Beitrag in Materialien der „Rosa-Luxemburg-Stiftung“ plädiert für „demokratischen Nationalismus“

Der Rechtsruck in Teilen der Gesellschaften Europas treibt auch die parteiförmig organisierte Linke um. Die Linkspartei-nahe „Rosa-Luxemburg-Stiftung“ hat dazu 2015 in ihrer Reihe „Materialien“ das Heft „Rechtspopulismus in Europa. Linke Gegenstrategien“ heraus gegeben.
Die Beiträge darin von verschiedenen Autoren – es scheinen nur Männer* darunter zu sein – sind von unterschiedlicher Art und Qualität. Einige analysieren bestimmte (rechts-)populistische Parteien wie „MoVimento 5“, „Front National“ oder UKIP, andere skizzieren eher Gegenstrategien.
Der Beitrag von Mimmo Porcaro analysiert vor allem die Anti-Establishment-Partei „MoVimento 5“ in Italien. Sein über längere Strecken durchaus lesenswerter Beitrag endet aber mit einem fatalen Plädoyer:

„Aber für die italienische Linke (bzw. für alle politischen Richtungen des Landes) ist es extrem schwierig, sich einem nationalen und sogar nationalistischen Diskurs zu stellen. Auch wenn alle bedeutenden Erfahrungen der Arbeiterbewegung (angefangen bei der Pariser Kommune über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion und der italienischen Resistenza bis zum lateinamerikanischen Sozialismus) mit nationaltypischen Forderungen verknüpft waren, schafft es die italienische Linke nicht, einen solchen Ausblick zu akzeptieren. Dies geschieht sicherlich aufgrund der Erinnerung an die Vergangenheit, sprich der Tragödie des faschistischen Nationalismus. Aber es geschieht vor allem aus verständlicher Angst vor der Zukunft. Doch wenn die Gegenwart unerträglich werden wird, wird auch die Angst vor der Zukunft aufhören und Italien wird sich mit sich selbst auseinandersetzen müssen. Wenn die Linke dann in der Lage sein sollte, einen demokratischen Nationalismus anzubieten, kann sie wieder eine wichtige Rolle im Land spielen. Andernfalls wird tatsächlich der populistische Nationalismus triumphieren, und er wird ein viel hässlicheres Gesicht haben als der aktuelle.“

(Seite 26)
Die Namensgeberin der Stiftung, in der das Heft mit diesem Beitrag erschien, war da vor hundert Jahren schon weiter als der Autor. Überhaupt, was soll das sein, ein „demokratischer Nationalismus“? Durch seine Ausschlusskriterien hat Nationalismus immer einen antidemokratischen Kern, womit dieser Begriff eher unlogisch erscheint.
Bleibt zu hoffen, dass dieses Plädoyer in der Diskussion um die Neuausrichtung der Linken möglichst viel Ablehnung erfährt.


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