Dynamo Dresden: Der Fisch stinkt auch vom Kopfe her

Am 3. Oktober 2012 fand im so genannten „glücksgas-Stadion“ (ehemals Rudolf-Harbig-Stadion) in Dresden eine Vorführung des Films „Schwarz auf Weiß – Eine Reise durch Deutschland“, eine Reportage von Günter Wallraff aus dem Jahr 2009, statt. Im Anschluss gab es eine Diskussion mit Günter Wallraff, Christian Müller (Geschäftsführer SG Dynamo Dresden) und Grit Hanneforth (Geschäftsführerin Kulturbüro Sachsen), unter Moderation von Christoph Ruf (Sportjournalist).

Aus Zeitgründen wurde der Film allerdings auf 50 Minuten zusammengeschnitten. Wallraff zeigte sich schon in den einleitenden Worten zur Präsentation seines Films als sympathische Person, die Nazis einfach mal als „Faschos“ bezeichnet. Im Film gibt sich Wallraff als schwarzer Mann aus Somalia aus. Dabei stößt er auf viel rassistisch motivierte Ablehnung. In einer Szene schließt sich der schwarze Wallraff einer Senioren-Wandergruppe an. Diese Vertreter der HJ- und BdM-Generation versuchten ihn während der ganzen Wanderung loszuwerden.
Das Perfide am Rassismus heutzutage ist, dass er für die Nicht-Opfer häufig unsichtbar und nur schwer nachweisbar ist. Da ist es schon fast erfrischend ehrlich, wenn die rassistische Vermieterin offen erklärt „Das passt nicht im Haus“ und „Ganz schwarz, ganz schlimm“. So drucksen viele der deutschen Rassist_innen im Film nur herum und versuchen den schwarzen Wallraff irgendwie draußen zu halten. Da funktioniert die Entlarvung des Rassismus am besten über den Vergleich, so auch im Film. Schwarze Menschen, werden anders behandelt als weiße.
Eine Szene in Film zeigt wie der schwarze Wallraff mit einer schwarzen Statisten-Familie versucht auf einem Campingplatz einen Standplatz zu mieten. Mit einer verdeckten Kamera wird gefilmt, wie der Betreiber meint, dass seine Kundschaft gesagt habe „Wenn Zigeuner hier rein gelassen werden, dann packen wir.“
Eine andere Szene zeigt wie der schwarze Wallraff versucht ein Schrebergarten in Berlin-Marzahn zu bekommen. Dort wird die Volksgemeinschaft aber noch nach streng rassistischen Kriterien definiert. Die zuständige Frau meint, als sie sich mit anderen Rassist_innen unter sich glaubt: „Den wimmeln wir von vornherein schon mal ab“. Im Verein für Polizei- und Schutzhunde ist es nicht anders. Dort gibt es plötzlich einen „Aufnahmestopp“ und einen fiktiv hohen Mitgliedsbeitrag, der für die weiße Bewerberin, die gleich nach Wallraff vorbeikommt, aber nicht gilt.
Kaum eine_r, der im Film gezeigten, Rassist_innen dürfte sich übrigens selber als Rassist_in begreifen. Vermutlich könnte man diese Personen an einen Lügendedektor anschließen und sie/er würde auf die Frage „Sind sie Rassist_in?“ nicht ausschlagen, wenn die Person mit „Nein“ antwortet.
Durch den Film wird klar, die „Deutschen“ mögen „ihre Ausländer“ nur als Kellner im Spezialitätenrestaurant, Hiphoper im TV, als Fußballer (solange sie auch gewinnen), die drei Weisen aus dem Morgenland oder wenigstens weit weg von sich wohnend.
Als gleichberechtigte Mitbürger in den eigenen Sphären sind als „Ausländer“ markierte Personen aber nur im Ausnahmefall zugelassen. Deswegen sind viele Kleingartensparten, Stadien, Kaninchenzüchtervereine, Volksfeste, Jagdvereine, Golfclubs, Discos, Feuerwehr-Feiern oder Waldorfschulen de facto National befreite Zonen.
Eine Szene in dem Film spielte sich in einem Fanzug von Dynamo Dresden ab. Nach einem Spiel von Energie Cottbus II gegen Dynamo Dresden. Der schwarze Wallraff wird zuerst auf der Straße von Dynamo-Fans angepöbelt und im Fanzug wird sein Durchqueren des alkoholisierten Dynamo-Mobs dann zum Spießrutenlauf. Letztlich rettet ihn nur eine resolut auftretende Polizistin.

Aus rassistischer Diskriminierung wird Diskriminierung von Dynamo-Fans
Besonders die Szene im Dynamo-Fanzug sorgte am 3. Oktober im Dynamo-Stadion-Gebäude für Diskussionen. Christian Müller, Geschäftsführer von SG Dynamo Dresden, versuchte mehrere Szenen im Film zu relativieren und wollte im Verhalten der Rassist_innen keinen Rassismus erkennen. Im Verein mit einem Teil des Publikums warf er Wallraff vor keine Fortschritte wahrzunehmen, er soll „nicht nur anprangern“. Sowohl er, als auch einige der anwesenden Fans meinten die Fanzüge seien nicht alle so und überhaupt hätte auch ein Anzugsträger Probleme bekommen, wenn er durch den Fanzug geirrt wäre. Der schwarze Wallraff wurde eben „als Fremdartiger wahrgenommen“, so Müller. So kann man Rassismus auch verharmlosen. Müller ließ sich noch dazu herab, anzuerkennen, dass bei bestimmten Fans ein „gewisses Aggressionspotenzial besteht“.
Stellenweise wurde in der Diskussion eher die Diskriminierung von Dynamo-Fans beklagt. Es sei ungerechtfertigt, dass Dynamo-Fans als rechts verrufen seien. Aber dieser Ruf kommt eben nicht von ungefähr. Überhaupt ist nicht der Ruf das Problem, sondern der Rassismus. Daran erinnerten auch mehrere Personen im Publikum. Eine Person wies darauf hin, dass „unsere Ordner Thor Steinar tragen “. Eine Mutter von zwei schwarzen Kindern sagte auch, dass sie einmal einen Dynamo-Fanzug mit ihren Kindern betreten hätte und um deren Leben gefürchtet hätte. Müller schien das irgendwie peinlich zu sein, trotzdem scheint er das Problem nicht wirklich erfasst zu haben. Da helfen Pressemitteilungen und Transparente wie „Rassismus ist kein Fangesang“ dann auch nicht wirklich, wenn der Fisch auch vom Kopfe her stinkt.