Comic-Besprechung „Die Präsidentin“ von François Durpaire und Farid Boudjellal

Der Autor François Durpaire und der Zeichner Farid Boudjellal haben mit „Die Präsidentin“ einen Comic vorgelegt, der als Warnung dienen soll.
Im Mai 2017 gewinnt Marine Le Pen vom extrem rechten „Front National“ (FN) knapp den zweiten Wahlgang gegen den amtierenden Präsidenten François Hollande und wird Präsidentin. Innerhalb kürzester Zeit baut Präsidentin Le Pen den Staat um. Übergelaufene Republikaner helfen ihr dabei. So gehen fünf Ressorts im Kabinett an die Republikaner. Das Kabinett hat Ministerien wie das „Ministerium für die Souveränität Frankreichs“.

Frankreich tritt aus der NATO aus und ebenso aus dem Euro. Es schließt die Grenzen und lässt Personen ohne gültigen Aufenthaltsstatus massenhaft abschieben. Hinzu kommt eine „Digitale Diktatur“ von Totalüberwachung, die etabliert wird.
Gegen diese autoritäre Aushöhlung der Demokratie gehen eine die alte Résistance-Veteranin Antoinette Giraud und ihre Enkel auf die Barrikaden. Allerdings schießen sie nicht, sondern sie bloggen gegen den FN. Doch die Schlinge um die digitalen Widerstandskämpfer zieht sich immer mehr zu.
Comic Die Präsidentin nicht reinlassen

Im Comic wird auch auf die Geschichte des „Front National“ und dessen faschistische Wurzeln eingegangen. Es wird der Aufstieg der extrem rechten Partei skizziert, die in den 1990er Jahren die ersten Rathäuser eroberte und bei den Europawahlen 2014 mit 24,86% der Stimmen die größte Partei in Frankreich wurde.

Traurigerweise enthält der dystopische Comic an einer Stelle eine falsche Hoffnung. In ihm ist nämlich Hillary Clinton US-Präsidentin geworden

Das Szenario des Comics basiert auf der Lektüre des FN-Parteiprogramms. Der Schwarz-Weiß-Comic ist dadurch eine realistische Fiktion. Einige der ProtagonistInnen im Comic sind für Leser*innen aus Deutschland unbekannt, was aber den Lesefluss nur unwesentlich stört.

* Francois Durpaire und Farid Boudjellal: Die Präsidentin, Jacoby & Stuart, 160 Seiten, 19,95 Euro