Grässliche Unterstützer und Kritiker

Zu dem Gedicht von Günter Grass wurde eigentlich schon genug Kritisches geschrieben. Offenbar gilt noch immer die alte Weisheit: Der Weg in die Hölle ist gepflastert mit guten Vorsätzen.

Die Reaktion von Israels Reaktion ist aber auch arg kindisch, das Einreiseverbot für Grass ist eine Aufwertung dieses Verfassers hölzerner Verse. Denn im Grunde ist „Was gesagt werden muß“ nicht nur Israelhass, sondern auch ein Stück schlechtes Gedicht und Aufmerksamkeitsgebell, was am besten ignoriert werden hätte sollen. Naja, zu spät.

Interessant ist wer sich für Grass und seine „Israelkritik“ stark macht und wer gegen Grass‘ antizionistische Besserwisserei Widerspruch einlegt. Auch unter den Kritiker_innen von Grass sind nicht nur Sympathieträger_innen. Hier eine Auswahl:

Für ihn:
National-Zeitung pro Grass
Jamals Karsli (grüner bzw. liberaler MdL a.D., Möllemann-supporter), Mahmud Ahmadinedschad (nicht einwandfrei demokratisch legitimierter iranischer „Staatspräsident“ und Holocaustleugner), Wolfgang Gehrcke (außenpolitischer Sprecher der Linkspartei, verglich Ende April 2008 die Lage der Palästinenser mit dem Warschauer Ghetto), Johano Strasser (Präsident des deutschen PEN-Zentrums), Klaus Staeck (Präsident der Akademie der Künste in Berlin), „Verband Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ (Vereinigung von Ex-Israelis, Palmenzweig für diverse Antizionisten), Jürgen Gansel (sächsischer NPD-Abgeordneter): „Günter Grass kommt im hohen Alter das Verdienst eines befreienden Tabubruches zu“, NPD-Landesverband Sachsen: „Günter Grass schlägt mächtige Schneise zur Kritik am jüdischen Aggressionsstaat“, Norbert Nieszery (Schweriner SPD-Fraktionschef), Jakob Augstein (ehemaliger Spiegel-Herausgeber, aktueller Herausgeber des “Freitag”), Adolf Muschg (Schweizer Schriftsteller), ??? (Irans Vize-Kulturminister): „Ich habe Ihr warnendes Gedicht gelesen, das auf so großartige Weise Ihre Menschlichkeit und Ihr Verantwortungsbewusstsein zum Ausdruck bringt“, Peter Strutynski (Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag), Werner Pirker (Autor und Leitartikler in der „jungen Welt“, agitierte bereits gegen die „Holocaust-Religion“): „wird die Benennung dieser kriegerischen Absicht durch den deutschen Literaturnobelpreisträger von der prozionistischen Meinungsmaschinerie als »antisemitische Verleumdung« denunziert“, Jürgen Elsässer (Nationalbolschewist), Ken Jebsen (Ex-Radiomoderator, schreibt von der „PR-Lüge des Holocaust“), die Piusbruderschaft, Veranstalter der bundesweiten Ostermärsche, Netzwerk Friedenskooperative in Bonn, Sigmar Gabriel (SPD-Chef): „Ich verstehe nicht, was daran so verwerflich sein soll, dass man Grass nicht nur die Einreise nach Israel verwehrt, sondern ihn auch in der politischen Kultur Deutschlands zur Persona non grata erklärt.“, das trotzkistische Duo International Students for Social Equality“ und „Partei für Soziale Gleichheit“ (PSG): „Stoppt die Kriegstreiber! Verteidigt Günter Grass!“, Rigolf Hennig (Holocaustleugner, NPD-Aktivist): „Grass hat dem zionistischen Flaggschiff Israel ein Leck verpaßt.“, „Bürgerbewegung Pro Sachsen e.V.“: „Günther Grass ruft das Volk zum Durchbrechen der politisch korrekten Schweigemauer auf.“,

Noch unentschieden:
Avi Primor (ehemaliger Botschafter Israels in Deutschland), Wolf Biermann (Liedermacher, ausgebürgerter DDR-Oppositioneller),

Gegen ihn:
Beate Klarsfeld (unabhängige Präsidentschaftskandidatin der Linkspartei), Henryk M. Broder (altgewordener Polemiker): „Prototypen des gepflegten Antisemiten“, Simon-Wiesenthal-Center, Tom Segev (israelischer Historiker, verfasste u.a. eine kritische Wiesenthal-Biografie), Eli Amir (israelischer Schriftsteller), Volker Bouffier (CDU, Hessens Ministerpräsident), Patrick Döring (Generalsekretär der Splitterpartei FDP), Ralf Mützenich (außenpolitischer Sprecher der SPD), Kerstin Müller (außenpolitische Sprecherin der Grünen), Volker Beck (grüner Bundestagsabgeordneter), Herta Müller (Nobelpreisträgerin), Benjamin Netanjahu (israelischer Premierminister), Dieter Graumann (Präsident des „Zentralrats der Juden in Deutschland“): „Günter Grass hat zwar die Waffen-SS verlassen. Aber offenbar hat die Judenfeindschaft der Waffen-SS Günter Grass doch niemals verlassen.“, Rafael Seligman (Herausgeber der Zeitung „Jewish Voice from Germany“), Michael Wolffsohn (deutsch-jüdischer Historiker, warf Galinski einst vor, mit der „Auschwitz-Keule“ zu arbeiten), Elie Wiesel (amerikanischer Schriftsteller und Holocaust-Überlebender), Mathias Döpfner (Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG), Frank Schirrmacher (FAZ-Herausgeber, entdeckte kürzlich linke „Kapitalismuskritik“ für sich), Michael Naumann (früherer Kulturstaatsminister, Chefredakteur des Magazins „Cicero“), Ralph Giordano (rühmlicher Veteran in der Antisemitismus-Bekämpfung, unrühmlicher Neuling beim Verbreiten antimuslimischer Ressentiments), Jigal Palmor (Sprecher des Außenministerium in Jerusalem), „Anti-Defamation League“, Junge Union Schleswig-Holstein: „Fehltritt an der Grenze zum Antisemitismus“, Andrea Nahles (SPD-Generalsekretärin): „irritierend und unangemessen“, Hermann Gröhe (CDU-Generalsekretär): „über die Tonlage, über die Ausrichtung dieses Gedichtes entsetzt“, Rupert Polanz (CDU): „Das Land, das uns Sorgen bereitet, ist der Iran. Davon lenkt sein Gedicht ab“, Rolf Hochhuth (Schriftsteller, verfasste für die „Junge Freiheit“ 1998 einen Nachruf auf Ernst Jünger): „Auch ich schäme mich als Deutscher Deiner anmaßenden Albernheit“, Marcel Reich-Ranicki (inoffizieller Papst der Literaturkritik), Guido Westerwelle (neoliberaler Bundesaußenminister): „Israel und Iran auf eine gleiche moralische Stufe zu stellen, ist nicht geistreich, sondern absurd“, Moshe Zimmermann (israelischer Historiker): „Es ist ein Gedicht das eigentlich »Israel ist unser Unglück« heißen müsste“, Hans-Jochen Jaschke (katholischer Hamburger Weihbischof),