Archiv für August 2016

Zeitschriftenkritik „an.schläge“

an.schläge
Aus Österreich kommt das feministische Monatsmagazin „an.schläge“. Die aktuelle Ausgabe V/2016 hat den Schwerpunkt Ökologie, im Untertitel heißt es „Wer rettet die Welt?“. So ist im Heft zu erfahren, dass Frauen* vom Klimawandel stärker betroffen sind als Männer, denn „Frauen produzieren weltweit die Hälfte der Nahrungsmittel, besitzen aber nur etwa ein Prozent des Ackerlandes.“ Sie sind also bei einer Verschlechterung des Klimas sehr viel weniger abgesichert als Männer. Eingefordert wird daher im Heft eine Verbindung von Frauenrechten und Klimaschutz, da Frauen – und Kinder – stärker von den Folgen betroffen sind.
Aufrüttelnd ist auch die Rezension von Naomi Kleins Buch „Die Entscheidung. Kapitalismus vs. Klima“, in dem sie eine ökologische Wende in der Wirtschaft einfordert, da sonst verheerende Folgen eintreten würden. Es wird auf jeden Fall langsam knapp.
Auch die „Grüne Rechte“, also rechte Ökos, werden in einem Artikel kritisch beleuchtet.
In einer Diskussion streiten sich in zwei Kommentaren Brigitte Theiße und Ina Freudenschuß über Sinn und Unsinn von Konsumkritik und Bio-Bashing.

Interessant ist auch die Zusammenfassung der 2015 erschienen Studie „Wenn der Mann kein Ernährer mehr ist“ von Cornelia Koppetsch und Sarah Speck. Die beiden Wissenschaftlerinnen haben Hetero-Beziehungen untersucht, in denen Frauen mehr verdienen als Männer*. Sie kommen zu dem Schluss, dass dieser Umstand häufig versucht wird zu kaschieren und das die Hausarbeit nicht gleichmäßig aufgeteilt wird. Auch bei linken Paaren ist der Selbstbetrug über eine angebliche Arbeitsteilung weit verbreitet.

Dazu gibt es auch noch Interviews mit der brasilianischen Feministin Tatiana Roque und Deborah Feldmann. Feldmann ist die Autorin von „Unorthodox“, einem autobiografischen Roman, in dem sie beschreibt, wie sie dem extrem patriarchalen Milieu der jüdischen Ultraorthodoxen in den USA samt ihrer Zwangsverheiratung entkommt und die Freiheit kennen lernt.
Ebenfalls per Interview vorgestellt wird ein in Wien angesetztes „Kapitalismustribunal“.
Das Interview mit Ariel Salleh, einer australischen Soziologin, Marxistin und Ökofeministin, verwirrt ein wenig, da nicht so ganz klar wird, worin eine „unersättliche kapitalistische, patriarchale Ökonomie“ besteht. Ein feministischer Kapitalismus wird ja wohl nicht die Lösung sein. Auch die Empfehlung der „Tamea-Gemeinschaft“ in Portugal als Vorbild ist problematisch. Kritiker*innen bescheinigen der Gruppe sektenähnlichen Charakter und auch ihr Gründer ist mehr als umstritten.

Auch für Leser*innen aus der Bundesrepublik lohnt sich die Lektüre von „an.schläge“, auch wenn der starke Österreich-Bezug und eine gewisse Nähe zu SPÖ-Institutionen ungewohnt sind. Wie jede Publikation finden sich auch bei „an.schläge“ immer wieder kleinere Fehler. So heißen die Nachfahren der indigenen Bevölkerung Indiens Adivasi und wie in einer Kurzmeldung behauptet „Dalits“. Das ist die Bezeichnung der Kastenlosen. Beide Gruppen sind massiver Diskrimierung und struktureller Benachteiligung ausgesetzt.

Mehr unter: www.anschlaege.at