Gauck instrumentalisiert Auschwitz für den neuen deutschen Nationalismus

Bundespräsident Joachim Gauck sagte in seiner Rede zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz: „Keine deutsche Identität ohne Auschwitz“
Pofallas Schuldstolz
Auch der CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte 2008 in Gedenken an die Reichspogromnacht: „Erinnerung ist Teil eines modernen deutschen Patriotismus“.

Die extrem rechte Strömung der „Neuen Rechten“ bezeichnete diese Position als „Schuldstolz“, was ein gar nicht so falscher Begriff für dieses Phänomen ist. Die Kritik freilich ist unterschiedlich. Linke sollten das Wort „Stolz“ bei „Schuldstolz“ kritisieren, Rechte stört natürlich die „Schuld“.

Anetta Kahane von der Amadeu-Antonio-Stiftung kritisierte erst kürzlich in der „Berliner Zeitung“ den „deutschen Opferstolz“ mit treffenden Worten:

Der deutsche Opferstolz braucht keine jüdische Perspektive. Er ist sich selbst genug.
Bundespräsident Joachim Gauck sagte zum Tag der Befreiung von Auschwitz, dass dieser Ort zur deutschen Identität gehöre. Er verband das mit der Aufforderung an alle Einwanderer, ebenfalls der deutschen Sündengemeinschaft beizutreten. Verkürzt gesagt: Wir sind Auschwitz. Und wenn ihr hier mitmachen wollt, müsst ihr die gleiche Bürde auf euch nehmen wie wir und dürft nicht antisemitisch sein. „Unser“ schönes Deutschland hat nun einmal diesen Makel in seiner Textur und damit müsst auch ihr nun leben. Diese Perspektive steht ganz in der Tradition des verkorksten deutschen Stolzes.