RAF-Ausstellung im Haus der Geschichte in Stuttgart

RAF-Ausstellung Stuttgart
Derzeit gibt es die die Ausstellung „RAF – Terror im Südwesten“ im Stuttgarter Haus der Geschichte anzuschauen. Die Ausstellung ist durchaus ansprechend gestaltet und stellenweise informativ, allerdings in Bezug auf den Staat stark apologetisch (entschuldigend) und verharmlosend.
Völlig unter den Tisch fallen die Motive der RAF-Mitglieder und der Kontext ihrer Entstehung: Die hetzerische Darstellung in großen Teilen der Medien gegen Linke, der einengende Nachkriegs-Konservatismus, Nazi-Kontinuitäten, die Polizeigewalt gegen die 68er-Bewegung (Stichwort „Benno Ohnesorg“) und die Eskalation des Vietnamkrieges (u.a. Einsatz von Napalm und „Agent Orange“ gegen die Zivilbevölkerung). Nie wurde versucht zu erklären, wie und warum denn Kinder aus gutbürgerlichen Hause dazu kamen in den Untergrund zu gehen und den bewaffneten – und auch damals in Realität vollkommen aussichtslosen – Kampf aufzunehmen.
Während ein Teil der Linken die RAF unkritisch und schwärmerisch mystifiziert, gerät die Gruppe im deutschen Bürgertum zum entpolitisierten Schreckgespenst. Dabei gibt es bei der RAF auch aus links-libertärer und emanzipatorischer Perspektive einiges zu kritisieren. Die RAF war eine leninistisch-maoistisch ausgerichtete Gruppe, die antiamerikanische (das deutsche Volk war teilw. für die RAF das zu befreiende revolutionäre Subjekt und wurde analog zum vietnamesischen Volk gestellt) und antizionistisch-antisemitische Tendenzen (besonders in den Erklärungen und Aktionen zugunsten irgendwelcher palästinensischen BefreiungsnationalistInnen) aufwies. Ihre Texte und Erklärungen muten aus heutiger Sicht zumindest skurril und weltfremd bis sektenhaft an. Ihr leninistischer Rationalismus war durchaus bereit über die Leichen von Nichtinvolvierten, also Zivilisten, zu gehen. Wenn die Beschäftigten bei Springer durch eine RAF-Bombe verletzt wurden, dann ist es zu einfach die Springer-Leitung, die nicht räumen lassen wollte, allein verantwortlich zu machen. Denn gelegt hatte die Bombe schließlich die RAF.
Bei der Beschäftigung mit der RAF stellt sich die Frage welche Abzweigungen nahmen ihre Mitglieder bis sie vollkommen in der Sackgasse endeten? Diese Frage wird in der Ausstellung so gut wie gar nicht beleuchtet.
Ebenso wird die Polizei-Gewalt und Staatsrepression kaum kritisiert. Man spricht höchstens von „Übertreibungen“. Aber mehrere Unschuldige wurden in der „bleiernen Zeit“ von der Polizei erschossen: Ian Mc Leod (1972), Wolfgang Seliger (1972), Richard Epple (1972) und weitere.
Kein Wunder das den Polizisten der Finger damals so locker am Abzug saß, hieß es doch auf den Fahndungsplakaten: „Anarchistischer Gewalttäter – Vorsicht Schusswaffe“. Auf den Plakaten von damals in der Ausstellung sind auch einige Bilder durchgestrichen. Nicht jedeR der derart Durchgestrichenen war aber im Gefängnis gelandet, einige wurden auch erschossen.
Die Nazi-Vergangenheit von Akteuren auf staatlicher Seite wie Schleyer (vermutlich letzter SS-Kampfkommandant von Prag) oder Filbinger (NS-Marinerichter mit Beteiligung an mehreren Todesurteilen) wurde auch nirgends in der Ausstellung erwähnt. Wenn Filbinger in einer wiedergegebenen Rede davon spricht, man müsse das „Geschwür des Terrorismus“ herausschneiden, dann klingt das stark nach Nazi-Sprech. Immerhin wurde als ein interessantes Detail am Rande erwähnt, dass Schleyers Witwe Waltrud von dem tausendfachen Nazi-Massenmörder Dr. Martin Sandberger ein Kondolenzbrief erhielt. Über die Verwicklungen des Geheimdienstes schwieg sich die Ausstellung ebenfalls komplett aus (Stichwort „Celler Loch“).
Interessant war z.B., dass die ersten Kundgebungen gegen die RAF-Gewalt von linken und alternativen Gruppen organisiert und durchgeführt wurden.
In einem Nebenraum zu der Ausstellung gab es Statements verschiedener Persönlichkeiten zum Thema „Gewalt“. Interessant war hier Karola Bloch, die Kommunistin und Frau von Ernst Bloch, die den „abstrakten Hass auf Gewalt“ kritisierte und offen sagte: „Selbstverständlich bin ich für Gewalt gegen solche Menschen, die dem Fortschritt schaden.“

Fazit: Kann man sich ja mal anschauen, aber es ist nicht gerade eine staatsferne und kritische Ausstellung.