Kinder-Spiegel über den Islam: gut gemeint ist noch lange nicht gut

Der Kinder-Spiegel, ein für ein junges Publikum herausgegeber Ableger des Spiegel-Magazins, im Januar 2016 hat sich dem Thema „Der Islam“ gewidmet. Herausgekommen ist ein Beispiel, dass gut gemeint nicht gut sein muss. Die Autor*innen wollten offenbar ‚den Islam‘ als besonders friedlich und tolerant darstellen. Das führte dazu dass die Autor*innen jegliche Kritik an konservativen oder islamistischen Auslegungen unterließen bzw. diese verniedlichten. Auf dem Titelbild ist dann auch gleich eine Zehn- bis Zwölfjährige mit Kopftuch abgebildet, was streng jegliches Haar und den Hals bedeckt.
Kinder-Spiegel Der Islam
Das ist hochproblematisch, da in diesem Alter wohl eine Beeinflussung durch die Umwelt und nicht eine mündige, individuelle Entscheidung zum Kopftuchtragen führt. Selbst unter konservativen Muslimen sind Kinderkopftücher nicht unumstritten.
Mit der titelbildlichen Darstellung des Islams durch ein Mädchen mit Kopftuch haben die Macher*innen des Magazins liberalen Muslimen einen Bärendienst erwiesen. Denn die vermittelte Botschaft lautet: So sehen Muslimas aus. Die Mehrheit der muslimischen Mädchen in diesem Alter dürfte in Deutschland kein Kopftuch tragen.
Auch im Heftinnern setzt sich der fragwürdige Kurs fest, sehr konservative-orthodoxe Auslegungen des Islams unkritisch darzustellen oder zu rechtfertigen. So heißt es im Abschnitt „FRAUEN IM ISLAM“ zum Thema Kleidung, dass der Koran verlangt, „dass muslimische Frauen sich mit Anstand kleiden müssen“, und ergänzt: „Damit ist klar: sie sollen nicht angebaggert werden.“
Damit wird von dem Autor versucht eine religiöse, also irrationale, Anweisung auf eine rationale Basis zu stellen. Die ist aber im Grunde sexistisch, weil sie die Frauen* verantwortlich macht. Wenn diese nämlich sich entsprechend kleiden, dann werden sie nicht „angebaggert“, womit wohl diverse Formen sexistischen Verhaltens gemeint sind. Im Umkehrschluss führt das ja zu der Aussage, dass nicht nach der religiösen Vorschrift eingekleidete Frauen* selber Schuld sind, wenn sie „angebaggert“ werden. Ursache ist damit nicht etwa der Sexismus der Männer, sondern – mal wieder – das Verhalten der Frauen.
Damit rangiert dieser Artikel im Grunde in einer Reihe mit Richtersprüchen, die die Schuld bei den Miniröcken von Frauen sehen, wenn Minirock-Trägerinnen Opfer von sexualisierten Übergriffen wurden.
Wohlgemerkt, der Artikel scheint offenbar nicht von einem Muslim zu sein. Jedenfalls hat der Verfasser einen biodeutschen Namen. Natürlich kann er trotzdem noch zu der kleinen Gruppe der KonvertitInnen gehören.