Über den FPÖ-Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer und die blaue Blume im Knopfloch

Der Anfang Dezember erneut in Österreich um das Amt des Bundespräsidenten kandidierende Norbert Hofer trägt so wie andere FPÖ-FunktionärInnen manchmal eine blaue Kornblume im Knopfloch.
Es handelt sich dabei um eine Form der politischen Symbolik, die vor allem Eingeweihten gilt.
Hofer, Norbert blaue Kornblume
Zwar verwendeten auch die Nationalsozialisten die blaue Kornblume als Symbol, doch sie war bereits vor Gründung der NSDAP in Verwendung. Bereits Adolf Hitler schreibt in „Mein Kampf“ von der blauen Kornblume, die er in seiner Jugend trug:

„Auch ich hatte so einst die Möglichkeit, schon in verhältnismäßig früher Jugend am Nationalitätenkampf des alten Österreich teilzunehmen. Für Südmark und Schulverein wurde da gesammelt, durch Kornblumen und schwarz-rot-goldene Farben die Gesinnung betont, mit „Heil“ begrüßt, und statt des Kaiserliedes lieber „Deutschland über alles“ gesungen, trotz Verwarnung und Strafen.“

Auch Stefan Zweig schreibt in seiner Autobiografie „Die Welt von Gestern“ (Frankfurt/Main, 2003) von der Kornblume als Symbol der dritten Partei in Österreich neben SozialdemokratInnen und MonarchistInnen:

„Aber schon tauchte eine dritte Blume auf, die blaue Kornblume, Bismarcks Lieblingsblume und Wahrzeichen der deutschnationalen Partei, die – man verstand es nur damals nicht – eine bewußt revolutionäre war, die mit brutaler Stoßkraft auf die Zerstörung der österreichischen Monarchie zugunsten eines – Hitler vorgeträumten – Großdeutschlands unter preußischer und protestantischer Führung hinarbeitete.“

(Seite 83)
In dieser Form verwendet sie auch die FPÖ, nämlich als Erkennungszeichen der Deutschnationalen. Zwar propagiert die FPÖ vor allem eine Art Österreich-Nationalismus, aber im Kern ist die rechtspopulistische Partei in großen Teilen deutschnational. Dafür sorgen auch die vielen Mitglieder völkischer Verbindungen. Auch Hofer gehört einer deutschnationalen Schülerburschenschaft an.
Der Deutschnationalismus ist aber in Österreich außerhalb der extremen Rechten nicht sonderlich populär und könnte WählerInnen verschrecken. Deswegen wird der Deutschnationalismus nur in einer versteckten Symbolpolitik zum Ausdruck gebracht.