NPD nutzt Werbefigur der Alliierten im Wahlkampf

We can do it! Original
Im Jahr 1943 kam in den USA eine gezeichnetes Plakatmotiv heraus, auf dem eine Frau in blauen Dress und mit gepunktetem Kopftuch mit hochgekrempelten Ärmeln, dem/der Betrachter/in ihre angespannten Muskeln zeigt und dazu auffordert: „We can do it!“ Damals ging es um die Anstrengung im Bereich der Rüstung („War Productions“). Modell für das Bild stand damals die US-Amerikanerin Geraldine Doyle. Auf dem Plakat fordert also eine Frau*, dazu auf sich mehr anzustrengen im Kampf gegen Nazi-Deutschland und das japanische Kaiserreich. Vermutlich richtete sich das Plakat vor allem an andere Frauen*, die in der Rüstungsindustrie arbeiten sollten. Im Grunde hat das Bild neben seiner emanzipatorischer Tendenz – eine Frau* in einer Männerrolle – auch einen antifaschistischen Kern.
Doch es geschah, was mit vielen Ikonen der Neuzeit passierte. Das Motiv wurde vermarktet und fand Eingang in die Kulturindustrie. Hier entpolitisierte es sich zum Teil und wurde seiner ursprünglichen antifaschistischen Bedeutung beraubt. Allerdings wurde die Bild-Ansprache einer starken Frau häufig beibehalten, so dass dieses Motiv auch immer wieder im Bereich Feminismus und Antisexismus Verwendung fand.
We can do it! NPD-Sachsen
In ihrem derzeitigen Landtagswahlkampf nimmt auch die sächsische NPD das Motiv wieder auf. Es wird auf einem Flyer verwendet, der die Überschrift „Wehrt euch! Gegen sexuelle Gewalt auf unseren Straßen“ trägt. Dieser Flyer greift einen einzelnen Fall sexualisierter Gewalt mit angeblich ‚fremden‘ Täter auf und nimmt diesen Fall zum Anlass sich gegen sexuelle Gewalt und als Law&Order-Kraft „auf unseren Straßen“ zu präsentieren und zu inszenieren. Dass die NPD sexualisierte Gewalt als Thema gerne rassistisch auflädt, macht sie bei diesem Thema nicht glaubwürdig, ebenso wie das Wegschauen bei sexualisierten Übergriffen in den eigenen Reihen.
Interessant ist in diesem Fall aber, dass die NPD aller Wahrscheinlichkeit unwissentlich eine alliiertes Propaganda-Plakatmotiv zur Illustration verwendet. Dass zeigt wie dieses Motiv zu einer popkulturellen Figur geworden ist, die auch die NPD glaubt verwenden zu müssen und zu können.
Der zweite ironische Aspekt bei dem Motiv ist, dass die Frau ein Kopftuch trägt.