Buchkritik „Die Wahrheit und ihr Preis“ von Eva Herman

Drei Jahre nach ihrem Rauswurf beim NDR hat die umstrittene Moderatorin Eva Herman mit „Die Wahrheit und ihr Preis“ (Rottenburg 2010) ihre Darstellung der Ereignisse um sie herausgebracht. Erschienen ist ihr Buch im rechten Kopp-Verlag, für den sie als Online-TV-Nachrichtensprecherin arbeitet.

Eva Herman fühlte und fühlt sich unzweifelhaft verfolgt, sie sei einer „viele Monate dauernden Verfolgungskampagne“ (Seite 86) ausgesetzt gewesen. Sie sah sich nach der Veröffentlichung mehrerer anti-emanzipatorischen Bücher und Artikel besonders dem Druck „bestimmter linksfeministischer Interessengruppen“ (Seite 22) ausgeliefert. In ihren Schriften hatte sich Herman gegen die Gleichberechtigung und Erwerbstätigkeit von Frauen ausgesprochen und ihre „These des schöpfungsgewollten Auftrages von Mann und Frau“ (Seite 49) verteidigt. Dadurch sah sie sich vom „Weltfeminismus“ und „linksfeministische[n] Kreise[n]“ (Seite 52) bedroht. Was Hermans als Bedrohung darstellt und wohl auch tatsächlich so wahrnimmt, stellt in Wahrheit eine gerechtfertigte Kritik dar.
Hermans eigene „Kritik“ am Feminismus hingegen sinkt schon auch mal auf das Niveau von Männer-Stammtischen:

Allerdings konnte ich zu keinem Zeitpunkt verstehen, dass viele derjenigen Frauen, die für die angebliche weibliche Befreiung kämpften, immer gleich aussehen mussten wie verlotterte Vogelscheuchen.

(Seite 77)

Ein Opfer des Sensationsjournalismus?
Eva Herman inszeniert sich in ihrem Buch als unschuldiges Opfer eines Komplotts, dass dazu dienen sollte sie mundtot zu machen:

Um zu verhindern, dass meine Thesen in der breiten Öffentlichkeit bekannt wurden, wollte man mich anscheinend zuvor lieber mit der Nazikeule erschlagen.

So wurde sie nach eigenem Empfinden, mit einer „durch den Linksfeminismus erprobten Vernichtungsstrategie“ (Seite 38) „bösartig hingerichtet“ (Seite 114).
Zur Erinnerung: Herman befand sich vor allem durch ein Zitat auf der Presse-Konferenz zu einer Buchveröffentlichung und durch Äußerungen während eines Talkshow-Auftritts bei Johannes B. Kerner in der Kritik. Im ersten Fall wurde ihr ein Zitat als NS-Verherrlichung oder doch mindestens NS-Verharmlosung ausgelegt und ihr wurde daraufhin ihre Stelle beim NDR gekündigt. Tatsächlich könnte es so gewesen sein, dass sie im ersten Fall falsch verstanden wurde und in diesem Fall daher auch einer falschen Kritik ausgesetzt war. Nach der Lektüre der Transkription von Hermans Rede entsteht jedenfalls der Eindruck, dass Herman offenbar aus falschen Annahmen heraus als Moderatorin gestürzt wurde. Dabei existierten für dieses Absägen trotzdem allerhand gute Gründe. Der Sensationsjournalismus hatte aus den falschen Gründen die Richtige erwischt. Im offiziellen Antinazi-Deutschland, dass mit Schröders „Aufstand der Anständigen“ ausgerufen wurde, ist offenbar nur der reinrassige Nazi es wert ihn zu bekämpfen, der Sozialdarwinist Sarrazin schon weniger und die mörderische Flüchtlingspolitik Deutschlands fast gar nicht.
Nazi-Mutterkreuz
Ist Eva Herman also eine „Eva Braun“? Nein, nach allem was man über sie weiß nicht. Aber sie ist eine reaktionäre Antifeministin, die sich die verstaubte und knochenkonservative Adenauer-Zeit zurückwünscht und eine strikte Rollentrennung von Mann und Frau herbeisehnt. Derartige „back to the past“-Ausflüge würden sich massiv negativ für Frauen und Mädchen auswirken. Dafür sollte Herman vor allem kritisiert werden. Dafür das sie Gender-Mainstreaming als „menschheitsvernichtenden Wahnsinn“ (Seite 78) bezeichnet und behauptet:

Gender Mainstreaming ist das größte und gefährlichste Umerziehungsprogramm der Menschheit.

(Seite 46)
Auch ihre antilinke Einstellung, sie sich z.B. gegen die 68er richtet, verdient Kritik. Auch wenn diese sich stellenweise einfach nur lächerlich ausnimmt. So führt Herman das Ende des realsozialistischen Staatskapitalismus auf die (angebliche) Gleichstellung der Frau zurück:

Die Gleichstellung der Frau, die zum Grundgerüst von Sozialismus und Kommunismus gehört, hat in den zurückliegenden Jahrzehnten zahlreiche Gesellschaften an den Rand des Zusammenbruchs geführt.

(Seite 54)

Kreuzzug gegen die Kinderkrippe
Herman führt einen Kreuzzug gegen Kinderkrippen. Sie behauptet unter Bezugnahme auf eine angeblich ernst zu nehmende „Bindungsforschung“, es ständen „Gewaltbereitschaft, Kriminalität und Drogenkonsum in unmittelbaren Zusammenhang […] mit fehlender Mutterbindung“ (Seite 20-21), die durch das Kinderkrippen-System verursacht würden. Dadurch verursachen Krippen nach Herman u.a. „Depressionen, Kriminalität oder politisch radikalen Einstellungen“ (Seite 87) und die „komasaufende Jugendgeneration“ (Seite 204). Deswegen sei es die Pflicht der Mütter ihre Kinder zu Hause zu betreuen. Nur an einer Stelle nennt Herman die Person, die im deutschsprachigen Raum dieses „Mutterglück“ daheim so stark propagiert, nämlich Christa Meves:

Die betagte und erfahrene Kinderpsychotherapeutin Christa Meves, die mir als leuchtendes Vorbild in Sachen Durchhaltekraft dient […].

(Seite 160)

Flucht ins Religiöse
Bei Herman fällt der Leserin oder dem Leser immer wieder die Flucht ins Religiöse auf. Obwohl angeblich alles mit Fakten unterfüttert ist, so ist die religiöse Überzeugung Hermans letztlich ihr Motiv:

Unser Schöpfer hat sich schon etwas dabei gedacht, als er der Mutter durch Hormonausschüttungen bedingte zärtliche Versorgungsmechanismen sowie die wunderbare Einrichtung der Muttermilch verlieh, um den kleinen Kindern ein stabiles Urvertrauen sowie körperliche und seelische Gesundheit mit auf den Lebensweg geben zu können.

(Seite 56)
Nicht nur Gott, auch der Teufel treibt sich nach Herman in der Welt herum:

Wieder sehe ich müde, erschöpfte, hetzende arme Seelen, manche scheinen vom Teufel getrieben zu sein. Ja, viele von ihn hat er sicher und fest im Griff. Hohnlachend sitzt er ihnen auf den Schultern und treibt sie durch diese Welt, ihre Seelen verführend, Geld und Ansehen hinterherjagend.

(Seite 83)
Eine Stelle liest sich so, als wäre sie direkt aus einem Scientology-Programm entnommen:

Seht das Licht! Die Sonne, den Himmel, die Sterne. Jeder Baum ist klüger als ihr, der Fluss führt Weisheit mit sich, und der Wind kennt die Melodie der Liebe und der Ewigkeit. Das ist die Sprache der Schöpfung.

(Seite 85)
Wer sowas verquastet Irrationales schreibt, die oder den kann man schlecht ernst nehmen. Herman ist einfach nur meschugge und mit dem Kopp-Verlag hat sie einen Verlag gefunden, der perfekt zu ihr passt. Das muss wohl eine Liebesheirat gewesen sein.

Eva Herman: Die Wahrheit und ihr Preis, Rottenburg 2010.