Buchkritik „Anarchie in Ruhrstadt“ von Jörg Albrecht

Anarchie in Ruhrstadt
Das Buch „Anarchie in Ruhrstadt“ von Jörg Albrecht ist unbestritten ein einfallsreicher Roman. Es ist eine Utopie, die 2015 beginnt. Die Regierung zieht sich in diesem Jahr aus dem Ruhrgebiet zurück und die Ruhrstadt mit 10 Millionen Einwohner*innen entsteht. Diese hat kein Zentrum. Eingerichtet wird der „dezentrale Stadtstaat“ vom Komitee der Kreativen. Diese Gruppe von Künstler*innen macht aus Ruhrstadt die „Metropole des Kreativsozialismus“. In jeder Ex-Stadt bzw. jedem der 17 Ruhrstadtteile wird ein Zweig der Kreativindustrie angesiedelt.
So wird Mülheim der Standort für Video-Game-Design, Dortmund ist Standort für Mode, Bottrop für Sport, Essen für Film, Werl für Literatur, Unna für Musik, aus Castrop-Rauxel wird eine Gated Community und aus Oberhausen wird „Trans Town“, ein Wohnort für Trans*personen und in Breckerfeld gibt es sogar ein Ghetto für übrig gebliebene Neonazis.
Es entstehen Exekutive und Legislative wie Ruhrsenat und Ruhrstadt-Polizei. Allen Bewohner*innen steht ein Grundeinkommen zu.
Der Roman spielt 29 Jahre später im Jahr 2044. Die Ruhrstadt hat inzwischen zugelegt, im Jahr 2035 hatte sie 17 Millionen Einwohner*innen. Im Jahr 2044 ist die Ruhrstadt in Auflösung begriffen, die Stadtteile werden wieder zu Städten.

Der Roman hat viel witzige Ideen, beispielsweise gibt es eine schwule boyband namens „Rosa Liebknecht“, und spielt viel mit der Lokalgeschichte des Ruhrgebiets. Der Rahmen ist gut ausgedacht, doch die Geschichte selbst ist wirr und zündet nicht. Deswegen kann das Buch leider nicht zur Lektüre empfohlen werden.

* Jörg Albrecht: Anarchie in Ruhrstadt, 2015.