„Achsenmacht Islam“? – wie extreme Rechte mit dem Islamismus flirten und gleichzeitig Muslime anfeinden

Die dritte Ausgabe des rechtsradikalen Theorieblatts „Junges Forum“ Nr. 3/2004 widmet sich dem Thema „Der Islam und die Rechte“. Obwohl bereits fast zehn Jahre alt dürften die hier versammelten Anschauungen zum Thema immer noch einen größeren Teil der extremen Rechten jenseits der antimuslimischen Rassist*innen abbilden.

Bereits im Editorial legt der Heft-Macher Markus Fernbach die Hauptlinie fest. Außenpolitisch gilt ihm der politische Islam als machtvoller Bündnispartner, vor allem gegen die USA. Er fordert:

„[…] wir signalisieren den Muslimen, daß es noch Europäer gibt, die ihre Identität gegen die westliche Dekadenz à la USA wie es auch gegen den Schmelztiegelgedanken der Integrationsfetischisten verteidigen und dabei den authentischen, unverwässerten Islam als Verbündeten sehen und respektieren.“

Wenn Fernbach den „Liberalkapitalismus“ als Hauptfeind ausmacht und das Zustandekommen eines „wurzellose[n] ahasverhafte[n] Individuums“ beklagt, dann ist dieses Feindbild gut auch antisemitisch zu interpretieren.
Die außenpolitische Allianz-Suche, entspricht aber nicht dem Verzicht auf Anfeindungen gegen die die Zuwanderung von Muslimen. So stellt Markus Fernbach klar:

„An dieser Stelle soll mit allem Nachdruck betont werden, daß mit einer positiven Darstellung des Islam keinesfalls eine Forderung nach Zuzug von Fremden nach Europa verbunden ist oder aus ihr folgen muß.“

Auch der derzeitige stellvertretende NPD-Bundesvorsitzende Karl Richter aus München hat in dem Heft“ einen Beitrag unter dem Titel „Nach dem Bankrott der westlichen Werte: Ein Islam mit europäischen Antlitz? verfasst. In diesem warnt er vor einem generellen Feindbild Islam:

„Wer sich unreflektiert vor den antislamischen [sic!] Karren spannen läßt, spielt das Spiel Washingtons und sitzt obendrein einer verlogenen Kreuzzugsrhetorik auf, die niemanden weiterhilft.“

(Seite 30)
Statt den modernisierten kulturellen Rassismus gibt Richter dem alten, biologistischen Rassismus den Vorzug:

„Doch das Problem ist nicht der Islam, sondern das schiere Bevölkerungspotential raumfremder Zuwanderer, das aus quantitativen und qualitativen Gründen nicht mehr zu verdauen ist. Das ist eine politische Herausforderung, mit der Europa in der Tat auf die eine oder andere Weise fertigwerden muß. Mit dem Islam als Wertesystem hat sie nichts zu tun.“

(Seite 31)
Außerdem hofft er auf eine, durch den Islam angestoßene Rechristianisierung Europas:

„Vorstellbar ist immerhin, daß sich die Deutschen im Angesicht der islamischen Herausforderung wieder auf ihre eigenen Wurzeln besinnen, das Christentum als Leitkultur reaktivieren und die multikulturelle Zeitbombe im letzten Augenblick entschärfen […].“

(Seite 33)

Insgesamt ist es interessant wie ein Teil der extremen Rechten in dem Heft aus antiamerikanischen, generell antiwestlichen und antimodernistischen Motiven heraus ein begrenzt positives Islam(ismus)-Bild entwickelt. Dass wird auch mit Verweis auf muslimische Armee-Einheiten in Österreich-Ungarn und die muslimischen Waffen-SS-Divisionen versucht historisch zu unterstreichen. Zusätzlich schreiben noch mit Claudio Mutti aus Italien und Martin Schwarz aus Wien zwei Rechte, die aus politischen Motiven zum Islam konvertiert sind.