Kurzrezension „Allesfresser“ von Christine Lehmann

Der Krimi „Allesfresser“ stammt aus der Feder von Christine Lehmann und erschien 2016.
Krimi
Er spielt im Großraum Stuttgart und Hauptprotagonistin ist Lisa Nerz, die im Auftrag ihres Partners Dr. Richard Weber, einem Oberstaatsanwalt, ermittelt. Ein vom Veganismus zum Fleischessen übergelaufener Starkoch ist verschwunden und es wird befürchtet das seine Einzelteile in den Fleischhandel gelangt sein könnten. Um dem nachzugehen und die Betreiberin eines veganen Blogs ausfindig zu machen, die über Insiderin-Infos zu verfügen scheint, begibt sich undercover in die Szene der Polit-Veganer*innen.
Dieses setting verspricht Witz und Spaß, leider enttäuscht die Autorin den/die Leser*in. Sätze wie der Folgende haben eher Seltenheitswert:

„Tofu und Ahornsirup marschieren durch die Instanzen. Manager schreiben Kochbücher und predigen die Erlösung durch Gemüse. Der Messias ist eine Möhre.“

(Seite 19)

Die Polit-Veganer*innen, die sich selbst als Antispeziesist*innen bezeichnen, werden von der Autorin überaus holzschnittartig beschrieben. Allerlei Vegan-Klischees werden wiedergekäut.
Lehmann scheint der Überzeugung zu sein, es gäbe keine Veganer*innen, die sich ausgewogen ernähren könnten. Veganismus mache „krank und depressiv“ und verursache Blähungen, wie sie suggeriert. Die langen Absätze über Veganismus und Speziesismus wirken gestelzt, weil da viel schwadroniert und das als Dialog getarnt wird.
Vieles wirkt unglaubwürdig oder ist unlogisch. So wird z.B. eine grammatisch korrekte Internet-Kommunikation wiedergegeben, die dadurch nur wenig authentisch wirkt.
Es ist im Buch auch nicht so wirklich überzeugend warum die offenbar bisexuelle Lisa Nerz am Ende den Staatsanwalt heiratet.
Unglaubwürdig wirkt auch wie schnell Nerz es schafft zu den illegalen Tierbefreiungen vorzustoßen. Einmal am Stand mit geholfen, dann schon in der Nacht darauf Tierbefreierin. Das ist hochgradig unsinnig.
Zudem um begeht das Buch den häufigen Fehler in Fortsetzungsreihen indem die Hauptprotagonistin nicht nochmal eingeführt wird. So bleibt für die/den Neuleser*in Lisa Nerz sehr blass und unbekannt. Es wird offenbar davon ausgegangen dass man sie von früheren Büchern schon kennt.

Leider keine Leseempfehlung. Schade, in der Story wäre Potenzial gewesen.

Christine Lehmann: Allesfresser, Hamburg 2016.


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