Buchkritik „Rot“ von Uwe Timm

Rot von Uwe Timm
Im Jahr 2001 erschien der Roman „Rot“ von Uwe Timm. In diesem schildert er wie ein alt gewordener Revoluzzer, ein Alt-68er eine Affäre mit einer jüngeren Frau, Iris, eingeht. Dieser Thomas Linde, Jahrgang 1945, wird durch seine Beziehung zu der jüngeren Frau zur Selbstreflexion gezwungen. Ebenso durch das Auftauchen eines ehemaligen Genossen namens Aschenberger. Dieser ist tot, spielt aber im Buch eine wichtige Rolle, da Linde den Nekrolog auf ihn halten soll. Denn er ist von Beruf Beerdigungsredner. Stellenweise wird auch klar dass größere Teile des Buches eigentlich eine Ansprache ans Trauerpublikum sind.
Aschenberger und Lindes Leben stehen für zwei unterschiedliche Wege. Aschenberger ist seinen alten Idealen bis zuletzt treu geblieben, wirkte aber aus Lindes Sich dadurch versteinert. Linde dagegen hat wie viele andere ehemalige Genoss*innen sich ins Bürgertum integriert. Das Motto lautet gewissermaßen ‚Rotwein statt Revolution‘! Man ist vom Kommunismus zum Konsumismus konvertiert:

„[…] ballt nicht mehr die Faust in der Tasche, sammelt keine Eisenmuttern mehr, um damit die Scheiben der Bank einzuwerfen, nein, er hat dieses Haus geklauft – habe ich geklauft gesagt? – mit einem Bausparvertrag von eben dieser Bank, deren Scheiben er vor dreißig Jahren eingeworfen hat […].“

(Seite 289)
Diese Veränderung verlief schrittchenweise:

„Die Trägheit der Herzen, die Feigheit bei den kleinen Entscheidungen im Alltag, das erlaubt den Mächtigen, mächtiger zu werden.“

(Seite 279)
Linde befindet sich, verstärkt durch seine Beschäftigung mit Aschenberger, in einer Midlife Crisis. Das seine Geliebte einen Mann hat, der nichts von der Affäre weiß, macht sein Leben nicht eben einfacher.

Älter heterosexuelle Schriftsteller scheinen eine starke Vorliebe für Geschichten von älteren Männern mit jungen Geliebten zu haben. Ihre Bücher dienen ihnen als Projektionsfläche ihrer Wünsche. So auch bei Uwe Timm. Das ist für sich genommen noch nicht schlimm, auch wenn einen diese Altersgeilheit manchmal anödet. Leider sind die Frauenfiguren dadurch eher eindimensional und werden vor allem nur als verführerisch beschrieben. Auch bei Timm sind die Frauen vor allem Lustobjekte, die vor allem über ihr Aussehen eingeführt werden. Vielleicht ist das auch ehrlich, weil sie aus der Sicht eines älteren Mannes beschrieben werden. Es wäre jedoch nett ihnen ein wenig mehr Handlungsfähigkeit und Charakter zu verleihen.
Insgesamt ist „Rot“ gut geschrieben und liest sich schnell und flüssig. Kann man lesen, muss man aber nicht.

Uwe Timm: Rot, München 5. Auflage 2005.


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