Archiv für Mai 2013

Auf halbem Weg stecken geblieben? Der Ausstieg des Stefan Rochow.

Von Stefan Rochow war in den letzten Jahren wenig zu hören. Immerhin war Stefan Rochow, Jahrgang 1976, lange Jahre einer der wichtigsten NPD-Funktionäre und kann auf eine eindrucksvolle Ämter-Laufbahn in der Neonazi-Partei zurückblicken. Im Jahr 1998 trat er der NPD bei und war dort Pressesprecher der NPD-Fraktion Mecklenburg-Vorpommerns, NPD-Fraktionsmitarbeiter in Sachsen (2004), hessischer JN-Landesvorsitzender der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“, JN-Bundesvorsitzender (2002-2007) und soll maßgeblich an der sogenannten „Aktion Schulhof“ beteiligt gewesen sein.
Außerhalb der NPD war er stellvertretender Bundesvorsitzender der „Jungen Landsmannschaft Ostpreußen“ (1997-2001), die im Jahr 2000 von der Mutterorganisation „Landsmannschaft Ostpreußen“ abgestoßen wurde. Außerdem soll er Mitglied des sudetendeutschen Witikobundes, einer„Organisation mit rassistischer Zielsetzung“ gewesen sein.
Zudem war er bis zu seinem Ausschluss 2007 Mitglied in der Burschenschaft Rugia in Greifswald und bis 2005 in der Burschenschaft Dresdensia-Rugia in Gießen. Auf Rochow läuft auch immer noch die Internetpräsenz der pennalen Burschenschaft Theodor Fontane in Berlin.

Im Jahr 2007 hat Rochow nach eigenen Angaben die NPD verlassen und im Jahr 2009 ist er zum Katholizismus konvertiert. Der in Schwerin lebende Rochow arbeitet als beratender Betriebswirt und freier Journalist.

Ende März diesen Jahres veröffentlichte er sein „Aussteiger“-Buch mit dem Titel „Gesucht. Geirrt. Gefunden. Ein NPD-Funktionär findet zu Christus“. Erschien ist das Buch im christlichen Hess-Verlag mit Sitz in Bad Schussenried. Im Verlagsprogramm findet sich ansonsten allerhand reaktionäre und rechtsklerikale Lektüre. Etwa die Werke von Christa Meves, der Interview-Band „Deutschland ist erneuerbar“ mit Franz Alt oder das Buch „Frauenfeindlich. Wie Frauen zur Ungeborenentötung gedrängt werden“ (2012) der Abrteibungsgegnerin Martina Kempf aus Breisach. Auch „Naturkonservativ“, die Schrift der rechtsökologischen „Herbert-Gruhl-Gesellschaft“, findet sich im Sortiment. Beworben wird das Ganze mit Anzeigen dann z.B. in der neurechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (JF).
In der Ausgabe Nr. 20-2013 ist dann auch Rochow Interviewpartner der JF und darf hier über seinen Ausstieg aus der NPD berichten, der aber offenbar (noch) kein vollständiger Ausstieg aus rechten Weltbildern war.
Rochow-Interview in JF
Rochow folgt getreulich den suggestiven Interviewfragen vom JF-Leitinterviewer Moritz Schwarz. Ähnlich wie Erika Steinbach, die die NSDAP für links hält, so hält Rochow die NPD für links:
„Also ist die NPD eine linke Partei, wie Horst Mahler sagt?
Rochow: Auf jeden Fall!“

Auch der Nationalismus scheint bei Rochow noch in Resten durchaus vorhanden zu sein:

„Ihrem NPD-Nationalismus damals stellen Sie heute „die europäische Idee“ entgegen – als gäbe es nichts dazwischen.
Rochow: Ich bekenne mich durchaus zu einem gesunden Patriotismus und fände es absurd, Deutschland zu hassen oder mich von meinem Volkstum zu lösen.“

Dann sprich Rochow auch noch von „Hetzjagden“ auf arme NPD-Mitglieder:

„Ganz am Schluß, quasi in eigener Sache, als Sie klagen, keine Arbeit zu bekommen.
Rochow: Daß dies nur am Ende vorkommt, liegt daran, daß es nicht Thema des Buches ist. Ich glaube aber, ich mache sehr deutlich, daß ich Ausgrenzung nicht nur in eigener Sache für falsch und
aus demokratischer Sicht für unwürdig halte. Wenn ich etwa auch an die Hetzjagden auf NPD-Demonstranten denke, an die haßverzerrten Gesichter mancher Gegendemonstranten und daran, wie Vertreter demokratischer Parteien und gesellschaftliche Repräsentanten wegsahen, wenn echte oder vermeintliche NPDler verprügelt wurden, dann ist das ein Bild der Demokratie, mit dem ich mich auch heute nicht identifizieren kann.“

Mit solchen Links-Rechts-Gleichsetzungen, dem „gesunden Patriotismus“ und seiner neuen christlichen Weltbild, was ihn zu einem rechtsklerikalen Verlag führte, dürfte Rochow tatsächlich in der Mitte der Gesellschaft wieder angekommen sein.

Antje Vollmer – die „Sudetengrüne“ bei den Nachwuchs-Ostpreußen

Vollmer bei BJO a
Bei der Jugendorganisation der „Landsmannschaft Ostpreußen“, dem „Bund Junger Ostpreußen“, referierte auf seiner Frühjahrstagung am 20. April 2013 in Münster Dr. Antje Vollmer (B90/Grünen), die ehemalige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages.
Der BJO ist die Jugendorganisation der „Landsmannschaft Ostpreußen“. Die BJO musste gegründet werden nachdem ihre Vorgänger-Organisation, die „Junge Landsmannschaft Ostpreußen“, zu sehr auf die neonazistische Bahn geriet und sich die Landsmannschaft von ihr distanzierte. Auch der BJO ist nicht ohne Rechtsdrall, wie man auch an seinen Referenten ablesen kann. So referierten der Chefredakteur der neurechten „Blauen Narzisse“ Felix Menzel am 30. April 2012, der Republikaner-Funktionär Michael Paulwitz am 30. Oktober 2010 und 1. November 2008, der neurechte Verleger Götz Kubitschek im Jahr 2008 oder der Kriegsschuldleugner Gerd Schultze Rhonhof am 21. Oktober 2006.
Die evangelische Pfarrerin las aus ihrem Buch „Doppelleben – Heinrich und Gottliebe von Lehndorff im Widerstand gegen Hitler und von Ribbentrop“. Der Widerstandskämpfer Heinrich Graf Lehndorff wurde am 4. September 1944 durch den Nazi-“Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt und in Berlin-Plötzensee gehenkt.
Zwar war das Thema ihres Auftritts kein genuin rechtes, allerdings stellt sich die Frage, warum Vollmer unbedingt bei den Nachwuchvertriebenen auftreten musste. Ein Blick auf ihre früheren Aktivitäten zeigt, dass solche „Ausrutscher“ schon früher vorkamen.
Vollmer bei BJO b
Vollmer war bereits Rednerin auf dem „Sudetendeutschen Tag“ 1995 – wo sie ausgebuht wurde – und Referentin bei einer Veranstaltung des „Bund der Vertriebenen“ im Herbst 1995. Sie setzte sich auch 2004 für eine deutsche Radioquote ein und stellte sich für eine Plakataktion des deutschtümelnden „Verein Deutsche Sprache“ (VDS) in Berlin zur Verfügung (Titel: „Die eigene Sprache ist der Kern aller Welterkenntnis“).
Im Jahr 2004 soll sie sich in einem Beitrag für den „Tagesspiegel“ gegen ein Adoptionsrecht für Homo-Paare ausgesprochen haben.