Gerhard Wisnewski, ein prominenter Verschwörungstheoretiker

Der Münchner Gerhard Wisnewski, Jahrgang 1955, ist einer der prominentesten Verschwörungstheorie-Autoren im deutschsprachigen Raum. Der studierte Politikwissenschaftler sieht Verschwörungstheoretiker generell als „Vertreter plausibler Theorien“, wie er im Vorwort zu „2011. Das andere Jahrbuch“ schreibt. Neben den üblichen Verschwörungsmythen um die Bilderberger oder die 9/11-Attentate kreiert Wisnewski auch eigene „Theorien“. Bei den 11/9-Anschlägen vermutete Wisnewski übrigens Israel als den eigentlichen Urheber. Solche Inhalte sind sowohl anschlussfähig an Inhalte der extremen Rechten aber auch an den Islamismus, wovon Wisnewskis Auftritt als Interviewpartner des iranischen Staatsrundfunksenders IRIB zeugt. Über seine 9/11-Verschwörungstheorie produzierte er auch für die rechte Firma Polarfilm ein eigenes Hörbuch („OPERATION 9/11 – Der Wahrheit auf der Spur“).

Für den rechts-esoterischen und in Teilen rechtspopulistischen KOPP-Verlag verfasste Wisnewski neben diversen Online-Artikeln auch das Buch „Jörg Haider. Unfall, Mord oder Attentat?“ (2009). Wisnewski war bereits ein großer Möllemann-Fan, den er als einzigen deutschen Politiker, „der noch den Mut besitzt, israelische Verbrechen Verbrechen zu nennen“ bezeichnete. Zu Haiders Tod strickte Wisnewski an einer eigenen Verschwörungstheorie.
Er bewarb auch eine Online-Petition für eine neue Untersuchung zum Haider-Unfall. In seinem Haider-Buch offenbart sich Wisnewski als Hitler-Kritiker der ganz eigenen Art:

Indem Hitler durch seine Taten auch den Nationalismus gleich mitkompromittierte, war er einer der wirksamsten Globalisierer überhaupt.

(Gerhard Wisnewski: Jörg Haider, Rottenburg 2009, Seite 31)

Zum Beispiel: Das andere Jahrbuch
Für das von Wisnewski vertretene Verschwörungs-Gebräu darf das jährlich im Knaur-Verlag erscheinende „Das andere Jahrbuch“ als geradezu exemplarisch gelten. In der Ausgabe zum Jahr 2011 stellt er unter dem Motto „verheimlicht – vertuscht – vergessen“ (München 2011) Ereignisse aus seiner Sicht dar, die nach Wisnewskis unbescheidener Eigenauskunft auf „meinen spannenden Recherchen“ basieren.

Das Andere Jahrbuch

Einige der angeführten Verschwörungsmythen Wisnewskis nehmen sich für rational denkende Menschen sehr komisch aus. Unter der Überschrift „Ein Land wird sturmreif gebebt“ behauptet Wisnewski die USA seien verantwortlich für das Erdbeben auf Haiti. Dabei bezieht er sich u.a. auf Venezuelas Staatschef Hugo Chavez, der sagte die USA hätten Haiti mit einer „Erdbeben-Waffe“ beschossen.

I, Wisnewski, der Antifeminist

Wisnewski sieht sich mit vielen Rechten von einer Frauen-Verschwörung bedroht, die nach nichts geringerem strebt als der Macht:

Die Frauenbewegung hat sich damit ad absurdum geführt und als das entlarvt, was sie ist: ein Umerziehungsprogramm zum Austausch der gesellschaftlichen Führungsschicht.

(Seite 348)
Denen stellt er die „heile Welt“ – in Wahrheit eher repressive Welt – religiöser communities entgegen:

Während Muslime noch traditionelle Familien mit Vater, Mutter und mehreren Kinder gründen, ist der Rest der Welt auf den »Genderwahn« hereingefallen. »Gender Mainstreaming« heißt ein globales Programm zur Einebnung der Geschlechterunterschiede zur Abschaffung der Mutter- und Vaterrolle.

(Seite 63)

II, Wisnewski, der Homosexuellenfeind
Wie die meisten Antifeministen ist Wisnewski auch homophob. So beklagt er eine „Verherrlichung von gleichgeschlechtlichen Sex“ (Seite 64) und fürchtet den Volkstod durch eine Art Mode-Homosexualität:

Wenn sich Homosexualität, Verhütung und Abtreibung zum »Breitensport« mausern, ist es kein Wunder, dass die Geburtenraten dabei auf der Strecke bleiben. Ganze Völker werden auf diese Weise sozusagen »psychosozial« unfruchtbar.

(Seite 93)

Besonders in den antihomophoben Aktivitäten im Männer-Fußball sieht er eine Art schwuler Verschwörung. Für ihn sind schwullesbische Fanclubs die „Totengräber des Männerfußballs“ (Seite 195).
Er behauptet Fußballfunktionäre und die „politisch korrekten Eliten“ würden Homosexualität im Fußball geradezu forcieren:

Analverkehr im Fußball ist nämlich Chefsache. Niemand anderer als Theo Zwanziger, Träger einer hochkarätigen Auszeichnung des Zentralrats der Juden, will Geburtshilfe leisten, wenn der erste Profifußballer sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekennt.

(Seite 191-192)

Warum lechzt Zwanziger geradezu nach dem ersten Outing?

(Seite 198)

III, Wisnweski, der Israelfeind
Ein Freund Israels ist Wisneswki nicht gerade. Die von der islamistischen Hamas im Gaza-Streifen abgefeuerten Quassam-Raketen sind für ihn nur „große Silvesterraketen“ (Seite 170). Außerdem steckt in Wahrheit Israel selber dahinter, wie Wisnewski andeutet:

Zugespitzt formuliert, könnte man zu dem Schluss kommen, dass Israel dieses ständige »Feuerwerk« regelrecht duldet. Ist es möglicherweise einfach zu nützlich?

(Seite 172)
Wisnewski beklagt stattdessen die Situation der Palästinenser_innen im Gaza-Streifen:

Der Gazastreifen ist so etwas Ähnliches wie eine »Reservation« für Palästinenser an der Mittelmeerküste Israels.

(Seite 169)

Für Wisnewski führen vielleicht nicht alle Verschwörungswege nach Israel, aber doch viele. Er hat mal eine ganz neue Verschwörungstheorie parat: Der israelische Geheimdienst Mossad wars. Natürlich ist der Mossad auch am Tod von Uwe Barschel Schuld:

Demnach war Barschels angebliche Bespitzelungsaktion gegen den Oppositionspolitiker Engholm von Anfang an vom Mossad inszeniert und Barschel in die Schuhe geschoben worden. Hintergrund dieser Intrige und schließlich der Ermordung sei Barschels Weigerung gewesen, einen illegalen Waffendeal des israelischen Geheimdiensts zu decken.

(Seite 335)
Besonders perfide ist nach Wisnewski die Vorgehensweise des Mossad, er arbeitet nämlich mit rektalen Anschlägen:

Danach habe man Barschel die Hosen heruntergezogen und ihm rektal Zäpfchen mit einem starken Beruhigungsmittel und einem Fieber erzeugenden Medikament eingeführt. Anschließend seien ihm die Hosen wieder hochgezogen worden.

(Seite 337)

IV, Wisnewski, der Deutschnationale
Beim Lesen von „Das andere Jahrbuch“ dringt immer wieder Wisnewskis deutschnationale Grundhaltung durch. Für ihn sind ist Deutschland nur ein „Vasall“ der USA und das deutsche Nationalbewußtsein wird nach ihm niedergehalten durch „die offizielle Ideologie vom bösen deutschen Volk“ (Seite 57).
Neben der mentalen Ent-Nationalisierung käme es auch zu einer „Vermischung“ Deutschlands:

[…] ein Steckenpferd der globalen Sozialingenieure, die beobachten, wie Deutschland zunehmend nicht mehr von Deutschen, sondern von »gemischten Identitäten« bewohnt wird.

(Seite 261)

V, Wisnewski, der Rächer der Vertriebenen und (Ent-)Rech(te)ten
Wisnewski ist nicht nur selber ganz offensichtlich deutschnational eingestellt, er verteidigt auch Gesinnungsgenossen wie Hohmann, Heitman, Herman (Seite 269-271). Diese würden den „politisch korrekten Eliten“ zum Opfer fallen. Eva Herman wäre beispielsweise „medial hingerichtet“ worden und sie ist nicht das einzige Opfer:

So schwimmen im Kielwasser des dunklen Hitler- oder Nazi-Eisbergs jede Menge politische und gesellschaftliche Leichen, egal ob sie nun Philipp Jenninger, Martin Hohmann oder Eva Herman heißen.

(Seite 58)

Gerhard Wisnewski: 2011. Das andere Jahrbuch. verheimlicht. vertuscht. vergessen, München 2011

*** Lesetipp zu Wisnewski ***
Daniel Kulla: Entschwörungstheorie. Niemand regiert die Welt, Löhrbach, 2. Auflage 2007, Seite 62-67