„Schwarzbuch AfD“ von Correctiv e.V. und Marcus Bensmann

Schwarzbuch AfD
Inzwischen mehren sich die kritischen Bücher zur AfD. Frisch erschienen ist das „Schwarzbuch AfD“ des journalistischen Recherche-Kollektivs Correctiv e.V. und von Marcus Bensmann, was sich in elf Kapiteln der AfD widmet.
Nach Einleitung und einem Rückblick auf die Geschichte der AfD werden im dritten Kapitel einzelne Programmpunkte kritisch betrachtet. Sie werden geradezu durchexerziert und dann wird ein Fazit gezogen. Das vierte Kapitel widmet sich dem Thema „Die soziale Basis der AfD“. Bei der Frage „Wer wählt die AfD?“ wird darauf verwiesen, dass nur 1/3 der AfD-WählerInnen die AfD aus Überzeugung wählen, der Rest besteht offenbar aus (rechten) Denkzettel-WählerInnen. Dazu passt, dass AfD-WählerInnen am stärksten pessimistisch eingestellt sind.
Mit anschaulichen Diagrammen werden die AfD-AnhängerInnen und ihre Positionen und Einstellungen dargestellt.
Ein Vergleich mit Trump-WählerInnen und Brexit-BefürworterInnen fördert Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu Tage. Etwa dass in allen drei Gruppen im Vergleich von rural (ländlich) und urban (städtisch), Rechte im ländlichen besser abschneiden. Hinzu kommt der Umstand dass Rechte unter Menschen mit geringer und mittlerer Bildung am besten abschnitten. Ebenso ist die Anfälligkeit von IndustriearbeiterInnen auffällig. Das wird im Buch mit einer Angst vor Globalisierung und der damit einher gehenden Deindustrialisierung erklärt. Das wichtigste Mobilisierungsthema der AfD war aber das Feindbild Flüchtling.
Im Kapitel 5 werden „Die Köpfe der AfD“ kurz vorgestellt. Konkret werden kurz die Biografien von Frauke Petry, Björn Höcke, Marcus Pretzell, Jörg Meuthen, Alice Weidel, Alexander Gauland, Beatrix von Storch, Andre Poggenburg, Josef Dörr, Markus Frohnmaier und Hans-Thomas Tillschneider dargestellt. Die Auswahl erscheint ein wenig willkürlich, da mächtige AfD-Landesfürsten wie Armin-Paul Hampel (Niedersachsen), Uwe Jung (Rheinland-Pfalz) oder Petr Bystron (Bayern) ausgelassen wurden. Dem wichtigen Thema „Die Finanziers und Förderer der AfD“ widmet sich das siebte Kapitel, worin u.a. um den parteieigenen Goldshop geht. Im darauf folgenden Artikel geht es um „Rechtsradikalismus, Rassismus, Antisemitismus“. Darauf folgt eine Vorstellung des instututionellen Umfelds, konkret von Pegida, des „Instituts für Staatspolitik“, der „Identitären Bewegung“ und der Reichsbürger. Danach kommt ein knapper Überblick über „Die Medien der Neuen Rechten“, konkret die „Junge Freiheit“, „Compact“, „KenFM“, „PI-News“, „Kopp-Verlag“ und „RT Deutsch“.
Das vorletzte Kapitel führt einen Faktencheck verschiedener AfD-Behauptungen durch und zum Schluss gibt es noch ein Ausblick.

Dafür dass Correctiv sich gerne als tadellos arbeitendes Recherche-Kollektiv darstellt, sind in dem Buch doch ein paar peinliche Fehler zu finden. So hieß die Parteiabspaltung unter Lucke nicht „Alpha“ (Seite 17), sondern ALFA. Der Kongress der europäischen NationalistInnen fand nicht in Konstanz (Seite 74), sondern in Koblenz statt. Die AfD wurde am 6. Februar 2013 im hessischen Oberursel gegründet und nicht an einem 14. April 2013 in Berlin. Ob der Listenplatz von Guido Reil als aussichtsreich (Seite 92-93) bezeichnet werden darf, kann getrost angezweifelt werden. Die Mitgründerin von PEGIDA hieß Kathrin Oerthel und nicht „Kathrin Oerpel“ (Seite 140). Auch stimmt es einfach nicht, wenn im Buch behauptet wird: „Die AfD sagt, dass Afrikaner ein spezielles Vermehrungsverhalten haben, das sich von Europäern unterscheidet.“ Das ist eine rassistische These von Höcke, aber keine Position der AfD. Mit solchen Fehlern macht man sich angreifbar. Auch ist es schlichtweg falsch, wenn von nichtbehinderten Kindern als ‚gesunden Kindern‘ (Seite 208) geschrieben wird. Gesundheit und Behinderung sind zwei unterschiedliche Dinge.
Diese Fehler können zwar alle verschmerzt werden, sind aber nichtsdestotrotz ein wenig peinlich.

Trotzdem bietet das Buch eine gute und aktuelle Einführung in das Thema, die sich besonders für Einsteiger*innen eignet.

Correctiv e.V. / Marcus Bensmann: Schwarzbuch AfD, Essen 2017.


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