Buchkritik „Stephen Bannon“ von Tilman Jens

Bannon-Biografie
In den Medien wurde Stephen Bannon als „Goebbels der Trump-Regierung“ oder „Die rechte Antwort auf Michael Moore“ und von Andrew Breitbart als „Leni Riefenstahl der Tea-Party-Bewegung“ bezeichnet.
Der Journalist Tilman Jens hat dieses mit seinem Buch „Stephen Bannon. Trumps dunkler Einflüsterer“ dieses Jahr eine kritische Biografie des zeitweiligen Trump-Beraters Bannon vorgelegt.
Er zeichnete das Leben von Stephen Kevin Bannon nach. Dieser wurde als Sohn eines Telefonkabelverlegers 1953 in Norfolk in Virginia geboren. Die Familie ist irisch-katholisch.
Jens beschreibt, wie er Navy Seal war und danach als Spezialist für Flottenoperationen im Pentagon arbeitete. Wie er im Anschluss in Harvard studierte und später für die Investmentbank Goldman Sachs, wo er auf die Geschäfte mit Medienunternehmen spezialisiert war, arbeitete. Aus dem Kind aus der unteren Mittelschicht wird ein Banker und Millionär.
Nachdem er genügend Geld verdient hatte, wird Bannon politisch aktiv. Er gründete seine eigene Filmproduktionsfirma und drehte Polit-„Dokumentationen“, etwa eine über die Sarah Palin und den Ex-Präsidenten Ronald Reagan, den er besonders verehrt. Eine andere Doku wendet sich gegen die linke Occupy-Bewegung. Zuvor hatte Bannon sich an einem Rap-Musical versucht. Erfolgreicher ist seine Beteiligung an dem beliebten Onlinegame „Warcraft“.
Die „Dokumentationen“ sind vor allem Propagandastreifen für eine ultrarechte Position. Diese vertritt Bannon auch, nachdem er Chef der Nachrichtenseite „Breitbart News Network“ geworden ist. Mit finanzkräftiger Unterstützung der Koch-Brüder, neoliberale US-Milliardäre, baut er Breitbart zu seiner persönlichen Kampfplattform um. Von Breitbart aus, steuert er gezielte Desinformationskampagnen. Jens benennt Bannons inoffizielle Devise mit „Make America hate again!“
Bannon war bis Mitte November 2016 Chefredakteur von „Breitbart-News“ und wurde August 2016 Wahlkampfchef von Donald Trump. Dafür wurde er belohnt. Er wurde unter Trump zum Stabschef des Weißen Hauses ernannt und hatte bis April 2017 einen Platz im Nationalen Sicherheitsrat, dem Gremium, das alle wichtigen außen- und sicherheitspolitischen Beschlüsse vorbereitet.
Jens stellt Bannon als das eigentliche Machtzentrum der Regierung Trump dar, als eine Art Rasputin Trumps. Doch ist Trump tatsächlich Bannons „Zirkusgaul“, wie Jens es beschreibt? Jens kann seine These nicht schlüssig belegen, sie bleibt eine Mutmaßung.
Besser ist der Autor, wenn er Bannons Ziele skizziert. Bannon will eine Art „konservativer Dschihad“. Dafür setzt er auf den rechten Flügel der Kirche. Bei einem Auftritt bei dem katholischen „Dignitas Humanae Institut“ sagte Bannon:

„Ich denke, die Aufrechten, die Militanten in der Kirche dürfen ihren Glauben nicht nur verkünden. Sie müssen für ihren Glauben kämpfen, in die Schlacht ziehen gegen die Barbarei, die alles ausrotten wird, was wir in den letzten 20000 Jahren ererbt haben.“

Was Jens nicht in seinem Buch erwähnt ist, dass Bannon als Bewunderer von Charles Maurras (1868–1952), einem französischen Royalisten, gilt. Trotzdem heißt das Vorbild Bannons nicht Mussolini, sondern Reagan.
Israel und Juden sind für Bannon nach Jens „Zweckbündnispartner im Krieg gegen den Islam“. Doch Bannon ist selber nicht frei von Antisemitismus. Seine Ex-Frau berichtete, dass er seine Kinder nicht in eine Schule mit hohen Anteil an Juden schicken wollte. Bannon ist vor allem gegen liberale Juden eingestellt.
Jens konstatiert dass Bannon ein Apokalyptiker ist, der gegen das Establishment und die Dekadenz kämpft. Hier liegt die besondere Gefahr von Bannons Einfluss auf Trump, den mächtigsten Mann der Welt.
Das Buch liest sich flott, birgt aber vor allem gehobenes US-Zeitungsleserin-Wissen. Es ist eine gute Zusammenfassung für Interessierte, aber es birgt keine grundlegend neuen Erkenntnisse.

* Tilman Jens: Stephen Bannon. Trumps dunkler Einflüsterer, München 2017


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