Kurzes Manifest der Technik-Minimalist*innen

Dieses kurzes Manifest enthält keine Belehrungen oder Lösungsideen für alle Menschen. Es enthält nur die Erklärung einer Position und Haltung von einzelnen Menschen.
Wir lehnen Technik nicht grundsätzlich ab. Wir sind keine Primitivist*innen und Technik-Feind*innen.
Wir fordern aber das Recht für uns ein in bestimmten Bereichen ‚unmodern‘ zu sein.
Wir begreifen dieses Vorgehen nicht als Allheilmittel, aber als eine individuelle Überlebensstrategie für Einzelpersonen.
Das ist somit KEIN Aufruf zu einem Boykott, es ist die Erklärung und Begründung für einen bestimmten Lebensstil.
Wir schätzen und mögen viele Aspekte des technischen Fortschritts. Krankenwägen, Röntgenmaschinen oder Notruftelefone sind wichtige Fortschritte in der Menschheitsgeschichte gewesen.
Wir nehmen uns aber für uns selbst heraus, uns bestimmte technischen Aspekten der Gegenwart zu verweigern und bestehen vehement auf diesem Recht. Wir bitten allen Anderen das anzuerkennen und Rücksicht darauf zu nehmen, beispielsweise was die eingeschränkte Erreichbarkeit betrifft.
Es kann nicht selbstverständlich davon ausgegangen werden dass jede*r bei Facebook ist, jede*r Internet oder ein Handy hat. Die bewusst getroffenenen technischen Voraussetzungen von Menschen im Westen sind unterschiedlich und müssen daher einzeln erfragt werden. Es kann von nicht automatisch ausgegangen werden. Weder von einem Telefon-Anschluss, noch von einem Internet-Zugang.
Wir sind eine Minderheit, in manchen Bereichen sogar eine winzigkleine.
Wir haben für unsere Teil-Verweigerung rationale Gründe und lehnen esoterische Begründungen ab.
Manche von uns sehen für sich eine Suchtgefahr in der Benutzung moderner Technik.
Andere haben Bedenken in Bezug auf Repressionsanfälligkeit durch einen gut gerüsteten Überwachungsstaat.
Wieder andere sehen sich versuchen, solange sie im real existierenden Kapitalismus leben, eine bewusste Entschleunigung in ihrem Leben vorzunehmen, indem wir auf bestimmte Aspekte von Technik verzichten. Eine Entgrenzung des Arbeitsplatzes und eine ständig eingeforderte Erreich- und Verfügbarkeit durch den Lohnherren ist eine Verschlechterung, die auch eine Folge der kapitalistischen Moderne ist.
Wer was genau für sich was verweigert ist unterschiedlich. Manche von uns bloggen leidenschaftlich, haben aber kein Handy. Andere haben kein Internet, aber ein Handy. Manche haben nur ein Handy, aber kein Smartphone.
Vielleicht haben es einige ausprobiert und sich dann dagegen entschieden, vielleicht haben es einige von Anfang an verweigert.
Es mag selten sein und seltsam erscheinen, aber wir glauben dass wir in bestimmten Bereichen ‚ohne‘ besser leben.