Buchkritik „Antifeminismus in Bewegung“

Juliane Lang und Ulrich Peters haben dieses Jahr den Sammelband „Antifeminismus in Bewegung“ über „Aktuelle Debatten um Geschlecht und sexuelle Vielfalt“ herausgegeben.
In der Einführung schreiben die beiden zu den Geschlechterverhältnissen und den Rekurs von AntifeministInnen auf eine angebliche Naturgegebenheit:

„Dass Geschlechterverhältnisse nie »naturgegeben«, sondern immer Ergebnis sozialer Aushandlungen waren, wird von den Protagonist/innen zurückgewiesen – um die sozialromantische Erzählung eines in sich harmonischen Friedens zwischen den Geschlechtern zu verbreiten, der durch moderne Dekadenzen in Form feministischer Politiken der Vielfalt geschlechtlicher, sexueller und familialer Lebensweisen zerstört würde.“

(Seite 15)
Einzelne Kapitel beschäftigen sich mit dem Ideologem vom „Volkstod“, mit dem Magazin COMPACT als „anifeministischen Diskursorgan“, der „‘Lebesschutz‘-Bewegung in Deutschland“ oder dem Thema „Antifeministische und antimuslimische Homofreundlichkeit in der Alternative für Deutschland“. Zum letztgenannten Phänomen heißt es im Buch:

„Homofreundliche Positionen, die in der AfD zu finden sind, zeugen von der Vereinbarkeit unterschiedlicher Positionen mit einer Gesamtpartei, die auf eine rassistische und heteronormative Agenda setzt. Sie sind zu erklären als ein Ausdruck dieses zeitgenössischen Nationalismus. Solange die Akzeptanz Homosexueller den thematischen Schwerpunkten der AfD (Euroskepsis, strenge Zuwanderungspolitik, Geschlechterkonservatismus) nicht widerspricht – ja sie sogar bestätigt – nutzt sie der AfD, um ernst genommen zu werden.“

(Seite 154-155)
Weitere Kapitel beschäftigen sich mit „Antifeministischen Positionen im österreichischen Männerrechtsdiskurs“, „Antifeminismus bei deutschnationalen Burschenschaften“, dem „Verhältnis von Antifeminismus zum Antisemitismus“, der Debatte um geschlechtergerechte Sprache und „Hass-Kampagnen und Silencing im Netz“.
In dem Abschnitte über die „Folgen antifeministischer Diskursinterventionen“ geht es um „Pädagogisches Handeln in Zeiten antifeministischer Organisierungen und Stimmungsmache“, sowie um die „Präventionsarbeit und Beratung männlicher Betroffener sexueller Gewalt unter den Eindrücken antifeministischer Diskurse“.

Ein Schwerpunkt des Bandes liegt auf dem antifemistischen Feindbild ‚Genderismus‘, welches seit dem Sommer 2006 als Kampagne gegen die vermeintliche „Gender-Ideologie“ in Erscheinung tritt.
Antifeminismus ist, so betonen die Autor*innen, eng verbunden mit einem Geschlechterkonservatismus, dessen Aufbrechen bei den Konservativen eine Verfallserzählung und -angst anfacht.
Klar wird auch, dass der Antifemininismus sich modernisiert hat. Er hat kaum mehr ein reines „Zurück an den Herd!“-Programm, sondern tritt moderner und vielfältiger auf. Trotzdem geht er weiterhin von einer Wesenhaftigkeit von Geschlecht aus.
Es wird klar, dass Antifeminismus sich im Auftreten und Inhalt stark ausdifferenziert hat. Der starke Österreich-Fokus mehrerer Beiträge könnte für Leser*innen aus Deutschland diese Kapitel möglicherweise nicht so interessant machen.
Auch als Einstiegslektüre ist das Buch auf Grund seines analytischen Tiefgangs und seines Anspruchs eher ungeeignet. Für mit dem Thema Vertraute ist der Band dagegen eine wichtige und aktuelle Ergänzung zum Thema.
Insgesamt ist das Buch ein Sammelband mit lehrreicher Lektüre, die den derzeitigen Wissensstand zum Thema Antifeminismus wieder gibt.

Juliane Lang, Ulrich Peters (Hg.): Antifeminismus in Bewegung. Aktuelle Debatten um Geschlecht und sexuelle Vielfalt, Hamburg 2018.


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