Buchkritik „Kapuzenmänner“ von Frederik Obermaier und Tanjev Schultz

Buch Kapuzenritter
Frederik Obermaier und Tanjev Schultz bereiten in ihrem 2017 erschienenen Buch „Kapuzenmänner“ die Geschichte des Ku-Klux-Klan in Deutschland auf 260 Seiten auf. Das Buch ist auch ein weiteres Stück im NSU-Puzzle.
Die beiden Autoren weisen auf eine fast hundertjährige Geschichte des Klans in Deutschland hin. So gab es die „Kapuzenritter“ erstmals als Import in der Weimarer Republik. Später rekrutierte sich der Klan Mitglieder unter weißen US-Soldaten in den Kasernen Westdeutschlands, die vor allem ihre schwarzen Kameraden drangsalierten. Doch auch für Deutsche entfaltete der Klan Attraktivität. Bereits in den 1980ern gab es beispielsweise Kontakte von David Duke zu Manfred Roeder.
Die beiden Autoren benennen auch klar, dass Klan-Mitglieder auch in Deutschland an Gewalttaten bis hin zum Mord beteiligt waren: An dem Mord an dem wohnungslosen Künstler Günter Schwanneke im August 1992 und an dem Mord an dem Kapitän Gustav Schneeclaus im März 1992. Im letztgenannten Fall waren zwei rechte Skinheads die Täter, von denen einer Mitglied eines US-Klans war.
Gerade in den 1990er Jahre rekrutierten verschiedene Klan-Gruppen unter rechten Skinheads.
Das es nicht zu einem weiteren Toten kam war Zufall. Im Mai 1992 führte Carsten Szczepanski, der spätere V-Mann Piatto, den Beinahe-Lynchmord im Klan-Stil an einem Nigerianer an.

Angenehm ist, dass die Autoren Aussagen bewerten und Zweifel an den Darstellungen und Einschätzungen der Sicherheitsbehörden kenntlich machen. Etwa wenn ein Neonazi sich als Maulheld aufführt. Oder wenn die Behörden die Klan-Strukturen unterschätzen:

„Sie sehen Puzzlestücke: Herford, Essen oder Berlin. Das große Ganze und dass die einzelnen Gruppen damals eng vernetzt sind, übersehen sie.“

(Seite 62)
Sie blasen die Größe des Klans aber auch nicht auf. Es ist in der Geschichte des deutschen Rechtsradikalismus eher ein Nischenthema. Es gab aber über die Jahrzehnte dutzende Gruppen mit zumeist 10 bis 30 Mitgliedern.
Wichtiger ist der Klan aber als Bezugspunkt der Neonazi-Szene:

„Der Klan war und bleibt eine Referenz für die Rassisten des Landes. Durch ihn haben sie ihr kulturelles und ideologisches Repertoire erweitert und Anschluss an eine mächtige amerikanische Bewegung gefunden, ohne deshalb auf die eigenen Traditionslinien und die notorische Bezüge zum Nationalsozialismus verzichten zu müssen.“

(Seite 100)

Doch geringe Größe ist eben nicht gleich ungefährlich, wie die Autoren mehrfach betonen. Um die Geschichte des Klans nachzuzeichnen sind sie tief in die Archive eingetaucht. Dafür gebührt ihnen Dank. Für Interessierte an dem Thema lohnt sich die Lektüre jedenfalls.

Frederik Obermaier und Tanjev Schultz: „Kapuzenmänner. Der Ku-Klux-Klan in Deutschland“, München 2017.


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