BuchKRITIK „Die Grünen – Rote Wölfe in grünem Schafspelz“ von Peter Helmes

Über die Aufrechterhaltung mancher Feindbilder kann man sich nur wundern. Dazu gehört auch das rechte Feindbild Grüne Partei. Warum sind ausgerechnet die Parteigrünen in der (extremen) Rechten noch immer so ein wichtiges Feindbild? Ein paar Hinweise zur Funktion dieses Feindbildes liefert die Broschüre „Die Grünen – Rote Wölfe in grünem Schafspelz“ von 2011 aus der Feder von Peter Helmes. Der Autor Peter Helmes, Jahrgang 1943 gehört zu den Resten des Stahlhelmflügels der CDU. Er ist seit 1959 CDU-Mitglied. Er war Bundesgeschäftsführer der „Jungen Union“, Generalsekretär der „Internationalen Jungen Christdemokraten und Konservativen“ und Hauptgeschäftsführer der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung. Bei der Bundestagswahl 1980 war er Mitglied im Wahlkampfstab von Franz-Josef Strauß als Bundesgeschäftsführer der „Bürgeraktion Demokraten für Strauß“, aus der die rechtskonservative „Konservative Aktion“ hervorging. Heute ist er Verfasser von Publikationen für den extrem rechten Verein „Die Deutschen Konservativen e.V.“ mit Sitz in Hamburg und Mitglied der Redaktion des Vereinsorgans „Deutschland-Magazin/Deutsche Konservative Zeitung“. Für den unionsnahen Verein verfasste Helmes diese Aufklärungsbroschüre über die Parteigrünen, die mindestens in der siebten Auflage erschienen ist.
Rote Wölfe in grünem Schafspelz
Bei der Lektüre wird schnell klar, dass für den Verfasser der Kalte Krieg noch nicht vorbei ist. Er wird vielmehr mit anderen Mitteln fortgeführt. Für Helmes sind die Parteigrünen immer noch „grünlackierte Kommunisten“ und „allesunterwandernden 68er Politrevoluzzer“, die Deutschland „auf dem Weg zum Öko-Faschismus“ (Seite 81) führen. Der „Marsch durch die Institutionen“ (Dutschke) hat nach Helmes stattgefunden und war erfolgreich. Dieser kryptokommunistischen Verschwörung ist Helmes auf der Spur. Er versucht seine Verschwörungsfantasie zu beweisen, indem er die K-Gruppen-Vergangenheit und Zitate von parteigrünen Funktionär_innen auflistet. Dabei wird er öfters mal beleidigend vulgär, etwa wenn er Claudia Roth als „deutsche Heulsuse“ oder „Deutschlands Betroffenheitsautomat“ bezeichnet.
Der Ton der Broschüre ist immer wieder empört und beinhaltet u.a. die übliche konservative Klage-Litanei über Abtreibung, Multikulti, aufsässige Jugend, Säkularisierung, Werte- und Sittenverfall etc.
Die Parteigrünen bzw. die 68er wollen laut Helmes letztlich nichts Geringeres als die Zerstörung Deutschlands bzw. des christlichen Abendlandes und die Weltherrschaft. Dabei offenbart Helmes auch ein streng christliches Weltbild, dass er durch die Parteigrünen bedroht sieht: „Öko-Religion statt Christentum“ (Seite 60). Es wird regelrecht endzeitlich: „Es geht um den Kampf Lucifers gegen Gott um die Weltherrschaft.“ (Seite 56)

Der Kalte Krieger Helmes lastet letztlich alle Veränderungen bzw. den gesamten Wandel der (Post-)Moderne den Parteigrünen an. Diese hätten sich seit ihrer Gründung auch nicht verändert, sondern seien erfolgreich durchmarschiert. In Wahrheit freilich sind eher die Institutionen durch die 68er marschiert als anders herum. Wie so oft bei Verschwörungsfantasien ist es die Suche nach Akteur_innen, wo es so überhaupt keine gibt. Nicht erklären kann Helmes, warum die Parteigrünen sich an zwei Kriegen beteiligten oder Otto Schily als Law&Order-Innenminister jeden Unions-Hardliner locker in die Tasche stecken konnte.
In der Broschüre stecken auch Detailfehler, beispielsweise wenn Helmes von „Homos und Lesben“ – als ob Lesben keine „Homos“ wären – schreibt oder den Unsinns-Begriff „ideologisch irreal“ verwendet.