Buchkritik „Der Geschmack von Wasser“ von Emmi Itäranta

Die finnische Autorin Emmi Itäranta zeichnet mit ihrem Roman „Der Geschmack von Wasser“ (München, 2014) ein postapokalyptisches Szenario. In einer fernen Zukunft gibt es kaum noch Wasser auf der Erde. Deswegen ist es streng rationiert von einem Staat, der sich nach und nach für die/den Leser/in als Militärdiktatur entpuppt.
Diese Zukunft lebt zum Teil von den Resten der Vergangenheit, die z.B. von einem Plastikschmied repariert werden. Da die Insekten in der Zukunft zur Dauerplage geworden sind tragen alle ständig Insektenhüte, außerdem gibt es in jeder Wohnung Insektenvorhänge und -wände. Da selbst Plastik selten geworden ist, wurde Seegras zu einem wichtigen Baustoff und das Licht kommt aus Leuchtkäfer-Laternen.
Hauptprotagonistin des Romans ist Noria, die als Teemeisterin in die Fußstapfen ihres Vaters tritt. Zwar spielt die Handlung auf dem Gebiet des heutigen Finnlands, aber die „Skandinavische Union“, zu der auch das Heimatdorf von Noria gehört, ist Teil von Neu-Qian, einem asiatischen Imperium, in dem Städte wie Neu-St.Petersburg und Mos Qa liegen. Teemeister sind ein wichtiger Bestandteil des traditionellen Gesellschaftsaufbaus von Neu-Qian. Darüber hinaus sind sie die geheimen Hüter/innen des Wassers. In Norias Fall handelt es sich dabei konkret um eine Süßwasserquelle, deren Stelle sie von ihrem Vater anvertraut bekommt.
Auch entdeckt sie mit ihrer Freundin durch Artefakte der ‚Alten Zeit‘, dass das ‚Jahrhundert der Dämmerung‘, die in die Katastrophe, anders war, als offiziell behauptet wird. Außerdem glaubt Noria, dass in den ‚verlassenen Lande‘, deren Betreten verboten ist, noch weitere Quellen existieren könnten.
Ein lesenswerter, dystopischer Roman, der aufzeigt wie eine Welt ohne Wasser aussehen könnte.

Emmi Itäranta: Der Geschmack von Wasser, München 2014