Die deutsche Rechte mit Sympathien für Saddam Hussein

Staatsmord in Bagdad
Als beispielhaft für die Sympathien der deutschnationalen Rechten für den irakischen Diktator Saddam Hussein kann das Buch „Staatsmord in Bagdad. Saddam Hussein am Galgen“ gelten, der 2007 im „Bonus-Verlag“ erschien. Der „Bonus-Verlag“ ist Bestandteil des extrem rechten Verlags-Imperium von Dietmar Munier.
Herausgegeben wurde der Sammelband von Manuel Ochsenreiter, der heute Chefredakteur des Nazi-Hochglanz-Magazin „Zuerst!“ ist. Hier, wie auf seinem früheren Chefredakteurs-Posten bei der extrem rechten „Deutschen Militärzeitschrift“ (DMZ), demonstrierte Ochsenreiter immer wieder deutliche Sympathien für antiamerikanisch und antizionistisch orientierte Regime (Assad-Syrien, Iran) und Bewegungen (Hizbollah). Deswegen ist seine Buch-Herausgeberschaft in diesem Fall nur wenig verwunderlich.
Neben dem Beitrag von Ochsenreiter, findet sich auch ein Interview mit dem NRW-Landtagsabegordneten Jamal Karsli in dem Buch, der 2002 mit einer Delegation den Irak besuchte. Karsli betont immerhin an mehreren Stellen des Interviews den verbrecherischen Charakter der Diktatur.
Auch Emil Schlee, deutscher Europa-Parlamentarier der Republikaner, besuchte im Herbst 1990 Saddam Hussein und äußert sich in dem Sammelband darüber.
Ein weiterer Abschnitt stammt aus der Feder des verstorbenen, österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider der vor dem Sturz des Saddam-Regimes mehrmals persönliche Treffen mit Regime-Vertretern hatte. Diese Neben-Außenpolitik, die von einigen Funktionären der europäischen Rechten praktiziert wurde, hatte sowohl ideologische (in diesem Fall vor allem antiamerikanische) wie auch tagespolitische Gründe (Selbstinszenierung als Friedensengel).
Haider berichtet über sein Zusammentreffen mit Saddam Hussein 2003:

„Saddam Hussein kam umgehend zur Analyse der politischen Situation im arabischen Raum. Im wesentlichen deckten sich seine Ausführungen bezüglich der Einschätzung speziell der Rolle Israels im Zusammenspiel mit den USA mit jenen seines Vizepremiers Aziz. […] Allerdings – und das kam bei ihm besonders stark hervor – betonte er immer wieder seine politische Vision von einer Einigung der arabischen Nationen, um deren elementare Interessen gegen die Zionisten, wie Israel in all diesen Gesprächen immer wieder genannt wurde, mit entsprechendem Nachdruck zu verteidigen. Als Vorkämpfer dieser Idee der arabischen Einigung hätte er sich ganz besonders der Sache der Palästinenser und ihres Kampfes um Eigenstaatlichkeit angenommen.“

(Seite 56-58)
Dieser durchaus authentische Bericht zeugt vom antizionisch-antisemitische Wahn Saddam Husseins.

Psychologisch am interessantesten ist sicher der Text „Von Nürnberg nach Bagdad“ von Richard Lobsien. In ihm heißt es:

„Wie bei dem Nürnberger »Hauptkriegsverbrecherprozeß« ging es auch in Bagdad nicht um Rechtsfindung, sondern um eine nur vordergründige rechtliche, aber dafür sichere Verurteilung der Angeklagten im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit.“

(Seite 156)
Der Autor schreibt zwar über den Prozess gegen Saddam Hussein, nimmt aber diesen nur zum Vorwand, um die Nürnberger Prozesse zu delegitimieren. So geht es ihm ganz offensichtlich nur zweitrangig um das Schicksal Saddams, es geht ihm zuallererst um das angeblich erlittene Unrecht in Nürnberg, wo der noch überlebende Nazi-Führung der Prozess gemacht wurde.

* Manuel Ochsenreiter (Hg.): Staatsmord in Bagdad. Saddam Hussein am Galgen, Selent 2007