Kurze Buchkritik „Terror von Rechts“ von Patrick Gensing

Das Buch „Terror von Rechts. Die Nazi-Morde und das Versagen der Politik“ von Patrick Gensing (Berlin 2012) wurde in Reaktion auf die Aufdeckung der NSU-Mordserie verfasst.
Es geht zwar auch um den NSU, aber es geht vor allem darum, in welcher Situation dieser über zehn Jahre aus dem Untergrund heraus unerkannt zehn Menschen ermorden konnten.
Beispielsweise geht es auch um den Rassismus der Mehrheitsgesellschaft:

Denn fast nirgendwo sitzen veraltete und völkische Ansichten über das Blutsrecht noch so tief in den Köpfen der Menschen wie in Deutschland: Deutscher wird man demnach nicht, Deutscher ist man.

(Seite 18)
Die Mordtaten des NSU waren nach Gensing nur die logische Konsequenz aus der extrem rechten Ideologie der Täter*innen:

Die Vernichtung der Gegner, durch Gewalt und Terror, ist der Kern der rechtsextremen Ideologie, in der die Idee der Ungleichwertigkeit von Menschen vorherrscht.

(Seite 21)
Dabei sieht Gensing vor allem direkte Verbindungen von NSU und NPD:
„NPD und NSU sind zwei Knotenpunkte in einem braunen Netz, wie die gemeinsame Ideologie, die fehlende Ächtung von Gewalt und die personellen Überschneidungen zeigen. Die partei akquiriert Geld für die Bewegung, zieht die Aufmerksamkeit auf sich – mit erfolg, wie das Versagen der Sicherheitbehörden beim braunen Terror gezeigt hat.“ (Seite 123)
Interessant ist auch, dass Gensing die extreme Rechte als soziale Bewegung definiert, um sie so besser verstehen und analysieren zu können.

* Patrick Gensing: Terror von Rechts. Die Nazi-Morde und das Versagen der Politik, Berlin 2012