TV-Serien-Neuentdeckung: Shameless

Die US-TV-Serie „Shameless“ (englisch für „schamlos“, „unverschämt“) wird seit 2010 vom Pay-TV-Sender „Showtime“ produziert und beruht auf einer gleichnamigen britischen Serie, die von 2004 bis 2013 produziert wurde.
Sie spielt im so genannten ‚white trash‘-Milieu in Chicago. Es geht um eine siebenköpfige Familie, die vor zwei Jahren von ihrer Mutter verlassen wurde und deren Vater, Frank, ein Alkoholiker ist. Die Kinder versuchen das (Über-)Leben der Familie zu sichern, auch durch Kleinkriminalität. Es ist ein täglicher Kampf, bei dem alle mithelfen müssen. Ist dann das Geld für die nächste Stromrechnung tatsächlich mal zusammen gekommen, wird es wieder von Frank gestohlen.

Soziologisch gesehen, handelt es sich bei der Familie um so genannte „working poor“, die irischstämmig und katholisch sind und in einem heruntergekommenen Viertel wohnen. Eine Gegend, deren Adresse auf Bewerbungen dafür sorgt, dass diese normalerweise im Papierkorb landen.
Die Protagonist*innen sind das, was gerne als ‚bildungsfern‘ bezeichnet wird. Das wird in der Serie durch den Aschenputtel-Faktor ergänzt, weil der älteste Sohn, „Lips“, ein ziemliches Genie ist und die älteste Tochter Beziehungen zu wohlhabenden Männern hat. Bis zur Staffel drei ist die Gesamtsituation aber noch nicht zu einem idyllischen Ende hin aufgelöst worden. Weder hat Fiona den perfekten Partner gefunden, noch hat der Bruder es geschafft mit seine Klugheit dem Armuts-Milieu zu entkommen.
Auch Sexismus, Homosexualität und Homophobie spielen eine größere Rolle, da einer der Brüder schwul ist und nicht geoutet und die Mutter, die dann doch zeitweise wieder auftaucht, lebt zeitweise in einer lesbischen Beziehung.

Hier mal ein kleiner Überblick über die wichtigsten Protagonist*innen:
*** die Familie Gallagher ***
* Frank Gallagher, hat keinen festen Beruf und ist stark alkoholabhängig, aber auch anderen Drogen nicht abgeneigt. Dieser gehört zwar irgendwie auch zur Familie, ist aber ein ziemlich egoistisches Arschloch, was eigentlich nur für sein eigenes Auskommen kämpft. Er schwindelt und betrügt sich durchs Leben, wobei er andere nur ausnutzt. Er bringt auch immer wieder seine Probleme mit ins Haus, z.B. Leute die ihm wegen Schulden auf den Fersen sind.
Unter anderem quartiert er sich bei diversen Personen ein, wenn er von seiner Bio-Familie mal wieder rausgeworfen wurde. Seine egoistische Lebensweise heißt aber nicht, dass Frank sich nicht häufiger mal selbstgerecht empören und entrüsten könnte.
* Fiona Gallagher, die älteste Tochter, versucht dem Rest beide Elternteile zu ersetzen. Durch ihre Rolle als Ernährerin und Chefin der Familie, musste sie abbrechen und hat keinen Schulabschluss. Sie lebt von Gelegenheitsjobs. In einer Folge wird sie von einem Protaginisten abschätzig als „slumgirl“ bezeichnet. Trotz der Probleme in ihrem Leben versucht sie sich auch mal zu amüsieren.
* Phillip Gallagher, genannt „Lip“, das zweitälteste Kind der Gallaghers. Ein Hochbegabter, der
in der ersten Staffel gegen entsprechende Bezahlung für andere Schüler deren Universitäts-Aufnahmetest ablegt. Zudem ein Kleindealer, der aus einem alten Eiswagen heraus zusammen mit Kev u.a. Joints verkauft.
* Ian Gallagher, der drittälteste Sohn und ein nichtgeouteter Schwuler. Ian träumt davon Offizier bei den US-Streitkräften zu werden.
* Debbie Gallagher, das vierte Kind. Sie liebt zumindest bis zur zweiten Staffel unverständlicherweise ihren Vater. Sie organisiert in den Ferien eine Tagesbetreuung für Kleinkinder in der Wohnung der Gallaghers.
* Carl Gallagher, der zweitjüngste der Familie mit einem ausgeprägten Hang zu Waffen und Gewalt. Eine Art Serienmörder im Larvenstadium.
* Liam Gallagher, das jüngste der sechs Kinder und POC. Bei ihm kam als einziger das afroamerikanische Großelternteil der Familie zum Vorschein. Liam wird auch vom TV aufgezogen.

*** Andere ***
* Veronica, Nachbarin der Familie Gallagher und beste Freundin von Fiona. Sie ist clever und mit Kev zusammen. Durch Online-Striptease verdient sie sich ein Zubrot.
* Kevy, genannt „Kev“, Barkeeper und Freund von Monica.
* Steve, Fionas zeitweiliger Freund, der nicht versteht, dass sie keine Geschenke von ihm will. Er stammt aus der Oberschicht und hat sich vor der Wohlstandsverwahrlosung in eine Autodieb-Karriere geflüchtet.

In manchen Folgen ist die Handlung ziemlich abgefahren und crazy und häufig auch ziemlich hart. Da werden Leichen im Vorgarten ausgebuddelt, da wird die Mutter zur Leihmutter gemacht und ein brasilianischer Mafiosi hat auch einen Auftritt.
Ähnlich wie „True Blood“ wird erfreulicherweise die Darstellung von Nacktheit kaum zensiert. Irgendwie kommt einem die Familie und das mit ihr befreundete Paar wie ein Wolfsrudel vor. Ein Wolfsrudel, was zuallererst um sein eigenes Überleben kämpft und dabei nur wenig Rücksicht auf Andere nimmt, weil die Gesellschaft ihnen auch nicht weiterhilft. Sie kämpfen so ziemlich gegen alles: die Eltern, das Jugendamt, die Polizei, die Armut etc.
Die Charaktere werden überzeugend bis herausragend gespielt, besonders der Darsteller von Frank überzeugt.
Eine große Empfehlung! Aber Vorsicht, jede Folge geht knapp 60 Minuten und es gibt bereits fünf Staffeln.