Archiv für November 2015

Rechter Hass auf Hipster

Aufkleber Hipster vom Fahrrad treten
Aufkleber in Dresden, gefunden im November 2015

In korporierten Kreisen kursiert zur Zeit ein „Mensurlied“, also ein Lied zum Fechtritual „schlagender“ Studentenverbindungen, was den Titel „Mensurlied – Wir sind null Prozent Hipster“ trägt. Es handelt sich um den Mitschnitt eines Gitarren-Solo-Stücks mit Gesang, in dem der Sänger seinen linken Gegner*innen vorwirft, diese hätten „keine Eier“ und „keine Waffenehre“, seien also nicht satisfaktionsfähig (zur Mensur zugelassen). Mann sei im Gegensatz zum Hipster kein „Hurensohn, der seinen Mann nicht stehen kann“. Offenbar fungiert hier der schlagende Burschenschafter als eine Art von Anti-Hipster.
Auf Youtube gestellt wurde die Aufnahme von der berüchtigten extrem rechten Burschenschaft Danubia aus München. Auch auf dem neofaschistischen Infoportal „Zentropa“ und von der extrem rechten Burschenschaft Germania Marburg werden Bilder mit einer ähnlichen Botschaft verbreitet.
Hipster-Sein in seiner männlichen Variante – es gibt ja auch weibliche Hipster – scheint mit den klassischen rechten Männlichkeits-Entwürfen nicht ganz konform zu gehen.
Doch wie kann das angehen? Hatten die Medien vor etwa einem halben Jahr nicht das Phänomen des „Nipsters“ (= Nazi + Hipster) entdeckt?
Offenbar stößt die Hipster-Subkultur nicht auf einheitliche Zustimmung in rechten Kreisen. Trotz der starken Bart- und Tattoo-Lastigkeit scheinen bestimmte Aspekte des Hipstertums rechte Männerbilder zu hinterfragen. Vielleicht ist es eine gewisse Emotionalität und Hemdsärmeligkeit, die nur Hipster als zu wenig kämpferisch erscheinen lassen.
Es gibt wohl beides, rechten Hass auf Hipster und einzelne Nazi-Hipster, deren Vorkommen aber wohl von den Medien stark übertrieben wurde.
Der Hass auf Hipster in der rechten Szene ist bisher kein eigenes Feindbild, sondern ein Aspekt des rechten, ultramaskulinen Selbstbildes als Kämpfer, was eine Variante des Heterosexismus darstellt. Männer*, die als Emos, Metros oder eben Hipster identifiziert werden, sind aus ultramaskuliner Perspektive zu verweichlicht und verweiblicht und deswegen keine ‚kernige Kerle‘ mehr.
Psychologisch lässt sich anmerken, dass es vermutlich auch um die Verdrängung eigener ‚weiblicher‘ Anteile geht, die sich in Form einer Außenprojektion gegen als ‚unmännlich‘ eingestufte Männer*-Gruppen und -Subkulturen richtet.