geherrscht hätte, was die Verteilung von jüdischem Eigentum betraf („Arisierung“).
Später räumt für die Leserschaft auch mit dem Klischee auf Theresienstadt sei eine Art Luxus-Ghetto gewesen, wo sich die Bewohnerschaft vor allem der Kunst-&Kulturproduktion verschrieben hätte.
Das KZ Theresienstadt fungierte vor allem als Zwischenstation. Etwa 140.000 Menschen wurden dorthin deportiert, davon starben insgesamt 118.000 (33.500 starben dort, 88.000 wurden in Vernichtungslager deportiert).
Die Misshandlung der jüdischen Minderheit, aber auch die Unterdrückung der tschechischen Mehrheitsbevölkerung verschärfte sich wesentlich unter der Herrschaft von Heydrich. Der SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich war seit dem 27. September 1941 durch einen Hitler-Erlass de facto der Alleinherrscher im „Protektorat“, er fällt 1942 einem Attentat des Widerstandes zum Opfer. Trotzdem funktioniert die Unterdrückungsmaschinerie im „Protektorat“ bis zum Schluss. Am Ende sind fast alle Angehörigen der jüdischen Minderheit der CSSR ermordet und die Täter haben ihren Besitz unter sich aufgeteilt. Ein Beispiel wäre die titelstiftende Villa des jüdischen Ehepaar Waigner, die 1944 an das Ehepaar Schleyer vergeben wird.

Ent-Schleyerung der braunen Biografie von Hanns Martin Schleyer

Ein Kapitel widmet Später Dr. jur. Hanns Martin Schleyer, einem der einflussreichsten deutschen Industriellen in der Nachkriegszeit, der 1977 im so genannten „Deutschen Herbst“ von einem RAF-Kommando hingerichtet wurde. Schleyers gewalttätiger Tod überdeckt dessen NS-Biografie bis heute. Schleyer war nämlich ein Wegbereiter des Nationalsozialismus, sein Profiteur und ein NS-Täter.

Schleyer-Halle in Stuttgart

Bereits im Jahr 1931 wurde Schleyer Mitglied der Hitlerjugend und 1933 trat er im Alter von 18 Jahren der SS bei. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten hatte Schleyer das Amt für Politische Erziehung an der Universität Heidelberg inne, wo er Jura studierte und Verbindungsstudent war. Aus dieser Zeit datiert folgendes Zitat von Schleyer in der HJ-Zeitschrift „Wille und Macht“, 1935:

„Ich muß es allerdings ablehnen, daß man den Begriff der Treue, der uns Deutschen heilig ist, in irgendeiner Weise mit Juden in Verbindung bringt, und ich werde es nie verstehen können, daß ein Corps aus der Auflage, zwei Juden aus einer Gemeinschaft zu entfernen, eine Existenzfrage macht. Eher würde ich schon verstehen, wenn es in einem nationalsozialistischen Staat diese Frage im Stillen bereinigen würde, damit die Öffentlichkeit von dieser immerhin peinlichen Frage nichts erfährt.“

Nach dem Einmarsch in Österreich war Schleyer Leiter des Studentenwerks in Innsbruck und als Mitglied der Innsbrucker Studentenführung beteiligt an der rassistischen und politischen Säuberung der Leopold-Franzen-Universität Innsbruck. Im Jahr 1970 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität für „seine treue Verbundenheit“.

Seine Frau, Waltrude Ketterer (NSDAP-Mitglied seit 1937), kam aus einer hohen NS-Funktionärsfamilie. Mit ihr zog er 1941 ins besetzte Prag in einem „arisierten“ Haus ein. Ab 1. Oktober 1944 lebten die beiden in der Villa des jüdischen Ehepaar Waigner, die den Titel von Späters Buch stiftete.
In Prag war Schleyer 1941 Leiter des Studentenwerk in Prag, die über einen Etat von 10 Millionen Reichsmark und 160 Beschäftigte verfügte.
Ein Jahr später, 1942, brach Schleyer seiner juristischen Laufbahn ab und wurde Referent des Vorsitzenden des „Zentralverbund der Industrie in Böhmen und Mähren“.
In der SS hatte er den Rang eines Untersturmführers und war Mitarbeiter des SS-Geheimdienstes „Sicherheitsdienst“, seit 1944 war er SS-Führer beim Reichssicherheitshauptamt seit 1944.

Fazit: Gute Einführung

Das Buch von Später ist eine gute und kritische Einführung zur NS-Besatzungszeit. Besonders die Benennung von Nachkriegskarrieren von Besatzungs-Funktionären macht die Lektüre interessant.
Immer wieder lässt Später auch Opfer zu Wort kommen, indem er aus Erinnerungen von Überlebenden zitiert.
Leider erwähnt Später nicht die Ermordung behinderter Menschen im Zuge der T4-Aktionen, die auch im „Protektorat“ stattfanden.

Erich Später: Villa Waigner. Hanns Martin Schleyer und die deutsche Vernichtungselite in Prag 1939-45, Hamburg, 2. Auflage 2009.

Sex, Drugs & Crime: die Serie „True Blood“ (überarbeitet)

Es gibt nicht viele Serien die von der „Freiwilligen Selbstkontrolle“ (FSK) erst ab 16 empfohlen werden, aber die HBO-Serie „True Blood“ gehört dazu.
Der grobe Rahmen der Serie ist irgendwo in einer alternativen Jetztzeit in den US-Südstaaten angesiedelt. Zwei Jahre zuvor ist die Vampirheit an die menschliche Öffentlichkeit gegangen und hat der ihre Existenz eingestanden. Nachdem nämlich in Japan ein synthetisches Blut erfunden wurde und in Flaschen der Marke „True Blood“ zu vermarkten begonnen hatten, ist das Versteckspiel der Vampire überflüssig geworden. Die „American Vampire League“ macht jetzt in aller Öffentlichkeit Lobbyarbeit für die Gleichstellung von Unsterblichen und Sterblichen. Doch in beiden Lagern gibt es Gegner_innen einer solchen Entwicklung. Christliche Frömmler sehen in Vampiren die Ausgeburten des Teufels und große Teile der Bevölkerung haben einfach Angst vor dem Bluttrinken. Auf der anderen Seite wollen viele Vampire gar kein synthetisches Blut trinken und haben über die Jahrhunderte der Jagd und durch ihre Kraft einen argen Übermenschen-Komplex kultiviert. Menschen sind für diese Vampire nur Vieh bzw. Blutbeutel.

Die Serien-Täter_innen und –Opfer

True Blood

Das Hauptgeschehen spielt sich in und um die Bar „Merlottes“ ab. Deren Angestellte und Besucher_innen stellen die Hauptprotagonisten der Serie und generell ein interessantes Soziotop dar.
Frauen spielen dabei sehr starke Rollen. Zugegeben, es sind sehr attraktive Frauen, aber Kamera-Nahaufnahmen zeigen durchaus auch mal die Unreinheiten in ihrem Gesicht.

Die wichtigste Hauptrolle wird von der Kellnerin Sookie Stackhouse ausgefüllt, eine furchtlose 25jährige mit einer süßen Zahnlücke. Sookie verfügt über eine ungewöhnliche Fähigkeit, die hier aber nicht verraten werden soll.

Ihr zur Seite steht ihre beste Freundin Tara, die sich mit ihrer bigotten Alkoholiker-Mutter herumplagen muss und die als afroamerikanerische Frau immer wieder kritische Kommentare zum Rassismus und der Geschichte der Südstaaten macht.

Am Anfang noch verliebt ist Tara in Jason, Sookies Bruder. Jason sieht so aus wie einer der Bauarbeiter aus der Coca-Cola-Werbung für Frauen. Tatsächlich ist er auch Bauarbeiter und er ist vor allem eines: Dumm, dumm wie Brot. Jason vögelt gedankenlos in der Gegend herum, was ihm in der ersten Staffel allerlei Probleme einbringt. Jason ist eine Art Mietnomade weiblicher Herzen und Körper.

Ganz anders als Jason ist Bill Compton, der Vampir. Vampir Bill, Jahrgang 1835 bzw. Vampirjahrgang 1865, ist wie bei Vampirdarstellungen so häufig die Verkörperung des aristokratischen Prinzips. Er ist immer umweht von einem Hauch von Gotik. Wo könnte das aber besser hinpassen als in die Südstaaten, in denen viele Weiße immer noch sehnsüchtig auf die Zeit der Feudalherrschaft blicken, in denen die Sklavenbesitzer in ihren großen Südstaaten-Villen residierten.
Bill ist selbst eher konservativ bzw. nach eigenem Bekunden „just old fashioned“.

Bei „True Blood“ gibt es aber auch Raum für sehr ungewöhnliche Lebensentwürfe wie den afroamerikanischen Koch Lafayette in der ersten Staffel, der starke trans- und homosexuelle Neigungen aufweist und auslebt. Dieser ist nicht nur Koch und Bauarbeiter, sondern auch Teilzeit-Sexarbeiter und der lokale Drogendealer.

Natürlich gibt es noch weitere interessante Gestalten in „True Blood“, die aber schwerlich alle vorzustellen sind: Zwei trottelige und inkompetente Dorfbullen, allerhand rednecks oder Sam Merlotte, den Betreiber des „Merlottes“. Kurz erwähnt sei noch der zurückgekehrte Irakkriegs-Veteran, der ein romantisches Kompliment an die Dame seines Herzens in dem stärksten Gleichnis verpackt, was ihm einfällt: „Dein Haar ist wie ein Sonnenuntergang nachdem eine Bombe hochgegangen ist: Hübsch!“

das setting: down in the south
True Blood b
Ein großartiges Intro stellt die Zuschauerschaft auf das setting ein. Gezeigt werden kurze Clips von Momenten im Süden: Krokodile, Sumpflandschaft, Ku-Klux-Klan-Kids, eine strippende Frau, ein Schild mit der christlichen Botschaft „God hate fangs” (was natürlich an „God hate fags“ = „Gott hasst Schwule“ erinnern soll) God hate Fangs und vieles mehr. Dazu erklingt das Stück „I wanna do bad things with you“ als Titelmusik.
Der fiktive Handlungsort „Bone Temps” ist in den französisch geprägten Bundesstaat Louisiana gesetzt worden. Doch „Bone Temps“ hat schon bessere Zeiten gesehen. Wie viele Vampirfilme spielt auch dieser in einer eher verfallenden und verrottenden Gegend.
Wie es sich für Südstaaten-Darstellungen gehört gibt es jede Menge „white trash“ in Form von rednecks, mit denen die Hauptprotagnisten in der Bar immer wieder aneinander geraten.

Sex, Drugs’n Crime
Prüde ist „True Blood“ nicht gerade, gottseidank! Statt einer Barbie gibt es mit Sookies Bruder Jason einen Ken, der zumindest in der ersten Staffel allerhand Sex hat. Dabei wird gezeigt, was man in TV-Serien vor 23 Uhr zeigen darf ohne Probleme mit der Zensur zu bekommen.

Auch Masturbation wird mehrmals gezeigt und auch nicht verurteilt. Verurteilt wird aber ein
bigotter konservativer Senator, der sich erst von einem Schwarzen mit Sex und Drogen bedienen lässt und dann in der Öffentlichkeit gegen Schwule und Vampire hetzt.

Drogen spielen auch eine größere Rolle in „True Blood“: Natürlich ist echtes menschliches Blut für Vampire eine Art von Droge, aber auch für Menschen hat Vampirblut eine halluzinogene und Libido-fördernde Wirkung. Da stellt sich natürlich die Frage: Wer zapft hier wen an?

Die Gewaltdarstellungen und die Mord-Rate in „True Blood“ sind ordentlich und verdienen Lob. Kein verschämtes Zurückhalten. Nein, „True Blood“ spielt in einer gewalttätigen Gesellschaft und diese Gewalt wird auch ehrlich und authentisch dargestellt.

Fazit: Absolut sehenswert!
Die Serie „True Blood“ lohnt sich absolut. Letztendlich ist „True Blood“ eine Art intelligentes „Twilight” für Erwachsene. Aber Vorsicht! Wer einsteigt, kann nicht mehr so einfach aufhören, die Serie hat unglaublich grausame cliffhanger, so dass ein enormes Suchtpotenzial angelegt ist. Wie Vampire nach Tagen der Blut-Abstinenz auf Menschen, so stürzt sich die Zuschauerschaft auf jede neue Folge von „True Blood“.

Wer „True Blood“ nicht mag oder versteht, für den habe ich noch ein Zitat aus der Serie:
„Du bist so blöd, Du könntest noch nicht mal nen Loch in den Schnee pinkeln.“

*** Nachtrag (26.12.2011) ***
Die zwei folgenden Staffeln sind recht durchwachsen. Die Spannung bleibt erhalten und die Komposition mit dem cliffhanger am Ende auch. Allerdings wird manchmal zuviel in die Überraschung investiert. Plötzlich entpuppt sich jede_r zweite Bewohner_in von „Bone Temps“ als irgendeine Art von Metawesen. Der Anteil noch Nicht(ganz)menschen liegt damit ähnlich hoch wie in „Sunnydale“ von Buffy.

Die zweite Staffel fängt gut an mit der Einführung der charismatischen und fundamental christlichen Anti-Vampirsekte „Fellowship of the Sun Church” nimmt aber mit dem Auftauchen eines Bacchanten-Kult, der arg albern wirkt, an Qualität ab.

In der dritten Staffel tauchen dann auch noch Werwölfe und eine alte Nazi-Geschichte auf und es wird recht „Twilight“-lastig.
Die Vampir-Königin von Louisiana und der Vampir-König von Mississippi bekriegen sich, wobei letzterer ein schwuler Dandy und ein arger Graf-Zahl-Verschnitt ist.
Immerhin wird am Beispiel von Tara die Traumatisierung von Vergewaltigungsopfern exemplarisch thematisiert.

Der Penisneid der christlichen Hardliner

Warum Piusbrüder nur wollen, was Moslembrüder schon können
Mitte Mai 2011 wurde erneut eine Gesetzesinitiative ins Parlament von Uganda eingebracht, die die Todesstrafe für Homosexuelle in „schweren Fällen“ vorsieht1. Im Herbst letzten Jahres wurde die Initiative für diese „Anti-Homosexuality Bill“2 nach Protesten wieder zurückgezogen. Die parlamentarische Initiative heizt weiter das ohnehin repressive Klima gegen die sexuelle Minderheit an. Geoutete Homosexuelle wurden bereits ermordet oder mussten fliehen.
Wenig bekannt sind die christlich-evangelikalen Kräfte aus den USA, die weltweit die Kriminalisierung von Homosexualität vorantreiben. William Hiscott schreibt in der Wochenzeitung „Jungle World“, dass „die homophobe Agenda des US-amerikanischen Kulturkriegs nach Afrika exportiert“3 werde und benennt als Beispiel Uganda.
Kannte man die Todesstrafe für praktizierte Homosexualität bisher nur aus islamistisch regierten Staaten und Regionen wie dem Sudan, Mauretanien, Iran, Saudi-Arabien oder Nord-Nigeria, scheint das christlich geprägte Uganda nun gleichzuziehen zu wollen. Ob sich die christlichen Fundamentalisten ihre von der islamistischen Konkurrenz beeinflussten Gesetzgebungen direkt zum Vorbild nahmen ist unbekannt. In anderen Fällen aber resultiert aus der Wesensähnlichkeit religiöser Fundamentalismen eine Orientierung an der erfolgreicheren Bewegung, in diesem Fall am Islamismus.

Unsere Feinde konzentrieren sich auf die Kinder. […] Der Islam trainiert seine Kinder hart. Kein Wunder dass sie bereit sind, in den Tod zu gehen. Ich möchte erleben, dass junge Menschen sich genau so sehr der Sache Jesu verschreiben wie andere sich dem Islam verschreiben. Ich will sehen, wie sie ihr Leben dem Evangelium hingeben, so wie sie es in Pakistan, Israel oder Palästina für ihre Religion tun.

Diesen Wunsch äußert Becky Fischer, Pastorin aus den USA und Organisatorin evangelikaler Sommercamps. Andere radikale Christen deuten ihren Neid nur an.
Peter Winnemöller schrieb in dem katholischen Kampfblatt „KOMMA“:

Erfahrungen mit dem Islamismus lassen schnell die Alarmglocken läuten, wenn der Islam Opfer von Häme oder Beschimpfung wird. Hier wird den Christen in unserem Lande ihre Friedfertigkeit rechtlich gesehen tatsächlich zum Nachteil. Natürlich wird niemand einem christlichen Terrorismus das Wort reden, doch die völlige Abwesenheit und Undenkbarkeit eines solchen, macht den Nachweis einer Störung des öffentlichen Friedens schwer.

Hier schwingt erkennbar zwischen den Zeilen ein starkes „Wenn wir doch auch …“ mit. Auffällig häufig verweisen Christen bei der „Lästerung“ gegen ihren Gott und ihre Heiligtümer auf die organisierten Proteste beleidigter Muslime gegen die Mohammed-Karikaturen. Zumindest auf die Ergebnisse solcher Kampagnen ist man neidisch. Islamisten können ihre Agenda und Forderungen nämlich häufiger durchsetzen als ihre christlichen Brüder und Schwestern im Geiste.
Neben diesem Neid existieren vereinzelt offenbar auch direkte Orientierungsversuche an der Jihadisten-Szene, die damit zum Trendsetter unter den religiösen Fundamentalisten wird. Der Informationsdienst „Blick nach Rechts“ berichtete 2004 davon, dass gewalttätige christliche Terroristen damit begonnen hätten, sich an ihren islamistischen Kollegen zu orientieren1. Militante Abtreibungsgegner in den Vereinigten Staaten würden zu einer Terrorkampagne gegen Ärzte aufrufen und einen „christlichen Terrorismus“ propagieren. Der christliche Terrorist Chuck Spingola von der „Army of God“ schrieb auf deren Website:

Man könnte fragen, was Muslime und Christen gemeinsam haben? Die Bibel und der Koran verurteilen beide die Ermordung von Babies und Homosexualität als Kapitalverbrechen

Und weiter:

Die radikalen Elemente beider Religionen sind gewillt, die Verbreitung dieser beiden Kapitalverbrechen mit mehr als nur Reden zu bekämpfen.

christlicher Manichäismus

Gefährliche Nähe

Wie gezeigt gibt einen Unterschied zwischen nicht wollen und nicht können bzw. sich nicht trauen.
Christen, seien es nun Fundamentalisten oder Gemäßigte, wenden bei Vergleichen zwischen christlichen Fundamentalisten und Islamisten immer wieder ein, dass dieser Vergleich fehl ginge. Sie seien ja ganz anders. Denn das Neue Testament sei im Gegensatz zum Koran voller Liebe und Liebesgebote. Mohammed sei ein kriegerischer Stammesfürst, Jesus aber sei ein menschenfreundlicher Handwerker, der alle gern hatte.
Bei genauerer Betrachtung verfängt diese Argumentation aber nicht wirklich. Auch die Bibel bietet – und zwar entgegen einem verbreiteten Vorurteil in ihren beiden Teilen – allerhand theoretischen Stoff für eine menschenfeindliche Praxis. Religionen sollten daher nicht nur von ihren Ausgangstexten her kritisiert werden, sondern auch von ihren diversen Interpretationen. Es steht den religiösen Interpreten durchaus frei, wenigstens die krudesten Texte und Anweisungen umzuinterpretieren oder ganz abzulehnen.
Jedenfalls bietet auch der biblische Zitatesteinbruch allerhand harten Stoff. Dass führte dazu, dass es Entwicklungen vergleichbar zum Islamismus auch bei Christen gab und gibt. Der Schweizer Gottesstaat Zwinglis im Kanton Zürich oder die Wiedertäuferkommune von Münster wirken in manchem wie eine frühe Vorwegnahme des Taliban-Regimes in Afghanistan. Sie basierten auf Tugendterror. Die Tugendwächter im Früh-Protestantismus hießen übrigens „Sünden-Policey“.
Sogar eine Art christlicher Taliban existiert heutzutage. Freilich ohne weltweite, millionenstarke Sympathisanten-Szene. Nur wenig ist über die „Lord Resistance Army“ (LRA) in Uganda in Erfahrung zu bringen. Die 1993 gegründete Gruppe verfolgt das Ziel der Errichtung einer christlichen Theokratie, agiert vom Kongo und vom Südsudan aus und soll über 2.000 bis 8.000 Kämpfer verfügen. Von Menschenrechtsgruppen wird die LRA für den Einsatz von Kindersoldaten kritisiert. Dass das Subsahara-Afrika mit seinen politischen und ökonomischen Krisen einen guten Humus für Turbo-Christen darstellt, ist bekannt. Doch die in diesem Humus aufgegangenen Samen stammen nicht nur aus der Peripherie, sondern häufig auch aus den Metropolen. Eher gemäßigte und säkularisierte europäische Missionare wurden seit den 1960ern durch nordamerikanische Missionare (Evangelikale) ersetzt. Inzwischen kommen die Einpeitscher auch aus Europa. Das bekannteste Beispiel dürfte der evangelikale Missionar Reinhard Bonnke, Selbstbezeichnung: „Mähdrescher Gottes“, aus Deutschland sein.
Auch hierzulande gibt es christliche Anhänger eines Gottesstaat. Sei es die evangelikale „Partei Bibeltreuer Christen“, die nach einem „Deutschland nach Gottes Geboten“ verlangt, seien es die radikalen Katholiken von der ehemals abtrünnigen Piusbruderschaft, die Ratzinger wieder zurück in den Schoss der heiligen römisch-katholischen Kirche führte. So schreibt der oberste Piusbruder in Deutschland, Pater Franz Schmidberger, in dem der Bruderschaft nahestehenden Blatt „Civitas“ (Ausgabe 1/2007) über die „Grundsätze einer christlichen Gesellschaftsordnung“. Der Text wird auch auszugsweise in einer kleinen Anfrage von grünen Bundestags-Abgeordneten bezüglich der „Erkenntnisse der Bundesregierung über die extremistischen Auffassungen der Piusbruderschaft“ vom 29. September 2010 zitiert. Schmidberger schreibt unter anderem:

Die Gewalt in Staat und Gesellschaft geht nicht vom Volk aus, von der Basis aus, sondern von Gott. Folglich bezeichnet das Volk in Wahlen allein diejenigen, die es regieren sollen, verleiht ihnen aber nicht die Autorität; ebenso wenig kann es Regierungen beliebig absetzen.

Die christlichen Theokraten wollen damit hinter die positiven Errungenschaften der Aufklärung – die allerdings nicht nur Gutes hervorbrachte – zurück. Mag die Aufklärung auch eine Art Stiefkind des Christentum gewesen sein – im europäischen Judentum lief parallel dazu ein ähnlicher Prozess ab – so wendete sich die Aufklärung letztendlich auch gegen das Christentum und säkularisierte es. Diese Entkernung des Christentums bedeutete, dass dem Christentum einige Zähne gegen seinen Willen gezogen wurden. Es besteht aber immer die Gefahr, dass diese Zähne mangels kritischer Beaufsichtigung wieder nachwachsen.
Allerdings ist die Wirkungsmacht christlicher Radikaler derzeit im säkularisierten und zunehmend auch entchristianisierten Westen eher gering, verglichen mit den Islamisten in ihren Hochburgen.
Wer behauptet, der Islam allein bräuchte eine Aufklärung, der ignoriert, dass es auch im Christentum starke anti-aufklärerische Kräfte gibt. Mal abgesehen, davon dass eine Säkularisierung im Hinduismus oder Buddhismus nicht weniger nötig wäre.

Stehen uns (Un-)Heilige Allianzen bevor?
Im Geiste sind religiöse Fundamentalisten eigentlich vereint. Sie alle praktizieren Frauendiskriminierung, Geschlechtertrennung, Homophobie und unterdrücken oder verfolgen die jeweils vorhandenen religiösen Minderheiten. Ihre Feindbilder ähneln sich: Frauenemanzipation und Feminismus, Moderne, Säkularismus, Aufklärung und „Der Westen“. Als Vertreter und Verursacher all dieser Unannehmlichkeiten für die „Hardliner des Herren“ gelten nicht selten die Juden.
Christliche wie muslimische Fundamentalisten praktizieren Bücherverbrennungen. Die einen werfen Harry Potter und den Koran in die Flammen, die anderen Salman Rushdie. Auch der antiwissenschaftliche Kreationismus ist unter muslimischen wie christlichen Hardlinern verbreitet. Beide lehnen die Abstammung des Menschen vom Affen ab, da dieser in Wahrheit ein Produkt göttlicher Schöpfung sei.
Wenn die Fundis dieser Welt einen Waffenstillstand vereinbaren und die Welt in religiöse Einflußsphären a la Kampf der Kulturen von Huntington aufteilen würden, dann würden die Säkularen ganz schön in Bedrängnis geraten. Die vereinigten Fundamentalisten dieser Welt hätten eine nicht zu unterschätzende Schlagkraft. Im Kleinen wurde das schon demonstriert. Als eine Gaypride-Parade in Jerusalem geplant war, stellten christliche, muslimische und jüdische Fundamentalisten ihre Differenzen zurück, um vereint gegen die Gotteslästerlichkeit in ihrer heiligen Stadt vorzugehen. Mit Erfolg. Auch hierzulande gibt es einzelne Beispiele. Als der linksliberale Professor Jürgen Wertheimer aus Tübingen 2009 seinen Roman-Erstling „Als Maria Gott erfand“ veröffentlichte, zeichnete sich so ein unabgesprochenes Bündnis ab. In seinem Buch erzählt Wertheimer, dass Joseph schwul war und Maria sich in eine Affäre mit dem Wanderprediger Johannes flüchtete. Aus dieser Verbindung entstand dann Jesus. Der Inhalt dieses Romans versetzte diverse religiöse Fundamentalisten in Rage. Einer der ersten Proteste wegen verletzter religiöser Gefühle fand sich auf dem deutschsprachigen Portal „Muslim-Markt“ (MM). Hinter MM stecken vor allem die Brüder Yavuz und Gürhan Özugoz, zwei Schiiten, die der Theokratie im Iran nahe stehen. Unter den Interviewpartner von MM finden sich neben einschlägig bekannten Israel“kritikern“ auch extreme Rechte.
Yavuz Özoguz schrieb am 7. April 2009 unter der Überschrift „Piper-Verlag verunglimpft die Heilige Maria“:

Wo sind die katholischen Geistlichen, die angesichts einer solch unverschämten Verleumdung gegen die Heilige Maria zum Boykott des Verlages aufrufen? Warum sollte die Kirche nicht ihre Macht dazu nutzen, die Würde der Heiligen Maria zu verteidigen, wenn sie so schamlos angetastet wird und das Grundgesetz ihre Würde nicht verteidigt? […] Jede derartige Buchveröffentlichung und der ausbleibende Protest der katholischen Geistlichen, die mit ihrem Kulturkampf gegen den Islam und Muslime derart überfordert sind, dass sie ihre eigenen Heiligkeiten nicht mehr schützen können, zeigt auch sehr deutlich den Verfall der Werte jener Kultur, die vorgibt, Jesus vertreten zu wollen.

Das katholisch-fundamentalistische Internetportal „kreuz.net“ zog dann nach und brachte auch eine Hass-Attacke gegen das Wertheimer-Buch1. Verfasser der Tirade war ein Rodolfo E. Panetta, der für die Republikaner im Stadtrat von Horb-Grünmettstetten (Baden-Württemberg) saß.
Atheisten, Säkularen und von religiösen Fanatikern Angefeindeten und Unterdrückten kann ganz Angst und Bange werden, wenn die Fundis aller Coleur trotz ihrer Konkurrenz auf dem Seelenmarkt einmal ihre theologischen Streitigkeiten beiseiteschieben und sich auf ihre Gemeinsamkeiten beziehen, vor allem ihre gemeinsamen Feindbilder. Dazu bräucht es nur eine Art von Ethnopluralismus auf Religionsebene. Das aber möge Gott verhüten!

Buchkritik: „Unter Linken“ von Jan Fleischhauer

Unter Linken – unter was für Linken denn bitteschön?
Der Journalist Jan Fleischhauer, Jahrgang 1962, hat ein Buch verfasst mit dem Titel „Unter Linken. Von einem, der aus Versehen konservativ wurde“. Fleischhauer ist seit 1989 Redakteur beim Spiegel-Magazin und stellt sein Werk als eine Art von Aussteiger-Buch vor. Doch das Buch fällt aus dem Rahmen der üblichen Konvertiten-Literatur heraus. Genaugenommen war Fleischhauer nämlich nie wirklich links im Sinne einer theoretischen Überzeugung und auch als Konservativer ist er stellenweise eher untypisch.
Unter Linken
Fleischhauer inszeniert sich in seinem Werk als überzeugter Überläufer in einer feindlichen Umwelt. So berichtet er von den angeblichen Problemen mit seinem „Outing“ als Konservativer in den Redaktionsstuben der Republik. Irgendwie kann man sich das nicht so gut vorstellen, das dieses Konservativ-Sein bei Leuten wie den Papstgetreuen Matthias Matussek und Henryk M. Broder, der gegen das „linksreaktionäre Gutmenschenpack“ anschreibt, besonders anecken würde.

Doch wie links war Fleischhauer überhaupt? Es stellt sich heraus das Fleischhauer lediglich in einem linksliberalen Kulturmilieu aufgewachsen ist. Statt Inhalte sind für vor allem private Lebensweisen „links“:

Als erster Schritt Richtung Paradies galt die Errichtung einer »Alternativkultur«, jene aus dem linken Ideologiebaumarkt zusammengeschraubte Gegenwelt aus Kinderladen, Biotheke und Tempo-30-Zone, die sich in unausweichlicher Gründlichkeit über die deutschen Innenstädte ausbreitete. Schon der Verzicht auf ein Deodorant, auf das »Sie« in der Anrede und eine Rasur von Achsel- und Beinhaar ging nun als aufrührerische Tat durch, die einen der endgültigen Machtübernahme näher bringen würde.

(Seite 92)

Seine Eltern sind für ihn prototypische Linke. Doch nicht mal in einer stalingläubigen K-Gruppe oder wenigstens bei lenintreuen DKPlern waren seine Eltern, sie waren lediglich Mitglied in der braven SPD. Seine Mutter ist sogar mit 39 Jahren bei der SPD wegen deren Flirt mit der Linkspartei ausgetreten.
So hat Fleischhauer eine reichlich verdrehte Sicht davon was „links“ sein soll. Wenn sein Vater, ein „Schmidt-Sozialdemokrat“, ihm Vorträge über den „verderblichen Einfluss der amerikanischen Fastfood-Kultur“ hält, ist das zuerst einmal Antiamerikanismus. Der Antiamerikanismus, hier in der antikulturimperialistischen Variante, findet sich rechts, wie links, als auch dazwischen. Jedenfalls handelt es sich um kein Spezifikum der Linken, wenn er dort leider auch mehr als genug zu finden ist. Immerhin, ein Teil der emanzipatorischen Linken hat das erkannt, lehnt ihn ab oder bekämpft ihn sogar.

Wo genau der Unterschied zwischen „links“ und „rechts“ sein soll, kann Fleischhauer dann auch nicht wirklich aufzeigen. Wenn seine sozialdemokratische Mutter über den Hamburger CDU-Bürgermeister Ole von Beust herzieht ist das für ihn eine Links-Rechts-Auseinandersetzung. Damit präsentiert er eine Art Kalter Krieg in Kuschelrock-Version. Dass Ole von Beust als bekennender schwuler Großstadtbürgermeister mit grünem Koalitionspartner im Vergleich beispielsweise mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs aus Hamburg (Sprecher des konservativen Seeheimer-Kreises in der SPD, „Alter Herr“ und ehemals Verbandssprecher einer Studentenverbindung, Mitglied des Präsidiums des „Förderkreis Deutsches Heer e.V.“, stellvertretendes Mitglied des Kuratoriums der Otto-von-Bismarck-Stiftung etc.) links ganz gut abschneidet, ignoriert Fleischhauer. So entpuppt sich die eigentlich politische Einordnung „links“ bei Fleischhauer als linksliberale Gefühlslinke ohne echte politische Agenda.

Fehlende Empathie
Wie jeder Konservativer behauptet auch Fleischhauer dass der Kapitalismus im Grunde gut sei. Das ein Wirtschaftssystem was nicht an den Bedürfnissen der Menschheit, sondern an der Gewinnmaximierung orientiert ist, milliardenfaches Elend und Hunger produziert, ignoriert der Autor völlig. Stattdessen ereifert sich Fleischhauer über einen angeblich ausufernden Wohlfahrtsstaat, der Minderheiten und faule Menschen alimentiert. Dazu kommt seine Klage über eine angebliche Opfer-Selbstinszenierung von Minderheiten. Fleischhauer beklagt sich fast schon hämisch über eine angebliche Opferindustrie mit „professionellen Opfervertretern“. Als weißer, herkunftsdeutscher und heterosexueller Mann aus der Mittelschicht sind ihm selber die besonderen Erfahrungen und Probleme migrantischer, sexueller und sozialer Minderheiten natürlich fremd. Es ist überaus ignorant daraus zu schlussfolgern es gäbe sie nicht. Bei Fleischhauers Klagen über das selbstbewusster gewordene Auftreten von Minderheiten lässt er die Opfer-Selbstinszenierung des deutschen Mainstreams unter den Tisch fallen. Den vorherrschenden Diskurs um „die Deutschen“ als „Opfer“ von „Vertreibungen“, Bombardierungen oder gar von „Hitler und seiner Clique“ verschweigt er.
Stattdessen kritisiert er einen angeblichen „türkischer Opferkult“, käut die Mär von der „Inländerfeindichkeit“ wieder und wettert gegen Feminismus und Gender Mainstreaming.

Die Emanzipation der Frauen ist ein spektakulärer Triumph, sie ist mit Abstand die erfolgreichste Opfergruppe der Welt.

(Seite 37)

So ist es dann auch ein Glück, dass viele wortführende Autorinnen der »Gender«-Theorie lesbisch und damit in Bezug auf die Familienrealität vorurteilsfrei sind.

(Seite 48)

Für ihn sind tatsächlich die Reichen und Armen (sic!) die Gewinner des derzeitigen Systems:

Für die Armen und die Reichen ist in Deutschland stets gesorgt, sie müssen sich vor Krisen nicht wirklich fürchten – entweder, weil sie ihr Vermögen schon gemacht haben, oder, weil sie kaum jemals eines machen werden und insofern wenig zu verlieren haben.

(Seite 181)
Dass man mit dem HartzIV-Satz nicht aus“gesorgt“ hat, sondern nur überleben kann, hat Fleischhauer nicht verstanden oder will es nicht verstehen. Dass Fleischhauer kräftig an Realitätsverlust zu leiden scheint, sieht man an Sätzen wie diesem:

Bei jedem Auslandsurlaub ist der gute Deutsche inzwischen darauf bedacht, nicht anzuecken. Er bindet sich brav ein Kopftuch um, wenn es die die lokale Sitte verlangt.

(Seite 263)
Die einfallenden teutonischen Horden beispielsweise auf Mallorca, in Thailand oder in der Türkei respektieren gar nichts, schon gar nicht die Einheimischen und Sitten, die sie gar nicht interessieren oder auch nur wahrnehmen. Sie wollen in der Mehrheit nur Party, Erholung und Abenteuer in einer angenehmen und beheizten Umgebung.

Linke bei Fleischhauer: Zwischen Pathologisierung und Nazi-Verwandtschaft
Bei Fleischhauer findet eine Pathologisierung politischer motivierter Menschen statt. Man kann von der RAF halten was man will, aber sie war eine politische Gruppe mit politischen Zielen. Fleischhauer ignoriert das und versucht sich stattdessen als Schmalspur-Psychologe:

Das Paar [Ensslin und Baader] hat Zuwachs bekommen, neben dem unscheinbaren Jan-Carl Raspe, einem verklemmten Berliner Soziologiestudenten mit einem Händchen für selbstgebaute Bomben, ist die Journalistin Ulrike Meinhof zu ihnen gestoßen, Verlegergattin aus Hamburg mit Villa im Elbvorort Blankenese, Mutter zweier Töchter und linksradikales It-Girl, das sich in einer Mischung aus Ehefrust, nervösem Lebensüberdruss und Missionssehnsucht den beiden Vorzeigeterroristen angeschlossen hat.

(Seite 237-38)

Überhaupt versucht Fleischhauer Personen für Dinge in Haftung zu nehmen, selbst wenn er selber zugibt dass das eigentlich „unsinnig“ ist:

Es wäre unsinnig, den Nachweis führen zu wollen, dass es ohne Marcuse keine RAF gegeben hätte, aber mit Sicherheit hat der charismatische Denker den Argumentationsteppich gewebt, auf dem es sich die zahlreichen Unterstützer und Sympathisanten der Terroristen bequem machen konnten.

(Seite 178)

Während Fleischhauer die theoretische Unterfütterung von Linken fast konsequent ignoriert, pathologisiert und nazifiziert er sie umso lieber.
Bei ihm findet eine sprachliche Angleichung z.B. von RAF und Wehrmacht statt in der Art von Götz Aly:

Für mich und meine Generation gilt die Gnade der späten Geburt: Als wir in die Pubertät kamen, waren die Achtundsechziger schon im Staatsdienst und die RAF im Hungerstreik. Uns blieben nur noch Hausbesetzungen und Friedensdemonstrationen. Da ging es auch hoch her, aber das Engagement liefert nicht mehr den Stoff für Ritterkreuze.

(Seite 22)
Wie bei bestimmten Rechten beliebt macht es sich Fleischhauer ganz einfach und rechnet Hitler und Mussolini einfach der Linken zu:

Die Linke hat sich ihres Verwandtschaftsproblems elegant entledigt: Sie hat aus der Tatsache, dass die Nazis ihre schärfsten Konkurrenten nach der Machtübernahme verfolgen und deren Führer ins KZ sperren ließ, eine Todfeinschaft gemacht, die auch fürs Ideologische galt.

(Seite 297)

Kritikpunkte an rechten Ideologien hingegen werden nach Fleischhauer mit der „Faschismuskeule“ niedergemacht:

Der Faschismusvorwurf ist der Baseballschläger des intellektuellen Juste Milieu, die noch immer beliebteste Allzweckwaffe in der Auseinandersetzung mit dem ideologischen Gegner.

(Seite 286)
Undenkbar erscheint ihm das diese Kritik eventuell ernst gemeint und inhaltlich fundiert sein könnte.

Ausgerechnet das „Schwarzbuch Kommunismus“ oder Arnulf Baring dienen Fleischhauer als angeblich Gewähr für seine Kritik. Baring, Jahrgang 1932, war bis zu seinem Ausschluss 1983 in der SPD aktiv und ist heute ein Rechtskonservativer. Der emeritierte Professor für Zeitgeschichte und internationale Beziehungen an der FU Berlin (1976-1998) nannte im September 2006 in einer Debatte im hessischen Landtag den Nationalsozialismus als „eine beklagenswerte Entgleisung“ und forderte die „Eindeutschung“ statt der Integration von Ausländern. Mit solchen Thesen tingelt er als Referent durch die (extrem) rechte Szene und trat auf bei den „Berliner Dienstagsgesprächen“ (Thema: „Wieviel neues Denken braucht unser Land?“, März 1994), der „Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft e.V.“, dem neurechten Thinktank „Institut für Staatspolitik“ oder bei der „Deutschen Burschenschaft“. Auch Fleischhauer selbst trat wohl bereits mindestens einmal bei einer Studentenverbindung auf. Für den 10. Mai 2011 war im Semesterprogramm der schlagenden Landsmannschaft Thuringia zu Berlin eine Lesung von Jan Fleischhauer aus seinem Buch „Unter Linken“ angekündigt. Fleischhauer las also unter Rechten aus „Unter Linken“.

Richtige Kritik aus dem falschen Mund

Fleischhauers Buch ist zum größeren Teil Unsinn, es benennt aber auch real existierende schwache und kritische Punkte in der Linken. Die Geschichte und die gegenwärtige Praxis der Linken bieten ja durchaus allerlei Angriffspunkte.

Zum einen benennt Fleischhauer ganz richtig den Untertanen-Geist und die Staatsgläubigkeit vieler Linker als Kritikpunkt, die häufig der Ausgangspunkt für antiindividualistische Utopien waren.

Das Problem des Landes war in den letzten hundert Jahren sicherlich nicht ein zu gering ausgeprägtes Vertrauen in die Obrigkeit, aber kaum klebt das kleine Wort »sozial« davor, ist das Geschichtsbewußtsein jäh erloschen.

(Seite 140)

All ihre ungebundenen patriotischen Energien hat sie [„die“ Linke] auf den Staat geworfen. Weil sie nicht das Land lieben kann, wie sie selber sagt, ist sie zur Staatsvergötterung übergegangen. Die Linke mag keine Nationalhymne und keine Flagge, dafür kennt ihre Begeisterung kein Halten mehr, wenn es um die staatlich organisierte Wohlfahrt geht. Sie spricht dann vom »Modell Deutschland«, an dem sich die anderen mal ein Beispiel nehmen sollten. Das ist ihre Form des Nationalismus.

(Seite 140)

Fast das gesamte Kapitel „Opferneid – Die Linke und der Antisemitismus“ ist inhaltlich richtig.
Der Vorwurf an viele Linke, zumal in Deutschland, sie würde in ihrer Israelfeindschaft geschichtsblind vorgehen und Selbstreflexion vermissen lassen trifft zu:

Sie zeigt nicht nur, wie weit die politmoralische Selbstermächtigung gehen kann, die aus einem tadellosen Gewissen erwächst, sie weist auch auf eine Geschichtsblindheit hin, die sich wohl am besten mit einer besonderen Gesinnungsverpanzerung erklären lässt.

(Seite 193)
Auch die nicht gerade objektiven Maßstäbe bei der Bewertung von Israel in der Linken erfasst Fleischhauer richtig:

Komischerweise finden dieselben Leute, die schon bei einem kleinen Lackschaden an ihrem Wagen dem Herzinfarkt nahe sind und hektisch nach der Polizei rufen, dass im Fall Israels die Bewohner etwas gelassener reagieren sollten.“ (Seite 195)
Dass die Doppelstandarts und Dämonifizierung Israels in den holocaustbanalisierenden Nazi-Vergleichen enden, die von vielen geduldet werden, ist ebenfalls eine richtige Beobachtung Fleischhauers:
„Die Rolle des Weltnazis mit Juden zu besetzen ist seit Jahren die Pointe jeder Demonstration gegen Israel: Irgendwo findet sich immer ein Plakat oder Banner, das an den Holocaust erinnert – nicht die Täter von einst, sondern deren Opfer.

(Seite 210)

Doch wenn ein selbsternannter Konservativer wie Fleischhauer sich über rechten Antisemitismus und Israelhass ausschweigt und nur linken benennt, wird es seltsam. Möllemann und Hohmann waren keine Gespenster, sondern real existierende Personen. Im konservativen und liberalen Spektrum existieren ebenso Antisemitismus und Antizionismus wie unter Linken; Antisemitismus vermutlich sogar im größeren Ausmaß. Etwas bei den „Anderen“ zu benennen, im „Eigenen“ aber zu verschweigen ist nicht nur unredlich, sondern lässt auch vermuten dass es gar nicht um die Sache an sich geht.
Ebenso seltsam ist es, wenn Fleischhauer zu Recht regressiven und verkürzten Antikapitalismus in der Linken, geboren und motiviert aus Neid, kritisiert, aber selber „maßlose Gier“ für die Verwerfungen

Fazit: komische Vorstellung von links und rechts
Die Grundklage Fleischhauers in seinem Buch lautet, Links sei Mainstream geworden. In Wahrheit aber sind ehemalige Linke Teil des Mainstream geworden, in diesem Fall Angehörige der so genannten „Neuen Mitte“ aus der sich große Teile des Establishment speisen. Links über das Konsumieren ökologisch korrekter Produkte hinaus ist das aber kaum noch, sofern das Kriegeführen nicht zum Grundbestand linker Politik gehört. Jedenfalls war es Rotgrün und nicht Schwarzgelb das die Bundesrepublik in ihren ersten Krieg führte.
Die nach Fleischhauer „linke“ SPD und „rechte“ CDU sind in Wahrheit eher Fußballvereine als unterscheidbare politische Projekte. Er kann in Wahrheit inhaltlich gar nicht genau festmachen, wo die CDU aufhört und wo die SPD anfängt, wie er dann auch gegen Buchende freimütig eingesteht.
Statt einer Definition von „links“ gibt es bei ihm nur solche Erkennungszeichen wie moralisiertes Einkaufsverhalten, Antiamerikanismus und diffusem Linksliberalismus. Das einigende Moment zwischen seiner SPD-Mum und Robbespierre aber kann Fleischhauer nicht benennen.

Die Kritik an einigen real existierenden Missständen n der Linken wie Untertanengeist, Israelhass oder Antiamerikanismus ist inhaltlich durchaus richtig. Fleischhauer ignoriert aber das diese Kritikpunkte sich in allen Teilen der Gesellschaft wiederfindet und er ignoriert die in der Linken existierende Kritik an solchen Missständen. Überhaupt ignoriert er die Heterogenität innerhalb der Linken. Statt von einer Linken muss vielmehr von den Linken gesprochen werden. Vermutlich aus Kalkül differenziert Fleischhauer aber nicht, sondern führt den dümmsten und reaktionärsten Teil der Linken gerne einem Publikum vor. Das macht er beispielsweise auch im TV.

Trotz seiner Selbstinszenierung als wiedergeborener Konservativer gibt Fleischhauer stellenweise nur einen sehr zahmen Konservativen ab. Normalerweise zeichnen sich Konservative durch das konsequente Primat von Nation, Religion, Familie auch gegenüber der (parlamentarischen) Demokratie aus. Genau diese Einstellung ermöglichte einst die so genannte „Harzburger Front“, den Zusammenschluss von Rechtskonservativen und den Nationalsozialisten (Wer etwas zur Charakteristik des deutschen Konservatismus lesen will der/dem seien an dieser Stelle übrigens die Texte von Volker Weiß empfohlen!).
Fleischhauers Kritik das das „sozialliberalisierte Strafrecht den Vergeltungsgedanken weit zurückgedrängt hat“, sein Lob des Spießbürgers als „fleißiger Steuerbürger“ und sein Schimpfen auf angeblich übersubventionierte Minderheiten ist das übliche wohlstandschauvinistische Gerede im Leistungsbürgertum, d.h. in der bürgerlichen Mitte. Fleischhauer ist damit weniger politisch rechts einzuordnen, er ist eher ein „Extremist der Mitte“. Das derartige Schimpfen auf Minderheiten oder das Law&Order-Gerede findet sich bei Parteipolitikern jeden Coleurs bis hinein in die Linkspartei, wie man an Oskar Lafontaine sehen kann.