Buchkritik „Die stärksten Verbündeten des Westens“ von Stefanie Birkholz

Buch
Letztes Jahr erschien im Konkret-Literaturverlag das Buch „Die stärksten Verbündeten des Westens“ mit dem Untertitel „Der Antibolschewistische Block der Nationen 1946-1996“ von Stefanie Birkholz.
Der „Antibolschewistischer Block der Nationen“ (ABN) wurde 1946 gegründet und hatte seinen Sitz in München. In ihm organisierten sich antikommunistische Emigrantenkreise, die vor 1945 zumeist mit den Deutschen kollaboriert hatten und/oder die selbst eine faschistischen Ideologie vertreten hatten. Häufig hatten diese Gruppen vor 1945 von den Nationalsozialisten unabhängige ethnische Säuberungs- und Vernichtungsprogramme propagiert und umgesetzt. Die Kriegsniederlage spülte viele dieser NationalistInnen und FaschistInnen nach Westeuropa.
Hier wurden sie unter den Vorzeichen des Kalten Krieges von der Bundesrepublik, Großbritannien und den USA bzw. deren Geheimdiensten BND, M16 (bis 1954) und CIA bzw. dessen Vorläufer CIC subventioniert und vor Verfolgung geschützt.
Die Autorin verweist darauf, dass die ABN-Mitgliedsorganisation „Organisation Ukrainischer Nationalisten“ (OUN) in Westdeutschland mit CIC-Hilfe wohl bis zu 100 Personen, u.a. in Displaced-Persons-Lagern in Mittenwald und Regensburg, ermordete. Während es dem US-Geheimdienst CIC um die Ausschaltung von KommunistInnen ging, nutzte die OUN eher die Unterstützung für die Ausschaltung der Konkurrenz im eigenen Lager und von Mitwissern.
Die Hoch-Zeiten des Einflusses des ABN waren in den 1950er und 1960er Jahren und in den 1980er Jahren. Im Jahr 1983 traf Stetzko sogar den US-Präsidenten Ronald Reagan und 1984 hielt er eine Rede vor dem US-Congress.
Der ABN gründete 1967 die „World Anti-Communist League“ (WACL) mit, die u.a. von Franco-Spanien und Taiwan unterstützt wurde.
Im Exil machten sich diese nationalistischen Kreise daran die eigene Geschichte umzuschreiben. Aus faschistischen Bewegungen wurden demokratische Freiheitskämpfer.
Die Autorin schreibt:

„Das Spannungsverhältnis zwischen seinem Profil als Sammelbecken exilierter NS-Kollaborateure und seiner Entwicklung hin zu einem Verbündeten westlicher Antikommunisten prägte den ABN zeit seiner Existenz.“

(Seite 133)
Nach der Wende im Ostblock gelang es ihnen dieses Geschichtsbild und nationalistische Mythen allgemein in ihren Ursprungsländern zu verankern. Die Narrative des Exils wurden teilweise bestimmend. Die Wende selbst dagegen wurde von einheimischen Oppostionsbewegungen getragen, auf sie hatten die rechten Exilkreise anfangs kaum Einfluss.
Die Geschichte von ABN und OUN vollzieht Birkholz auch am Beispiel des OUN-Führungspaares Jareslaw und Slawa Stetzko nach.
Jareslaw Stetzko (1912-1986) war OUN-Mitglied und als solches u.a. 1939 Organisator des OUN-Kongresses, der in Rom, also im faschistischen Italien, stattfand. Mit dem Einmarsch der Deutschen 1941 wurde er vom OUN kurzzeitig zum „Präsident der Ukraine“ ausgerufen. Später kam er als privilegierter Häftling ins KZ und wurde 1944 wieder frei gelassen, um gegen die Sowjets zu kämpfen. Nach Kriegsende amtierte er als Präsident des „Antibolschewistischen Block der Nationen“ und war Präsidiumsmitglied der „World Anti-Communist League“. Zusätzlich war er von 1968 bis zu seinem Tod alleiniger Führer der OUN-B, der wichtigsten ukrainisch-nationalistischen Gruppe im Exil. Seine Frau Jaroslawa bzw. Slawa Stetzko (1920-2003) war seit 1938 OUN-Mitglied und fungierte nach 1945 als Herausgeberin der „ABN-Correspondence“. Seit 1991 war sie OUN-Vorsitzende und zudem ABN-Präsidentin. Sie kehrte nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in die Ukraine zurück und saß für den „Kongress Ukrainischer Nationalisten“ 1997 bis 2003 im Parlament.

Das Buch liest sich für Geschichts-Interessierte schnell und ist eine gute und knappe Einführung in dieses vergessene Kapitel aus der Geschichte der Blockkonfrontation.

Stefanie Birkholz: „Die stärksten Verbündeten des Westens“. Der Antibolschewistische Block der Nationen 1946-1996, Hamburg 2017.


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