Archiv für Oktober 2016

Buchkritik „Die Töchter Egalias“ von Gerd Brantenberg

Der 1979 von der norwegischen Autorin Gerd Brantenberg verfasste kontrafaktische Roman „Die Töchter Egalias“ ist ein in Vergessenheit geratener Klassiker der Frauenbewegung, dessen Wiederentdeckung sich durchaus lohnt.
Er handelt von einer fiktiven Welt, dem Land Egalien, in dem ein Matriarchat herrscht. Dieses wird von der Autorin aber nicht als Utopie dargestellt, sondern als Dystopie, als eine Form von Geschlechterapartheid. Eigentlich geht es der Autorin darum, mit ihrem Roman dem in der Realität vorherrschenden Patriarchat einen Spiegel vorzuhalten.
Die Töchter egalias
Die Rollenzuweisungen entsprechen in Egalien spiegelverkehrt denen der Realität:

„Es frauschte ein reger Verkehr. Viele Familien wollten aufs Land fahren. In allen Wagen, die Petronius vorüberfahren sah, saß die Frau am Steuer, der Mann auf dem Beifahrersitz und die Kinder hinten. An einem Eckhaus, in dem eine Bank untergebracht war, blieb er stehen. Im Fenster lag eine Broschüre. Auf dem weißen Glanzpapierumschlag stand mit leuchtend blauen Buchstaben: »Eine sichere Zukunft für sie und ihre Familie.« Eine Frau blätterte nachdenklich in den Bankdokumenten, während ein Mann hinter ihr stand, ihr über die Schulter sah und glücklich und zuversichtlich in die Zukunft lächelte. »Sie können ihren Mann und Kinder und auch sich selber durch unser staatliches Darlehen absichern«, hieß es weiter in der Broschüre. Das nächste Bild zeigte dann ein sicheres Eigenheim, das dam sich mit dem sicheren Kredit leisten konnte, und auf einem anderen Bild war die ganze Familie bereits in das sichere Eigenheim gezogen. Die Frau saß, der Mann stand und die Kinder spielten auf dem sicheren Fußboden.“

(Seite 223)
Das große Ziel vieler Männer ist es eine Vaterschaftspatronage mit einer wohlhabenden Frau einzugehen, also deren Kinder zeugen und aufziehen zu dürfen. Doch das „Büro für Vaterschaftsangelegenheiten“ kann den Männern auch ungefragt Kinder zum Aufziehen zuweisen, selbst wenn unklar ist ob sie tatsächlich die Väter sind.
Zwar gebären Frauen auch in Egalien die Kinder, nämlich in einem „Geburtspalast“. Doch nach der Geburt „bekommen“ die Väter die Kinder zum Aufziehen. So hält es eine Gattin auch ihrem Mann vor:

„»[…] Habe ich etwa Zeit für mich? Das Einzige, was mir etwas bedeutet im Leben, ist, für andere dazusein, sonst wäre ich ja ein unwibschlicher Roboter. Ich schufte den ganzen Tag für dich und die Kinder. Und alles, was du dafür machen mußt, ist, daß es für uns hier zu Hause gut geht. Und dann beklagst du dich, daß wir noch ein Kind bekommen werden! Das ist doch die Erfüllung der Natur, lieber Kristoffer. Ich gebäre die Kinder und du empfängst. Schließlich sind es noch immer die Männer, die die Kinder bekommen!«“

(Seite 82-83)
Männer leben daher zu Hause und erledigen einen Hauptteil der Sorgearbeit. Männer werden auch zumeist stark auf ihr Äußeres reduziert:

„Da hatte sie es für nötig gehalten, ihren Mann zurechtzuweisen. »Das Aussehen einer Frau spielt doch keine Rolle«, hatte sie ihm erklärt, »wir sagen nie, sie ist hübsch oder hässlich, wir beurteilen eine Frau nicht nach ihrer Figur, reden nie darüber, ob sie zu dick oder zu dünn ist. Das ist eine natürliche Folge davon, daß Frauen schwanger werden und sich ihr Aussehen verändert. Es wäre absurd Idealmaße für eine Frau zu haben.«“

(Seite 32)
Wobei das vorherrschende Schönheitsritual bei Männern ein anderes ist. Sie müssen dick sein und einen kleinen Penis haben. Das gilt unter Frauen als schön. Haar auf der Brust oder sich lichtendes Kopfhaar gilt dagegen als Makel.
Ihren Bartfrisuren und ihrer Kleidung widmen die Männer Egaliens viel Zeit. Wobei Männer aber keine Hose tragen, da diese nicht mit dem PH harmoniert und es für Männer allgemein als unschicklich gilt Hosen zu tragen.
Analog zum BH bei Frauen in der Realität müssen in Egalien Männer eine PH, einen „Penishalter“ tragen, da ein herumbaumelndes Gemächt als unschicklich gilt, ebenso wie eine nackte Männerbrust oder das Wasserlassen von Männern außerhalb von Toiletten.
Sexistische Übergriffe von Frauen auf Männer sind nicht selten in Egalien und Pornografie ist ebenfalls eine von weiblichen Sexismus dominierte Sphäre.
Männer unterliegen allgemein starken Sittlichkeits-Anforderungen. Frauen dagegen urinieren ungeniert durch eine Hosenklappe und gehen mit freiem Oberkörper umher, wenn ihnen das gefällt:

„Es war ein warmer Herbsttag. Viele Frauen gingen mit freiem Oberkörper spazieren. Ihre Brüste baumelten ihm in allen möglichen Formen entgegen.“

(Seite 222)
Auch die Politik ist von Frauen dominiert. Das Parlament Egalias, die so genannte „Volksburg“, ist nur von weiblichen Abgeordneten, genannt „Volksfrauen“, besetzt.

Die Geschichte des Buches spielt in der fiktiven Stadt Egalsund im „Mutterland“ Egalien. Die wohlhabende Direktorin Rut Brams und ihr Gatte Kristoffer haben zwei Kinder, die Tochter Ba und den Sohn Petronius. Bereits in den Namen – kurze Namen für Frauen/Mädchen und lange Namen für Männer/Jungen – ist der Unterschied angedeutet.
Petronius hinterfragt seine ihm per Geschlecht zugeordnete Rolle und beginnt mit Freunden dagegen aufzubegehren.
Er möchte nämlich Seefrau werden. Wie der Name bereits verrät ein Beruf, der nur Frauen vorbehalten ist. Tatsächlich wird Petronius nach anfänglichen Schwierigkeiten Fischer.
Doch nun will er mehr, er stellt mit anderen Männern die Geschlechterordnung in Frage.
Sie nennen sich „Maskulinisten“ und ihre Organisation „Männerliga“. Hier reden die Männer auch über ihre Sexualität. Beispielsweise über ihr Unwohlsein mit ihrem Körper oder warum sich Männer mittels der Einnahme einer Pille um die Verhütung kümmern müssen. Wenn sie das nicht tun, dann wird das im Buch sogar bestraft.
Unterstützt werden die jungen Männer vom Lehrer „Herrlein Uglemose“, im Buch das männliche Pendant zu der einer ‚alten Jungfer‘. Obwohl er einen Sohn hat, ist Uglemose „unpatroniert“. Er ist ein körperlich schlanker, großer und starker Mann, was in Egalien als unnatürlich gilt. Er beginnt als Lehrer die wissenschaftliche Herleitung der Frauenherrschaft zu hinterfragen und stößt so zu den Maskulinisten.
In deren Reihen finden sich „Fallüstrer“, Homosexuelle, die auch erst ihre sexuellen Identität verstehen müssen. Als sie in die homosexuelle Subkultur Egaliens eintauchen ist auch diese von Frauen dominiert. Eine Anspielung der Autorin auf die Dominanz von schwulen Männern in der LSBTTIQ*-Subkultur und -Bewegung.

Das Buch ist an einigen Stellen etwas holprig bzw. hölzern zu lesen, da es von der Autorin konsequent spiegelbildlich angelegt ist. Da heißt es nicht nur „in Göttins Name“ oder „Jahr nach Donna Klara“, sondern auch „befrauschen“ statt beherrschen oder „Wibschen“ statt Menschen.
Für Menschen mit ein wenig zeithistorischem Wissen ist das Buch voller humorvoller Anspielungen. Natürlich ist die PH-Verbrennung der Männer im Buch eine Anspielung auf die symbolische BH-Verbtrennung durch die Frauenbewegung. Darauf wird im Buch auch explizit angespielt:

„Sie saßen in der »Alten Spielfrauenkneipe« bei einer Flasche Wein und arbeiteten für die große PH-Verbrennungsaktion ein Flugblatt aus. Ihnen fiel alles mögliche ein, was sie aber nicht auf ein Flugblatt schreiben konnten. Immer wieder mußten sie lachen. »Was würden Frauen sagen, wenn wir verlangten, daß sie ihre Brüste in einen Büstenhalter zwängen? Wenn wir sagen, daß sie ohne BH schlaff runterhängen und wenig anziehend wirken?« Sie lachten und prosteten sich zu. Nein, so etwas konnten sie nicht schreiben. Es sollte doch ein seriöses Flugblatt werden.“

(Seite 160)
Für Wissende bietet dieses Buch mehr als nur eine humorvolle Anspielung. Selbst die Unstimmigkeiten zwischen Feministinnen und Linken sind im Buch spiegelbildlich abgebildet. Die Linken in Egalien beziehen sich auf die große Vordenkerin „Matraxia“, also einen weiblichen Marx, deren Anhängerinnen den Schwerpunkt auf Klasse legen. Die alte Frage über die Priorität von Kategorien, Klasse oder Geschlecht, klingt hier an.

Die Lektüre ist ein erkenntnisreicher Ausflug in eine Spiegelwelt. Lesen!

Gerd Brantenberg: Die Töchter Egalias, Berlin, 7. Auflage 1981.

Harry Potter and the cursed child: The new (old) Harry Potter

Harry Potter and the cursed child
The new Harry-Potter-book has the title „The cursed child“ and shows the life of the old Harry Potter. It all starts where it ends in the seventh book. Harry and Ginny are married, Ron and Hermione are married too. It is 2016 and Harry now is 22 years older. He has kids and he failed to manage with one of his three children. Severus Albus is not like his father. Albus became a Slytherin and has his problems with standing in the shadow of his popular father. Albus is the best friend of Scorpius, the only child of Draco Malfoy. But the Gossipmongers whispers that Scorpius is a son Voldermort. Both, Albus and Scorpius, manage to escape from Hogwarts and the struggle for their childs bond the former arch enemys Harry and Malfoy more together than anything could.

The women in the book are very emancipated. Harry works at the ministery of magic and wizardry and Ginny is editor of the Sportspart of the „Daily Prophet“. Rob owns a shop and his wife Hermione is minister of magic and wizardry.
There are two very pro-feminist scenes in the book, which are very cool:

„DRACO
Sorry about your kitchen, Ginny.

GINNY
Oh, it’s not my kitchen. Harry does most of the cooking.“

(page 146)

„RON
Malfoy, you may be all chummy chummy with Harry, and you may have produced a relativly nice child, but you‘ve said some very unfair things to and about my wife …

HERMOINE
And your wife doesn‘t need you fighting her battles for her.“

(page 292)

The story is much about time-traveling and reseting the world. It starts with the Trimagical Tournament 1994/95 and ends in a alternative realitys. For example one, where Hermione never married Ron and is the teacher of defence against the dark arts at Hogwarts. Another alternative reality is a dystopy in which Voldermort became the ruler of the magic world.

It is nice to meet the old friends of the novels again, but this isn‘t a novel. It is a play and it is much more thin than a novel. It is nice that Harry can cry as a old man, but there are too much father-son-issues in the book. Sorry, but the novels are much better than the play. They are the cake and the play is just a little sweet. It leaves the reader hungry.

J.K, Rowling, John Tiffany & Jack Thorne: Harry Potter and the cursed child, 2016.