Ulrichsbier-Werbung „Wir sind gut drauf“ 1938

Die „Berg Brauerei Ulrich Zimmermann“ hat eine nostalgische Werbe-Kampagne mit alten Fotos initiiert. Auf einer der zugehörigen Postkarten ist eine biertrinkende Männerrunde zu sehen. Darunter steht groß „WIR SIND GUT DRAUF“ und klein „1938, links Braumeister Frey, rechts Landwirtschaftsverwalter Botzenhart und Schweizer Butz“.
Bergbier-NS-Nostalgie
Irgendwie dachte man, das Ganze hätte sich bereits erledigt. Dieser Versuch die Zeit des Nationalsozialismus zu entpolitisieren und aus ihm irgendwelche „positiven“ Stücke herauszuschneiden. Stichwort „Aber die Autobahnen …“.
Diese Entpolitisierung ist nur scheinbar unpolitisch. Die Nazi-Ideologie der „Volksgemeinschaft“ hatte zur Folge, dass jeder Lebensbereich erfasst wurde.
Diese bescheuerte „war ja auch nicht alles schlecht damals“-Haltung ignoriert die Gleichzeitigkeit und den Zusammenhang von Verbrechen und „Normalität“ im Nationalsozialismus. Es gab eben keine unpolitische Kultur („Arisierung“ der Kultur), kein unpolitisches Freizeitvergnügen („Kraft durch Freude“) und auch kein unpolitisches Biertrinken. Gerade im Nationalsozialismus war auch das Private sehr politisch. Wer genauer hinschaut erkennt das sogar auf der Werbe-Postkarte. Der zweite Mann rechts auf dem Bild trägt erkennbar ein Hitlerbärtchen. Nur besonders überzeugte Nationalsozialisten und Hitler-Fans ließen sich so eine Barttracht stehen.
Hier noch ein Vorschlag für die nächste Werbe-Kampagne: „Bier und die gute alte Zeit – zweierlei Reinheitsgebot!“